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Nr. 146

Freitag den 25. Juni

1886.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Gefunden: Zwei einzelne Kinderschuhe. Ein Stück ca. 2 Meter lange Bindekette. Auf dem Wege von Wilhelmsbad bis Hanau zwei Holzzettel.

Zugeflogen: Ein Kanarienvogel.

Hanau am 25. Juni 1886.

____________________Aus Königl. Landrathsamt.____________________

Tagesschau.

DerR. u. St.-A." veröffentlicht: Verordnung, betreffend die Kommission für deutsche Ansiedelungen in den Provinzen Westpreußen und Posen.

Berlin, 24. Juni. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen, wie derR. u. St.-A." aus Ems meldet, gestern Mittag 1 Uhr den einstündigen Besuch Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin, Allerhöchstwelche mit Separatzug von Koblenz eingetroffen war. An dem Diner nahmen der Graf und die Gräfin Hohenau sowie die Gräfin Wimpffen Theil. Heute machten Se. Majestät eine Kurpromenade und nahmen später die Vorträge des Hofmarschalls Grafen Perponcher und Chefs des Militärkabinets, General-Lieutenants v. Albedyll, entgegen.

Berlin, 24. Juni. In der gestrigen Plenarsitzung des Bundesraths widmete im Allerhöchsten Auftrage vor Eintritt in die Tagesordnung der Staatssecretär im Reichsamt des Innern, Staats­minister v. Bötticher, dem verstorbenen Könige Ludwig II. von Bayern einen ergreifenden Nachruf. In die Tageordnung eintretend, überwies der Bundesrath den Antrag wegen Bewilligung von 3 Millionen Mark aus Reichsmitteln für die Zwecke der in Berlin projectirten deutsch­nationalen Ausstellung an die zuständigen Ausschüsse. Der Gesetzentwurf, betreffend die Fürsorge für die Wittwen und Waisen von Angehörigen des Reichsheeres und der Marine, welcher in den Ausschüssen vorberathen worden war, erhielt die Zustimmung des Plenums, ebenso der Antrag Sachsens wegen Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes für Leipzig und der Umgebung und der Entwurf der kaiserlichen Verordnung, durch welche das Unfallversicherungsgesetz vom 1. Juli 1886 ab auf den Baggereibetrieb, den gewerbsmäßigen Fuhrwerks-, Binnenschifffahrts-, Flößerei-, Prahm- und Fährbetrieb, sowie den Gewerbebetrieb des Schiff­ziehens (Treidelei), den gewerbsmäßigen Speditions-, Speicher- und Kellereibetrieb, den Gewerbebetrieb der Güterpacker, Güterlader, Schaffer, Bracker, Wäger, Messer, Schauer und Stauer ausgedehnt wird.

Berlin, 24. Juni. Die Gebrüder Denhardt haben der Krzztg. zufolge das von ihnen erworbene Witugebiet an der Ostküste Afrikas (nahe dem 2. Gr. nördl. Breite) dem deutschen Colonialverein verkauft. Das nördlich vom Tanaflusse gelegene Gebiet umfaßt ungefähr 500 Quadratkilometer, gilt als einer der fruchtbarsten Landstriche an der afrikanischen Ostküste und hat im Verhältniß zu seinem Umfang eine ziemlich lange Küste (etwa 20 Kilometer).

Berlin, 23. Juni. Der am 18. ds. ohne Leibeserben hier verstorbene Kaufmann Adolf Reichenheim, von der altberühmten Firma Reichenheim und Sohn, hat einer Reihe von öffentlichen Anstalten letztwillig große Summen vermacht, darunter 150,000 Mark der Stadt Berlin für Wittwen und Waisen der städtischen Elementarschullehrer, je 15,000 Mark an vier Gymnasien zur Unterstützung von Schülern, je 15,000 Mark dem katholischen St. Hedwigs-Krankenhause, der Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung, dem Asyl für Obdachlose, der Kron- prinz-Naüonal-Jnvalidenstiftung, 90,000 Mark der hiesigen jüdischen Gemeinde für die Altersversorgungsanstalt, 75,000 Mark derselben für ihr Seminar, etwa 27,000 Mark für mehrere Anstalten zur Unterstützung von Lehrern und Schülern; endlich sind zu Pensionen und Unterstützungen an invalide Arbeiter, Aufseher und Beamte des der Handlung N. Reichen­heim und Sohn gehörigen Wüstegiersdorfer Etablissements die Zinsen eines Capitals bestimmt, welches alle obigen Vermächtnisse zusammen übersteigt.

Die seit fünf Jahren offene Frage wegen Besetzung des von England und Preußen abwechselnd zu besetzenden evangelischen Bischofs­stuhles zu Jerusalem ist der Kreuzzeitung zufolge jetzt entschieden. Wie verlautet, ist eine Trennung beschlossen worden und wird seitens der preußischen Krone ein eigenes Bisthum in der Hauptstadt Palästinas I errichtet werden. Als erster Bischof des deutsch-evangelischen Bisthums |j Jerusalem soll nach derK. Ztg." ein in Süddeutschland lebender

Missionar Hefter ausersehen sein, der schon früher in Palästina thätig gewesen und mit den dortigen Verhältnissen vertraut ist.

S. M. Kreuzer .,Adler", Kommandant Korvetten - Kapitän von Wietersheim, ist am 23. Juni cr. in Malta eingetroffen und beabsichtigt, am 28. deff. Mts. wieder in See zu gehen. S. M. BriggMus­quito", Kommandant Korvetten - Kapitän Piraly, ist am 23. Juni cr. in Plymouth eingetroffen.

München, 24. Juni. An der heutigen Frohnleichnams - Pro­zession nahmen der Prinz-Regent, die Prinzen, die Minister und die Mit­glieder beider Kammern Theil.

Nach einem Telegramm des Journal des Döbats aus Wien hat der dortige französische Botschafter Graf Foucher de Careil um seine Entlassung gebeten. Die Agence Havas meldet das Gerücht, daß Spuller infolgedessen in den diplomatischen Dienst treten würde.

Rom, 24. Juni. Von gestern bis heute Mittag kamen in Brindisi 18 Erkrankungen an Cholera und 8 Todesfälle vor, in Latiano 12 Erkrankungen und 3 Todesfälle, in San Vito 6 Erkrankungen und 3 Todesfälle, in Francavilla 4 Erkrankungen und 2 Todesfälle.

Mailand, 24. Juni. Gestern wurden acht Führer der Arbeiterpartei verhaftet uud verschiedene Vereine aufgelöst, welche dem Programm dieser Partei zugestimmt haben. Unter den Verhafteten be­finden sich die socialistischen Candidaten bei den letzten Wahlen. Bei den erwähnten Vereinen und in den Wohnungen der Socialisten ließ die Polizei Haussuchungen vornehmen. In Oberitalien sollen 159 Vereine bestehen, welche dem betreffenden Programm beigestimmt haben. Es ist eine Untersuchung wegen Verschwörung gegen dieselben eingeleitet worden. Gegen die gestern verhafteten Führer der Arbeiterpartei ist wegen i Aufreizung zur Revolte und Umsturz bestehender Staatseinrichtungen Untersuchung eingeleitet worden. Wie es heißt, beabsichtigen sie, einen ausgedehnten Strike ländlicher Arbeiter zu organisiren. Hier befinden sich zehn Sectionen des Mailänder Arbeitervereins, im übrigen Theil der Provinz noch 25 Sectionen. Die Arbeitervereine in Como, Pavia, Cremona, Brescia und Novara wurden gleichfalls geschlossen, ebenso haben daselbst Verhaftungen und Haussuchungen stattgefunden. (F. N.) Paris, 23. Juni. Heute fand bei dem Ministerpräsidenten Freycinet ein diplomatischer Empfang statt. Die Vertreter der fremden Mächte waren zahlreicher als sonst erschienen, besonders ward die Anwe­senheit des belgischen Gesandten bemerkt. Prinz Napoleon ist heute Abend nach Genf abgereist, einige Freunde erwarteten denselben am Bahn­höfe.

Paris, 24. Juni. Bei dem gestrigen Empfange bei dem Prin­zen Victor Napoleon hielt letzterer eine Ansprache, worin er sagte, man möge von seiner Seite keine seiteln Proteste gegen die Ausweisungs - Be- schlüffe erwarten. Das französische Volk habe schon öfter den Verbannten die Thore Frankreichs wieder geöffnet. Er bleibe der Repräsentant des i Kaiserreichs, wie es die Napoleons geschaffen haben, er wünsche eine starke Autorität, die Gleickheit aller Bürger, die Achtung vor allen Religions­bekenntnissen.Seien Sie überzeugt", sagte der Prinz,daß, welche Pflichten mir auch auferlegt sein werden, ich nicht aus dem Auge verlie­ren werde, was ich der Demokratie und meinem Namen schuldig bin; auf Wiedersehen, meine Herren!"

Brüssel, 24. Juni. Prinz Victor Napoleon ist gestern Abend um ll3/4 Uhr hier eingetroffen und imHotel Bellevue" abgestiegen.

London, 24. Juni. Aus Brisbane wird "unter dem Gestrigen gemeldet: Das englische KriegsschiffUndine" ist von den Neuen Hebriden eingetroffen; der Capitän constatirt, daß weder eine Annexion, noch eine formelle Occupation seitens Frankreichs erfolgt sei, ebensowenig sei das Protectorat Frankreichs proclamirt worden. Der Capitän bestätigt ferner, daß auf den Neuen Hebriden die französischen Einwohner von den Eingeborenen Beschimpfungen und Schädigungen erlitten.

Im See-Arsenale von Konstantinopel herrscht andauernd eifrige Thätigkeit. Dieselbe ist zum Theile durch die Vorbereitungen Rußlands im Schwarzen Meere hervorgerufen. In türkischen Regierungs­kreisen betont man, es sei überhaupt eine Nothwendigkeit, daß die Türkei ihre Flotte in den Stand setze, allen Eventualitäten die Siirne bieten zu können. Mehrere neue Torpillen sind soeben in Konstantinopel einge­troffen. Auf den Höhen des Bosporus in Kavak sind wichtige Be­festigungsarbeiten im Zuge, welche mit großem Eifer betrieben werden.