— Die „K. Z." schreibt: Für den 15. August sind alle Prinzen des Hauses Bonaparte und die hervorragendsten Vertreter der bonapar- tistischen Sache zu einer Versammlung auf Schloß Prangins, dem schweizerischen Landsitz des Prinzen Napoleon, zusammenberufen worden, um eine Wiedervereinigung aller Bruchtheile der bonapartistischen Partei zustande zu bringen. Der Plan darf jedoch von vornherein als gescheitert betrachtet werden, da Prinz Victor, der älteste Sohn des Prinzen Napoleon, die Einladung abgelehnt hat mit dem Bemerken, er sei der einzige rechtmäßige Thronfolger und er verlange als solcher bedingungslose Unterwerfung.
— Die Veröffentlichung der Briefe Boulangers beschäftigt lebhaft die hiesigen Regierungskreise, besonders wegen der Stellung des Generals zur Armee. Der Kriegsminister hat seinen Amtsgenossen mitgetheilt, er sei bereit, zurückzutreten; vor der Rückkehr Freycinets wird indessen nichts entschieden werden. (Str. P.)
— London, 5. August. In einem Schreiben Gladstones sagt derselbe, infolge der großen Ermattung durch die Arbeit während der letzten sechs Jahre sehe er sich gezwungen, einige Ruhe, entweder in England oder im Auslande zu suchen; er benachrichtige also die mit ihm korrespondirenden Persönlichkeiten, daß er die ihm zugehenden Briefe nicht selbst beantworten werde.
— Belgrad, 5. August. Die Skuptschtina nahm die Gesetzentwürfe, betreffend die Deckung der provisorischen Staatsschuld von 20 Millionen, die Einführung des Regals auf Petroleum und Zündhütchen und Aufhebung des bisherigen Ausfuhrzolles auf Wein und Branntwein an.
— Petersb erg, 2. Aug. Katkows Moskowskija Wjedomosti bringt einen langen Artikel über das Verhältniß Rußlands zu Deutschland. Katkow hält die Besuche des Herrn v. Giers beim Fürsten Bis- marck für ganz unnöthig und sogar für erniedrigend. Bismarcks Hand laste schwer auf Europa. Deutschland sei der russischen Freundschaft ebenso bedürftig wie umgekehrt; Deutschland habe Rußland die Erfolge von 1870 zu danken. Rußland brauche nur wieder frei in seinen Entschlüssen zu sein und mit dem Uebergewicht Deutschlands sei es vorbei. Rußland bedürfe keiner derartigen Bündnisse; es habe keine Verpflichtung, den europäischen Frieden, sondern nur den eigenen zu sichern Von dem europäischen Friedensbündnisse seien nur noch Ränke und Treibereien gegen Rußland übrig, welches nur Schaden durch den Bund erfahren habe. Sogar in der Wirthschaftspolitik sei Rußland unter dem Namen der Freundschaft geschädigt worden. Rußland könne nicht länger ohne sich selbst zu schädigen in der jetzigen Lage bleiben; es müsse in jeder Beziehung unabhängig sein. Nur derjenige könne Rußlands Verbündeter sein, der auf dessen Interesse eingiuge. Es solle hiermit nicht gerade der Wunsch nach einem französssch-russischen Bündniß angedeutet sein; doch könne man zu Frankreich ebensolche Beziehungen pflegen wie zu Deutschland. Wenn Rußland auch keine Sonderbündnisse wolle, so halte es doch natürlich für wunschenswerth, daß etwanigenfalls sein Gegner noch andere Gegner habe. (K. Z.)
— Petersburg, 4. Aug. (K. Z.) Die Nowoje Wrema bringt einen scharfen Artikel über die Anwesenheit einiger preußischen Generalstabsoffiziere, die sich bei Moskau aufhalten, um russisch zu lernen. Sie verlangt die Ausweisung derselben.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Hanau, den f. August 1886,
— (Briefsendungen.) Briefe mit deklarirtem Werthe sind gegenwärtig zulässig: a. in unbeschränktem Umfange nach Dänemark nebst Kolonien, Griechenland, Helgoland, Montenegro, Norwegen, Oesterreich- Ungarn, Rußland, Schweden und der Schweiz; b. bis zum Werthvetrage von 8000 Mk. (10 000 Francs, event. 5000 Gulden, 40 000 Piaster) nach Belgien, Bulgarien, Frankreich nebst Kolonien, Italien, Luxemburg, Niederland, Portugal nebst Kolonien, Rumänien, Serbien, Spanien und der Türkei. Im Allgemeinen dürfen die Briefe nur Papiergeld (Papierwerthe) enthalten; Geldstücke beizufügen, ist nach Dänemark, Griechenland, Montenegro, Oesterreich-Ungarn zulässig. Da das Porto sich wesentlich nach dem Gewichte des Briefes (je 15 Gramm = 20 Pfg.) richtet, so empfiehlt sich die sorgfältigste Oekonomie. Der Dauer des Transports rc. entsprechend ist die Verwendung feinsten Siegellacks erforderlich. Alle Werthbriefe im Weltpostverein müssen vom Absender frankirt, nur nach Oesterreich-Ungarn können auch unfrankirte Geldbriefe befördert werden. Beachtenswerth ist bezüglich der Werthbriese die Vergünstigung, über die erfolgte Aushändigung derselben an den Adressaten einen Rückschein (mit Quittung des Empfängers) verlangen zu können. Die Sondergebühr dafür beträgt nur 20 Pfg.; der Versender hat mit aller Beschleunigung den sicheren Belag über die erfolgte Ausantwortung des Werthbriefes in den Händen.
— (Viehmärkte.) Wie bereits erwähnt, muß der erste, am 2 4. d. M. dahier abzuhaltende Vieh markt zeigen, ob sich Hanau für Abhaltung solcher Märkte eignet; wir glauben es entschieden bejahen zu können. Als ein recht günstiges Zeichen darf es gelten, daß schon zu
diesem ersten Markte Handelsleute von Bedeutung sich bereits angemeldet haben: so führen die Herren Gebr. Meininger von Göttingen 62 friesländifche Kühe und die Herrn Gebrüder Kauf, wann von Gambach 6 0 Mastrinder demselben zu. Es sind dies bereits 122 Stück, welche allein von zwei Firmen eingebracht werden und steht somit eine reiche Beschickung des Marktes und demzufolge ein lebhafter Verkehr zu erwarten.
— (Kunst.) In dem am Hause Langstraße Nr. 86 ausgehängten Schmuckkasten des Herrn Carl Nicolaus, Cameen - Schneiderei, findet sich eine Muschel ausgestellt, auf welcher das Bildniß unseres Reichskanzlers in wahrhaft künstlerischer Weise eingeschnitten ist. Wir verfehlen nicht Kunstfreunde hierauf aufmerksam zu machen.
— (Verhaftet.) Ein Bäckerlehrling, welcher seinem Meister Kundengelder unterschlagen und Wecke gestohlen, nach Bekanntwerden seiner Schwindeleien aber flüchtig gegangen war, wurde heute Morgen erwischt und in Haft gebracht.
— (Hundstagshitze.) Wenn es so fortgeht, dann rathen wir schleunigst die Oefen in Stand zu setzen; heute Morgen gegen V26 Uhr zeigte das Thermometer kaum + 7° R.
— (Wetterbild.) Ein s. g. Chamäleon-Wetterbild (W. Rückert's deutsches Reichspatent Nr. 28520) ist zu gefl. Ansicht für Interessenten in unserem Redaktionszimmer aufgehängt. Je nachdem das Bild blühende Farben, Farbenveränderung zeigt, in Mitteltönen oder verblaßt erscheint, ist trockene Witterung, Regen, veränderliches Wetter oder auch Gewitter zu gewärtigen. — Die Bilder können von Herrn F. Schmidt, Nürn- bergerstraße 17, bezogen werden.
— Für heute. Technischer Club: Abends V29 Uhr Zusammen- kunft in der „Allemania". — Abends 9 Uhr: Männerabtheilung der Turngemeinde: Turnen.
Auszug aus dem Centr al-Handelsregister.
(Löschungen bei Königl. Amtsgericht, Abth. I, zu Hanau.)
Im Handelsregister sind folgende Firmen gelöscht worden: 1) unter Nr. 295 die Firma „A. Schulhaus", 2) unter Nr. 225 die Firma „Joseph Lorsch", 3) unter Nr. 399 die Firma „Christian Arnsperger", 4) unter Nr. 605 die Firma „E. Eifländer", 5) unter Nr. 240 die Firma „Susanne Bier", 6) unter Nr. 488 die Firma „H. Klingenstein",
7) unter Nr. 45 die Firma „Karl August König", sämmtlich in Hanau.
— Flieden, 2. Aug. Gestern Abend kam mit dem fahrplanmäßigen 6-Uhrzug ein in Frankfurt verheiratheter Mann hier an, um seinen Vater zu besuchen. Doch bevor er Tags darauf sein Vorhaben ausführte, kehrte er erst in der Wirthschaft „Zum gr. Baum" ein und trank einige Glas Bier. Unterdessen hatte aber der Vater Kenntniß von der Ankunft; seines Sohnes erhalten und als derselbe nicht vorsprach, ging er ihn auf- ; suchen. Nach einigem Hin- und Hersuchen fand man am Ufer der Fliede : Kleidungsstücke und endlich im Wasser selbst die Leiche des gesuchten, ge- ; fundenen und zugleich auch wieder verloren Sohnes. Der Schmerz des Vaters läßt sich kaum beschreiben. Der Ertrunkene war, da er sich zuvor der übrigen Kleider entledigt hatte, nur mit der Hose bekleidet. In derselben fand man einen Baarbestand von ca. 500 Mk. vor, nebst einem Zettel, auf welchem vermerkt war, daß in seinem Koffer noch mehr Geld vorhanden sei. Aus welcher Ursache der Verlebte den Tod gesucht und gefunden, ist noch unklar. Kurz nach der That traf auch eine Recog- noscirungsdepesche von seiner Frau aus Frankfurt ein. (F. T.)
— Frankfurt, 5. August. Unser Kronprinz ist heute Nacht, kurz nach 1 Uhr mit dem Extrazuge von Heidelberg hier eingetroffen und hat im „Frankfurter Hof" übernachtet. Mit dem Schnellzuge 9 Uhr 45 Min. ist der hohe Herr nach Eltville resp. Schlangenbad zum Besuche der Kaiserin gefahren, von wo er heute Abend um 6 Uhr 45 Wm. ■ hier ankommen wird, um mit dem Schnellzuge 7 Uhr 45 Min. vom Main-Neckar-Bahnhofe über Bebra nach Berlin weiter zu reisen. — Trotz- dem viele mit dem Immobilien-Geschäfte in Verbindung stehende hiesige Einwohner im verwichenen Monat Juli sich in der Sommerfrische befanden, wurden doch 10 im Monat Juni schon entrirte Geschäfte zum Abschluß gebracht. Die 10 Piecen wurden zu M. 1,028,976 verkauft Nachdem der Hypothekenzinsfuß auf 4 bez. 4pCt. zurückgegangen, fängt auch die Rente aus den Miethshäusern sich zu bessern an. (G. A.)
— Frankfurt, 6. August. Eine Frau, welche vorgestern Abend das Theater besuchen wollte, ließ sich frisiren. Während dieser Mani- pulation fühlte sie sich plötzlich unwohl und bat die Friseuse Hinunterzu- ' gehen und ihren Mann zu holen. „Gleich, Madame, ich habe nur noch eine Locke zu brennen", erwiderte die Haarkünstlerin. Nachdem auch die letzte Locke hergestellt war, begab sich die Friseuse in das Parterre und benachrichtigte den Gatten der Hausfrau, daß diese unwohl sei. Als sie in dessen Begleitung wieder das Boudoir der Dame betrat, fanden sie dieselbe, auf dem Stuhle sitzend, als Leiche vor. Ein Schlaganfall hatte ihrem Leben ein jähes Ende gemacht. — Ecke des Roßmarktes war gestern Abend ein großer Menschenauflauf. Im Laden von Perry befand sich der deutsche Kronprinz, der beim Verlassen des Ladens mit wiederholtem Hoch begrüßt wurde. (F. N.)
— Offenbach, 5. August. In der Wohnung des Herrn Geh.-