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Nr. 152
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Freitag den 2. Juli
1888.
Amtliches.
Diejenigen, in hiesiger Stadt sich aufhaltenden Militairpflichtigen, welche noch nicht im Besitze ihres Loosungsscheines sein sollten, werden hiermit aufgefordert, denselben innerhalb acht Tagen beim hiesigen Meldeamt in Empfang zu nehmen.
Hanau am 1. Juli 1886.
Der Oberbürgermeister Rauch.
Höstöaugenossenschast.
Sonntag den 4. Juli d. I., von Nachmittags 3 Uhr an, werden der Herr Oberförster Ehrentreich von Wolfgang und der Herr Obstbaum- und Kunstgärtner Aeckerle von Hanau im Saale der Adam- schen Wirthschaft zu Oberrodenbach eine Besprechung zum Zwecke der Bildung einer Genossenschaft zur Förderung des Obstbaues halten.
Es werden sich daran eine gemeinschaftliche Besichtigung und Besprechung der dortigen Obstanlagen und ein Vortrag des Herrn Aeckerle über Obstbau anschließen.
Alle Freunde des Obstbaues sind zur Theilnahme eingeladen, und i werden gebeten die Zahl ihrer tragfähigen Obstbäume in der Versammlung anzugeben.
Tagesschau.
— Der „R. u. St.-A." Nr. 152 veröffentlicht: Gesetz, betreffend die Beseitigung der schwebenden Schuld von 30 Millionen Mark, vom 23. Juni 1886.
— Berlin, 1. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König wohnten, wie der „R. u. St.-A." aus Ems meldet, gestern der Theater- Vorstellung bei und nahmen heute früh nach der Kurpromenade die Vor- träge des Ober-Hofmarschalls, Grafen Perponcher, und des Chefs des Militärkabinets, General-Lieutenants v. Albedyll, entgegen.
— Berlin, 1. Juli. Der Botschafter v. Keudell wird voraussichtlich noch heute Abend seine Rückreise nach Rom von hier aus antreten. Der Unterstaatsekretär im Ministerium des geistlichen, Unterrichtsund Medicinal-Angelegenheiten Dr. Lucanus ist nach Berchtesgaden abgereist. Der hiesige Gesandte der schweizerischen Eidgenossenschaft Oberstlieutenant Dr. Roth hat einen Urlaub angetreten. Während der Abwesenheit desselben von Berlin waltet der Legationsrath v. Claparode als zeitweiliger Geschäftsträger.
— Berlin, 1. Juli. Die Errichtung eines neuen Lehrstuhls an der Berliner Universität, für die Chemie der Nahrungsmittel, wird geplant. Man darf jedoch mit Bestimmtheit annehmen, daß es sich um eine außerordentliche Professor handelt. Als in Aussicht genommene Lehrkraft wird ein Mitglied des Reichsgesundheitsamtes genannt.
— Das Kreuzer-Geschwader, Geschwader-Chef Contre-Admiral Knorr, ist am 15. Juni er. in Matupi eingetroffen und beabsichtigt am 7. Juli er. wieder in See zu gehen. — S. M. Kreuzer - Fregatte „Gneisenau", Kommandant Kapitän zur See Valois, hat am 23. Juni er. von Matupi ab die Heimreise angetreten. — S. M. Kreuzer „Albatroß", Kommandant Kapitän-Lieutenant Graf von Baudiffin I., ist am 31. Mai er., in Matupi eingetroffen und am 6. Juni er. wieder in See gegangen.
— Kiel, 30. Juni. S. M. Panzerschiff Oldenburg, Commandant Capitän z. S. Heusner, ist auf der Reede von Jdingen eingetroffen. Poststation für das Schiff ist bis auf weiteres Neufahrwaffer.
— St. Magnus (bei Bremen), 1. Juli. (K. Z.) Soeben erfolgte von der Bremer Werft aus glücklich der Stapellauf des Voll- schiffes Drehn« der Firma W. H. Wätjen u. Comp., des größten Privatreeders der Welt, welcher 36 große Seeschiffe, darunter fünf transatlantische Dampfer, auf See gehen hat. Das Schiff ist gebaut von der Bremer Schiffbaugesellschaft, vormals Ullrichs, und hat einen Gehalt von 3400 Tonnen. Der Besichtigung der Bremer Wollkämmerei in Blumenthal, welche gleifalls die Festtheilnehmer sehr befriedigte, folgte eine Dampferfahrt zu dem Landsitze des Kaufmanns Melchers, des Inhabers eines der größten deutschen Häuser in China.
— Dresden, 1. Juü. In der heutigen letzten Hauptversammlung des Deutschen Landwirthschafts-Vereins wurde für die nächstjährige
Wanderversammlung, verbunden mit der deutschen landwirthschaftlichen Ausstellung, Frankfurt a. M. und zum Präsidenten für nächstes Jahr der Fürst v. Wied gewählt.
— Wien, 1. Juli. (K. Z.) Kaiser Franz Joseph wird in der zweiten Hälfte des Juli in Gastein zum Besuche Kaiser Wilhelnis eintreffen. Im Laufe des Sommers dürfte Kalnocky dem Fürsten Bismarck, und zwar wahrscheinlich in Kissingen, einen Besuch abstatten.
— Paris, 30. Juni. Das amtliche Blatt veröffentlicht: 1) das durch beide Kammern genehmigte Gesetz, durch welches der Präsident der Republik ermächtigt wird, die internationalen Telegraphentarife in Ge- mäßheit der Beschlüsse der Berliner Conferenz vom 17 September 1885 festzustellen; 2) das Gesetz, durch welches die am 11. Mai zwischen England und Frankreich abgeschlossene telegraphische Vereinbarung gutgeheißen wird. Das amtliche Blatt veröffentlicht weiter ein Decret des Präsidenten der Republik, durch welches der Zuschlag von 50 pCt. auf in Frankreich einzuführende rumänische Erzeugnisse vom 1. Juli d. I. ab aufgehoben ist.
— Paris, 1. Juli. Der Ministerrath lehnte einstimmig das Entlaffungsgesuch des Generals Sausster ab und der Kriegsminister Boulanger ersuchte Sausster schriftlich, auf seinem Posten zu verbleiben.
— London, 1. Juli. Gladstone ermähnte in einem Schreiben an den Candidaten der Liberalen für Poplar, Buxton, indem er auf die Leiden Irlands seit 1795 hinwies, die Wähler Londons, das Irland zugefügte gut zu machen und dadurch zur Besestigung der Einigkeit und Stärke des Reiches beizutragen.
— Wie der Petersburger Berichterstatter der Daily News erfährt, wäre es der russischen Polizei endlich gelungen, Degajew, der am 28. December 1883 den Polizeichef Sudeykin ermordete, zu verhaften. Degajew sei in Oesterreich festgenommen und unter starker Bedeckung nach Petersburg gebracht worden.
— New-Iork, 1. Juli. Der Dampfer „Canada" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messing'sche Linie) ist hier angekommen.
KME- Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage.
Reichsgerichts-Entscheidunge».
— Ein an eine Suspensivbedingung geknüpfter Strafantrag, wodurch feine Wirkung von einem zukünftigen ungewissen Ereigniß abhängig gemacht wird, ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Strafsenats, vom 16. April d. I., überhaupt unwirksam. War dagegen die Wirkung des Strafantrages von einem vergangenen Ereignisse abhängig gemacht worden, dessen Eintritt zwar dem Antragsteller ungewiß ist, sich aber sofort feststellen läßt und d-r Behörde, bei welcher der Antrag gestellt wird, bekannt ist, so ist der Strafantrag wirksam. Resolutivbedingungen, die einem Strafantrag angefügt sind, sind für das einmal durch den Antrag entstandene Strafverfolgungsrecht wirkungslos.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Hanau, den 2. Juli 1886.
— (Ernennung.) Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht den Konsistorial-Asseffor Gustav Stölting bei dem Königlichen Konsistorium in Cassel zum Konsistorial-Rath zu ernennen.
— (Glück.) Auf dem gestern bei Würzburg verunglückten Eisenbahnzug befand sich auch ein Hanauer, Herr Carl Hengsberger von der Firma Hengsberger & Co. Nach heute Morgen eingetroffener Nachricht ist derselbe glücklicherweise mit dem Schrecken davongekommen.
Gaslichtstärke im Monat Juni 1886.
Freitag den 4. Juni 6 Uhr 6,4 Kerzenstärke.
Dienstag „ 8. „ 7 20 „ 6,3
Freitag „ 11. „ 62o „ 6,3
Dienstag „ 15. „ 610 „ 6,1 „
Donnerstag „ 17. „ 740 „ 6,3 „
Montag „ 21. „ 7" „ 6,3 „
Freitag „ 25. „ 630 „ 6,1
Dienstag „ 29. „ 745 „ 6,0 „