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Nr. 168.

Mittwoch den 21. Juli

1886.

Tagesscha«.

Salzburg, 20. Juli. Kaiser Wilhelm ist nach herzlichster Verabschiedung von Prinz und Prinzessin Wilhelm unter lebhafter Kundgebung eines zahlreichen Publikums heute Vormittag 11 Uhr nach Lend weitergereist.

Lend, 20. Juli. Punkt 1 Uhr traf der kaiserliche Zug von Salzburg ein. Der Kaiser fuhr in einem vierspännigen Hofwagen nach Straubingers Gasthof und wurde von zahlreichen von Gastein herüberge­kommenen Badegästen begrüßt. Die Weiterreise nach Gastein erfolgt um 4 Uhr.

Bad Gastein, 20. Juli. (K. Z.) Der Kaiser ist um 6 Uhr 20 Min. im besten Wohlsein hier angekommen. Am Eingänge des Wildbades war eine Triumphpforte errichtet, alle Häuser sind beflaggt; an der Straße von Lend standen zahlreiche Gruppen, welche den Kaiser herzlich begrüßten. In Hofgastein waren die Badegäste längs des Weges aufgestellt, viele überreichten Kornblumensträuße, womit der Wagen des Kaisers bei der Auffahrt vor dem Badeschloß überfüllt war. Begeisterte Hochrufe schallten aus der Menge, als der Kaiser freundlichst grüßend vorbeifuhr. Der Statthalter Graf Thun war dem Kaiser bis Lend entgegengefahren.

S. M. Kreuzer-FregatteGneisenau", Kommandant Kapitän zur See Valois, ist am 18. Juli cr. in Batavia eingetroffen.

DerBerliner Börsen-Courier" berichtet: Die Auswanderung aus dem Regierungsbezirk Marienwerder, die immer besonders stark war und sich aus der deutschen Bevölkerung viel mehr rekrutirt als aus der polni­schen, hat, nach offiziöser Meldung, wie ja überhaupt die Auswanderung aus dem Reiche, in der letzten Zeit gegen früher nachgelaffen. Im Fe­bruar, März und April d. I. sind 677 Personen gegen 1065 in densel­ben Monaten des Vorjahres ausgewandert, davon waren nicht weniger als 486 Deutsche und nur 191 Polen. Es ist kaum zu bezweifeln, daß auf den viel stärkeren Fortzug deutscher Bauern, Handwerker und Arbei­ter aus den nationalgemischten Landestheilen des Ostens, namentlich des Regierungsbezirks Marienwerder, das gesteigerte Eindringen ruffisch-polni- scher Elemente von wesentlichem Einflüsse gewesen ist.

Cöln, 19. Juli. Wie in vielen Städten in Rheinland und Westfalen, so ist nun auch hier ein Verein von Kaufleuten gegründet worden, um den immer mehr überhand nehmenden sogenannten Auctions- geschästen, Wanderlagern, endlosen Concursousverkäufen, Abzahlungs­geschäften u. s. w. mit allen gesetzlichen Mitteln engegenzutreten. Die neue Gesellschaft nennt sichVerein gegen das Unwesen in Handel und Gewerbe"; 102 Mitglieder, darunter manche unserer ersten Firmen, zählte derselbe bereits am Abende der Gründung.

Riesa, 19. Juli. Der Stadteinnehmer Pilz in Riesa ist vorgestern wegen Unterschlagung in Höhe von 18,000 Mark verhaftet worden.

Paris, 19. Juli. Der Conseils - Präsident und Minister des Auswärtigen, de Freycinet, empfing heute Vormittag den Botschafter von Courcel, welcher sich gegen Ende dieses Monats nach Berlin begibt. Der Munizipalrath von Paris hat den Bericht Depaffe's angenommen, welcher beantragt, auf der Stelle der ehemaligen Tuilerien ein Denkmal zur Erinnerung an die französische Revolution zu errichten, dessen Ent­hüllung im Jahre 1889 stattfinden soll.

Marseille, 20. Juli. Wie am Samstag und Sonntag fanden gestern Abend vor dem Redactionslocale des orleanistischeSoleil du midi" Ruhestörungen statt, deren Bewältigung erst nach ansehnlicher Verstärkung der Polizei gegen Mitternacht gelang.

London, 20. Juli. In dem heute Nachmittag abgehaltenen Cabmetsralhe beschlossen die Minister, sofort zu demissioniren. Eine Versammlung von General-Passagier-Agenten der westlich, nord- und E^kstlich von Chicago befindlichen Eisenbahnen beschloß, alle Tarif- Reductionen zu widerrufen und die vollen Tarife wieder einzuführen.

Rußland. In Warschau ist eine vom russischen Handels- mmisterium entsendete Commission eingetroffen, welche die Verhältnisse der von Deutschen in den russisch-polnisch-schlesischen Grenzbezirken gegründeten und unterhaltenen Fabrik-Etablissements einer Prüfung unterziehen soll. Es handelt sich nach derBreslauer Morgenzeitung" bei dieserPrüfung"

lediglich um eine Einschränkung respective Aufhebung der deutschen Fabriken, welche nach Ausführung der Petenten den einheimischen und speciell auch den Moskauer Fabriken unliebsame Concurrenz machen. Es wird insbesondere den deutschen Industriellen vorgeworfen, daß sie diese Fabriken auf russisch-polnischem Gebiet lediglich deshalb gegründet, um den beträchtlichen Eingangszöllen aus dem Wege zu gehen und um in Deutschland hergestellte Fabrikate leicht unter der Hand in Rußland in den Handel bringen zu können. Bekanntlich befinden sich im Sosnowicer Bereich zahlreiche, von schlesischen Großindustriellen gegründete und im Betriebe unterhaltene Fabrikeu. Diese werden nun durch vollständige Aufhebung oder Maßregeln, welche bedeutende Einschränkungen involviren, bedroht. (Rh. K.)

Petersburg, 20. Juli. Nach einem heute veröffentlichten Gesetz wird ver Zoll auf die in Häfen des Schwarzen und Azowschen Meeres einzuführenden Stein-, Torf- und Holzkohlen sowie auf Coaks und Torf auf 3 Goldkopeken das Pud erhöht.

Hamburg, 20. Juli. Der PostdampferRhätia" der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrts - Aktiengesellschaft ist heute in New- Hork eingetroffen.

New-Dork, 20. Juli. Der DampferGreece" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Meffing'sche Linie) ist hier ange­kommen.

Reichsgerichts-Entscheidungerr.

Ein Portier oder Geschäftsdiener u. dgl. m., welcher bei seinem Herrn nicht in einem Kost-, sondern nur in einem Lohnverhältniß steht und eine eigene, vom Herrn ihm zwar eingeräumte, von ihm selbst aber möblirte Wohnung bewohnt, wird, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, IV. Civilsenats, vom 21. Januar d. I., dadurch nicht zu einem Haus- offizianten (Gesinde), selbst wenn er auch zu Dienstleistungen in dem Haushalt feines Herrn hin und wieder herangezogen wird.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Hanau, den 21. Juli 1886.

(Güterverkehr.) Königliche Eisenbahndirektion zu Frankfurt a. M. macht folgendes bekannt: Erfahrungsmäßig tritt in den Herbst­monaten in Folge der alsdann stattfindenden Massenbeförderungen von Obst, Getreide, Kartoffeln, Rüben, Zucker, Kohlen u. s. w. alljährlich eine bedeutende Steigerung des Güterverkehrs und somit eine erhöhte Inan­spruchnahme des Güterwagenbestandes der Eisenbahnen ein. Es veran­laßt uns dies, namentlich die Consumenten von Kohlen und Coaks schon jetzt aufzufordern, für thunlichst frühzeitigen Bezug ihres Bedarfes zu sorgen und rechtzeitig entsprechende Vorräthe anzusammeln, damit bei et- wargen vorübergehenden Verzögerungen im Eisenbahnbetriebe keine Verle­genheiten entstehen. Im Allgemeinen ersuchen wir das verkehrstreibende Publikum, sich die schleunige Be- und Entladung der Wagen angelegen sein zu lassen, um den Eisenbahn-Verwaltungen zu ermöglichen, von einer Einschränkung der Ladefristen so lange wie irgend thunlich abzusehen.

(Amtsbezeichnung.) Behufs übereinstimmender Amtsbe­zeichnung der außeretatsmäßigen Beamten der Staatseisenbahn-Verwaltung hat der Minister der öffentlichen Arbeiten durch Erlaß vom 3. d. Mts. folgendes bestimmt: 1. den im Bureau- bezw. Materialienverwaltungs­und Kanzleidienst beschäftigten außeretatsmäßigen Beamten ist nach be­standener Prüfung fortan die Amtsbezeichnung Bureau- oder Materialien- verwaltungs- und Kanzlei - Diätar beizulegen; 2. den zu Bureau- bezw. Materialverwaltungs- und Kanzlei-Assistenten bereits ernannten Beamten verbleibt die bisherige Amtsbezeichnung.

(Brandversicherungs-Anstalt.) Dem Bericht über den Geschäftsbetrieb der Hessischen Brandversicherungs-Anstalt vom Jahre 1884 entnehmen wir folgendes: Das Versicherungskapital, welches am Schluffe des Jahres 1883 746 604 630 Mark betrug, ist Ende 1884 auf 756 363 100 Mk. festgestellt worden, also im Laufe des Jahres 1884 um

9 757 470 Mk. gestiegen. Die Zahl der Brände betrug im Jahre 1884 353 und die dadurch zur Bewilligung gekommenen Brandentschädigungen berechneten sich auf 915 816 Mk. 80 Pf.

(Au fgefunden) Gestern Nachmittag wurde die Leiche des