Hannover, Hessen-Nassau und den Hohenzollern'schen Landen in folgender Fassung angenommen:
§. 1. Wenn der Anfang oder das Ende oder die Kündigungszeit eines Wohnungs - Miethsvertrages auf Ostern oder die Frühlingsziehzeit, auf Johannis, auf Michaelis oder die Herbstziehzeit, oder auf Weihnachten bestimmt ist, so soll unter diesen Ausdrücken der Anfang eines Kalender-Quartals verstanden werden, und demgemäß der 1. April, 1. Juli, 1. Oktober und 1. Januar als Umzugstermin gelten, sofern nicht der Vertrag ausdrücklich ein Anderes bedingt.
§. 2. Die Ortspolizeibehörde kann für die Räumung größerer Wohnungen mehrtägige Räumungsfristen, durch eine auf Grund des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1850, beziehentlich auf Grund der Verordnung über denselben Gegenstand vom 20. September 1867 (Ges. Samml. S. 1530), zu erlassende Polizei-Verordnung, bestimmen.
§. 3. An Sonn- und Feiertagen ruht die Verbindlichkeit des Miethers, die Wohnung zu räumen.
Das Gesetz hat rückwirkende Kraft.
Die Diäten für die Mitglieder des Provinziallandtags wurden so normirt (12 Mk. pro Tag), wie dies bezüglich der Mitglieder der einzelnen Kommunallandtage geschehen war. Der Abg. Graf v. Berlepsch, welcher feit langen Jahren als Mitglied dem ständischen Verwaltungsausschusse angehörte, hat sein Mandat niedergelegt. Die nächste Sitzung wurde, da weiteres Material nicht vorlag, auf nächsten Donnerstag Nachmittags 4 Uhr anberaumt. Da zu erwarten, daß bis dahin die Spezial- ausschüsse alle denselben zur Vorberathung überwiesenen Angelegenheiten erledigt haben werden, wird alsdann die Thätigkeit des jetzigen Provin- ziallandtages voraussichtlich in wenigen Tagen beendet sein. (K. A Z.)
— Fulda, 11. Juni. Der 14jährige Sohn einer in der unteren Schulstraße dahier wohnenden Familie mußte gestern, in später Abendstunde, seine Unvorsichtigkeit, die er unberufener Weise in Behandlung eines Explosionsstoffes beging, mit dem Leben büßen. Derselbe stand im Begriffe, eine Patrone oder etwas Aehnliches an der Lampe zu entzünden, als ihm der tödtliche Stoff nach erfolgter Erhitzung den oberen Rand des linken Ohres streifend in den Kopf drang, wo es bis jetzt noch festsitzt. Der schleunigst herbeigerufene Arzt konnte nur mehr den Tod constatiren. Eine gerichtliche Commission, welche sich gegen 10 Uhr des Abends an den Thatort begab, verhaftete den Spielkameraden des Verunglückten, dessen Eltern im selbigen Hause wohnen, um durch ihn Näheres über den Erwerb des betr. Explosionsstoffes zu ermitteln. Die Obduktion der Leiche
wird alsbald erfolgen.
(Fld. Z.)
— Burghau n, 8. Juni. Heute passirte hier ein gewiß selten vorkommender Unglücksfall Zwei hiesige Einwohner (Jsraeliten), waren mit Häckselschneiden beschäftigt, als der Eine derselben, welcher das Wegräu- men des Häcksels besorgte, mit seinem Hintertheil dem Schneidemesser zu nahe kam und sich eine ziemlich große Wunde zuzog. Glücklicherweise soll dieselbe jedoch nicht gefährlich, immerhin aber sehr lästig für den Betroffenen sein, da sie ihm das Sitzen äußerst unbequem macht. (N. K.)
— Frankfurt a. M., 11. Juni. Nicht blos falsche Fünf-Mark- scheine, sondern auch falsche Zehnpfennigstücke mit der Jahreszahl 1875 sind hier und in der Umgegend im Umlauf. — Unsere Polizei hat sich bis jetzt erfolglos bemüht, die Verbreiter dieser Falsifikate zu entdecken. In der Markthalle wurde gestern von einem Schutzmann ein falsches Fünf-Markstück fast allen Verkäufern vorgezeigt, um sie vor der Einnahme des falschen Papiergeldes zu warnen. — Ein junger hiesiger Banquier von angesehener Familie, Theilhaber der Firma J. Rauscher, ist durchgegangen und wird steckbrieflich verfolgt. Derselbe hatte in Paris und London colossale Engagements, die sein Vermögen vollständig verschlangen. Der Unglückliche vergriff sich dann an den Depositen und zwar soll er solche im Werthe von 360,000 Mark unterschlagen haben. Hoffentlich finden sich dieselben bei seiner Habhaftwerdung noch vollständig vor.
— Frankfurt a. M., 12. Juni. Ein hiesiger Arzt schnitt sich gestern Morgen aus Versehen die Pulsader der linken Hand durch. Sein Assistent unterband sofort die durchschnittene Ader und legte einen Nothverband an. — In ein Consectionsgeschäft kam eine Dame und ließ sich verschiedene Mäntel vorlegen. Die Wahl schien ihr anscheinend schwer und schließlich erklärte sie, daß sie sich nicht sofort entschließen könne, weil der Mantel nicht für sie selbst bestimmt wäre; man möge ihr ein Mädchen mitgeben, um die drei ausgesuchten Mäntel in die näher bezeichnete Wohnung zu bringen. Da man augenblicklich Niemand im Geschäft entbehren konnte, schickte man einen Dienstmann mit. An der Hausthüre eines Hauses am Graben nahm ihm die Dame das Packet ab; sie bezahlte ihn und schickte ihn dann fort. Der Dienstmann entfernte sich auch, weil er keinen weiteren Auftrag hatte, als das Packet zu tragen. Es vergingen nun drei Wochen, die Mäntel wurden nicht zurückgeschickt und auch nicht bezahlt. Als der Inhaber des Geschäfts hierauf Erkundigungen einziehen ließ, stellte es sich heraus, daß die Empfängerin der Waare gar nicht in dem bezeichneten Hause wohnte. Sie selbst ist auch heute noch nicht ermittelt, dagegen wurden die drei Mäntel im Pfandhaus
Eine geübte Poliseuse für Bijouterie ge- j Ein ordentlicher sucht. Näh. Expedition. 5636 ! gründlich erlernen.
vorgefunden. — Der Kutscher eines hiesigen Rentiers hatte die Frechheit, aus dem Stalle seines Dienstherrn ein wenig benutztes Pferd zu verkaufen. Seinem Dienstherrn erzählte er nach der That, daß das Pferd über Nacht aus dem Stalle gestohlen worden fei. Der Dienstherr hätte dies auch schließlich geglaubt, wenn nicht ein Mensch, der schon lange auf den Posten des Kutschers reflectirte, den Verräther gespielt hätte. (F.N.)
— Frankfurt a. M. Die Besucher unseres zoologischen Gartens machen wir auf folgende interessante Neuerwerbungen aufmerksam. In der Raubvogelvoliore sind ein Paar Angolageier hinzugekommen, Nestjunge, die noch durch nichts das blendende Federkleid des ausgefiederten Vogels verrathen. Ein Paar amerikanische Blauelstern im Vogelhause fesseln uns durch ihre munteren Sprünge und durch ihre grellen Farben. Die Art war bislang noch nicht im Garten vertreten. Die Zebuwiese ist neu belebt, indem zu der Kuh ein junges Paar von schöner Zeichnung hinzugekommen ist, das sich im Anblick der neu angelegten Wiese wohl sein läßt. Die für unsere Jugend interessanteste Erwerbung bilden wohl die drei Shetlandsponys, welche erst wenige Tage im Garten sind, aber schon die Liebe von Alt und Jung gewonnen haben. Ihr Quartier ist im Elephantenhause; doch dürfen sie sich Nachmittags dort der Ruhe nicht freuen, da zahlreiche Kinder sich herandrängen, um auf ihren Rücken einen Ritt durch den Garten zu wagen.
— Gießen Wie groß der Schaden an zerbrochenem Glase bei dem vorwöchentlichen Hagelwetter war, geht daraus hervor, daß, da die hiesigen Glaser nicht die gesammte Arbeit bewältigen konnten, Glaser aus Frankfurt, Cassel, sogar aus Elberfeld hier gewesen sind, um einen Theil der Ausbesserung zu übernehmen.
— Nieder-Jngelheim, 9. Juni. Gestern Abend ging hier
ein Wolkenbruch nieder, wie er
seit der furchtbaren Katastrophe des
Jahres 1876 nicht erlebt wurde. Die Verheerungen in der Gemarkung
sind bedeutend.
— Ems, 10. Juni. Zu
der am 4. .Juli hier stattfindenden
Kaiser-Regatta haben folgende Ruderclubs ihre Betheiligung in Aussicht gestellt: 1) Frankfurter Rudergesellschaft „Germania"; 2) Mannheimer Ruderclub; 3) Coblenzer Rudergesellschaft; 4) Frankfurter Ruderclub; 5) Mainzer Ruderverein; 6) Gießener Rudergesellschaft; 7) Frankfurter Rudergesellschaft „Sachsenhausen"; 8) Kölner Ruderclub; 9) Kreuznacher Ruderverein; 10) Offenbacher Ruderverein und 11) Höchster Ruderverein.
Auszüge aus dem Amtsblatt Königlicher Regierung zu Kassel.
Altengronau. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die im Grundbuche von Altengronau auf den Namen des Schmieds Friedrich Heil (Konrads Sohn) zu Altengronau eingetragenen, in der Gemarkung von Altengronau belegenen Grundstücke am 12. Juni 1886, Vormittags 10 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht zu Schwarzenfels — in der Gastwirthschaft des Martin B e r i n g e r in Altengronau — versteigert werden.
Marktbericht.
Hanau, den 12. Juni, 9^2 Uhr Morgens. Viktualienpreise folgende: Geflügel: Tauben, das Pärchen 60—80 Pf.; ein Hahn 1,10—1,20 M.; ein Huhn 1,20—1,30 M.; eine junge Gans 2,60 bis 3 M.; Fische: gewöhnliche Sorte 20—25 Pf., bessere Sorte 35 bis 45 Pf., Aal 1,15—20 M., Hecht 1,25—30 M., Bresem 45—55 Pf., Barben 50—60 Pf., Barsch 45—55 Pf. ---- Vs ka; Gemüse: Meerrettig, die Stange 8—10 Pf.; Blumenkohl, das Stück 50—70 Pf.; Kopfsalat, das Stück 2—4 Pf.; Rettig, das Stück 3—4 Pf.; Kohlrabi, das Stück 6—8 Pf.; Sellerie, das Stück 10—15 Pf.; Gurken das Stück 15 20 Pf.; Gelberüben, das Bund 7—9 Pf.; neue Erbsen, */2 kg 15—20 Pf.; neue Bohnen, V2 kg 50—60 Pf.; Lattig, die Portion 5—8 Pf.; Kartoffel, das Doppelliter 9—11 Pf.; Spargel, 100 Stück 2—2,10 M.; Obst: Kirschen, fir kg 12—14 Pf.; Aepfel, 1 Stück 3—6 Pf.; Birnen, 1 Stück 1—3 Pf.; Citronen, das Stück 7-10 Pf.; Apfelsinen, das Stück 8—10 Pf.; Butter (um 10 Uhr) ^ kg 95 Pf. bis 1,05 M.; Käse, das lStück 3—5 Pf.; Eier, das Stück 4—6 Pf.; Zwiebel, das Doppelliter 25—30 Pf.; Welschkorn, das Doppelliter 25 Pf.; Radieschen, das Bündel 2—3 Pf.; Kastanien, */2 kg 18—20 Pf.; Waizenmehl 1. Sorte 21—22 Pf., 2. Sorte 18—20 Pf., 3. Sorte 15—16 Pf. und 4. Sorte 14—15 Pf. = V» kg»; Stroh 2,30—40 M. und Heu 3,50—4 M. = 50 kg; Buchenholz der Meter 7,50-8 Mk.
Thermometerstand.
11. Juni. Mittags 2 Uhr + 16°, Abends 7 Uhr + U1^0;
12. Juni. Morgens 7 Uhr + 131 /2°, Vormittags 10 Uhr + 14»/?.
— Mainwafserwürme heute Vormittag 10 Uhr 16'/? R.
Inserate. Ein ordentlicher Junge kann das Bäckergeschäft L ............,. ---------------- . . „
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2 geraunt. Mans.-Stuben,Küche,Boden,Keller, 16