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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 142.

Montag den 21. Juni

1886.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Der Metzger Heinrich C o n r a d i zu Langendiebach beabsichtigt auf seinem daselbst in der Hintergasse belegenen Grundstück Nr. Nr. 990/480 und 991/480 eine Schlächterei zu errichten.

Gemäß den Bestimmungen der Gewerbe - Ordnung wird dies mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß etwaige Einwen­dungen gegen die Anlage innerhalb 14 Tagen hier anzubringen sind.

Zeichnung und Beschreibung der Schlächterei liegen im Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht offen.

Hanau am 17. Juni 1886.

Der Königliche Landrath

A. 475__________________Gf. Bismarck.______________________

Tagesschau.

Berlin, 19. Juni. Se. Majestät der Kaiser und König arbeiteten im Laufe des heutigen Vormittags mit dem Chef des Militär- kabinets, General-Lieutenant v. Albedyll und empfingen Se. Kaiserliche Hoheit den Prinzen Fushimi von Japan, welcher heute Morgen aus Wien hier eingetroffen ist.

Berlin, 19. Juni. Der Kaiser hat dem Commandanten und der Besatzung des KreuzersAlbatroß" für ihr ausdauerndes und braves Verhalten bei den im Bismarck-Archipel stattgefundenen Kämpfen im Februar und März 1886 seine Anerkennung aussprechen lassen. (RH. K.)

Berlin, 19. Juni. Die ständige Deputation des deutschen Juristentages hat in ihrer Pfingstsitzung unter dem Vorsitze des Professors Gneist beschlossen, den diesjährigen Juristentag am 9., 10. und 11. September d. I. (mit dem Begrüßungsabend am 8. September) in Wies­baden abzuhalten. Als Thema der Verhandlung ist u. a. auch die Be­theiligung des Laien-Elements in Strafsachen aufgestellt.

Berlin, 19. Juni. Professor Adolf Menzel wurde zum Kanzler und Professor Helmholz zum Vicekanzler der Friedensklasse des Ordens pour le meiste ernannt.

Berlin, 19. Juni. Das Künstlerfest im Ausstellungsparke ist wegen Ungunst der Witterung mit Rücksicht auf die Gesundheit der Mitwirkenden abermals verschoben worden und soll nächste Woche statt- finden. Der Tag wird noch bekannt gegeben werden.

Halle, 19. Juni. Der Geheime Justizrath Professor Ernst Mater in Halle wurde zum Curator der Universität Marburg ernannt. (F. N.)

Essen, 18. Juni. Die beiden Riesengeschütze, welche im Krupp'schen Etablissement für das See-Arsenal in Pola ausgeführt wurden, sind in einem Sonderzuge von Berge-Borbeck abgegangen, um über Gießen, Hanau, Aschaffenburg, Kusstein, Brenner. Villach, Laibach, Divacco nach Pola geführt werden. Jedes der beiden Geschütze wurde auf einen eigens zu dem Zweck erbauten Plateauwagen mit acht Achsen geladen, dessen Länge 10,30 Meter und dessen Selbstgewicht 39,000 Kg. ! betrug, bei einer Tragfähigkeit von 75 Tons. Den beiden Transport- ! wagen waren noch 5 Schutz- und 1 Packwagen beigegeben. Die Länge jedes dieser Riesengeschütze beträgt 10,40 Meter, der Durchmesser am Bodenstück 1,45, an der Mündung 0,60 Meter. Die Fracht für die ganze Strecke beträgt das hübsche Sümmchen von annähernd 5800 Mark.

Jena. Eine hiesige Herrschaft bekam dieser Tage eine ganze Reihe ellenlanger Rechnungen von Lieferanten diverser Nahrungsmittel, obgleich letztere stets als baar bezahlt von der Köchin verrechnet worden waren. Jetzt stellte sich heraus, daß die holde Küchenfee das Wirthschafts­geld in Wein und Bier vertrunken hatte! Als sich das Mädchen entdeckt sah, verschwand es und theilte auf einem Zettel mit, es wolle, sich das Leben nehmen. Wo die Trinklustige geblieben, ist bis jetzt nicht ermittelt worden. Die Unterschlagungen belaufen sich auf mehrere Hundert Mark.

München, 19. Juni. DieKöln. Ztg." schreibt: So hat sich denn für immer die Gruft über dem unglücklichen Könige geschlossen; möchte sie auch für immer das Gedächtniß an die letzten Jahre seines Lebens begraben! Punkt 1 Uhr verließ der Leichenzug in der vorge­schriebenen Ordnung unter dem Trauergeläute sämmtlicher Glocken und unter dem Donner der Geschütze die Königsburg und Punkt 3 Uhr war der Sarg in der Gruft der Michaelskirche versiegelt und die Trauerfeier vorüber. Das Wetter war immer drohend, aber während des ganzen Zuges fiel kein Regentropfen und meist war warmer Sonnenschein. Die

Menschenmenge war ungeheuer, doch scheint nirgends ein Unglück geschehen zu sein. Ein seltsam fremdes Gepräge gaben dem Zuge viele Brüder­schaften, unter denen besonders gänzlich schwarz vermummte Männer in Gugel (eine schwarze Trauerkleidung, die nur die Augen frei läßt) auf- fielen, von denen jeder ein Schild auf der Brust trug, welches den Namen sowie den Geburts- und Todestag des Verstorbenen anzeigte. Darüber befanden sich zwei gekreuzte Kerzen und der letzte von ihnen trug ein alterthümliches Georgsbild. Den zahlreichen Hofbeamten in reichen, alter- thümlichen Uniformen folgte der von acht Rappen gezogene, mit einem hohen schwarzen Baldachin überdeckte Leichenwagen; der Sarg war unter Kränzen begraben, die Wappenlöwen bedeckte ein Flor. Hinter dem Sarge schritt das schwarz behangene Leibroß des Königs, darauf kam Prinz Luitpotd allem und hinter ihm die auswärtigen Fürsten und Prinzen zu zweien und dreien, in erster Reihe der deutsche Kronprinz in der großen preußischen Generalfeldmarschall-Uniform mit dem Marschallstabe, neben ihm der Kronprinz Rudolf von Oesterreich in der Uniform des zweiten bairischen schweren Reiterregiments. Sodann folgten die Kron- beamten, Minister, Parlamentsmitglieder, Beamte und Militärabordnungen und zum Schluß ein Regiment Infanterie, ein Bataillon Train, eine schwere und zwei leichte Schwadronen Cavallerie. Die Truppen, im Paradeanzug mit aufgepflanztem Bajonett oder blankem Säbel, marschirten in zweigliedrigen Rotten. Bald nach zwei Uhr langte die Leiche an der Kirche an, was bei der riesenhaften Größe des Zuges, an welchem bei­spielsweise sämmtliche Schulen mit einigen Tausend Schülern theilnahmen ohne daß übrigens durch diese Menschenmasse die Würde des Zuges sonderlich erhöht worden wäre, nur möglich war, weil alles, was vor der Leiche und im unmittelbaren Geleit derselben ging, am Weg entlang aufgestellt war, sodaß das den Zug eröffnende Cadettenkorps und das Ulanenregiment an der Michaelskirche, dem Ziele des Zuges, bereits Auf­stellung genommen hatten, als der Zug begann. Das war ein Glück, denn kaum waren alle Herrschaften zu Hause, als ein furchtbares Ge­witter mit Platzregeu und Schloßen niederging. Der Zug dauerte etwa dreiviertel Stunden. In der schwarz ausgeschlagenen Kirche erwartete eine gewählte Trauerversammlung und im Chor auf schwarzen Sesseln die Prinzessinnen des Königshauses die Leiche, die alsbald auf einen hohen Katafalk gehoben wurde Die Fürstlichkeiten nahmen neben den Prin- zessinen auf Sesseln Platz, worauf die Liturgie begann. Nach deren Be­endigung hoben zwölf Männer in Gugel den Sarg vom Katafalk herab und trugen ihn in die Gruft, geleitet von Edelknappen, Hartschieren und der hohen Geistlichkeit. Nachdem der Staatsminister des königlichen Hauses, Frhr. v. Crailsheim, die Gruft versiegelt hatte, war die Feier zu Ende und die Fürstlichkeiten verließen die Kirche.

München, 19. Juni. (K. Z) Der deutsche Kronprinz ist um 5^2 Uhr nach Berlin zurückgereist. Auf dem Bahnhöfe, woselbst eine Ehrenkompagnie des 2. Infanterieregiments Aufstellung genommen hatte, waren zur Verabschiedung der Prinzregent Luitpold in preußischer Uniform, die Prinzen Ludwig, Leopold, Arnulf, Ludwig Ferdinand, Alfons, der Herzog Ludwig, der Stadtkommandant, der Regierungspräsident von Oberbayern und der Polizeidirektor erschienen. Der Kronprinz hatte bayrische Ulanen-Uniform angelegt.

Wie man der .,A. Abdztg." schreibt, haben die Kuratoren des nunmehrigen Königs Otto L, Obersthofmarschall Frhr. v. Malsen und General der Infanterie Frhr. v. Pranckh, vorgestern demselben all das Vorgefallene der letzten Tage mitgetheilt ; doch soll das mitgetheilte theil- nahmslos entgegen genommen worden sein. Nach einer anderen Quelle soll er auf die Anzeige, daß er nun König sei, nachdenklich erwiedert haben:So, so. Dann muß das ganze Militair ausrücken!" Sein Aussehen und seine Gesundheit sollen, soweit es sich um sein körperliches Befinden handelt, nichts zu wünschen übrig lassen. Der verstorbene König scheint gegen Dr. Gudden bereits in Hohenschwangau Schlimmes geplant zu haben. Es wird demB. V." von verläfsiger Seite folgende Aeußerung des Königs zu einem vertrauten Diener berichtet:Sei nur ruhig, mit demSpion" werde ich schon fertig."

In dem letzten Brief, den Prof. Dr. v. Gudden an seine Gemahlin geschrieben hat, erzählte er seine erste Zusammenkunft mit dem König, wie folgt: AIs er dem König vorgestellt wurde, wurde er von demselben scharf fixirt; nach einer Pause fragte der König im freund­lichsten Ton:Sie haben also das Gutachten über meine Gesundheit verfertigt?" Auf Guddens Bejahung sagte der König:Ich fühle mich