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Beilage zu Nr. 154 des Hanauer Anzeiger.

3 eitungsstimmen.

DasFrankfurter Journal" bemerkt aus Anlaß der Eröffnung der subventionirten Dampferlinien:

Neben dem Kaiserlichen Schutzherrn des Reichs und aller wahrhaft deutschen Bestrebungen steht hier, wie immer, unser Kanzler, Fürst Bismarck. Welchen Anfechtungen sah er diesen colonialpolitischen Plan alsbald nach dessen Veröffentlichung ausgesetzt! Ja, schien es nicht, als fei der frische Wagemuth und die Selbstregsamkeit in Handelskreisen seit der Ablehnung der Samoa-Vorlage noch geringer, die Befähigung der politischen Kreise für die Erweiterung unserer volkswirthschaftlichen Aufgaben über die Grenzen des Reichs hinaus noch dürftiger geworden? Aber nur um so zäher hielt der Kanzler an diesem Punkte, das deutsche Volk, die deutsche Handelswelt fest. Nicht einmal, nein fünf-, sechsmal erhob er im Reichstag seine Stimme, sei es, um die kleinlichen Be­rechnungen vom geschäftlichen Nutzen oder Nachtheil der Unternehmung im Spiegel der großen Erwägungen der Welthandelspolitik zu Boden zu drücken, oder um die Berufung an die Furcht vor dem Auslande Namens des deutschen vaterländischen Bewußtseins als unwürdig und auch als unpolitisch zurückzuweisen. Und so gewaltig zündeten seine Worte in allen außerparlamentarischen Kreisen, ohne Unterschied ihrer Parteistellung, daß nach Wochen und Monaten schließlich auch die wider­strebenden Parteien im Reichstage ein gewisses Interesse daran hatten, für die Bewilligung der Reichsunterstützung eine einigermaßen ansehnliche Mehrheit zu Stande kommen zu lassen."

DieBerliner Polit. Nachrichten" schreiben über die Neichs-Finanzverwaltung:

Wenn, wie wir neulich hervorhoben, der Minderbetrag des Deficits der Reichs-Finanzverwaltung im Vorjahre gegenüber dem Ausfalle an Rübensteuer die Folge von Mehrerträgen der anderen der Reichskasse zufließenden Steuern ist, so folgt daraus, daß im Uebrigen das Etatssoll und das Ergebniß der Finanzverwaltung im Ganzen sich deckt. In der That haben die Abweichungen, welche in dieser Hinsicht hervortraten, sich im Großen und Ganzen ausgeglichen. So zeigen, was die Einahmen anlangt, zwar die Ueberschüsse der Verkehrsanstalten durchweg ein Minus gegen den Anschlag, welcher bei der Post und Telegraphie auf M. 796,000, bei der Reichs-Eisenbahn auf M. 148,000, bei dem Bankwesen auf M. 520,000 sich beziffert. Demgegenüber ergaben indessen die Einnahmen der verschiedenen Verwaltungszweige ein Plus von 1,400,000 M. Unter denselben entfällt der größte Mehrbetrag auf das Reichs-Schatzamt, welches einen erheblichen Münzgewinn, namentlich bei der Ausprägung von Einmarkstücken rc., realisirt hat.

Ganz in derselben Weise werden die Mehrausgaben, welche in einigen Verwaltungen nicht zu vermeiden waren, durch Minderausgaben in anderen Verwaltungen soweit ausgeglichen, daß die Jstausgaben in ihrer Gesammtheit dem Etatssoll entsprechen.

Schließlich mag daran erinnert werden, daß, wenn die 130 Millionen Mark übersteigenden Erträge der Zölle uud der Tabaksteuer und der ganze Ertrag der Reichsstempelabgaben, statt in Folge der Clausel Franckenstein an die Bundesstaaten verteilt zu werden, der Reichskasse verblieben, von einem Fehlbeträge im Reiche nicht die Rede wäre, weil die Erträge der bezeichneten Abgaben, wie bereits erwähnt, das Etatssoll um einen das Deficit übersteigenden Betrag überschritten haben. Die Folge davon ist, daß die Bundesstaaten im Jahre 1887/88 in Form erhöhter Matricular-Umlagen einen Theil der ihnen 1885/86 zugeführten Mehrüberschüffe wieder herausgeben müssen.

Tagesschau.

B erlin, 3. Juli. DieKöln. Ztg." schreibt: Der heutige Tag ist der Gedenktag der Schlacht von Königgrätz, ein Ehrentag für unser preußisches Heer, auf das, wie der Kaiser in seinem Armeebefehl hervorhob, das Vaterland mit Stolz und Anerkennung blickte, einer der bedeutungsvollsten Wendepunkte in der Entwickelung Deutschlands. Erst zwanzig Jahre sind seitdem verflossen, aber der reiche Inhalt derselben läßt uns diesen Zeitabschnitt fast wie ein Jahrhundert erscheinen. Ein frischer Völkerfrühling brach damals ins Land hinein, begeisterte jung und alt, ein Frühling, von dem vor einem Jahre Fürst Bismarck unter jubelndem Beifall rühmte, daß während desselben Gott seinen Segen über Deutschlands Politik feit 1866 ausgeschüttet hat, eine Zeit, welche begann mit einem bedauerlichen Bürgerkriege, der zur Lösung eines verschürzten gordischen Knotens unabweisbar und unentbehrlich war, der überstanden wurde, und zwar ohne die Nachwehen, welche man davon zu befürchten hatte. Die Begeisterung für den nationalen Gedanken war im Süden wie im Norden bald so stark wie die Ueberzeugung, daß jene chirurgische Operation zur Heilung der alten deutschen Erbkrankheiten nothwendig war; sobald sie sich Bahn brach, war auch aller Groll vergessen und wir konnten schon im Jahre 1870 uns überzeugen, daß das Gefühl der nationalen Einheit durch das Andenken dieses Bürgerkrieges nicht gestört

war und daß wir alle als ein einig Volk von Brüdern den Angriffen des Auslandes entgegentreten konnten. Windthorst freilich, der Welfen- führer, der zugleich mit dem ewig Nein sagenden Volksvertreter Eugen Richter vor der Geschichte als emsigster Untergraber und erfolgreichster Zerstörer dieses Völkerfrühlings dastehen wird, kann mit seinen schwachen Nerven solche patriotischen Erinnerungen nicht gut vertragen. Er meinte gar, die Erinnerung an 1866 schade der Einigkeit und der Wohlfahrt des Vaterlandes, darüber sei die Meinung im Volke wobei er natürlich allein an den leider von ihm beeinflußten und bearbeiteten Theil des deutschen Volkes dachte vielfach anders, als der Reichskanzler glaube. Aber mit Recht erwiderte Fürst Bismarck, daß gerade diese Erinnerung nur die deutsche Einigkeit stärken könne. Wenn noch der 66er Krieg der einzige Bürgerkrieg oder Bruderkrieg wäre, der in Deutschland geführt wurde; aber es ist doch fast in jedem Jahrhundert einmal ein großer deutscher Krieg gewesen, der die deutsche Normaluhr richtig gestellt hat für hundert Jahre. Wir sind eben ein streitbares Volk, und so ganz ohne feste Handgreiflichkeiten sind selbst unsere Feste nicht immer abge­gangen, noch viel weniger unsere politische Entwickelung. Mit Nachdruck erklärte der Fürst, daß er es bedauern würde, wenn wir uns mit unserer geschichtlichen Vergangenheit, namentlich in der modernen Zeit, nicht be­schäftigen wollten, denn sie sei außerordentlich lehrreich. Der heutige Ge­denktag aber, der vor 20 Jahren die Morgenröthe einer bessern Zeit bildete, der den nationalen Gedanken mehr und einheitlicher als bisher zum Durchbruch brächte, sollte immer uns als deutliche Mahnung gelten, daß die großartigen unübertroffenen Leistungen unseres Heeres eine Gegen­leistung unseres Volkes und unserer Volksvertretung dahin verlangen, daß unser Vaterland, jetzt nach außen geeinigt und gegen alle Angriffe geschützt, nun auch im Innern sich entwickeln, kräftigen und einigen muß, um die Stellung in der Reihe der Völker einzunehmen, zu welcher der Reichthum seines Bodens, die Thatkraft und Arbeitslust seiner Bewohner berechtigen. Davon sind wir leider heutzutage noch recht weit entfernt.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Fr ankfurt a. M., 3. Juli. Eine ergreifende Familienscene fand kürzlich auf dem hiesigen Gerichte ihren Abschluß. Ein seit 25 Jahren verheirathetes Ehepaar gerieth plötzlich mit einander in Unfrieden und vermochte selbst deren Sohn nicht, die verlorene Harmonie des ehelichen Zusammenlebens wieder herzustellen. Nachdem von einer förmlichen Ehe­scheidungsklage Abstand genommen war, kam zwischen beiden Gatten eine Einigung dahin zu Stande, der gegenseitigen Abneigung durch freiwillige Trennung Rechnung zu tragen und Jedem die Mitnahme der ihm nöthig erscheinenden Hausgeräthe zu gestatten, was dann auch trotz des von Seiten des Sohnes an das Elternherz gerichteten Appells zur Ausführung kam. Inzwischen waren Jahre vergangen, das Alter hatte merkbar seine Spuren bei den Gatten aufgedrückt, als ein von dem Manne gerichtlich geltend gemachter Anspruch auf ein Stück Möbel die beiden vor Gericht wieder zusammenführte. Auch jetzt trat der Sohn wieder zwischen die sich fremd gewordenen Gatten und gelang es seinen ergreifenden Vor­stellungen, die Versöhnung zu bewirken, so daß noch vor Abschluß der Verhandlung eine glückliche Familie den Saal verließ. (G.-A.)

Frankfurt a. M., 4. Juli. Vorgestern wurde nach Mitter­nacht in Sachsenhausen ein etwa 79 Jahre alter Knabe betroffen und schließlich von den Nachtwächtern auf die Constablerwache verbracht. Der Kleine gab seinen Namen an, erklärte, daß er in Oberrad wohne und bezeichnete auch Straße und Hausnummer der Wohnung. Gestern erschien in Oberrad ein Schutzmann mit dem Kinde, um es abzuliefern. Es stellte sich jedoch heraus, daß die Angaben des Buben falsch waren, denn alle Nachfragen bei den Bewohnern der betreffenden Straße waren vergeblich, Niemand kannte die Familie. So erfolgte denn der Rück­transport des Buben nach Frankfurt auf die Constablerwache, wo er sich noch befindet. Der Ausläufer eines hiesigen Bankgeschäfts verlor gestern Morgen auf dem Wege zur Post einen Geldbrief. Er bemerkte den Verlust erst, als er am Postfchalter angekommen war und eilte auf demselben Wege zurück, den er gekommen war. Als er das Bureau seines Prinzipals betrat, kam ihm dieser entgegen und sagte:Eben hat ein armer Mann einen Brief hier abgeliefert, den Sie verloren haben. Ich habe dem ehrlichen Menschen auf Ihre Kosten zwanzig Mark gegeben." Ein nicht mehr junger Kellner, der sein väterliches Erbtheil durchgebracht hatte, wußte seine Mutter zu überreden, ihre Brillant - Schmucksachen einmalputzen" zu lassen, damit sie nicht an Werth verlören. Sie übergab ihm zu diesem Zweck Collier, Ringe u. f. w. Der Sohn ließ nun die echten Steine ausbrechen und durch imitirte ersetzen; die echten verkaufte er. Der Betrug ist erst jetzt beim Tode der Mutter, bezw. der Theilung ihres Nachlasses an den Tag gekommen. Die entwendeten Edelsteine sollen einen Werth von 7000 Mark repräsentiren. (F. N.)

Aus Marien schloß, 3. Juli, kommt uns die Nachricht, daß sich der Director des Landeszuchthauses, Herr Major a. D. Kattrein