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Nr. 187.
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Donnerstag den 12. August
1886.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Es ist seit Inkrafttreten der Bauordnung vom 1. Juli 1885 vorgekommen, daß Bauten in Benutzung genommen worden sind, bevor die zweite Abnahme (Schlußabnahme) stattgefunden hat. Ich mache deshalb aus den § 90 der Bauordnung aufmerksam, nach welchem vor Benutzung der Bauten die zweite Abnahme unter Beifügung des Rohbau-Abnahme- Attestes zu beantragen ist, aufmerksam.
Formulare zu diesen Anträgen sind in der hiesigen Waisenhausdruckerei zu haben.
Hanau am 10. August 1886.
Der Königliche Landrath
P. 3576 Gf. Bismarck.
Die Herren Bürgermeister werden hierdurch im Anschluß an meine Verfügung vom 21. Januar cr. V 442 (Kreisblatt Nr. 24) an die als- baldige Einreichung der Nachweisungen über die zur Zwangsvollstreckung überwiesenen Posten an Communalsteuer und Schulgeld pro II. Quartal 1886/87 erinnert.
Hanau am 12, August 1886.
Der Königliche Landrath
V. 5588 Gf. Bismarck.
Zugelaufen: Ein junges Huhn.
Hanau am 12. August 1886.
Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesscha«.
— Der „R. u. St.-A." Nr. 187 veröffentlicht: Verordnung, betr. die Zuständigkeit der Verwaltungsgerichte und den Jnstanzenzug für Streitigkeiten, welche nach reichsgesetzlicher Vorschrift im Verwaltungsstreitverfahren zu entscheiden sind.
— Berlin, 11. Aug. Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs den bisherigen Kaiserlichen Konsul Kempermann in Manila unter Verleihung des Charakters als General - Konsul zum Konsul des Reichs in Söul für Korea zu ernennen geruht. — Dem Kaiserlichen Konsul Zäringer in Volo ist auf seinen Antrag die Entlaffung aus dem Reichsdienst ertheilt worden.
— Berlin, 10. August. (K. Z.) Herr v. Giers, der gestern Abend hier angekommen ist, wurde am Bahnhöfe von den Mitgliedern der russischen Botschaft und dem Unterstaatssecretär des Auswärtigen Amtes Grafen Berchem empfangen; er begab sich sodann nach der russischen Botschaft, wo ihm Graf Berchem im Laufe des Abends einen Besuch ab- stattete, den der russische Minister und Graf Schuwalow heute früh aus dem Auswärtigen Amt erwiderten. Zur Abreise des Herrn v. Giers, die heute um 2 Uhr hier stattfand, waren dieselben Herren wieder erschienen, die ihn bei feiner Ankunft begrüßt hatten. Herr v. Giers schritt durch die kaiserlichen Wartesäle, die für ihn geöffnet worden waren, und nahm in dem Salonwagen Platz, der ihm wie alljährlich zu seiner Reise durch Deutschland seitens der Regierung zur Verfügung gestellt worden ist. Uebermorgen Donnerstag wird in Karlsbad die Trauung der Tochter des Herrn von Giers mit dem rumänischen Legationssecretär Rosetti stattfinden.
— Berlin, 10. August. Das Abgeordnetenhaus am Dönhofs- platz wird gegenwärtig, wie bereits berichtet, in verschiedenen Theilen einem Umbau unterzogen. Die Arbeiten sind sehr umfassend und verursachen erhebliche Kosten; man nimmt indessen an, daß die jetzigen Verbesserungen ausreichen werden, das Gebäude so lange in Stand zu halten, bis das gegenwärtige Reichstagsgebäude am anderen Ende der Leipzigerstraße für die preußische Volksvertretung frei werden wird, denn es ist nunmehr wohl als entschieden zu betrachten, daß die letztere nach der Fertigstellung des neuen Reichstagsgebäudes in das nach jeder Richtung geeignete bisherige Heim des Reichstages übersiedeln wird.
— Wucherer, welche die bittere Noth armer Leute unbarmherzig ausbeuten, müssen auch erfahren, was weh thut. So wurde eine Trödlerin in Berlin, die von ihren Kunden 100 pCt und mehr nahm, zu 1 Jahr Gefängniß und 500 Mk. Geldstrafe verurtheilt. Und wenn sie rückfällig wird, flutscht es noch besser; denn die Gerichte fangen mit Strafen klein an und hören groß auf, wenn auch sehr selten zu groß. (Dfz.)
— Der Dampfer „Roma" mit der abgelösten Besatzung von S. M.
S. „Bismarck" und S. M. Kreuzer „Nautilus" hat am 10. August cr. von Hongkong die Heimreise angetreten.
— Die deutschen Reichs - Postdampfer der ostasiatischen sowie der australischen Hauptlinie werden bis auf Weiteres sowohl auf der Ausreise als auf der Rückreise auch in Southampton anlegen.
— Aachen, 10. August. Bei einer hiesigen Königl. Lasse ist am Samstag ein falscher Hundertmarkschein angehalten worden; leider gelang es nicht, den Einzahler zu entdecken. Das geschickt nachgebildete Falsicat läßt sich am leichtesten dadurch als solches erkennen, daß die auf den Scheinen in Rothdruck ausgeführte Nummer auf den echten Scheinen nicht abfärbt, während es bei dem Falsicate genügt, mit den befeuchteten Finger über die Nummer zu fahren, um die Farbe zu verwischen. Bei dieser Gelegenheit erscheint die Mittheilung angebracht, zumal im Grenzbezirk viel französisches Geld im Umlauf ist, daß seit kurzem in Brüssel falsche Zweifrancstücke in großer Zahl zur Verausgabung gelangen. Dieselben sind aus versilbertem Kupfer gefertigt, vorzüglich geprägt und tragen das Bildniß Napoleons III mit der Jahreszahl 1868. Der Klang ist dem echten Stücke sehr ähnlich, sodaß die Unterscheidung ziemlich erschwert wird.
— Die Nachricht von dem Selbstmord des wegen Landesver- raths verhafteten Redakteurs P r o h l ist, wie man dem „Franks. Journ." aus Kiel schreibt, durch eine amtliche Benachrichtigung des Berliner Untersuchungsrichters an das Kieler Gericht bestätigt worden. Prohl hatte bereits nach seiner Verhaftung im Kieler Gericht einen Selbstmordversuch gemacht. Die Voruntersuchung gegen Prohl war angeblich geschlossen und wurde erwartet, daß im Oktober die Hauptverhandlung wider ihn anberaumt werden würde. Da auch sein angeblicher Schuldgenosse, der Obermaschinenmeister Schwarz, im Berliner Gefängniß gestorben ist, so hat sich über das erwartete Nachspiel zum Sarauw-Prozeß ein dichter Schleier gebreitet.
— Die erste höhere Schule in Kamerun errichtet ein Dr. Salge, ein Gymnasiallehrer aus Hannover. Er hat sich auf zwei Jahre dazu verpflichtet.
— Die deutschen Fechtvereine haben die Freude, ein zweites Reichswaisenhaus begründet zu haben, das erste in Lahr, das zweite in Schwa- bach. Dieses wird am 22. August eröffnet. Hausvater wird ein protestantischer Schullehrer aus Oberfranken.
— München, 11. Aug. (K. Z.) Künstlerkreise versichern, Fritz August Kaulbach sei zum Nachfolger Pilotys im Akademie-Direktorium vorgeschlagen.
— Karlsruhe, 11. Aug. Gestern Abends gegen 11 Uhr, als der Pforzheimer Zug in den Bahnhof einfuhr, war der 19 Jahre alte Postgehilfe Eduard Schell von Höpfingen noch im Begriff, über die Geleise zu springen, als er von der Lokomotive erfaßt, zu Boden geworfen und ihm durch das Rad fast der Kopf vom Rumpfe geschnitten wurde. Der Zugführer soll dem Unglückllichen noch warnend zugerufen, dieser aber doch den Sprung gewagt, also das Unglück selbst verschuldet haben. (B. Ldsz.)
— In Gera wurde ein Arbeiter zu 2 Jahren Gefängniß, 5 Jahren Ehrenverlust und Tragung der Kosten verurtheilt, weil er einem Gastwirth Obstbäumchen und Ziersträucher im Werthe von 112 Mk. abgebrochen resp, herausgerissen hatte.
— Auf dem Gute Thalwitz bei Eilenburg wurde ein Dienstmädchen von einem Bullen todtgetreten.
— Wien, 10. August. Der Kriegsminister Graf Bylandt hat nenerlich Anlaß genommen, die Bestimmungen der Jnstruction über die Truppenschulen des Heeres, betreffend die Kenntniß der deutschen Sprache seitens der Aspiranten für Reserve-Ossizier-Stellen, sämmtlichen PrüfungsKommissionen für Reserve-Ossiziers-Aspiranten mit einem Erlasse vom 22. Juli d. I. ins Gedächtniß zurückzurufen. Den Anlaß hierzu bot die immer mehr zutage tretende Unkenntniß der deutschen Sprache bei zahlreichen Einjahrig-Freiwilligen. Man erinnert sich wohl noch der Entrüstung, welcher von czechischer Seite Ausdruck gegeben wurde, als der Reichs-Kriegsminister im Vorjahre in der Delegation der patriotischen Besorgniß Ausdruck gab, daß bei den in vielen Kronländern sich kundgebenden Bemühungen, die Schulen nach nationalen Prinzipien einzurichten, die Kenntniß der deutschen Sprache in der Armee abnehmen müsse. Wie die Klagerufe der letzten Tage von der Präger Universität in gleicher Richtung