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Nr. 182.
Freitag den 6. August
1886.
Amtliches.
Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.
Das von der Königlich sächsischen Kreishauptmannschaft zu Zwickau unter dem 29. Mai d. J. erlassene Verbot der Druckschrift:
„Nürnberg im März 1886. Die vereinigten Schuhmacher Deutschlands entbieten allen Kollegen, die dieses Blatt empfangen, den besten Gruß!" ist durch Entscheidung der Reichskommission aufgehoben worden.
Berlin den 19. Juli 1886.
Die Reichskommission. Herrsurth.
Auf Grund des §. 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das 4 Seiten umfassende Flugblatt mit der Ueberschrift:
„Die Befreiung der arbeitenden Volksklassen aus dem Joche der Lohnsklaverei." Druck von C. Conzett, Zürich, nach §. 11 des gedachten Gesetzes durch den Unterzeichneten von Landespolizeiwegen verboten worden ist.
Berlin den 20. Juli 1886.
Der Königliche Polizei-Präsident.
von Richthofen.
Auf Grund des §.11 des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878 gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie ist die Nr. 172 von 1886 des „Offenbacher Tageblatts", Organ für öffentliches Leben, locale und provinzielle Angelegenheiten", sowie weiter die Nr. 89 von 1886 desselben Blattes verboten und zugleich das fernere Erscheinen des gedachten Blattes, welches bisher von Max Iahn dahier verlegt wurde, untersagt worden.
Offenbach den 27. Juli 1886.
Das Großherzogliche Kreisamt Offenbach.
____In Vertretung: Fuhr.______________________
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Zugelaufen: Ein schwarzer Pinscher w. Geschl.
Hanau am 6. August 1886.
___________________Aus Königl. Landrathsamt.____________________
t Die Gasteiner Kaiserzusammenkunft.
Wie seit einer langen Reihe von Jahren alljährlich, so findet auch in diesem Jahre anläßlich des Aufenthalts des Kaisers Wilhelm auf österreichischem Boden eine Begegnung Allerhöchstdesselben mit dem Kaiser von Oesterreich-Ungarn statt, welcher am Sonnabend seinen hohen Verbündeten in Gastein besuchen wird; die Kaiserin Elisabeth, welche die Kur in Gastein gebraucht, ist schon am vergangenen Sonnabend daselbst eingetroffen. Die beiden Kaiser werden diesmal von ihren leitenden Ministern begleitet sein: Fürst Bismarck hat sich am Montag nach Gastein begeben, und Graf Kalnocky wird aller Wahrscheinlichkeit nach mit seinem Monarchen zugleich in dem Wildbade anlangen.
Die Aufmerksamkeit der politischen Welt richtet sich auf die Kaiserbegegnung um so mehr, als ihr die Begegnung der leitenden Staatsmänner von Deutschland und Oesterreich-Ungarn in Kissingen vorausgegangen ist und als die Presse aller Länder seit Wochen über die Be- zichungen der europäischen Mächte zu einander die mannigfachsten Erörterungen gebracht hat, welche nicht immer gerade einen beruhigenden Charakter trugen. Es hat selbst bis in die letzten Tage nicht an Zertungsstimmen gefehlt, welche die Lage düster darstellten und Gewitterwolken entdecken wollten.
Um so mehr dürfte die Thatsache der Zweikaiserzusammenkunft doch auch auf die erregteste Phantasie und auch auf mißtrauische Gemüther chren beruhigenden Einfluß nicht verfehlen. Die Begegnung der beiden Monarchen ist eine Gewähr des Friedens und verkündet aller Welt, daß Friedensbund noch feststeht. Nicht zu übersehen ist dabei, daß ein lllntglred der Kaiserlich österreichisch-ungarischen Herrscherfamilie sich zu
gleicher Zeit als Gast an dem Hofe des Zaren in Peterhof befindet. Diese Thatsachen reden eine genügend deutliche Sprache von den wirklichen Beziehungen der drei Kaisermächte. In monarchischen Staaten wie Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Rußland sind diese persönlichen Beziehungen von bedeutendem politischen Gewicht, um so mehr, wenn wir sehen, daß dieselben den Charakter der Dauer und Stetigkeit tragen. Anders ist es mit den parlamentarisch regierten Staaten: hier bringen sich bald diese, bald jene Einflüsse in dem gesammten Wirken des Staates nach Außen hin zur Geltung, und damit fallen diese Staaten auch aus dem Bereich sicherer Berechnungen bezüglich ihrer Beziehungen zu anderen Mächten.
Die gegenwärtige Kaiserzusammenkunft in Gastein in Verbindung mit dem Besuche des Erzherzogs Karl Ludwig am Hofe des Zaren und der Besuch des Grafen Kalnocky bei dem Fürsten Bismarck in Kissingen zeigen der Welt von Neuem, daß die drei Monarchien immer noch der bleibende Pol in der Erscheinungen Flucht sind, der Erscheinungen, welche von Parteien und Zeitungen, von Phantasien und Interessen ins Leben zu rufen versucht werden. Dieser Federkrieg mag ab und zu speziellen Zwecken dienen, aber die hier offenbar werdenden Schwankungen treten vollständig in den Hintergrund gegenüber dem Wunsche des Friedens, wie er sich in dem freundschaftlichen Verkehr der höchsten Spitzen aus- drückt. Die Gasteiner Zusammenkunft ist eine Frucht des friedlichen und freundschaftlichen Verhältniffes der beiden Monarchen und ihrer Staaten und sie dient zugleich dem Zwecke des allgemeinen Friedens.
Tagesschau.
— Berlin, 5. August. Se. Majestät der Kaiser und König hörten, wie der „R. u. St.-A." aus Gastein meldet, gestern Vormittag den Vortrag des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths v. Wilmowski. An dem Diner bei Sr. Majestät nahmen Ihre Majestät die Kaiserin von Oesterreich mit der Hofdame- Gräfin Mailath und dem Ober-Hofmeister Freiherrn von Nopcsa sowie der Reichskanzler Fürst von Bismarck und der Statthalter in Elsaß-Lothringen, Fürst v. Hohenlohe, mit ihren Gemahlinnen Theil.
— S. M. Panzerschiff „Friedrich Carl", Kommandant Kapitän zur See Stempel, ist am 3. August cr. in Tanger eingetroffen. — S. M. Schiffsjungen - Schulschiff „Nixe", Kommandant Korvetten - Kapitän von Arnim, ist am 4. August cr. in St. Vincent (Kap Verdes) eingetroffen und beabsichtigt am 11. August cr. wieder in See zu gehen.
— Prinzessin Margarethe von Preußen, die jüngste Tochter des Kronprinzen, eine sehr geübte und sichere Reiterin, ist dieser Tage in Potsdam auf einem Spazierritt vom Pferde abgeworfen worden; der Unfall ist aber ohne jeden Schaden verlaufen.
— Der „Post" zufolge begibt sich Graf Herbert Bismarck nach Gastein.
— Der König von Portugal wird auf seiner Rundreise Ende dieses Monats auch in Berlin eintreffen und u. a. auch der großen Herbstparade des Gardecorps am 1. September auf dem Tempelhofer Felde beiwohnen.
— Die „Dfz." schreibt: Alles soll Bismarck thun! Ein internationales Gesetz gegen die Socialisten und Anarchisten wird jetzt in Holland geplant. Im Haag ist durch das „Dagblad" der niederländischen Regierung ein diesbezüglicher Vorschlag gemacht worden und man glaubt, daß es nicht ohne Vorwissen, ja vielleicht auf Veranlassung des Kabinets- Chefs Heemskerk geschehen sei. Niemand, meint das Blatt, würde darum Holland verdächtigen, ein Attentat gegen die Freiheit zu planen. Wenn die Mächte es vorzögen, daß eine Großmacht den Anfang in dieser Angelegenheit mache, so solle Fürst Bismarck die Angelegenheit in die Hand nehmen!
— Wien, 5. Aug. Von gestern Mittag bis heute Mittag sind in Triest 7 Personen an der Cholera erkrankt und 2 gestorben.
— Paris, 5. August. Der engere Ausschuß für die Weltausstellung im Jahre 1889 hat sich nach langer Berathung dafür entschieden, bei der Regierung zu beantragen, daß dieselbe amtliche Einladungen zur Ausstellung an Deutschland und alle übrigen europäischen Mächte ergehen lasse, da diese Ausstellung ein rein wirthschaftliches Gepräge trage und jeder politische Gedanke ausgeschlossen sei.