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Nr. 167.
Dienstag den 20. Juli
1886.
Tagesscha«.
— Berlin, 19. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König trafen, wie der „R. u. St.-A." meldet, heute Vormittag um 11'/, Uhr in München ein und wurden auf dem reichgeschmückten Bahnhöfe von Sr. Königlichen Hoheit dem Prinz-Regenten sowie sämmtlichen Mitgliedern des bayerischen Königshauses, den obersten Hofchargen und den Staatsministern empfangen. Se. Majestät trugen bayerische Uniform, während der Prinz- Regent preußische Uniform angelegt hatte.
— Berlin, 18. Juli. Nach hierher gelangten Privatnachrichten hätten gestern der Kronprinz und die Kronprinzessin von Oesterreich den Prinzen und die Prinzessin Wilhelm von Preußen in Reichenhall besucht. Der Aufenthalt des Prinzen in dem letztgedachten Bade soll einen sehr günstigen Einfluß auf die Kräftigung desselben äußern. Es ist wohl außer Zweifel, daß, falls das prinzliche Paar noch in Reichenhall verweilt, wenn der Kaiser nach Salzburg kommt, eine Begrüßung des Monarchen durch seine Enkelkinder erfolgen wird.
— Berlin, 19. Juli. Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Graf Herbert Bismarck, soll sich von seiner letzten, bekanntlich nicht unerheblichen Erkrankung in erfreulicher Weise erholt haben. Er wird in kurzer Zeit zur Aufnahme seiner Amtsgeschäfte hierher zurückkehren.
— Berlin, 19. Juli. Die Bevollmächtigten zum Bundesrath: Königlich bayerischer Ober-Regierungsrath Schmidtkonz, Königlich sächsischer Geheimer Finanzrath Golz, Königlich württembergischer Ober-Steuerrath Fischer, Großherzoglich hessischer Ministerialrath v. Werner, Großherzoglich mecklenburgischer Ober-Zolldirektor Oldenburg und Kaiserlicher Ober-Regierungsrath Hauschild, Kommissar der Landesverwaltung für Elsaß-Lothringen, haben Berlin verlassen.
— Berlin, 19. Juli. Die Abendblätter melden, der französische Botschafter de Courcel habe nunmehr um Enthebung von feinem Posten nachgesucht und werde nur hierher zurückkehren, um sein Abberufungsschreiben zu überreichen.
— B er lin, 18. Juli. Der chinesische Vertreter Hsü Tsching Tscheng ist nach Brüssel gereist, um dem König von Belgien ein Handschreiben des Kaisers von China zu überreichen, in welchem der „Sohn des Himmels" den neuen Souverän des Congostaates begrüßt und beglückwünscht.
— Berlin, 19. Juli. Der Stadtverordneten-Vorsteher Abg. Büchtemann ist gestern in Friedrichsroda gestorben.
— Berlin, 19. Juli. Einer Meldung aus Petersburg zufolge tritt mit der Abänderung der Titel der nachgeborenen Großfürsten auch eine Herabsetzung ihrer Apanage als Mitglieder des kaiserlichen Hauses ein.
— Berlin, 19. Juli. Die Handelsstockung im Kamerungebiete ist beseitigt, nachdem die Eingeborenen sich mit den herabgesetzten Preisen zufrieden gegeben.
— Kiel, 19. Juli. Das Schulgeschwader, bestehend aus den Schiffen „Stein", „Prinz Adalbert", „Moltke", „Sophie", „Hansa", wurde heute gebildet. Der Chef desselben ist Commodore Stenzel. Das Geschwader geht morgen in See.
— Der in letzter Zeit mehrfach genannte Posener Domherr Kurows ki, welcher im Jahre 1876 wegen Ausübung des Amtes eines geheimen päpstlichen Delegaten in der Erzdiözese Gnesen-Posen seiner Stellung als Domherr bei der dortigen Kathedrale enthoben und zu einer zweijährigen Gefängnißstrafe verurtheilt wurde, die er in Koschmin verbüßt hat, ist nach einer Meldung des „Kuryer Pozn." auf Grund Allerhöchster Begnadigung in seine Stellung als Domherr wieder eingetreten.
— Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" entnimmt über die bis jetzt erlassenen sozialen Reformgesetze dem Jahresbericht der Handelskammer zu Harburg folgende Aeußerung:
„Wir erachten die allgemeine Einführung der Unfallversicherung für die gewerblichen Arbeiter trotz der großen Lasten, die dadurch den Arbeitgebern auferlegt sind, für einen hohen Gewinn, indem nunmehr der wirklich unbefriedigende Zustand der bisherigen Haftpflichtgesetzgebung beseitigt rst.. Mit Sicherheit glauben wir behaupten zu können, daß das Kranken- versicherungsgesetz vom 15. Juni 1883 sich in den Kreisen der Arbeiter
allmählich heimisch gemacht hat, und daß die wohlthätigen Wirkungen dieses Gesetzes in jenen Kreisen mehr und mehr empfunden werden Von den in unserem Bezirk vorhandenen Fabrik- (Betriebs-) Krankenkassen haben die größeren, viele Mitglieder umfassenden Kassen meistens schon einen recht erheblichen Reservefonds angesammelt, während die kleineren dies im Allgemeinen noch nicht haben erreichen können."
— Die Plüschweber in Elberfeld waren bei dem Reichskanzler um Unterlassung des Plüschwebens in den Strafanstalten vorstellig geworden und haben darauf von dem Minister des Innern unterm 8. d. M. dm Bescheid erhalten, daß der über die Plüschweberei in der Strafanstalt Werden mit einer Firma geschlossene Vertrag bei dessen Ablauf nicht wieder erneuert werden soll.
— Minden, 16. Juli. Der hiesige Weinhändler B. Mühe hat unserer Stadt 100,000 Mark für hilfsbedürftige Arbeiter vermacht; der den Zinsen zu entnehmende Unterstützungsbeitrag soll für den Einzelnen jährlich mindestens 100 Mark betragen. Derselben Stadt hat der in Düsseldorf verstorbene Regierungsrath Bünte, aus Minden gebürtig, sein Vermögen von angeblich 80,000 Mark hinterlassen.
— Metz, 18. Juli. Bei den gestern und heute stattgehabten Ge- meinderaths-Nachwahlen haben die Deutschen 6 weitere Sitze gewonnen. Es sind somit im Ganzen 19 Altdeutsche und 13 Einheimische gewählt worden.
— Augsburg, 18. Juli. (K. 3) Aus der Umgegend waren heute viele Tausende nach der Stadt gekommen, um den Kaiser bei seiner Ankunft zu begrüßen. Alle Gasthöfe waren überfüllt. Unter der Menge fielen besonders zahlreiche Landleute in ihrer kleidsamen schwäbischen Tracht auf. Die Stadt hatte prächtigen Festfchmuck angelegt. Der Bahnhof war grün bekränzt und mit Fahnen geziert. Alle Straßen prangten in reichstem, buntfarbigstem Flaggenschmuck. Gegen 7 Uhr wurde auf dem Balkon des Gasthofes „Zu den drei Mohren" die Kaiserflagge gehißt. Um halb 8 Uhr stellten sich am Bahnhöfe Feuerwehr zur Absperrung und in den Straßen, die der Kaiser Jassiren sollte, Kriegervereine mit Fahnen auf. Aus München waren Hofgalawagen, ein vierspänniger und vier zweispännige, mit Gespannen und Dienerschaft hierhergesandt. 7 Uhr 40 Min. lief der Kaiserzug auf dem Bahnhöfe ein. Zur Begrüßung waren anwesend: der Commandeur der 2. Division, Gen.-Lieut. v. Schmidt, die Offiziere der Besatzung und die Behörden. Die Begrüßung im Empfangsgebäude dauerte 5 Minuten. Als der Kaiser dann auf den Vorplatz des Bahnhofes hinaustrat, der dichtgedrängt mit Menschenmasten war, erschallten tausendfache Hochrufe. Der Platz war glänzend elektrisch erleuchtet. Der Kaiser fuhr nun durch die Bahnhofstraße, Hallstraße nach der Maximilianstraße und stieg im Gasthofe „Zu den drei Mohren" ab, unterwegs durch donnerähnliche Hochrufe begrüßt. Nach einem heißen Tage war eben die Sonne untergegangen und es herrschte eine angenehme Kühle. In den Straßen, welche der Kaiser durchfuhr, hatte die Illumination schon früh begonnen und gegen 9 Uhr erstrahlte die ganze Stadt in einem Lichtmeer. Zauberhaft schön zeichnete sich die lange Maximilianstraße aus, worin der Kaiser Wohnung genommen hatte. Auch das anstoßende altberühmte Fuggerhaus, Rathhaus und andere öffentliche Gebäude waren prachtvoll erleuchtet. .Vor der Wohnung des Kaisers wogten dichte Menschenmassen bis spät Abends, immer wieder Hochrufe ausbringend.
— Lübeck, 19. Juli. Die Bürgerschaft bewilligte heute 34000 ) Mark zur Errichtung einer Hauptanstalt für elektrische Beleuchtung. In Deutschland ist die also begründete Anstalt das erste staatliche Unternehmen dieser Art.
— Wien, 18. Juli. 1100 sächsische Turner haben auf der Durchreise zum Grazer Turnfeste gestern Wien passirt und einen dreistündigen Aufenthalt genommen. Der Frühschoppen hat in den Wirthschaftssälen der Gartenbaugesellschaft stattgefunden. Die Musikkapellen spielten fröhliche Weisen, worauf deutsche Weisen und „Die Wacht am Rhein" angestimmt wurden. Redacteur Leonhard dankte für den festlichen Empfang, worauf der Obmann des Schulvereins, Abg. Weitlof, eine herzliche Ansprache hielt und zu Händen des Reisemarschalls einen Kranz überreichte. Dr. Goetz mahnte in bewegten Worten die Deutschösterreicher zur Einigkeit. Dr. Müller vom Wiener Turnvereine sagte: „Wenn