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(Badeeifer.) Einer unserer eifrigsten, wenn nicht der eifrigste Badeanstalts-Besucher unserer Stadt nahm gestern für diesen Sommer das ei »Hundert st e Mainbad, hat demnach auch bei ungünstiger Witterung durchgebadet. Möge diese Ausdauer recht lange in strotzender Gesundheit ihren Lohn finden.

(Sommerfest.) Auch der GesangvereinSumser" wird nächsten Sonntag bei günstiger Witterung unweit des Wilhelmsbader Stationshauses sein Sommerfest, mit welchem allerlei Belustigungen für große und kleine Kinder verbunden sind, abhalten. Für bequeme Sitz­plätze wird Sorge getragen sein.

n. (Taschendiebstahl.) Bei einem der am Sonntag abge­haltenen Waldfeste hatte ein hiesiger Einwohner das Unglück seiner werth- vollen Uhr verlustig zu gehen. Höchstwahrscheinlich liegt hier ein frecher Taschendiebstahl vor, denn die goldene Kette wurde durchschnitten und die Uhr verschwand so behend aus der Tasche ihres Besitzers, daß dieser selbst nicht das Geringste davon merkte.

(Ro h heit.) In zwei aufeinanderfolgenden Nächten wurden in jüngster Zeit am Hause Neustädter Heumarkt Nr. 1 die zum Festhalten der Fensterladen angebrachten Vorrichtungen frevelhafter Weise aus der Wand gerissen.

(Interessanter Blitzschlag.) Bei einem der letzten Ge­witter traf ein Blitzstrahl einige bei dem Schlachthause stehende Pap­peln, beschädigte dieselben in sehr sichtbarer Weise und schlug bei dem ei­nen Baume in die Erde, ein anderer Strahl traf die letzte, nach dem Zimmermann'schen Besttzthum zu stehende Pappel, ohne großen Schaden anzurichten, und ging ebenfalls unmittelbar bei dem Baume in die Erde.

(Festzu g.) Der mit in das Programm gelegentlich der Heidel­berger Jubiläumsfestlichkeiten aufgenommene historische Festzug findet übermorgen, Freitag den 6. August, Morgens 9 Uhr statt.

(Rechtsanwalt.) Nach demF. T." wurde vorgestern Mor­gen Herrn Gerichts-Assessor Schultheis zu Fulda, welcher längere Zeit auch an hiesigem Landgerichte thätig war, vom Justizministerium das Patent als Rechtsanwalt zugestellt und wird sich derselbe, wie wir hören, in Fulda niederlassen.

(Falsche Banknoten.) Es kursiven zur Zeit gefälschte Reichs­banknoten zu 100 Mk. Dieselben sind an folgenden Zeichen kenntlich: 1) Die Buchstaben der Strafordnung unter dem rothen Kontrolstempel sind etwas zusammengedrängt und größer als auf den echten Scheinen. Die blaue Färbung der Vorder- und Rückseite ist Heller. 2) Die am oberen Rande der Kehrseite eingedruckten Ziffern sind größer als bei den echten Noten und braunroth statt hellroth. Die Farbe der Banknoten ist fast immer weißlichgrau, statt hellblau. 3) Das Wasserzeichen fehlt den fal­schen Noten und der Druck der Strafandrohung auf der Vorderseite ist schlecht, auch der des Adlers undeutlich. Die Nummern der falschen No­ten sind nicht gleichlautend, sondern verschieden. Die rothen Nummern auf der Rückseite sind nicht aufgedruckt, sondern vermittels eines Pinsels aufgetuscht. 4) Die Ausführung der Schraffirungen Muster und Relief ist ungenau.

(Neu-Ulrichstein.) In der Arbeiter-Kolonie Neu-Ulrichstein befanden sich im Monat Juli 7 aus dem Reg.-Bez. Cassel Gebürtige unter den 33 Arbeitslosen.

(Fanatismus.) Welche Blüthen der religiöse Fanatismus in unserer Zeit treibt mag folgender Vorfall beweisen:T rien t, 26. Juli. Aus einer derDeutschen Ztg." zugegangenen Trientiner Korrespondenz ist zu ersehen, daß Dr. med. Lotz aus Frankfurt a. M., bekannt durch seine Thätigkeit für die Erhaltung der deutschen Sprache an der welschen Grenze (Deutscher Schulverein), in Calliano, seinem gegenwärtigen Aufent­haltsorte, von den HerrenItalianissimi mehrfach in pöbelhafter Weise insultirt wurde. Von Seiten der Agenten des italienischen VereinesPro Patria war den leichtgläubigen Italienern eingeredet worden, Dr. Lotz wolle die italienischen Kindergermanizzare und nach Preußen führen! Der Gewährsmann derD. Z." forschte weiter, was die biederen Leute untergermanizzare" verstünden, und siehe da, sie erklärten,germaniz­zare bedeute so viel als p r o t e st a n t i s ch machen, das heißt, die Seelen der Kinder dem Teufel zuführen. Höchst bemerkenswerther Weise sind die Herren, die dem Volke solche Märchen aufbinden, nicht klerikal, sondern liberal!"

Versteigerungs- und Verpachtungs- rc. Kalender für Donnerstag den 5. August.

Von Nachmittags 2 Uhr an versteigert Herr Gerichtstaxator Aug. Berg Krämerstraße Nr. 4, Hinterhaus, gegen Baarzahlung eine große Anzahl gut erhaltener Bijouteriewerkzeuge.

Für heute. Abends 9 Uhr: Spritze Nr. 1 imgoldnen Herz", Steiger - Corps bei Beck ; Männerabtheilung der Turngemeinde: Turnen.

r. Marköbel, 2. Aug. Mit dem 1. August d. I. wurde die hiesige 1. Lehrerstelle neu besetzt und zwar durch Herrn Lehrer Gärtner, ein geborener Marköbeler, Sohn des hiesigen Beigeordneten Gärtner, wel­cher 9 Jahre hindurch in Wellingerode bei Eschwege thätig gewesen.

Möge das neue Lehramt, welches ihn in die Kreise seiner Familie und Jugendfreunde geführt, vom Glücke begleitet und es demselben ver­

gönnt sein lange Jahre hindurch zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten und der hiesigen Einwohnerschaft in Segen wirken.

Cassel, 3. Aug. In der städtischen Kaserne, der hiesigen Ar- menversorgungs - Anstalt, verstarb in voriger Woche ein Mann, welcher durch seine ärmliche Lebensweise in Kleidung und Nahrung allgemein aus- fiel, derselbe ging beispielsweise noch in Holzschuhen. Als der Patient in die Anstalt gefahren wurde, sprach derselbe lebhaft sein Bedauern über die entstandenen Fahrkosten aus. Ueberhaupt zeichnete sich derselbe durch ei­nen wahrhaft krankhaft gesteigerten Hang zum Geiz aus. Wie verlautet, sollen nach dessen Tode in seinem Koffer 1300 Mk. in Gold aufgefunden worden sein, sowie gegen 2000 Thaler Schuldverschreibungen.

Heid elberg, 3. August. DieKöln. Ztg." schreibt: Der Kronprinz ist heute Morgen, trotz eines unvorhergesehenen Aufenthalts von 20 Minuten in Neckar-Elz, wo ein Frühstück improvisirt wurde, pünktlich um 8 Uhr hier eingetroffen. Ein schöner Sonnenblick begleitete die Ankunft im Bahnhöfe, wo der Großherzog mit dem Prinzen Ludwig und den Spitzen der Militär-, Civil- und Stadtbehörden sowie der Uni­versität den hohen Gast erwarteten. Nach herzlichster Begrüßung des Großherzogs schritt der Kronprinz, welcher die Uniform feines schlesischen Dragoner-Regiments mit dem badischen Hausorden angelegt hatte, die als Ehrenwache aufgestellte 8. Compagnie des 2. badischen Grenadier- Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 110, geführt, vom Hauptmann Keller, ab und gab bei der darauf folgenden Vorstellung der Anwesenden dem Prorektor Bekker gegenüber seiner Freude Ausdruck, vom Kaiser hierher gesandt zu sein. Eine große Volksmenge begrüßte draußen jubelnd die drei hohen Herrschaften, als sie vom Bahnhof in die Stadt fuhren. Der Prorektor Bekker empfing gestern die von den auswärtigen Universitäten und Akademieen sowie vom Papste hierher entsandten Abgeordneten Hier­bei ist zum Generalredner für sämmtliche deutsche Universitäten und Akademieen bei Gelegenheit des heutigen Festaktes in der Aula Professor Evuard Zeller aus Berlin, zum Generalredner der ausländischen Uni­versitäten und Akademien Jules Zeller aus Paris, Präsivent des Insti­tuts von Frankreich, gewählt worden.

Heidelberg, 3. August. Heute Vormittag fand in der Heiligegeistkirche zur Einleitung der Jubiläumsfeier ein feierlicher Fest­gottesdienst statt. Daran schloß sich um 11 Uhr der Festakt in der Aula der Universität, bei welchem der Großherzog und der Kronprinz An­sprachen hielten. Die Rede des Kronprinzen lautet nach derK. Z.": Se. Majestät der deutsche Kaiser hat mir den Auftrag zu ertöten geruht, Ew. Königlichen Hoheit und den hier versammelten Vertretern und Gästen der Universität Heidelberg Seil, Gruß und Glückwunsch zur Jubiläumsfeier zu entbieten. Es erfüllt mich mit Stolz und Freude, Zeuge zu sein von der Begeisterung, mit welcher in diesen festlichen Tagen alte und junge Söhne der Ruperto-Carola sich um ihren fürstlichen Rektor schaaren, um mit ihm zurückzuschauen auf die ruhmreiche Geschichte dieser Hochschule und mit Dank zu Gott inne werden, daß sie in dem halben Jahrtausend ihres Bestandes nie glücklichere Zeiten geschaut hat, als die in denen wir leben. Begründet in der ersten Frühe unseres Culturlebens hat die Heidelberger Universität alle die Schickungen an sich erfahren, welche dem deutschen Wesen im Ringen nach selbstständiger Aus­prägung verhängt gewesen sind. Sie hat wechselnd geblüht und gewelkt, geduldet und gestritten um Glaubens- und Forschungsrecht, hat Trübsal und Exil ertragen um endlich gehoben von der starken und milden Hand ihrer erlauchten Beschützer die ehrenvollen Wunden mit dem Festkleide des Sieges zu decken. Wie dem deutschen Volke um dessen höchste Güter sie sich redlich verdient gemacht, so ist auch ihr erfüllt, was Jahrhunderte ersehnten: ihr Ehrenschild strahlt glänzender in der Sonne des einigen Vaterlandes! Mit tiefer Bewegung gedenke ich heute der großen Stunde, da Ew. Königliche Hoheit als der Erste dem Führer unseres sieghaften Volkes mit dem ehrwürdigen Namen des Kaisers gehuldigt. Diese Er­innerung ist mir bedeutsam für die Feier, die wir jetzt begehen; denn voranzuschreiten mit großem und gutem Entschluß ist ein Anrecht des er­lauchten Zähringer Hauses und dieser ruhmvollen Universität. Es ist die schönste Pflicht meiner Sendung rühmend zu bekennen, wie treu dies Heidelberg beflissen war, die geistigen und sittlichen Bedingungen der Wiedergeburt unseres Volksthums zu pflegen. Lehrenden und Lernenden war von jeher hier die gastliche Stätte bereitet. Aus allen Gauen strömten sie herzu und in den liebenden Armen der alma mater erkannten sie sich als Söhne der größeren Mutter wieder. So hat sich hier in der Stille des Studienlebens vorbereitet, was uns Deutschen nach langen Irrungen die Geschichte offenbart. Im Südwesten des Reiches, nahe der ehemaligen Grenze und nahe der Gefahr, lernte der Sohn des Nordens den Sohn des Südens als Bruder lieben, um heimgekehrt den schönen Glauben der Volksgemeinschaft auszubreiten, der unser Hort und unsere Stärke ist. Nun wir es wieder besitzen, das Glück der Vereinigung, strömt aus dem ganzen ein kräftigender Odem zurück in die alte traute Heimath unserer Bildung. Größer geworden sind die Zwecke des Forschens und Strebens, dankbarer und folgenreicher der Beruf, sie lehrend zu ver­kündigen und lernend zu verstehen. Vaterland und akademisches Bürger- thum werden aber nur dann wahrhaft segensreich auf einander wirken, wenn sie in ihrer Lebensthätigkeit die gleichen Tugenden bewahren. Je