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Eycheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 176.
Freitag den 30. Juli
1886.
Amtliches.
Bekanutmachnngeu auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.
Auf Grund des §. 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Flugblatt mit der Ueberschrift: „Arbeiter, Handwerker, Bürger!" und den Eingangsworten: „Unsere gesammte wirthschaftliche Entwickelung strebt unwiderstehlich dahin, den Reichen immer reicher, den Armen immer ärmer zu machen rc.", ohne Angabe des Druckers und Verlegers, nach §.11 des gedachten Gesetzes durch den Unterzeichneten von Landespolizeiwegen verboten worden ist.
Berlin den 21. Juli 1886.
Der Königliche Polizei-Präsident.
___________________Freiherr von Richthofen.___________________
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Am 5. August cr. findet auf den Wiesen zwischen dem Bruchköbeler und Lamboywalde in der Richtung nach Langendiebach ein größeres Gefechtsschießen mit scharfer Munition statt. An dem genannten Tage wird das Betreten dieser Wiesen sowie der durch den Bruchköbeler Wald führenden Wege von bezw. nach Langendiebach und Bruchköbel von Vormittags 6 bis lO1^ Uhr bei Meidung einer Strafe bis 10 Mark subs. 3 Tagen Haft hierdurch verboten. Den ausgestellten Sicherheitsposten ist bei Meldung gleicher Strafe Folge zu geben.
Die betreffenden Herren Ortsvorstände haben dies zu veröffentlichen.
Hanau am 28. Juli 1886.
Der Königliche Landrath
3565_________________Gf. Bismarck.______________________
Diejenigen Militairpflichtigen hiesiger Stadt, welche bei dem diesjährigen Ober-Ersatz-Geschäft der Ersatz-Reserve überwiesen oder als dauernd untauglich anerkannt worden sind, haben ihre bezügl. Scheine innerhalb drei Tagen beim Meldeamte hierselbst in Empfang zu nehmen. Hanau am 28. Juli 1886.
Der Oberbürgermeister ______________________I. V.: Hera eus.______________________
Tagesschau.
_ — Berlin, 29. Juli. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz begab Sich gestern Vormittags 10 Uhr von Potsdam nach Bernn und gewährte hier dem Unter-Staatssekretär, Grafen von Berchem, eine Audienz. Um ll1/* Uhr fand die Besichtigung der zur Central- Turnanstalt kommandirten Offiziere statt. Nach Beendigung derselben besuchte Se. Kaiserliche Hoheit die Jubiläums-Kunstausstellung, wohnte der Beerdigung des Generals der Kavallerie und Gouverneurs von Berlin, Freiherrn von Willisen, auf dem Jnvalidenkirchhof bei und kehrte nach 3 Uhr nach dem Neuen Palais zurück.
. ~ ^„^^^ Kaiser ernannten zu Mitgliedern der Ansiedelungs- ^nnffwn für Westpreußen und Posen den Oberpräsidenten v. Zedlitz- ^rutzschler (Präsident), Oberprüsidenten Ernsthansen (Stellvertreter des ^^aswenten), ferner zu Mitgliedern auf drei Jahre den Generalkom- Missions-Prasidenten Beutner (Bromberg), Generallandschafts - Direktor
7”) die Rittergutsbesitzer Kennemann (Klenka), Müller (<^urichno), ^vehle (Bulgowo), Kries (Smarszewo) und Generalland- schaft^-Direktor Körber-Körberode (Graudenz).
„ . . "7" K i e l, 29. Juli. Heute Mittag fand der Stapellauf des als Lilatz i er „Soreltp" bestimmten Aviso statt; Vize-Admiral v. Wickede taufte den Aviso auf den Namen „Greif."
, . D^ „Berliner Börsen-Zeitung" berichtet: „Selten hat eine Jn- duitrie einen solchen Aufschwung genommen, wie die Tricotweberei, selten aber auch hat sich die Mode einem Artikel so anhaltend zugewendet, wie den Erzeugnissen aus Tricotstoffen. Nachdem man im vorigen Jahre vermuthet hatte, daß eine Abschwächung in dem Konsum von Tricotwaaren stattfinden würde, tritt der Bedarf seit Anfang dieses Jahres ohne Unterbrechung intensiv hervor und hat eine solche Höhe erreicht, daß, trotzdem neue Fabriken in großer Zahl entstanden sind, die eine Ueberproduktion
nur zu wahrscheinlich machten, augenblicklich eher ein Mangel als Ueber- fluß an Waare vorhanden ist. Die Zahl der Rundstühle hat sich seit Kurzem nahezu verdreifacht, Erweiterungen von Tricotwebereien werden immer noch vorgenommen und seit Kurzem erst ist eine mechanische Tricotweberei für 500 Rundstühle in Süddeutschland, wo nächst Sachsen und Berlin die Hauptproduktionsstätte für Tricotstoffe ist, eröffnet worden. Fast jede leistungsfähige Fabrik arbeitet heute mit Ueber stunden, um den an sie herantretenden Ansprüchen Genüge leisten zu können. Die Vereinigten Staaten und England, dann aber fast alle Kulturstaaten beziehen Tricotwaaren in großen Quantitäten aus deutschen Fabriken. Die Preise wersen aber trotz der großen Nachfrage nur mäßigen Gewinn ab; da bei der Fabrikation nur Kammgarne in Anwendung kommen, hätte auch eine Preissteigerung in Folge der erhöhten Notirungen für Kammwolle eintreten müssen, man hat aber das fertige Fabrikat nicht in Uebereinstimmung mit den höheren Garnnotirungen im Preise steigern können.
— Othfresen (bei Salzgitter), 28. Juli. Heute explodirte die eine Viertelstunde von hier entfernt liegende Denstorff'sche Pulvermühle, wobei leider drei Arbeiter (alle Familienväter) mit verunglückten. Ursache der Explosion ist noch unbekannt.
— In dem Soziali st enprozeß gegen v. Vollmar, Bebel und Genossen vor dem Landgericht in Freiberg in Sachsen hat der Oberstaatsanwalt das Schuldig beantragt, die Vertheidiger dagegen stellen auf Freisprechung ihre Anträge. Das Urtheil wird erst am 4. August verkündet werden.
— Die Auslassungen des „Bairischen Kurier" über die Haltung der „Germania" in der Besprechung der bairischen Angelegenheiten veran- ' lassen den „Reichsboten", ein kräftiges Wort an das Berliner Centrumsblatt zu richten. „Wir dächten", schreibt er, „die Germania könnte gegenüber solchen Keulenschlägen, die ihre verrannte und reichsfeindliche Politik von befreundeter Seite erfährt, endlich ihre vergifteten Waffen beiseite legen; genug der sophistischen Entstellung, der galligsten Verleumdung, der berechneten Heuchelei ist von ihr geleistet worden " (K. Z.)
— Kissingen, 29. Juli. Der chinesische Gesandte Marquis Tseng verhandelte gestern den ganzen Tag mit dem Fürsten Bismarck und reiste heute früh von hier ab.
— Wien, 28. Juli. Von gestern Mittag bis heute Mittag sind an der Cholera in Triest 5 Personen erkrankt und 1 gestorben; in Fiume 4 erkrankt und 2 gestorben.
— Bad Gastein, 29. Juli. Der Kaiser machte gestern Nachmittag eine kurze Ausfahrt und fuhr später zur Abendgesellschaft in b*r Villa Solitude, wo von Dilettanten das Moser'sche Lustspiel „Moderne Banditen" aufgeführt wurde. Um 10 Uhr kehrte Se Majestät in das Badeschloß zurück. Heute Mittag fuhr der Kaiser mit dem Grafen Lehn- dorff in der Richtung nach Böckstein aus. Nach der Rückkehr von der Spazierfahrt statte der Kaiser von 1 bis 2 Uhr der Gräfin Grünne einen Besuch in Straubingers Gasthof ab. — Am Samstag wird die Kaiserin von Oesterreich erwartet.
— Haag, 29. Juli. In der zweiten Kammer fragt Beelaerts, ob die Regierung die Aufrechterhaltung der Ordnung mit den bestehenden Gesetzen verbürgen zu können glaube. Minister Heemskerk bejahte die Frage und fügte hinzu, die Regierung werde ihre Pflichten zu erfüllen wissen, selbst wenn ein noch strengerer Schutz gegen die Angriffe der Böswilligen, die das Volk irre führten, nothwendig würde. (Fr. N.)
— Amsterdam, 29. Juli. Der Sozialistenführer Forturm wurde heute Morgen wegen Aufreizung der Bevölkerung durch aufrührerische Schriften verhaftet und ins Gefängniß abgeführt.
— Mons, 29. Juli. Im Prozeß gegen die Theilnehmer ander Zerstörung der Glasfabrik in Roux verurtheilte der Assissengerichtshof 2 Angeklagte zu lebenslänglicher, 2 zu fünfzehnjähriger und 3 zu zwölfjähriger Zwangsarbeit, 1 zu zehnjährigem, 2 zu fünfjährigen! und 7 zu dreimonatlichem Gefängniß. Vier wurden freigesprochen.
— Rom, 28. Juli. In den letzten 24 Stunden kamen in den Provinzen Ferrara, Lecce und Bari 66 Cholera - Erkrankungen und 24 Cholera-Todesfälle vor.
— London, 28. Juli. Lord Jddesleigh ist zum Minister des Auswärtigen, der Marquis v. Londonderry zum Vicekönig von Irland, Hicks Beach zum Staatssekretär für Irland, Lord Churchill zum Schatzkanzler,