Dampfer „Oregon" an der Arbeit sind, brachten in voriger Woche 181 Postbeutel in Sicherheit, die an das New-Aorker Postamt abgeliefert morden sind. Ein Postbeutel wurde am Gestade beim Cap Hatteras aufgefunden, so daß von 598 Postbeuteln an Bord des „Oregon" überhaupt 461 geborgen sind. In letzteren befindet sich ein großer Theil der Briese für die Vereinigten Staaten, Canada, Mexiko und Cuba. Diese Briefe sind in ziemlich guter Verfassung und werden abgeliefert werden, nachdem sie getrocknet worden sind.
— New-I)ork, 7. Juli. Der Postdampfer „Noordland", Kapt. Nickels, ist von Antwerpen angekommen.
Reichsgerichts-Entscheidunge«.
— Hat der Versicherungs-Agent einer ungünstig fituirten Versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit einen Versicherungslustigen zum Eintritt in diese Gesellschaft durch die Täuschung bewogen, daß die Vermögenslage derselben eine gute sei und Nachschüsse weder bisher gefordert worden seien, noch in Zukunft erhoben werden würden, und dadurch den Eintretenden in seinem Vermögen geschädigt, so hat er sich dadurch nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Strafsenats, vom 29. April d. I., des Betruges schuldig gemacht.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Hanau, den 10. Juli 1886.
— (Erledigte Stellen für Militäranwärter im Bezirke des 11. Armee-Corps.) Hanau, Amtsgericht, Kanzleigehülfe, auf ^wöchentliche Kündigung, 5—8 Pfg. Vergütung für die Seite Schreibwerk. Battenberg, Amtsgericht, Kanzleigehülfe, auf Imonatl. Kündigung, ca. 55- 60 Mk. monatlich. Cassel, Strafanstalt, Aufseher, auf 3monatl. Kündigung, jährlich 900 Mk. Gehalt und 210 Mk. Mieths- entschädigung oder freie Wohnung. Frankfurt a. M., Postamt I, Briefträger, auf 4wöchentl. Kündigung, 800 Mk. Gehalt und 240 Mk. Wohnungsgeldzuschuß ; daselbst, Stadtpostbote, auf 4wöchentl. Kündigung, 750 Mk. Gehalt und 240 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. Frankfurt a. M., Postamt IV, Postschaffner, auf 4wöchentliche Kündigung, 800 Mk. Gehalt und 240 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. Gotha, Postamt, Postschaffner, auf 4wöchentl. Kündigung, 800 Mk. Gehalt und 144 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. Höchst, Bürgermeisterei, Polizeidiener, erst auf Imonatl. Kündigung, später auf Lebenszeit, 1000 Mk. Gehalt und 60 Mk. Kleidergeld. Meinerz- Hagen, Steuerkaffe, Vollziehungsbeamter, 1 monatliche Kündigung, jährlich 900 Mk. Besoldung und 60 Mk. Wohnungsgeldzuschuß; an Pauschver- gütung für Zehrungs- rc. Kosten jährlich 300 Mk. Rasdorf, Postagen- tur, Landbriefträger, auf Kündigung, 480 Mk. Gehalt und 60 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. Weimar, Großh. Gendarmerie- Commando, Fußgentarm 3. Klasse, zunächst widerruflich, später ev. auf Lebenszeit, 1000 Mk. und 180 Mk. Dienstaufwandvergütung. Wetter (Reg.-Bez. Cassel), Stadtbehörde, Stadtschreiber auf Kündigung, 288 Mk. jährlich.
— (Nach trag.) In Ergänzung unserer Mittheilung über den vorgestrigen Besuch der Frau Fürstin Bismarck nebst hohen Verwandten, bei einigen unserer Kunstindustriellen, theilen wir noch nachträglich mit, daß auch der Juwelenhandlung des Herrn Julius Engelhard da- hier die große Ehre zu Theil wurde, dessen weit über die Grenzen Deutschlands bekanntes Juwelen- und Perlenlager zu besichtigen, das bereits an der Perlenausstellung von Berlin im Jahre 1880 einen so hervorragenden Antheil nahm, wie auch dem Herrn Landrath Grafen v. Bismarck bekannt war.
Die Frau Fürstin hat neben dem Ausdruck hoher Befriedigung, ihr Interesse an der Hanauer Kunstindustrie durch verschiedene Einkäufe bethätigt.
— (Wetterauische Gesellschaft.) Von morgen ab sind die Sammlungen der Wetterauischen Gesellschaft, welche sich in den oberen Räumen des vormaligen Regierungsgebäudes (Altstädter Schloß) befinden, an Sonn- und Festtagen wieder von Vormittags 11 bis 12*/* Uhr für Erwachsene oder auch Kinder in Begleitung Erwachsener geöffnet. Wir machen wiederholt auf die überaus reichen Sammlungen aus dem Pflanzen-, Mineral- und Thierreiche, an sonstigen Naturmerkwürdigkeiten 2c. aufmerksam — wohl die er ste Sehenswürdigkeit Hanau's — weil es immer noch viele Hanauer gibt, die hiervon keine Ahnung haben. Ein Besuch lohnt sich auch für den Laien und weckt sicher sein Interesse an der Naturgeschichte.
— (Geschichtsverein.) Dem nächste Woche seitens des Geschichts- vereins festgesetzten Ausflug nach Erbach und Michelstadt können sich auch Freunde des Vereins anschließen. Erbach und Michelstadt bilden, abgesehen von den bedeutenden Waffensammlungen, alterthümlichen Gebäuden, auch viel des Interessanten an Naturschönheiten. — Bei einer Theilnahme von 30 Personen ist einfacher Fahrpreis (Sonntagsbillet) giltig.
— (Nicht bestätigungen.) Die s. Z. von ihren resp. Gemeinden gewählten Bürgermeister Ferdinand G erk-Fechenheim, Peter Dörr- Rüdigheim und Kaspar Schneider 11.-Roßdorf haben die amtliche Bestätigung nicht erhalten.
— (Stadtgraben.) Interessenten zur Nachricht, daß übermorgen |
(den 12. Juli) die Stadtgraben behufs Reinigung und Durchströmung abgelaffen werden.
— St. (Witterung) Nachdem kühleres, veränderliches Weiter mit Gewitterneigung, Regen und schwachen nach West drehenden Winden eingetreten war, ist in vergangener Nacht das Barometer viel gestiegen und zeigt genau 28". Wind aus Nord.
— Für heute. Abends 8 Uhr: Großes Militair-Concert, in der „Centralhalle", ausgeführt von dem auf einer Kunstreise beurlaubten Trompeterchor des K. S. 1. Husaren-Regts. Nr. 18; — Zum „Deutschen Haus": Großes Streich-Concert; — Restauration zur „ Eisenbahn": Abonnements- Concert der hiesigen Regimentskapelle; — Restauration „Germania": Garten- Concert. — Abends 9^2 Uhr: Generalversammlung der „Turngesell- schaft"; Tagesordnung: Rechenschaftsbericht, Kreisturnfest in Worms; — Generalversammlung des Vereins „Einigkeit". — Turn- und Fecht-Club: Abends von 3/i9 Uhr an Turnen der Männerriege.
— (Sehenswürdigkeiten.) „Museum der Wetterauischen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Feiertagen Vormittags von 11 bis Vs 1 Uhr (Kindern allein ist der Zutritt nicht gestattet).
— (Verleihung.) Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht dem Polizei-Inspektor Boedicker zu Caffel bei seiner Versetzung in den Ruhestand den Charakter als Polizeirath zu verleihen. (St.-A.)
— (Ernteaussichten.) Der heutige „R. u. St.-A." bringt Mittheilungen über den Stand der Saaten und der Ernteaussichten. Bezüglich der Provinz Hessen-Nassau heißt es:
1) Reg.-Bez. Cassel: Der Stand des Roggens ist vielfach recht dünn. Die Aehren sind meist befriedigend entwickelt. Bester jedoch hat sich der Weizen entwickelt, so daß eine normale Ernte an Stroh und Körnern in Aussicht steht. Raps liefert nur geringe Ausbeute. Klee zeigt überall guten Stand. Hafer, Sommerweizen und Kartoffeln stehen gut. Das Wiesengras läßt nichts zu wünschen übrig.
2) Reg.-Bez. Wiesbaden: Bei Sommer-Halmfrüchten, Kartoffeln, Klee und Wiesen ist ein reichlicher Ertrag zu erwarten. Auch bei Weizen scheint der Ertrag meist ein befriedigender zu werden, wogegen die Aussichten der Roggenernte sich im Ganzen weniger günstig gestaltet haben.
— (Pensionirung d er Lehrer.) Die Königl. Regierung zu Breslau hat, wie wir der „Schief. Ztg." entnehmen, in jüngster Zeit den königl. Kreis-Schulinspektoren ihres Bezirks die Nothwendigkeit nahe gelegt, daß die Lehrer öffentlicher Volksschulen in ihrem eigenen Interesse handeln, wenn sie die Anträge auf Pensionirung thunlichst schon ein halbes Jahr vor dem Tage, an welchem sie in den Ruhestand zu treten wünschen, einreichen, weil erfahrungsmäßig große Unzuträglichkeiten entstehen, wenn der anfänglich für die Pensionirung in Aussicht genommene Termin darum hinausgeschoben werden muß, weil die nothwendigen, oft mehr als ein Vierteljahr in Anspruch nehmenden Vorverhandlungen nicht rechtzeitig beendet werden können.
— (Jnformationskursus.) Zur Theilnahme an dem vom 6. bis inkl. 16. d. Mts. bei der Militärschießschule in Berlin stattfindenden Jnformationskursus sind vom 11. Armeekorps nachstehende Regiments- Kommandeure u. s. w. der Kavallerie kommandirt worden: p. Poremsky, Kommandeur des Rhein. Drag.-Regts. Nr. 5; v. Leipziger, Kommandeur des 2. Hess. Hus.-Regts. Nr. 14; ferner Oberstlieutenant v. Alvensleben, Kommandeur des 2. Großherzogl. Hess. Drag.-Regts. Nr. 14.
— Wabern, 7. Juli. Heute tagte hierselbst eine Generalversammlung der Aktienzuckerfabrik Wabern. Der Abschluß des verflossenen Geschäftsjahres hatte sich günstiger gestaltet, als viele Aktionäre glaubten. Nicht nur wurde der Centner Rüben mit 1 Mk. bezahlt, sondern es ergab sich noch eine Dividende von 5 pCt.
— Fuld a, 9. Juli. Die Heuernte ist bei der bis gestern angehaltenen herrlichen Witterung rasch von statten gegangen und kann hier und in der Umgegend im Großen und Ganzen als beendigt betrachtet werden. Die Qualität des Heu's ist eine vorzügliche und der Ertrag ein sehr reichlicher. Seit gestern hat sich nun wieder etwas Regen in Folge von Gewittern eingestellt, welcher vom Landmann wie Gärtner freudig begrüßt worden ist.
— Frankfurt a. M., 10. Juli. Ein in der A—gaffe wohnender Buchhalter besorgte nebenbei allerlei Commissionen. Zufälligerweise befaßte sich sein Hausherr mit ähnlichen Commissionen. Dieser ließ sich nun beikommen, Briefe, die an seinen Miether abgegeben wurden und in welchen er lohnende Aufträge vermuthen durfte, zu öffnen und zu unterschlagen. Der Miether verlangte eine Entschädigung von 600 Mark für entgangene Verdienste, der Hausherr wollte aber nur 350 Mark bezahlen. Es ist nun zum Proceß gekommen. — Die Unart der Kinder, sich hinten an den Wagen zu hängen, kam gestern auf der Friedberger Landstraße einem Buben theuer zu stehen. Als der Fuhrknecht den ungebetenen Fahrgast bemerkte, forderte er ihn auf, sich herunter zu machen. Der Junge folgte, sprang herab, stürzte hin und zog sich eine schwere Kopfwunde zu. — Auf dem Oederweg liefen vorgestern Nachmittag Buben auf der Mauer umher, welche den elterlichen Garten umgibt. Beim Abspringen von der Mauer brach der eine von ihnen ein Bein. — Zufolge Verfügung des Herrn Ober-Präsidenten beginnen am 15, d. M.