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München, 4. Juli. DieK. Z." schreibt: Heute tagt hier der Ausschuß der deutschen und österreichisch-ungarischen Eisenbahn-Ver­waltungen, um die Vorschläge festzustellen, welche der Generalversammlung bezüglich der Reform des Vereinskartensystems unterbreitet werden sollen. Von kleinen und kleinlichen Anfängen aus hat die Frage sich zu einer halb und halb politischen herausgewachsen, und da auch auf dem Ver­kehrswege Friede ernährt, Unfriede verzehrt, muß man den dringenden Wunsch hegen, daß in der letzten Stunde höhere Gesichtspunkte den Aus­schlag geben Bei dem allgemeinen guten Verhältnisse zu Oesterreich- Ungarn und dem Entgegenkommen, welches die Bahnverwaltungen der vereinigten Reiche neuerdings in der strittigen Angelegenheit beweisen, sollte es nicht schwer halten, eine Frage untergeordneten Charakters aus der Welt zu schaffen, die entschieden keinen ausreichenden Anlaß zur Kraft­probe der Eigenmacht und des Selbstgefühls bietet. Am allerwenigsten können wir glauben, daß der deutsche Reichskanzler tant de bruit pour une Omelette machen möchte.

Münch en, 4. Juni. Die gemäßigte klerikaleDonau-Ztg." legt großes Gewicht darauf, daß der Prinzregent im Landtagsabschied den festen Verband Bayern mit dem deutschen Reiche betont und diesen Verband ausdrücklich als einen Faktor der glücklichen Zukunft des bayerischen Staates erachtet.Diese Sprache", sagt das Blatt,wird hoffentlich in Paris und überall da verstanden werden, wo von einem Regentenwechsel in Bayern eine Lockerung der Beziehungen zwischen München und Berlin erwartet wurde. Schon der überaus herzliche Empfang, der kürzlich dem deutschen Kronprinzen von Seite des Prinz- Regenten und der übrigen Mitglieder des kgl. Hauses zu Theil wurde, konnte ein Fingerzeig sein. Der Landtags-Abschied thut noch mehr, er macht es schwarz auf weiß dem bayerischen Volke, der deutschen Ration und dem Auslande kund. Die Reichstreue Bayerns steht unwandelbar fest, sie ist unabhängig von jedem Regierungswechsel und wird auch nicht beeinflußt von einer etwaigen Aenderung in der inneren Politik Bayerns. Es muß als ein Akt von außerordentlicher Wichtigkeit bezeichnet werden, daß der Prinz-Regent sogleich beim Antritt seiner Regierung über diesen Punkt nicht den leisesten Zweifel gelassen hat."

Das Landgericht München 1 hat, nachdem die auf 26. Junl anberaumt gewesene Verhandlung der Klagen gegen die kgl. Civil- liste, dem Anträge der Vertreter beider Parteien entsprechend, vertagt worden ist, nunmehr Termin zur Verhandlung auf den 16. Oktober d. J. anberaumt.

München, 5. Juli. DieAllg. Ztg." meldet: Das Gesammt- ministerium unterbreitet noch heute dem Prinzregenten das Entlassungs­gesuch. Morgen empfängt der Regent den Senat und die Universität und am Mittwoch den österreichischen Gesandten.

Wien, 5. Juli. DerNeuen Freien Presse" wird aus Cettinje gemeldet: Am 2. ds. Morgens überschritten mehrere Hundert bewaffnete Türken aus Kduschin den Grenzfluß Tara, zündeten die nächsten Häuser an, besetzten die Befestigungen und nahmen zwei Capitäne ge­fangen. Die Montenegriner griffen die Eindringlinge am folgenden Abend an und vertrieben die Türken. Eine Anzahl Türken mit den gefangenen Kapitänen wurden in ein Häusercomplex eingeschlossen und ihnen Pardon zugesagt, wenn sie die Capitäne ausliefern. Der Verlust der Montene­griner beträgt 7 Todte und 13 Verwundete.

Die italienischen Choleranachrichten registriren seit den letzten'Tagen wieder zahlreichere Erkrankungs- und Sterbefälle. Das infizirte Gebiet erstreckt sich von Brindisi ab längs der Ostküste des adriatischen Meeres nordwestlich bis Venedig und Triest. In Ansehung, daß in Europa gegenwärtig die Zeit der größten Sommerhitze herrscht, welche der Weiterverpflanzung des Ansteckungskeims und seiner Wirksam­keit am günstigsten zu sein pflegt, kann man, meinen dieBerl. Pol. Rachr.", die italienischen Berichte keineswegs als besonders alarmirend auffassen, man muß vielmehr zu dem Schlüsse kommen, daß die Sache, nachdem sie jetzt schon mehrmals auf europäischem Boden überwinterte, sowohl an intensiver wie an extensiver Gefährlichkeit merkbar abgenommen hat. Wenn sie gerade an der Küste des adriatischen Meeres sich hart­näckiger behauptet, so wird man zum nicht geringen Theile die sanitäts- widrigen Lebensgewohnheiten der dortigen Bevölkerung dafür verantwort­lich machen müssen, so z. B. die aus Venedig wie aus Triest berichtete Unsitte des Gebrauchs von Seewasser zu Trinkzwecken und in Venedig auch zur Straßenbesprengung. Letzterem soll nunmehr von Seite der Behörde Einhalt geschehen. Weiter verlautet, daß das italienische Kriegs­ministerium wegen der Cholera die großen Manöver, welche bei Pordenone und Somma hätten stattfinden sollen, abbestellt hat, und daß sämmtliche Manöver auf den Herbst verschoben werden sollen.

Paris, 4. Juli. Die Wallfahrt der römisch-katholischen Elsaß-Lothringer nach der Kirche des Sacrö-Coeur von Montmartre fand heute um 1 Uhr statt. Der päpstliche Nuntius leitete die Feierlichkeit in der vorläufig benutzten Capelle. Die verschiedenen Lieder wurden alle in deutscher Sprache gesungen und der Abbö Charles predigte in deutscher Sprache. Später begab sich die Versammlung mit dem päpstlichen Nuntius an der Spitze in Procession nach der noch nicht ganz vollendeten Kirche des Sacrö-Coeur, dieselbe unter dem Absingen deutscher Kirchen­

bücher durchziehend. Ein Mann wurde verhaftet, der, als die Procession an ihm vorbeizog, ausrief:Nieder mit den Frömmlern! Nieder mit den Preußen!" (K. Z.)

Paris, 5. Juli. Der Senat genehmigte die Vorlage über die Weltausstellung im Jahre 1889 und die deutsch-französische Convention über die Abgrenzung der Colonien in Westafrika. (F. N.)

London, 5. Juli. Die Morgenblätter publiciren einen Brief­wechsel zwischen dem früheren Präsidenten des Localregierungsamtes, Balfour, und Gladstone, demzufolge der letztgenannte im December den Tones seine Unterstützung zur Lösung der Frage wegen der künftigen Verwaltung Irlands anbot mit dem Hinzufügen, er besäße authentische Nachrichten, hinter Parnell stände eine Macht, welche zu Gewaltacten in England schreiten würde, wenn dem Verlangen der irischen Partei nicht durch ein wesentliches Zugeständniß Rechnung getragen werde. (Rh.K.)

Trie st, 4. Juli. Der LloyddampferEttore" ist mit der ostindischen Post heute Vormittag aus Alexandrien hier eingetroffen.

New- Pork, 4. Juli. Der DampferEgypt" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messing'sche Linie) ist hier ange- komnien.

^A- Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. -M^

Reichsgerichts-Entscheiduugeu.

Die Abmachung der Gründer resp, des Vorstandes einer Aktien­gesellschaft mit einem Aktienzeichner bei der Aktienzeichnung oder später, auch der Errichtung der Gesellschaft, daß der Zeichner an Stelle der Baar­einzahlung Waaren für die Gesellschaft liefern oder Arbeiten ausführen solle, ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Civilsenats, vom 29. Mai d. I., wenn sie weder im Zeichnungsschein noch im Gesellschaftsver- trage zum Ausdruck gebracht ist, sowohl nach dem Aktiengesetz früherer Fassung als auch nach dem neuen Aktiengesetz vom 14. August 1884 un­wirksam. Der Aktionär hat in diesem Falle Baarzahlung zu leisten, und er kann selbst fällige Forderungen aus den von ihm gelieferten Waaren oder Arbeiten der insolvent gewordenen Gesellschaft gegenüber nicht zur Aufrechnung bringen.

Aus Stadt, Provinz und UM^egeud.

H anau, den 6. Juki 1886.

(Hoher Besuch.) Außer den gestern erwähnten hohen Per­sönlichkeiten, welche heute an den Tauffeierlichkeiten der jungen Gräfin Bismarck Theil nehmen, ist noch die Frau Gräfin Arnim, welche gestern Morgen 6 Uhr 55 Min. dahier ein getroffen ist und im HotelAdler" Wohnung genommen hat, nachzutragen. Graf Herbert Bismarck traf gestern Mittag 1 Uhr ein und nahm ebenfalls Wohnung im HotelAd­ler" ; um 3 Uhr 55 Min. kam die Frau Fürstin Bismarck an und nahm ihr Absteigequartier im Altstädter Schlosse.

(Verbrauchs-Abgabe.) Im Laufe des 1. Qurtals 1886/87

wurden im hiesigen Schlachthause geschlachtet:

290 Ochsen, mehr gegen das 1. Quartal 1885/86

280 Kühe, weniger

222 Rinder, mehr

1990 Schweine, weniger 1198 Kälber, mehr 175 Hämmel, Die Accis-Einnahme hiervon beträgt .... Mk. An eingeführten Fleischwaaren 2C. wurden versteuert:

33 655 Kilogramm, mehr gegen das 1. Quartal 1885/86

25 Stück

18

2

9 502.60

606 Kilogramm.

Hiervon die Accis-Einnahme mit......Mk. 1009.65

Nachträgliche Einnahme . . . . ...... .3.60 Summa Mk. 10 515 85

Gesammt-Accis-Einnahme im 1. Quartal 1885/86 10 372.87 Mithin mehr gegen das 1. Quartal 1885/86 . . Mk. 142.98 (Mo r g enm us ik.) Heute Morgen gegen 6 Uhr brächte die ller'sche Civilkapelle einem hochehrenwerthen Ehepaare, Herrn Rentner Aug. Deibel und Frau imweißen Löwen", welche heute das Fest ih­rer goldnen Hochzeit feiern, eine recht schöne Morgenmusik. Wir gratu- liren dem Jubelpaare herzlich zu seinem Ehrentage und wünschen ihm noch recht lange gesundes und lebensfrohes Zusammensein.

(Neue Spritze.) Gestern Abend traf eine für die 6. Compag­nie unserer freiwilligen Feuerwehr bestimmte Saug- und Druckspritze aus der als sehr leistungsfähig bekannten Fabrik des Herrn Just. Christ. Braun in Nürnberg dahier ein und wurde einstweilen im Theaterge­bäude untergebracht. Die seither von der 6. Compagnie bediente, noch in recht gutem Zustande sich befindende Spritze findet Verwendung bei der Reserve-Feuerwehr.

(Durch geb rannt.) Aus dem Gefangenhause entwich gestern Nachmittag ein Häftling. Derselbe sollte sich jedoch nicht lange der golde­nen Freiheit erfreuen, denn schon bei dem gegenüberliegenden Michel'schen Haufe wurde derselbe durch einen Aufseher wieder dingfest gemacht und nach Nummer Sicher zurückverbracht.