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Nr. 156.
Mittwoch den 7. Juli
1886.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts. Nachtrag
zu der Tagesordnung für den Kreistag am 10, Juli 1886.
12) Wahl von zwei weiteren Mitgliedern in die KreisvermittelungsCommission, da die bisherige Anzahl von 4 Mitgliedern nicht ausreichend ist.
Verordnung vom 30. Juni 1834. G. S. S. 172.
Hanau am 6. Juli 1886.
Der Königliche Landrath Gf. Bismarck.
Für die diesjährige Badezeit werden zur Verhütung von Unglücksfällen und zur Wahrung des Anstandes beim Baden die nachstehenden Vorschriften in Erinnerung gebracht:
1) das Baden in der Kinzig und in den Stadtgräben ist gänzlich verboten;
2) außerhalb der öffentlichen Bade- und Schwimmanstalten darf im Main nur an denjenigen Plätzen gebadet werden, welche durch am Ufer stehende Pfähle als ungefährlich und erlaubt bezeichnet sind;
3) Kindern unter 14 Jahren ist das Baden nur unter Aussicht erwachsener Personen gestattet;
4) das Baden im offenen Main längs der Philippsruher . Straße, des Schlosses Philippsruhe und des dazu gehörigen Schloßgartens sowie
5) das Baden im offenen Main, Rumpenheim gegenüber, ist verboten.
Uebertretungen dieser Vorschriften oder Ungebührlichkeiten gegen den mit Handhabung der Ordnung beauftragten Badeaufseher werden mit Geldstrafe von mindestens einer Mark oder bei Unvermögen mit Haft geahndet.
Hanau am 30. April 1886.
Der Königliche Landrath
P. 1920. ___________Gf. Bismarck.______________________
Tagesschau.
— Berlin, 6. Juli. Dem zum Vize-Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Braunschweig ernannten Herrn Hans Bautler ist das Exequatur Namens des Reichs ertheilt worden.
— Berlin, 6. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König machten, wie der „R. u. St.-A." aus Ems berichtet, gestern eine Ausfahrt die Lahn abwärts und wohnten Abends der Vorstellung im Theater bei. Heute früh machten Allerhöchstdieselben eine Kurpromenade und geleiteten um 8V2 Uhr Se. Königliche Hoheit den Großherzog und Ihre Kaiserliche Hoheit die Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin bei Ihrer Abreise nach dem Bahnhöfe. Später hörten Se. Majestät die Vorträge des Ober- Hofmarschalls, Grafen v. Perponcher, und des Chefs des Militärkabi- nets, General-Lieutenants v. Albedyll. Zum Diner ist Se. Hoheit der Prinz Heinrich von Hessen geladen.
— Potsdam, 5. Juli. Heute Nachmittag brach in dem in der Nähe des Neuen Palais gelegenen Dorfe Eiche eine Feuersbrunft aus, welche, da die meisten Einwohner außerhalb des Ortes mit Feldarbeiten beschäftigt waren, rasch um sich griff und sieben Gehöfte in Asche legte. Ein Kind wird vermißt. Der Kronprinz war unmittelbar nach Ausbruch des Feuers nach der Brandstätte geeilt und verblieb auf derselben rathend und helfend, bis das Feuer gelöscht war. Von den Communs war das Lehr-Jnfanterie-Bataillon nach Eiche ausgerückt und betheiligte sich an den Lösch- und Rettungsarbeiten.
— S. M. Kanonenboot „Wolf", Kommandant Kapitän-Lieutenant Jaeschke, ist am 5. Juli er. in Singapore eingetroffen.
— Die preußischen Minister werden nun nacheinander ihre Urlaubsreisen antreten, so daß immer nur zwei Mitglieder des Staatsministeriums in Berlin anwesend sein werden. Erst in der zweiten Hälfte des September dürfte das Ministerium wieder vollzählig in Berlin versammelt sein. Am nächsten Donnerstag tritt Minister Maybach seinen Urlaub nach dem Rheine an.
— Wie die „Nordd. Allg. Z." aus Antwerpen erfährt, hat der erste subventionirte deutsche Postdampfer, die „Oder", welcher am 3. ds. mit voller Ladung seine Weiterreise antrat, aus Mangel an Raum sogar mehrere Frachtaufträge zurückweisen müssen.
— Barmen, 4. Juli. In dem benachbarten Herne saß am Dienstag Nachmittag ein Zechenbeamter in einer Wirthschaft und spielte mit seinem geladenen Revolver. Plötzlich ertönte ein Schuß und die Kugel flog durch das klirrende Fenster auf die Straße. Von draußen vernahm man . einen gellenden Schrei, eine arme Wittwe lag, von der Kugel getroffen, in ihrem Blute. Das Geschoß war ihr in die Brust gedrungen und bis heute ist es nicht gelungen, dasselbe zu entfernen.
— Kiel, 5. Juli. Briefsendungen für S. M. Panzerschiff Friedrich Karl sind bis auf Weiteres nach Pola (Jstrien) und für S. M. Kanonenboot Iltis bis zum 16. ds. nach Gibraltar, vom 17. ds. und bis auf Weiteres nach Plymouth (England) zu richten.
— München, 6. Juli. Die Antwort des Prinz-Regenten an das Ministerium lautet wörtlich: Die sämmtlichen Minister haben mir mit gemeinsamer Vorstellung vom 5. Juli die Bitte um Enthebung von ihren Aemtern unterbreitet und in eingehender Begründung dieser Bitte namentlich die sich mehrenden Angriffe auf das gesammte Staatsministerium hervorgehoben. Solche Angriffe vermögen jedoch die in mir feststehende Ueberzeugung nicht zu erschüttern, daß das gesammte Staatsministerium unter den schwierigsten Verhältnissen seine aufopfernde Hingebung an Krone und Land bewährt hat und für die Interessen, welche dasselbe zu schirmen und zu fördern berufen, in ersprießlicher Weise eingetreten ist. Das Bestreben des gesammten Staatsministeriums ist, wie ich in eigener reger Antheilnahme an den Staatsangelegenheiten seit Jahren wahrzunehmen Gelegenheit hatte, fortdauernd darauf gerichtet, in pflichtmäßiger objektiver Würdigung der Sachlage die geistigen und materiellen Güter des Volkes zu erhalten und zu mehren. Von dem hierbei Erzielten steht mir der Schutz der Religion und die Wahrung des Friedens unter den Konfessionen obenan und ich empfinde mit ganz besonderer Freude, daß zu öfteren Malen von der höchsten katholischen kirchlichen Autorität die vollkommene Befriedigung über die Lage der katholischen Kirche in Bayern ausgesprochen worden. Von großer Bedeutung sind auch die zahlreichen Bestrebungen des Ministeriums, welche die Stärkung des Wohlstandes und der Steuerkraft im Lande bezwecken, und in beiden Beziehungen, soweit die Regierung dazu beizutragen vermag, relativ günstige Zustände angebahnt und gefestigt haben. In Erwiderung der Vorstellung sämmtlicher Minister spreche ich denselben meine volle Anerkennung für ihr seitheriges Wirken, insbesondere für ihr treues, gewissenhaftes Aushalten in den letzten schweren Zeiten, sowie mein volles Vertrauen mit dem Beifügen aus, daß ich des Rathes so diensterfahrener, erprobter Männer nicht entbehren möchte, vielmehr deren Verbleiben im Amte ausdrücklich wünsche. Ich hoffe und erwarte, daß immer mehr alle jene, denen das Wohl unseres theueren Vaterlandes am Herzen liegt, mitwirken werden, dem Lande vor allem die Segnungen des inneren Friedens zu sichern. (F. N.)
— München, 6. Juli. Das heutige Kriegsministerialblatt veröffentlicht die Verleihung der Jnhaberstelle des fünften Chevauxlegers- Regiments an den Erzherzog Albrecht. von Oesterreich. Die Allgemeine Zeitung theilt das an den Prinzregenten eingelaufene Telegramm des neuen Inhabers aus Hof bei Kettenberg mit; dasselbe lautet: „Tief gerührt durch diesen Beweis brüderlicher Freundschaft, danke ich von Herzen und bin stolz, mich zu der braven bayerischen Armee zählen zu j dürfen."
— Wien, 6. Juli. Die Neue Freie Presse meldet aus Cettinje: ■ Die eingeschlossenen Türken ergaben sich am 4. ds., nachdem sie einen i mißlungenen Ausfall gemacht hatten, und gaben die beiden gefangenen Capitäne heraus.
— Der im telegraphischen Wege ein gebrachte Ministerial-Recurs gegen das Verbot der Enthüllung des Kaiser Josephs-Denkmals in Prag ist bis gestern nicht erledigt worden und in Folge dessen hat die vom Teutschen Handwerkerverein in Prag geplante Feier nicht stattgefunden. Was das Verbot der Enthüllungsfeier anbelangt, so gibt selbst da