Bürger, Daller, Deuringer, Frankenburger, Gagern, Jos, Geiger, Hauck und Kesseler. Der Spezialausschuß des Reichsraths begann heute Mittag seine erste Sitzung. Referent ist Neumayr. — Nach dem offiziellen Programm der Leichenfeier beginnt dieselbe am 19. d. Mts., Nachmittags 1 Uhr. Das Militairkommando führt der Infanterie - General Horn, dann folgen die dienstthuende Generalität, zwei Regimenter Kavallerie, zwei Regimenter Infanterie, ein Regiment Artillerie, die Kadetten, Kriegsschüler, Bruderschaften, Schulen, die königlichen Beamten, das Domkapitel, sämmtliche bayerische Bischöfe, der Zeremonienmeister, der achtspännige Leichenwagen mit den Reichsinsignien und gesammten Orden. Hinterm Kruzifix gehen der Prinzregent, sämmtliche Prinzen und Kron- beamten, die Reichsräthe und Abgeordneten, die Standesherren, Hofchargen, Staatsminister, Generalität, Georgsritter. In der Michaelhofkirche empfängt die gesammte Geistlichkeit die Hülle des Königs. Der Münchener Erzbischof nimmt die Einsegnung vor, hierauf wird der Sarg des Königs unter Begleitung des Oberhofmeisters Grafen Castell und des Hausministers Crailsheim in der Gruft beigesetzt und diese verschlossen. (F. N.)
— Karlsruhe, 17. Juni. Der Großherzog reist heute Nacht nach München, um der Beisetzung des Königs beizuwohnen.
— Wien, 17. Juni. (K. Z.) Kronprinz Rudolf reist morgen Abend nach München.
— Haag, 17. Juni. Der Sozialistenführer Domela Nieuwenhuis, der wegen Beleidigung des Königs durch die Presse angeklagt war, ist zu einjähriger Einzelhaft verurtheilt worden.
— Kopenhagen, 16. Juni. Die Nationalbank setzt von morgen ab den Wechseldiskont und den Lombardzinsfuß auf 3 bis SVs pCt. herab.
— Mons (in Belgien), 17. Juni. Die Arbeitseinstellung in Quarennon, Jemappes und Flenu ist jetzt eine allgemeine, die Zahl der Sinkenden beträgt 5000; 18 Strikende sind in Quarennon durch die Gensdarmerie verhaftet worden. (Rh. K.)
— Madrid, 13. Juni. Die Sanitätsdirektion hat jetzt endlich ihre statistischen Aufstellungen über die vorjährige Cholera-Epidemie veröffentlicht. Dieselbe begann offiziell, d. h. drei Wochen später als in der Wirklichkeit, den 5. Februar und schloß mit dem letzten Tage des Jahres ab, in Wirklichkeit erst erloschen die letzten Infektionsherde im März d. J. Die etwas der Wirklichkeit nachstehenden Zrffern lauten: Ansteckungen im ganzen 338 685 und Todesfälle 119 620. Die Provinz Corunna blieb allein von der Seuche völlig frei, welche 2247 Städte und Ortschaften verheert hatte. In den verseuchten Gegenden war die Sterblichkeitsziffer 1,82 Todte auf je 100 Einwohner und 35,32 Tode auf je 100 Angesteckte.
— Paris, 17. Juni. Prinz Viktor Napoleon hatte einen Unfall mit feinem Wagen, wobei das Pferd durchging und der Wagen umstürzte Der Prinz erlitt eine anscheinend nicht schwere Kontusion des Kopfes.
— London, 17. Juni Herr Chamberlain ist Herrn Gladstone zuvorgekommen, er hat an seine Wähler in Birmingham ein Manifest gerichtet, in dem er die Vorlagen Gladstone's bezüglich Irlands sehr heftig und eingehend kritifirt. Chamberlain spricht sich gegen jede Zwangsmaßregel aus, empfiehlt die Vermehrung der kleinen Bauerngüter in Irland, eine Lokalverwaltung für Schottland, Wales und Irland im weitesten Umfang und endlich eine Einrichtung, nach der die verschiedensten Theile des Vereinigten Königreichs einen größeren Einfluß auf die Verwaltung und Gesetzgebung ausüben könnten, soweit es sich um die besonderen Bedürfnisse der einzelnen Landestheile handelt. An politischen Doktoren, die den irischen Kranken heilen möchten, ist gegenwärtig also kein Mangel. lDfz.)
— London, 17. Juni. Gladstone begab sich heute nach Edinburgh, von wo aus er seine Rundreise durch Midlothian zu Wahlzwecken antritt. (F. N.)
— London, 17. Juni. Dem „Reuter'schen Bureau" wird aus Shiranagar vom 16. d. M. gemeldet: nach dort eingegangenen Nachrichten befände sich Oberst Lockhart und seine Escorte, welche jüngst von Chitral via Badakshan aufgebrochen waren, um zu der afghanischen Grenzcommission zu stoßen, in sehr übler Lage; dieselben seien von Eingeborenen umzingelt worden und könnten weder vorwärts noch rückwärts gehen. Es fehle an Lebensmitteln, auch das an Lockhart abgesandte Geld sei ihm nicht zugegangen. — Aus Bombay wird gemeldet: Die „Times of Jndia" bestätigt, das Lockhart mit seiner Escorte von dem Häuptling von Badakshan gefangen genommen worden ist und sich gegenwärtig im Fort befindet.
— Petersburg, 17. Juni. Das „Journal de St. Peters- bourg" macht anläßlich der Rede des Fürsten Alexander bei Eröffnung der Sobranje besonders auf die absolute Ungezwungenheit aufmerksam, womit sich derselbe über die internationalen Stipulationen bezüglich Bulgariens und Ostrumeliens hinweggefetzt habe. Man würde begreifen, daß der Fürst diese Stipulationen, nachdem er sie auf seine Weise interpretirt oder vielmehr verdunkelt, nicht erwähnte, aber er hätte von Serbien doch nicht so reden dürfen, wie er es gethan habe. Bei etwas mehr Weisheit und weniger Selbstgenügsamkeit würde er entweder begriffen haben, daß
gewiffe Empfindlichkeiten zu schonen sind, sei es auch nur im Interesse der guten Nachbarschaft, zu deren Pflege Bulgarien allen Anlaß habe- Das „Journal" dementirt die Nachricht verschiedener Blätter über die Abberufung des Botschafters v. Mohrenheim aus Paris, weil derselbe angeblich zu lebhafte Sympathieen für dieOrleans bekundet hat. (Rh. K.)
— Washington, 17. Juni. Im Senate wurde, nach den „F. N.", ein Antrag eingebracht, wonach der Präsident ermächtigt werden soll, sobald er die Ueberzeugung gewonnen, daß amerikanische Schiffe in fremden Häfen in Ausübung ihrer Handelsprivilegien behindert werden, den Eintritt der Provenienzen dieser Länder in amerikanische Häfen und die Ausübung der Handelsprivilegien seitens derselben zu verbieten.
— New-Dovk, 17. Juni. (K. Z.) Nach Berichten aus Santiago in Chile ist es dort während der Wahlen am 15. ds. zu Ruhestörungen gekommen. Vierzig Personen sind getödtet, mehrere verwundet. Wie es heißt, haben die Liberalen die Mehrheit erhalten.
— Hamburg, 17. Juni. Der Postdampfer „Suevia" der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrts - Aktiengesellschaft ist in New-Iork eingetroffen.
W8^ Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. ^Mg
Reichsgerichts-Errtscheidurrgen.
— Hat ein später in Konkurs gerathener Schuldner Börsen-Diffe- renzgeschäfte in der Weise betrieben, daß er ein derartiges Differenzgeschäft von Monat zu Monat durch fortgesetzte Prolongationen unter wechselnden Gewinn- und Verlustchancen ausdehnte, so bilden nach einem Urtheil des Reichsgerichts, III. Strafsenats, vom 5. April d. J., diese Prolongationen, jede für sich, ein besonderes Geschäft. Hat er nun dabei Anfangs mit großem Gewinn, dann aber mit Verlust operirt und bei dem Verlust eine übermäßige Summe, die allerdings nicht so viel als der vorhergegangene Gewinn betrug, verloren, so kann der Konkursisex dennoch wegen Bankerutts aus §. 210 Ziffer 1 der Konkurs - Ordnung (wegen Verbrauchs übermäßiger Summen durch Differenzhandcl) bestraft werden.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Hanau, den 18. Juni 1886.
— (Militärisches.) Wie aus Berlin verlautet, würde Prinz Albrecht zum Herbst das Kommando des X. Armeekorps (Hannover) niederlegen und durch General v. Unger, Kommandeur der 22. Division in Cassel, ersetzt werden.
— (Eisenbahn.) Seit dem 16. d. Mts. läßt die Hessische Ludwigsbahn ihren Zug Nr. 99 (aus Hanau-West 1030, in Frankfurt 1059 Vormittags) ab Ostbahnhof Hanau gehen (1023), um daselbst einen bequemen Anschluß an den 10" von Friedberg eintreffenden Zug herzustellen. Den Billeten von Heldenbergen-Windecken und Bruchköbel nach Frankfurt ist Gültigkeit sowohl über Hanau-Offenbach, wie über Hanau-Mainkur verliehen worden.
— (Postalis ches.) Es herrscht vielfach die irrige Ansicht, daß Postsachen mit dem Vermerk „Eigenhändig" unter allen Umständen dem Empfänger persönlich übergeben werden müßten. Dieser Vermerk hat jedoch in postalischer Beziehung nur bei „Werthsendungen, Post-An- weisungen und Einschreibsendungen" Wirkung. Bei den übrigen Sendungen wird derselbe seitens der Postverwaltung nicht respectirt.
— (V er st o r ben.) Vergangene Nacht verstarb, nachdem er sich gestern Abend noch vergnügt und munter zur Ruhe begeben, ein hochehren- werther Mitbürger, Herr Canzleirath Heintz, plötzlich an einem Schlag- anfalle. — Der Verblichene war bis zum Uebergang des Thurn und Taxis'schen Postwesens an Preußen — 1. Juli 1867 — als Kanzleivorsteher bei der vormaligen Thurn und Taxis'schen General-Postdirektion in Frankfurt a. M. beschäftigt und trat alsdann, nach langjähriger in steter Pflichttreue vollbrachter Dienstzeit in den Ruhestand über. — Möge der alte Ehrenmann nunmehr in ewigem Frieden ruhen.
— (Turnerisches.) Nach einer dieser Tage erschienenen Statistik des Mittelrheinkreises ist aufgeführt Gau „Offenbach-Hanau" mit 18 Vereinen und 1892 Turnern. Gauvertreter ist Lehrer Ludwig Stahl in Offenbach, Gauturnwart Juwelier Otto Schatt in Hanau; der Gau „Maingau" mit 21 Vereinen und 1173 Turnern. Gauvertreter ist Kaufmann Philipp Koburger in Hanau, Gauturnwart W. Geibel in Kessel- stadt.
— (Fingirte Krankheit.) Eine für alle Krankenkaffen wichtige Entscheidung wurde kürzlich vom Schöffengericht zu Leipzig gefällt. Das Mitglied einer Ortskrankenkasse hatte sich auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses krank gemeldet, aber es war ermittelt worden, daß der Betreffende während der Zeit seiner angeblichen Krankheit fortgearbeitet hatte. Der Fall wurde dem Staatsanwalt angezeigt und vor dem Schöffengericht zur Verhandlung gebracht, welches hierauf den Betreffenden wegen Betruges zu 10 Tagen Gefängniß verurtheilte.
— (Berufsgenossenschaft.) Die Textilberufsgenossenschaften haben sich, wie wir bereits meldeten, zum großen Theil über einen Gefahrentarif geeinigt. Wir sind heute in der Lage, Näheres über die Gefahrenklassen mittheilen zu können. Es sind im Ganzen sieben Klaffen