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Beilage zu Nr. 161 des Hanauer Anzeiger.

j* Warnung für das deutsche Kapital.

Unsere kleinen Kapitalisten sind bei der bekannten Vorliebe der Deutschen für alles Fremde nur zu oft geneigt, ihre Ersparnisse in Hoffnung auf recht hohe Dividenden in exotischen Unternehmungen anzu- legen. Der Zinsfuß sicherer einheimischer Papiere ist allmählich sehr niedrig geworden und bietet nichts Verlockendes mehr; dafür glaubt man desto besser bei äußerlich recht glänzend erscheinenden ausländischen Finanz­operationen sich betheiligen zu können. Ein Jeder mag thun, was er nicht lasten kann. Aber ein Jeder sollte sich doch wenigstens einen Einblick in die Natur der Unternehmungen verschaffen, in die er sein Kapital steckt. Unsere großen Bankiers wissen genug Bescheid: für die liegt die Gefahr nicht nahe, ihr Geld in unsicheren Papieren anzulegen. Die kleinen Kapitalisten aber lasten es nur zu oft an der nöthigen Prüfung fehlen und laufen somit Gefahr, nicht nur die versprochenen Dividenden nicht zu erhalten, sondern auch ihr Kapital zu verlieren.

Demnächst wird eine neue Versuchung an die kleinen Kapitalisten in Gestalt einer Anleihe von 600 Millionen Francs für den Bau des Panama-Canals herantreten. Da wird es gut sein, ihnen wenigstens Kenntniß von den thatsächlichen Verhältnissen zu verschaffen und sie auf den Bericht aufmerksam zu machen, den der von der französischen Re­gierung nach Panama entsandte Sachverständige Rousseau über das Unternehmen soeben seiner Regierung erstattet hat. Der Bericht, welcher in Frankreich großes Aufsehen gemacht hat, tritt zwar sehr entschieden für die Fortsetzung und Durchführung des Unternehmens ein, welches fallen zu lassen er nicht nur als ein Unglück für die bisherigen Actionäre, sondern auch für ganz Frankreich und den französischen Einfluß in ganz Amerika bezeichnet, womit er die Pflicht der Regierung begründet, dem Unternehmen ihre Hilfe angedeihen zu lassen. Dennoch ist er offen genug, vor der Uebernahme einer zu weit gehenden Verantwortlichkeit des Staates zu warnen: derselbe dürfe der Canalgesellschaft weder Rathschläge noch Bürgschaften ertheilen, da er mit dem Bauproject und der Ausführung der Arbeiten nichts zu thun habe und das Gelingen doch immerhin zweifelhaft ist. Was der Staat thun kann, soll sich darauf beschränken, daß er sich dessen vergewissert, daß die Gesellschaft ihr Werk ernst in Angriff nimmt, die ihm entgegenstehenden Schwierigkeiten zu beseitigen suchi und sich mit gewissenhaften, erleuchteten, sachverständigen Männern umgibt. Dies sei um so nothwendiger, als der Berichterstatter der Ueberzeugung ist, daß die Vollendung des Werkes mit den vorhergesehenen Mitteln und in den angekündigten Fristen sehr fraglich ist, wenn die Gesellschaft sich nicht dazu entschließt, sehr wesentliche Vereinfachungen an ihren ursprünglichen Plänen vorzunehmen. Die Regierung soll sich von dem Aufsichtsrath gründliche Gewißheit darüber verschaffen, ob nicht das ursprüngliche Bauprogramm fast unüberwindliche Schwierigkeiten enthält, ob es über­haupt möglich sei, dieses Programm unter den Bedingungen, welche man dem Publikum bei der Ausschreibung der Anleihe bietet, zu verwirklichen und ob nicht wesentliche Vereinfachungen in dem Bauprogramm vorge- nommen werden müssen.

Alan braucht nicht einmal zwischen den Zeilen lesen zu können, um zu merken, daß der Sachverständige der französischen Regierung seinerseits eher von der Unrealisirbarkeit des Projects in technischer Beziehung über­zeugt ist, als vom Gegentheil. Damit ist natürlich auch der finanziellen Operation der Boden entzogen. In finanzieller Beziehung hat der be­kannte Nationalöconom Leroy Beaulieu die gewichtigsten Bedenken ge­äußert: er erklärt sich gegen die 600-Millionen-Anleihe und prophezeit aus dem Canalunternehmen in seiner gegenwärtigen Form für Frankreich ein zweites 1870: der für das Land entstehende Verlust werde fast die Hälfte der im Jahre 1871 an Deutschland gezahlten Kriegskosten­entschädigung betragen, da die in den ersten vier Jahren aus der Anleihe zu bestreitenden Kosten und Bauzinsen allein die Hälfte der Anleihe ab- forbiren und eine neue Anleihe nöthig machen würden.

Dies genüge zur Orientirung für diejenigen, welche nicht genug Geld überflüssig haben, um es in Unternehmungen zu stecken, welche nur zu leicht verkrachen sönnen. Die kleinen deutschen Kapitalisten werden hoffentlich nun wissen, was sie zu thun haben, wenn die Panama-Canal- Anleihe demnächst auf den Markt gebracht werden sollte.________________

Tagesschau.

Hinsichtlich des Planes einer deutschen Gewerbeausstellung betont auch die B r es l auer Handelskammer, wie so manche andere, in ihrem letzten Jahresbericht, daß für das Unternehmen bei den Vertretern der schlesischen Großindustrie wenig oder gar keine, bei den Vertretern der Kleinindustrie dagegen ziemlich viel Meinung vorhanden gewesen sei. Namentlich glauben die Vertreter der Eisen-, Textil- und chemischen Industrie, daß für eine Nationalausstellung keine hinlängliche Veran­lassung vorliege. Die Breslauer Handelskammer wünscht eine inter- riationale Ausstellung in Berlin.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

(Synodalordnung.) Die neue Presbyterial- und Synodal- ordnung für die evangelischen Kirchengemeinschaften des Regierungsbezirks Cassel wird, nach den neuesten amtlichen Mittheilungen des königlichen Konsistoriums, nunmehr zur Ausführung gelangen. Die hierzu erforder­lichen Anordnungen erläßt das Konsistorium unter Genehmigung des Kul­tusministers. Nach dem Gesetze besteht die Gesammtsynode aus dem Ge- neralsuperintenden der reformirten, der lutherischen und der unirten Kir­chengemeinschaften des Konsistorialbezirks, aus sämmtlichen Superintenden­ten, aus einem von der theologischen Fakultät der Universität Marburg gewählten Mitgliede, aus den von den Diöcesansynoden zu wählenden geistlichen und weltlichen Abgeordneten und aus 6 vom Könige zu beru­fenden Mitgliedern. Die Synodalperiode dauert 6 Jahre. Zur Bildung der Diöcesansynoden ist jetzt der Regierungsbezirk Cassel in 13 Diöcesan- synodalverbände getheilt. Jede Diöcesansynode besteht aus dem Superin- tenden und sämmtlichen ein Pfarramt innerhalb des Diöcesansynodalver- bandes definitiv oder vikarisch verwaltenden Geistlichen, sowie aus der doppelten Zahl weltlicher Mitglieder. Die Bezirke der Diöcesansynoden sind folgende: 1) Marburg - Kirchhain - Frankenberg - Vöhl mit 59 Pfarr- stellen, 2) Fritzlar- Messungen mit 52, 3) Ziegenhain - Homberg mit 50, 4) Cassel (Stadt) mit 14, 5) Hofgeismar-Wolfhagen mit 48, 6) Hersfeld- Rotenburg mit 43, 7) Hanau mit 41, 8) Cassel-Witzenhausen mit 38, 9) Eschwege mit 38, 10) Gelnhausen - Schlüchtern mit 35, 11) Rinteln mit 24 Pfarrstellen, 12) Schmalkalden, umfassend die bisherige lutherische und reformirte Jnspektur Schmalkalden, und 13) Fulda-Hünfeld-Gersfeld mit 15 Pfarrstellen. Die jetzt im Amte stehenden Superintendenten derjenigen Diöcese, in deren Gebiet der Ort ihres seitherigen Amtssitzes gelegen ist. Die Superintendenten der übrigen Diöcesen werden nach den Uebergangsbestimmungen im ersten Bestellungsfall nur vom Landesherrn ohne Mitwirkung der Diöcesangeistlichen oder eines Synodalorgans er­nannt. Ihre Ernennungen dürften in aller Kürze erfolgen. Die seithe­rigen Presbyterien sind angewiesen, bis zum 15. b. M. Vorschläge über die künftige Zusammensetzung des Presbyteriums. zu machen und Listen der wahlberechtigten Gemeindemitglieder aufzustellen.

Marburg. Mit der Niederlegung der alten Universitäts­Aula, dem letzten noch vorhandenen Stück des ehemaligen Dominikaner­klosters, aus dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts stammend, ist nun auch begonnen. Mit dem demnächstigen Neubau einer Aula wird unser Universitätsgebäude seine Vollendung erhalten und damit eins der hervor­ragendsten Bauwerke deutscher Baukunst werden.

Frankfurt a. M., 12. Juli. Zu der Stelle des Lagerhaus- Directors sind nach derFrkf. Ztg." 263 Bewerbungen eingelaufen. Die Stelle soll Herrn Valentin Schmarr (geb. zu Hanau 1854, der­malen zu Cöln, Procurist des Speditionshauses Rheinische Transport- Gesellschaft William Egan u. Co. (Commandite der Bank für Handel und Industrie) in Mainz übertragen werden. Zur Zeit befinden sich viele Amerikaner in, unserer Stadt und in deren Umgegend. Dieselben sind meist aus Cincinnati und Brooklyn. Sie werden bis Mitte September Deutschland bereisen und dann über den Ocean zurückkehren. Welche Dimensionen gegenwärtig die Stellenlosigkeit unter den Commis und Buchhaltern angenommen hat, geht daraus hervor, daß sich um eine vacante Stelle 354 Bewerber meldeten. Viele verlangten monatlich nur 75 und 80 Mark Salair. Den Bootverleihern ist bei einer Strafe bis zu 30 Mark verboten, Boote an Kinder unter 15 Jahren zu verleihen. (G.-A.)

Frankfurt a. M., 13. Juli. Vor einigen Tagen kehrte ein ehemaliger Frankfurter nach einer fast dreißigjährigen Abwesenheit aus Amerika in seine Vaterstadt zurück. Kaum hier angekommen, fühlte er sich unwohl, und da sein Leiden rapid zunahm, erwirkte er gegen Hinter­legung der entsprechenden Summe seine Aufnahme in das Bürgerhospital.

24 Stunden nach seiner Aufnahme ereilte ihn der Tod. Auf der Brust der Leiche fand man, in ein Wämmschen eingenäht, die Summe von 30,000 Mark. In der Kstraße stiegen Ende voriger Woche nächtlicherweile Diebe in die Wirthschaftsräume eines Italieners ein und schleppten 18 Wiener Rohrstühle, die erst am vorhergehenden Tage aus einer Möbelhandlung bezogen und noch nicht ausgepackt waren, fort. Mit soviel Schwierigkeiten auch der Transport der Möbelstücke verknüpft ge­wesen sein muß, so ist es doch nicht gelungen, einen der Thäter zu ermitteln. Vor Kurzem starb hier in dem westlichen Theile der Alt­stadt ein alter lediger Herr, der ruhig dahinlebte und um welchen sich anscheinend Niemand kümmerte. Er war zur untersten Stufe der klassi- ficirten Einkommensteuer veranlagt und hinterließ ein Vermögen von über eine Million Mark. Gleichwohl hatte er oft erklärt, wegen der hohen Steuer von Frankfurt wegziehen zu wollen. Er war ein großer Kunst­freund und hatte beträchtliche Summen in Kunstgegenständen angelegt.

Wiesbaden, 12. Juli. Der Kaiser hat, wie dieW. Pr."