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Die Sspalt. Seite 20 Psg.
Die SfpattigeSeiü 90 Psg
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 177.
Samstag den 31. Juli
1886.
Amtliches.
Den Mitgliedern der gemeinsamen Ortskrankenkasse wird hierdurch bekannt gegeben, daß vom 1. Januar er. ab die Unterstützungsdauer von 13 auf 26 Wochen ausgedehnt worden ist mit Ausnahme derjenigen Fälle, in denen der § 8 des Unfallversicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 Anwendung findet.
Hanau am 28. Juli 1886.
Der Vorstand der gemeinsamen Ortskrankenkasse des Landkreises Hanau Dr. Gans.
t Das Jubiläum der Heidelberger Hochschule.
In den ersten Tagen des August wird das fünfhundertjährige Jubiläum einer deutschen Universität gefeiert, welche auf eine Vergangenheit, so reich an inneren und äußeren Kämpfen zurückblickt, wie wohl keine zweite Hochschule. Ihr Gründer war Kurfürst Ruprecht der Rothe von der Pfalz, welchen es verdroß, daß die Kinder seines Landes nach Paris zum Studium ziehen mußten, und der an der Präger Universität seines hohen Freundes, des Kaiser Karl aus dem Hause Luxemburg, die Beobachtung gemacht hatte, welche Bedeutung eine Hochschule dem Lande, welchen Glanz sie dem fürstlichen Hofe zu verleihen vermag. Damals waren die Universitäten noch geistliche Anstalten, die vom Papste genehmigt werden mußten. Das päpstliche Breve, welches die Genehmigung zur Eröffnung eines „Generalstudiums" in der Residenz der Pfalz enthält, datirt aus dem Jahre 1385. Heidelberg stand bereits im 15. Jahrhundert zur Zeit der älteren Humanisten, die zum Theil dort wirkten, in hoher Blüthe. Während der Kämpfe der Reformationszeit blieb die Hochschule dem Katholicismus treu, erst der Kurfürst Otto Heinrich, der uns im Ottoheinrichsbau des Heidelberger Schlosses eines der schönsten Denkmale deutscher Renaissance hinterlassen hat, führte sie zum Luther- thum über. Unter seinen Nachfolgern brachen Kämpfe zwischen Lutheranern und Calvinisten aus, welche an Heftigkeit denen zwischen Katholiken und Protestanten nichts nachgaben und mit dem Siege der Reformirten endigten.
Das 17. Jahrhundert brächte jene schrecklichen äußeren Stürme über Altheidelberg.
Nach der Besiegung des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, des sog. Winterkönigs, am Weißen Berge bei Prag, eroberte Tilly die Stadt (1622) und ließ die kostbare Universitätsbibliothek in 184 Kisten nach Rom in den Vatikan schaffen. Erst 1815 kam ein kleiner Theil wieder an die Eigenthümerin zurück. Noch größeres Unheil als der dreißigjährige Krieg richtete das Eindringen der Horden Königs Ludwigs XIV. in die schöne Pfalz an, wo sie schlimmer als die Vandalen hausten. Das herrliche Schloß, welches vor den Versailler Bauten des Roi-Soleil den Vorrang behaupten durfte, wurde 1688 in Trümmer gelegt. König Ludwig ließ eine Denkmünze schlagen, welche auf der Vorderseite die Inschrift: Heidelberga deleta, (Heidelberg zerstört) auf der Rückseite die Worte: Rex Christianissimus (der allerchristlichste König) trug. Die Universität war versprengt und in die Verbannung getrieben worden.
Während des 18. Jahrhunderts herrschte die pfalzneuburgische Linie, die Wittelsbacher über die Rheinpfalz. Bei Theilung der letzteren zu Anfang dieses Jahrhunderts kam Heidelberg an den zum Kurfürsten erhobenen Markgrafen von Baden. Unter den badischen Fürsten gelangte die Hochschule zu neuer Blüthe. Viele der ausgezeichnetsten Männer dieses Jahrhunderts lernten und lehrten hier. Von Thibaut ging eine neue Richtung der Rechtsgelehrsamkeit aus, mit ihm wirkte Mittermaier, und Vangerow und Windscheid folgten nach. Die Geschichtslehrer Häuser und Gervinus begeisterten das junge Geschlecht für den deutschen Einheitstraum.
Auch heute noch nimmt Heidelberg, die „altehrwürdige Pflanzstätte deutschen Geistes", wie sie unser Kaiser in seinem Schreiben an den Großherzog von Baden genannt hat, einen Ehrenplatz unter den deutschen Universitäten ein. In unserer vielgestalteten, an praktischen Anforderungen so reichen Zeit ist die Aufgabe der Hochschulen wahrhaftig nicht geringer geworden. Neben der Zuführung umfassenden Wissensstoffes gilt es, den Charakter der Jugend zu bilden, in einer in vieler Beziehung so materiellen Zeit den Sinn für das Edle und Große zu erwecken, ohne welchen eine Lösung der großen socia len Aufgaben des Staates nicht möglich ist, und
i das Gefühl geistiger Zusammengehörigkeit unter den deutschen Stämmen I weiter zu pflegen. Keine andere Oertlichkeit redet eine so eindringliche Sprache für das nationale Empfinden, als das Heidelberger Schloß dieses entzückend malerische, aber auch tief ergreifende Denkmal des Unglücks früherer Zerrissenheit des Deutschen Reichs.
Darum wünschen wir, daß das Jubiläum von Heidelberg nicht nur ein Fest sei, die Vergangenheit zu ehren, sondern auch, ein Gelöbnißtag, das nunmehr errungene festzuhalten und die akademische Jugend in deutscher Zucht und Sitte heranzubilden zu Führern in den inneren und äußeren Kämpfen der Zukunft.________________________________________
Tagesjcha«.
— Berlin, 30. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht einen Erlaß des Kaisers an das Staatsministerium, wonach die Ansiedelungskommission für Westpreußen und Posen ihren Sitz in der Stadt Posen hat.
— Berlin, 30. Juli. (K. Ztg) Se. Kaiserlich Königliche Hoheit der Kronprinz hat sich gestern Mittag auf dem Kunersdorfer Schießplätze zwei leichte Brandwunden in der inneren Hand dadurch zugezogen, daß beim Anreiben eines Zündhölchens einige Funken gegen die Haut der Hand spritzten. Da die Wunden ziemlich schmerzten, fuhr er sofort nach seiner Rückkehr nach Berlin zur Universitätsklinik und ließ sich dort die Wunden auswaschen und verbinden. Um 4 Uhr fuhr er dann wieder nach Potsdam zurück.
— Berlin, 30. Juli. Der König und die Königin von Sachsen sind gestern aus Dresden hier eingetroffen und haben heute die Jubi- läums-Kunstausstelluug besucht; Nachmittags gedachten sich die hohen Gäste zum Besuch des kronprinzlichen Paares nach Potsdam zu begeben.
— S. M. Panzerschiff „Friedrich Carl", Kommandant Kapitän zur See Stempel, ist am 29. Juli cr. in Gibraltar eingetroffen. — Der Dampfer „Salier" mit dem Ablösungs-Kommando für S. M. Kreuzer „Albatroß", ist am 30. Juli cr. in PortSaid eingetroffen und beabsichtigt am 1. August cr. wieder in See zu gehen.
— Stettin, 30. Juli. Der Bau des dritten kleinern Subventionsdampfers Danzig ist so weit vorgeschritten, daß der Stapellauf desselben noch vor Mitte des nächsten Monats auf der Werft des Vulkan erfolgen kann. Der Stapellauf des zweiten großen Subventionsdampfers wird in den ersten Tagen des September stattfinden. (N. St. Z)
— In Freiberg ist dieser Tage gegen Herrn Bebel und acht Genossen wegen Theilnahme an einer verbotenen Verbindung verhandelt worden. Das Urtheil wird am 4. August verkündet werden. Damit wird die Frage gerichtlich entschieden, ob die Organisation der Socialdemokratie eine geschlossene Verbindung im Sinne des Gesetzes ist oder nicht. Von einiger Wichtigkeit ist es, daß nicht alle Angeklagten ein gleiches Verhalten vor Gericht zeigten; einige erklärten, die Verbreitung des „Socialdemokrat" sei ihnen gleichgültig; andere, sie wünschten dieselbe. In seinem Schlußwort erklärt Bebel folgendes: Wie hätten wir auf dem Congreß (in Kopenhagen) etwas Strafbares unternehmen können, ohne Gefahr zu laufen, verrathen zu werden? Ich garantire z. B. keineswegs für die volle Biederkeit der 60 Delegirten auf dem Kopen- hagener Congreß, ja, ich möchte kaum für alle neun Angeklagten die volle Garantie übernehmen. Ich weiß nicht genau, war es Palmerston oder Beust, der einmal sagte: „Käuflich ist jeder Mensch, es kommt bloß auf den Preis an, der geboten wird."
— München, 29. Juli. Im Gesetzblatte erschien gestern das Generallehenspatent des Reichsverwesers, welches aus Anlaß des Todes Königs Ludwig II. alle Lehen für fällig erklärt und die Lehnsträger auf- fordert, ihre Lehen von König Otto, bezw. dem Reichsverweser neu in Empfang zu nehmen und zu diesem Zwecke innerhalb der gesetzlichen Fristen für die Thronlehen beim Staatsministerium des k. Hauses und des Aeußern, für bie übrigen Lehen bei den Regierungsfinanzkammern unter Entrichtung der Lehengebühren zu muten. — Der Prinzregent hat bisher noch in allen Fällen, in welchem ihm Todesurtheile vorgelegt wurden, von dem Begnadigungsrechte Gebrauch gemacht und die Strafe in lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt. — Mit dem gestrigen Tage endete das einstündige Trauergeläute für den verstorbenen König und damit auch der schneidende Zwiespalt zwischen dem Klageton der Glocken und der fröhlichen Musik der gleichzeitig stattfindenden Militärparaden. (K. Ztg.)