Einzelbild herunterladen
 

Beilage zu Nr. 181 des Hanauer Anzeiger.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

— (Handelskammerbericht.)

„Verkehrswesen".

(Fortsetzung.) 2) Königliche E i s e n b a h n - D i r e c ti o n Hannover.

Wir sprechen unsere Befriedigung aus, daß die Anträge um Heran­ziehung unserer Kammer zu dem Bezirks-Eisenbahnrath in Hannover Seitens des Herrn Ministers genehmigt wurden und daß wir zu der Sitzung am 17. März 1886 in Hannover zum ersten Male einen Delegirten zu ent­senden hatten. — Von den inneren Angelegenheiten absehend, haben wir aus den Berathungen mitzutheilen, daß ein Antrag auf Aufhebung des Getreide-Ausnahme-Tarifs im Bezirk der Königlichen Eisenbahn-Direction Bromberg wieder zurückgezogen wurde, weil der Antragsteller bei der traurigen Lage der Landwirthschaft im Osten an bestehenden Vergünstigungen nichts verändern will.

Ermäßigung der Fracht für Rückstände aus der Rübenzuckerfabri­kation wurde befürwortet, ebenso der folgende Antrag angenommen:

„Den Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten zu ersuchen:

1) bei der beabsichtigten Ausgleichung der bestehenden Tarif-Ungleich­heiten in Bezug auf die für die Linien der ehemaligen Hannover- schen Staatsbahn bei Entfernungen bis 50 Kilometer noch bestehenden Frachtermäßigungen dieselbe schonende Berücksichtigung der dabei in Betracht kommenden landwirthschaftlichen und gewerblichen Interessen eintreten zu lassen, wie bei den gleichen Interessen der östlichen Landestheile.

2) bei der beabsichtigten Ausgleichung der bei den Expeditionsgebühren bestehenden Ungleichheiten thunlichst allgemein die bei der Ent­fernung bis zu 50 Kilometer unverhältnismäßig hohen Expeditions­gebühren zu ermäßigen."

Unser Vertreter hat gegen den Antrag ad 1 gestimmt, da wir es nicht im Gesammtinteresse liegend erachten, wenn ein ganzes Staatsbahn­gebiet eine allgemeine Frachtbevorzugung genießt.

Auf den günstigen Einfluß, den der am 1. Januar 1885 ein ge­führte Vollbahnbetrieb auf der Strecke Hanau-Friedberg ausgeübt hat, haben wir schon im vorigen Bericht kurz aufmerksam gemacht. Heute können wir auf weiter unten folgende, von der Direction mitgetheilte Zahlen Hinweisen, welche den Aufschwung der Frequenz am besten zeigen. In der Zusammenstellung für 1884—85 sind vom Vollbetriebe nur die drei ersten Monate enthalten.

Zahlreiche Erleichterungen im Personenverkehr namentlich Vermehrung der Billetsorten wurden auf unsere Anträge eingeführt, auch sind die in Hanau-Nord bereits vorhanden gewesenen Tour- und Retourbillete nach Nauheim, Gießen, Marburg, Cassel u. s. w. nunmehr auch auf Hanau- Ost aufgelegt. Ferner wurde den Einzelreisebilleten zwischen Hanau-Ost und Hannover, Bremen, Kreiensen, Hamburg, Göttingen und umgekehrt Gültigkeit beigelegt über Bebra-Friedland oder über Friedberg-Caffel- Göttingen.

Die Billete ab Bruchköbel und Heldenbergen-Mndecken nach Frank­furt gelten jetzt von Hanau sowohl über Offenbach wie über Mainkur.

Unter Nr 427 c. ist die Strecke Hanau-Friedberg in die kombinirten Rundtouren ausgenommen.

Unser Bedauern müssen wir aussprechen, daß ein alter Wunsch der von Hanau nach und über Friedberg reisenden Personen noch immer nicht erfüllt ist. Es handelt sich darum, den Retourbillete» von Hanau nach Friedberg und nördlich gelegenen Stationen, wahlweise Gültigkeit zur Rückfahrt zu verleihen von Friedberg bis Frankfurt. In sehr häufigen Fällen wird der Rückweg nach Frankfurt gewählt, besonders auch deßhalb, weil der jetzige letzte Zug Friedberg-Hanau ein gemischter Zug mit sehr langer Fahrdauer ist. Oefters entstehen deßwegen Reclamationen, die Reisenden halten die Freiheit in der Wahl der Route für selbstredend, da im Gegenfalle das entsprechende zulässig ist. Wir haben die verschiedensten Vorschläge gemacht, leider aber blieben sie bis jetzt ohne Genehmigung. Es wird uns mitgetheilt, daß principielle Gründe dagegen sprechen. Wir legen der verehrten Königlichen Direction die Angelegenheit hiermit noch­mals nahe und bitten auf eine oder die andere Weise eine, dem reisenden Publikum so wünschenswerthe Erleichterung zuzugestehen. Wir bemerken wiederholt, daß das umgekehrte Verhältniß schon lange besteht, man kann mit einem zur Rückfahrt von Frankfurt nach Friedberg lautenden Retour­billet auch von Hanau nach Friedberg fahren.

Lebhafte Verhandlungen hatten wir wegen Vermehrung der Züge auf der Hanau-Friedberger Strecke und Ersatz der beiden gemischten Züge Nr. 707 und 712 durch Personenzüge zu führen. Vor Allem -aber wünschen wir Anschluß an den Nachtcourierzug Frankfurt-Hamburg

Inserate.

Im Hause Webergasse Nr. 28 ist die mittlere _ . Wohnung, bestehend in 4 Zimmern, Küche und

Kanalplatz 10 eine freund!. Wohnung. Zubehör, zum 1. September zu verm. 7146

7187

Zu vermiethen

(Durchfahrt in Friedberg 758 Abends). Wir setzten schon früher aus­führlich auseinander, wie nothwendig diese Verbindung ist. Während Anschlüsse zu den anderen Hauptschnellzügen in Friedberg vorhanden sind, fehlt ein solcher gerade für den hevorragenden Nachtzug. Der uns directionsseitig gewordene Hinweis, denselben über Frankfurt erlangen zu können, ist bei Benutzung eines Retourbillets nicht ausführbar. Welche sonstige dringende Gründe für Erreichung dieses Zuges 301 sprechen, haben wir an anderer Stelle (s. Post) eingehend auszuführen Gelegenheit. Wir bitten, dem berechtigten Verlangen bei der nächsten Fahrplanänderung zu entsprechen und hoffen zugleich, daß die günstigen Frequenzverhältnisse der Hanau-Friedberger Bahn recht bald auf Genehmigung der zahlreichen Anträge behufs Vermehrung der Züge bestimmend wirken werden.

(Fortsetzung folgt)

— Frankfurt a. M., 4. Aug. Am nächsten Sonntag feiert der Zoologische Garten sein 28jähriges Bestehen mit Doppelcon­cert, Lampions-Beleuchtung und bengalischer Beleuchtung der Anlagen und des Aussichtsthurms, auch Herr Securius wird zur Verherrlichung des Festes beitragen und vermuthlich den Löwenantheil von dem Interesse des Publikums sich dadurch erringen, daß er in Gesellschaft seiner Frau mit 5 aneinandergekoppelten Luftballons aufsteigen wird, ein Schauspiel, wie es hier noch nicht, wir glauben überhaupt noch nicht, ge­sehen worden ist.

— Frankfurt, 4. August. In der Bendergasse ließ gestern Abend ein kleiner sechsjähriger Knabe eine Bierflasche fallen, welche zer­brach. Aus Furcht vor Strafe kehrte der Junge nicht in die elterliche Wohnung zurück und ist bis zur Stunde noch nicht aufgefunden worden. — Nach unsäglichen Qualen ist das Dienstmädchen einer in der Liebigstraße wohnenden Familie, welches eine unvorsichtiger Weise in den Mund genommene Nähnadel verschluckt hatte, gestorben. (G. A.)

— Frankfurt, 5. August. In der Kirchgasse trat gestern Vormittag ein Herr auf eine auf dem Trottoir liegende Bohne. Er glitt aus, stürzte hin und fiel sich den linken Arm aus bem Gelenk. — Im vorigen Monat gingen hier zehn Immobilien im Gesammtwerthe von 1,028,976 M. durch Kauf in andere Hände über. — Ein Schlosser spielte gestern in der B—gasse mit einem Schneider Karten. Letzterer beschuldigte ihn plötzlich des betrügerischen Spiels. Wüthend darüber, schlug ihm der Beleidigte ein Glas auf den Kopf, wodurch eine klaffende Wunde ent­stand, welche von einem herbeigeholten Chirurgen verbunden wurde. Der Thäter wollte sich entfernen, blieb aber, als ihm der Verletzte zurief „Hier bleibst Du." Nachdem der Verband angelegt, forderte er seinen Partner auf den Chirurgen zu bezahlen, was dieser auch that. Dann setzte sich der Geschlagene mit verbundenem Köpfe hin und sagte: „So, jetzt spielen wir weiter." — Der Geschäftführer einer hiesigen Brauerei, welcher sich am Sonntag die Regatta vom rechten Ufer aus angesehen hatte, gerieth auf dem Heimweg in ein Menschen- und Wagengewirr und erhielt, da er in Folge seiner Korpulenz nicht rasch ausweichen konnte, von der Deichsel einer entgegenfahrenden Droschke einen heftigen Stoß gegen den Unterleib. Der Verunglückte vermochte sich nicht mehr weiter zu bewegen und wurde von den Anwesenden auf eine Bank niedergelegt und später per Wagen in seine am Deutschherrnquai gelegene Wohnung verbracht. Ungeachtet der rasch beschafften ärztlichen Hilfe ist der Zustand des Mannes, der eine schwere innere Verletzung erhielt, ein sehr bedenklicher. (Fr. N.)

— Offenbach, 4. August. Gestern befand sich Herr Unter­suchungsrichter Dr. Cellarius aus Darmstadt in unserer Stadt, um die Untersuchung gegen die beiden, der Verbreitung socialistischer Schriften angeklagten Personen vorzunehmen. Die Angeklagten befinden sich noch in Haft.

Auszüge aus dem Amtsblatt Königlicher Regierung zu Kassel.

Roßdorf. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die im Grundbuche von Roßdorf auf den Namen des Heinrich Engelhardt 3r zu Roßdorf zum ideellen ‘/a eingetragenen, in der Gemarkung von Roßdorf belegenen Grundstücke am 13. September 1886, Nachmittags 3 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht zu Windecken — im Rathhause zu Roßdorf — versteigert werden.

Kirch bracht. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die im Grundbuche von Kirchbracht auf den Namen des Johannes Blum in Birstein eingetragenen, in der Gemarkung von Kirchbracht belegenen Grundstücke am 28. September 1886, Vormittags 10 Uhr, vor dem Kö­niglichen Amtsgericht zu Birstein zwangsweise versteigert werden.

Zum 1. Oktober 1 Wohnung von 3 Zimmern nebst Zubehör.

Näheres in der Exped. 7318