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Nr. 162.
Mittwoch den 14. Juli
1886.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die aus Anlaß der Vermehrung der Zahl der Loose der Königlich Preußischen Klassen-Lotterie von der 175. Lotterie ab neuerrichteten Kollekturen bis auf einige wenige Stellen, für welche jedoch bereits bestimmte Personen designirt sind, in Berlin, sowie in den Provinzen besetzt sind. Weitere Bewerbungen um diese Kollekteurstellen sind daher zwecklos.
Bei der unverhältnißmäßig großen Zahl der eingegangenen Bewerbungsgesuche können besondere Bescheide auf dieselben nur insoweit ertheilt werden, als dazu noch eine besondere Veranlassung vorliegt.
Zugleich wird mit Bezug auf den in der 2. Beilage der Nr. 138 des „Deutschen Reichs- und Preußischen Staats-Anzeigers" veröffentlichten Plan zur 175. Lotterie noch besonders bekannt gemacht, daß der Verkauf der Loose zu derselben bei sämmtlichen Lotterie-Einnehmern spätestens am 16. August d. I. zu beginnen hat, daß ein erheblicher Theil dieser Loose in Achtelabschnitten, sogenannten Achtelloosen, zum Verkauf gelangen und zu diesem Zwecke jeder Königlichen Lotterie - Einnahme eine entsprechende Anzahl solcher Achtelloose überwiesen werden wird.
Berlin, den 2. Juli 1886.
Königlich Preußische General-Lotterie-Direktion.
Martzy. Thiele, i. V.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Hanau, den 8. Juli 1886.
Das diesjährige Ober-Ersatz-Geschäft für den Aushebungsbezirk Hanau findet am 21., 22., 23. und 24. Juli er. in dem Gasthause zur Mainlust in Kesselstadt statt und beginnt an jedem Tage Morgens 9^2 Uhr. Die Militärpflichtigen haben sich behufs Verlesens präcis 8V2 Uhr Morgens einzufinden..
Die Eltern oder sonstige Angehörige, zu deren Gunsten wegen Arbeitsunfähigkeit Ansprüche auf Zurückstellung rc. begründet werden sollen, haben bei Meldung der Nichtberücksichtigung ihrer Ansprüche im Aushebungstermine persönlich zu erscheinen.
Militärpflichtige, welche ohne genügende Entschuldigung im Termine nicht erscheinen oder bei Ausrufung ihres Namens nicht anwesend sind, werden mit Strafe bis zu 30 Mark oder entsprechender Haft bestraft.
Jede Störung der Ordnung während des Geschäfts wird mit einer Geldstrafe bis zu 15 Mark oder entsprechender Gefängnißstrafe geahndet.
Die Herren Ortsvorstände haben strenge darüber zu wachen, daß die Militairpflichtigen im nüchterne« Zustande, mit reinem Körper und in sauberer Kleidung erscheinen.
Diese Bekannntmachung ist auf ortsübliche Weise zu veröffentlichen und die Militairpflichtigen darauf hinzuweisen, daß sie die Loosungsscheine mitzubringen haben.
Die per Couvert zugehenden speciellen Ladungen sind an die betreffenden Militairpflichtigen ungesäumt auszuhändigen, über die erfolgte Behändigung ist bis spätestens zum 17. d. Mts. eine Bescheinigung hierher einzusenden.
Bei dem Geschäft haben die Herren Ortsvorstände zur Ertheilung etwaiger Auskunft anwesend zu sein, auch haben dieselben dafür Sorge zu tragen, daß die Eltern, die über 14 Jahre alten Brüder und die unverheiratheten Schwestern der Reclamirten zur Stelle sind.
Die Stammrollen der Jahrgänge 1864, 1865 und 1866 sind soweit dies nicht bereits geschehen, bis zum 15. d. Mts. hierher einzusenden.
Der Königliche Landrath
3085 Gf. Bismarck.
Zugelaufen: Am 10. d. Mts. ein kleiner Hahn.
Hanau am 14. Juli 1886.
____Aus Königl. Landrathsamt.
HHstöaugenossenschaft.
Sonntag den 18. Juli d. I., von Nachmittags 4 Uhr an, werben der Herr Oberförster Ehrentreich von Wolfgang und der Herr
Obstbaum- und Kunstgärtner Aeckerle von Hanau im Gasthaus zum „Adler" bei Gastwirth Schweinsberger zu Langenselbold eine Besprechung zum Zwecke der Bildung einer Genossenschaft zur Förderung des Obstbaues halten.
Es werden sich daran eine gemeinschaftliche Besichtigung und Besprechung der dortigen Obstanlagen und ein Vortrag des Herrn Aeckerle über Obstbau halten.
Alle Freunde des Obstbaues sind zur Theilnahme eingeladen, und werden gebeten die Zahl ihrer tragfähigen Obstbäume in der Versamm- lung anzugeben.___________________________________________________________
Tagesschau.
— Berlin, 13. Juli. Heute Vormittag 10 Uhr machten, wie der „R. u. St.-A." aus Koblenz meldet, Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin eine Spazierfahrt. Zum heutigen Diner ist unter anderen hervorragenden Personen der Kaiserliche Botschafter in London, Graf von Hatzfeldt, geladen.
— Berlin, 13. Juli. Die wegen Fälschung und Betrugs zum Nachtheil der Disconto-Gesellschaft verfolgten Wißmann und Gobisch wurden gestern Abend in Marseille an Bord eines nach Algier gehende» Schiffes verhaftet. (F. N.)
— Die „National-Zeitung" sagt in einem Artikel, in welchem sie die bevorstehenden Gemeinderathswahlen in Straßburg bespricht:
Wie sich schließlich das Resultat der Verwaltung des Fürsten Hohenlohe stellen wird, darüber wäre es voreilig, jetzt ein Urtheil zu wagen. Nur so viel kann man sagen, daß Fürst Hohenlohe keine Niederlage erleiden wird. ..... Er hat einen ruhigen, besonnenen, geschäftsmäßigen Ton mit den Reichsländern angeschlagen, der, wo nöthig, auch der patriotischen Wärme nicht entbehrt. Er wünscht die Sympathie der Bewohner, macht sich aber offenbar keine Illusionen über die Tragweite des Einflusses, den ein deutscher Beamter auf die Gesinnungen der Elsaß- Lothringer ausüben kann. Die Folge davon ist, daß in den paar Monaten der Verwaltung des Fürsten Hohenlohe eine gewisse Beruhigung eingetreten ist. Die deutschen Beamten athmen auf, und selbst nach dem Zeugniß französischer Blätter ist der Eindruck, den der neue Statthalter gemacht hat, ein sehr guter. Die Kenntniß französischer Sitten und Anschauungen, die er sich als Botschafter erworben hat, kommt ihm zu Stätten; man läßt seinem Streben, billig und milde zu verwalten, Gerechtigkeit widerfahren. Man sieht aber auch gleichzeitig, daß Fürst Hohenlohe die Popularität nicht sucht und mit der Entgegenbringung von Sympathie wartet, bis man ihm mindestens auf halbem Wege entgegenkommt.
— S. M. Kreuzer-Korvette „Luise", Kommandant Korvetten-Kapitän Graf von Haugwitz, ist am 10. Juli cr. in Portsmouth eingetroffen. — S. M. Kreuzer „Möwe", Kommandant Kapitän zur See Hoffmann, ist am 11. Juli cr. in Aden, S. M. Kreuzer „Nautilus", Kommandant Korvetten-Kapitän Rötger, am 13. Juli cr. in Shanghai eingetroffen.
— Koblenz, 13. Juli. Die Abreise Sr. Maj. des Kaisers ist auf heute Abend halb zehn Uhr festgesetzt.
— Kiel, 12. Juli. Briessendungen sind zu richten für S. M. Panzerschiff „Friedrich Karl" bis 17. Juli nach Palermo über Frankfurt- Basel, vom 18. bis 22. Juli nach Madalena (Insel Sardinien) über Hof-WiffauMünchen-Brenner-Genua; für S. M. Vermessungsfahrzeug „Drache" sind Sendungen bis auf weiteres nach Wilhelmshaven zu richten.
— Lippehne, 13. Juli. Auf eine vom Festcomitö an den Reichskanzler Fürsten Bismarck gerichtete Begrüßung ging folgendes Antwortstelegramm ein: „Mit herzlichem Dank erwidere ich den freundlichen Gruß meiner neumärkischen Landsleute und blicke, dankbar gegen Gott, auf die, seit ich in Lippehne war, vergangenen 44 Jahre zurück!"
— Zu den reichsländischen Gemeinderathswahlen bemerkt die „Nat.- Lib. Corr.": „Es hat sich gezeigt, daß nicht nur das altdeutsche Element zahlreicher und mächtiger ist, als man angenommen hatte, sondern daß auch das Comitch welches die Ausschließung aller Deutschen proklamirte, keineswegs unbedingte Zustimmung bei den Altstraßburgern gefunden hat. Auf alle Fälle: in Paris hat man keinen Anlaß zu Jubelgeschrei."