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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 169.

Donnerstag den 22. Juli

1886.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Auf Grund des Erlasses des Herrn Ministers für Landwirthschaft, Domainen und Forsten vom 18. Mai 1886 betreffend die Anordnung verschärfter Maßregeln gegen die Verschleppung von Viehseuchen, insbe­sondere der Maul- und Klauenseuche, ist durch Dekret der Königlichen Re­gierung zu J. A. II Nr. 8632 vom 26. Juni 1886 Folgendes bestimmt worden:

1) Bei umfangreicherer Verseuchung eines Ortes sind die angeord­neten Tilgungsmaßregeln von der Ortspolizeibehörde nicht früher aufzu- heben, als bis das völlige Erlöschen der Seuche an dem Orte durch den beamteten Thierarzt festgestellt ist.

2) Es ist dafür Sorge zu tragen, daß die Viehmärkte nach jedes­maligem Auftriebe von Vieh gründlich gereinigt und auch die Sammel- stationen, auf welche Vieh von Händlern zusammengebracht wird (Gast­höfe u. s. w.) öfter einer Reinigung unterworfen werden. Einer voll­ständigen Desinfektion brauchen nur die Stellen von Märkten oder Sam­melplätzen unterzogen zu werden, auf welchen kranke Thiere gestanden ha­ben. Erforderlichen Falles wird wegen der Reinigung der Märkte rc. eine entsprechende Polizeiverordnung zu erlassen sein.

Auch ist darauf zu achten, daß in größeren Städten die zum Trans­port von Wiederkäuern und Schweinen gewerbsmäßig benutzten Viehwa­gen, häufiger gründlich gereinigt und in Zeiten der Maul- und Klauen­seuche vollständig desinfizirt werden.

3) Bei jeder umfangreicheren Verseuchung einer Gegend ist nicht nur in dieser, sondern auch in angemessener Entfernung von derselben die Abhaltung von Viehmärkten, mit Ausnahme der Pferdemärkte, auf Grund des §. 64 der Bundesrath-Jnstruktion zu untersagen.

4) Die Ausführung von Wiederkäuern und Schweinen aus ver­seuchten Orten soll, soweit sie nach §. 64 der Bundesraths - Instruktion überhaupt zugelassen werden darf, von den Ortspolizeibehörden nur ge­stattet werden, wenn dieselben nach sorgfältiger Prüfung der lokalen Ver­hältnisse die Ueberzeugung gewonnen haben, daß mit der Ausführung der Thiere eine Gefahr der Seuchenverschleppung nicht verbunden ist.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises werden hiermit angewiesen die aufgeführten veterinärpolizeilichen Maßregeln in vorkommenden Fällen alsbald anzuordnen und die pünktliche Befolgung der Vorschriften genau überwachen zu lassen.

Hanau am 18. Juli 1886.

Der Königliche Landrath

V. 5167 Gf. Bismarck.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche noch mit der periodischen Berichterstattung über ihre Thä­tigkeit zur Abwehr und Unterdrückung der Reblauskrank­heit im Rückstände sind, erinnere ich nochmals an nmge- h e ii d e Erledigung meiner diese Sache betreffenden Kreis­blattsverfügung vom 12. März er. V. 3355.

Hanau am 21. Juli 1881.

Der Königliche Landrath

V. 5134 Gf. Bismarck.

Wegen dringend nöthiger Reparaturen ist die Niddabrücke bei Nie- derdorfelden vom 22, bis 31. d. Mts. für den Verkehr gesperrt.

Hanau, am 22. Juli 1886.

Der Königliche Landrath

A. 731 Gf. Bismarck.

. Vom Wasenmeister ein gefangen: Ein gelber platthaariger Spitz mit schwarzer Schnauze w. Geschl.

Zugelaufen: Ein gelber Doggenhund (Bastard) mit schwarzer Schnauze m. Geschl. Ein gelber Hund mit weißen Abzeichen m. Geschl.

Zu geflogen: Ein Kanarienvogel.

Entflogen: Ein Kanarienvogel (Harzer).

Hanau am 22. Juli 1886.

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesscha«.

Berlin, 21. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen, wie derR. u. St.-A." aus Gastein meldet, heute Vormittag das erste Bad, machten sodann eine Promenade auf dem Kaiserwege und hörten später den Vortrag des Wirklichen Geheimen Legations - Raths v. Bülow. Zum Diner ist der Statthalter Graf Thun geladen.

Berlin, 21. Juli. Der Königliche Gesandte in Dresden, Graf v. Dönhoff, hat einen ihm Allerhöst bewilligten Urlaub angetreten. Für die Dauer der Abwesenheit desselben von seinem Posten fungirt der Lega- tions-Sekretär Prinz von Thurn und Taxis als interimisti cher Geschäfts­träger.

S. M. PanzerschiffFriedrich Carl", Kommandant Kapitän zur See Stempel, ist am 20. Juli er. in Madalena (Sardinien) eingetroffen.

Kiel, 20. Juli. Briefsendungen sind zu richten: Für S. M. Kreuzercorvette Luise bis 10. August nach Portsmouth (England), vom 10. bis 22. August nach Gravesend (England), vom 22. August bis 4. September nach Edinburg (Schottland), vom 4. September bis auf Weiteres nach Wilhelmshaven; für S. M. Kanonenboot Iltis bis auf Weiteres nach Gibraltar.

Braunschweig, 20. Juli. In den nächsten Tagen soll in unserem Herzogthum eine allgemeine Jagd auf die Zigeunerbanden ver- anstaltet werden, welche zu einer wahren Landplage für die hiesige Gegend geworden sind.

Weimar, 21. Juli. Der preußische Gesandte v. Thielau ist heute hier gestorben.

München, 20. Juli. Prinz Arnulf, der dritte Sohn des Prinzregenten, trug gestern beim Kaiserempfang einen prachtvollen Degen, den er kurz vorher (am 6. Juli) zum Geburtstage mit der Widmung Seinem Freunde und Kriegsgenossen Prinzen Arnulf von Bayern Friedrich Wilhelm, Kronprinz" zum Geschenk erhalten hatte.

Pest, 20. Juli. Die Pensionirung des Generals v. Edelsheim und die Rangerhöhung des Generals Janszki könnte noch andere Folgen haben, als man in Wien sich hat träumen lassen. Ein Privat-Telegramm meldet nämlich derVoss. Ztg.": Die Situation ist kritisch. Tisza hatte von der Pensionirung Edelsheim's vorher keine Kenntniß erhalten, bis die Angelegenheit in die Oeffentlichkeit gelangte. Der gemeinsame Kriegs­minister ist ganz selbstständig vorgegangen. In der Beförderung Janszki's, welche unter Uebergehung von 44 im Range älteren Generalen erfolgte, erblickt die ungarische Regierung eine birecte Herausforderung. Da Tisza daran festhält, daß Janszki auf dem Ofener Friedhof eine Jncorreclheit begangen hat, so ist die Eventualität seines Rücktrittes oder des Rück­trittes des Kriegsministers unvermeidlich.

Brüssel, 21. Juli. Das Schwurgericht zu Mons verurtheilte von den wegen Plünderung bei den letzten Unruhen in Charleroi Ange­klagten zwei zu zehnjähriger und zwei zu zwölfjähriger Zwangsarbeit.

Trieft, 21. Juli. Cholerabericht. Von gestern bis heute Mittag sind hier 5 Erkrankungen und 1 Todesfall, in Fiume 2 Todes­fälle vorgekommen. In Fiume zählt man bis jetzt 94 Erkrankungen und 55 Todesfälle.

Paris, 21. Juli. (K. Z.) Die Kundgebungen in Marseille haben sich gestern wiederholt. Im Ganzen sind 300 Personen fest­genommen worden, von denen 150 vor Gericht gestellt und mit 6 bis 10 Tagen Gefängniß bestraft wurden. Der schon mehrfach verurtheilte Royalist Graf des Jsnard erhielt einen Monat Gefängniß; nach der Urtheilsverkündigung traten zwei Husarenhauptleute auf ihn zu und drückten ihm die Hand.

London, 21. Juli, früh. Noch gestern Abend wurde ein Ka- binetscourier nach Osborne entsendet, um der Königin von dem Rücktritts­entschluß des Kabinets Mittheilung zu machen. Lord Salisbury wird heute hier erwartet.

Kiel, 20. Juli. Der Reichstags - Abgeordnete Junggreen ist heute in Apenrade gestorben.

AM^ Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. -*^6®