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Nr. 100.

Freitag den 30. April

1886.

Tagesschau.

DerR. u. St.-A." Nr. 101 veröffentlicht: 1) Gesetz, betr. ei­nen Zusatz zum §. 5 des Zolltarifgesetzes vom 15. Juli 1879/22. Mai 1885, vom 18. April 1886. 2) Gesetz, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung, vom 23. April 1886. 3) Verordnung, betr. die Eheschließung und die Beurkundung des Personenstandes für die Schutz­gebiete von Kamerun und Togo, vom 21. April 1886.

Berlin, 29. April. Se. Majestät der Kaiser haben im Na­men des Reichs den Kaufmann Friedrich Delvigne zum Vize-Konsul in Philadelphia (Pennsylvanien) zu ernennen geruht.

Berlin, 29. April.

Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute Vormittag den Feldmarschall Grafen v. Moltke, welcher seine Abreise nach Schlesien meldete. Um UV2 Uhr nahmen Se. Maje­stät einige andere militärische Meldungen entgegen und ließen Sich sodann von dem Kriegsminister und dem Chef des Militärkabinets Vortrag hal­ten. Von 4 Uhr ab hörten Se. Majestät den Vortrag des Reichskanz­lers Fürsten v. Bismarck.

Berlin, 29. April. Heute verabschiedeten Sich die Kronprinz- lichen Herrschaften vor ihrer Abreise bei den Kaiserlichen Majestäten.

B erlin, 28. April. (K. Z) Die an den Reichstag ge­langte systematische Uebersicht der im deutschen Reiche geltenden gesetzlichen und polizeilichen Bestimmungen über die Vornahme gewerblicher Arbeiten an Sonn- und Festtagen hat, obwohl sie nur zur Kenntnißnahme des Reichstags gebracht sein soll, zweifellos den Zweck, die Frage der Sonn­tagsruhe in aller Form im Reichstage noch einmal zur Sprache zu bringen. Augenscheinlich ist es der Regierung darum zu thun, gegen­über den bekannten von den verschiedenen Seiten ausgehenden Bewegungen ihre Stellung zu der Frage offen und bestimmt darzulegen. Die Regie­rung war von vornherein der Ansicht, daß die bestehenden Vorschriften über die Sonntagsfeier vollständig ausreichen und daß, da es sich hier um religiöse Fragen handelt, nicht einmal eine förmliche Einheitlichkeit erwünscht, sondern jedem Staate überlassen sein müsse, in dieser Beziehung so weit zu gehen, als er nach den ererbten Verhältnissen für angemessen hält. Nichtsdestoweniger hat die Regierung, wie bekannt, eine Unter­suchung über diese Frage angestellt. Die Ergebnisse derselben liegen noch nicht vollständig vor, stehen aber, soweit sie eingegangen sind, der bis­herigen Anschauung der Regierung, wonach weitere reichsgesetzliche Maß­regeln in dieser Richtung nicht geboten erscheinen, durchaus zur Seite.

Berlin, 29. April. Das Ansiedlungsgesetz für Westpreußen und Posen ist gestern vom König vollzogen worden. Die Veröffentlichung steht unmittelbar bevor. Auch die in den letzten Verhandlungen der Staatsrathsauschüsse berathene königliche Verordnung betr. die kgl. Commission wird in allernächster Zeit fertiggestellt sein. Der geringe Verzug steht in Verbindung mit dem bedauerlichen plötzlichen Ableben des Staatssekretärs v. Möller.

Berlin, 29. April. In dem Prozesse wegen der Mittheilun- 6su desBerl. Tagebl." über den angeblich in hiesigen höchsten Gesell- schaftskreisen vorgekommenen Diebstahl einer Brillanttaube ergab die ge­richtliche Verhandlung die völlige Grundlosigkeit der verbreiteten Mitthei- Inng. Das Schöffengericht verurtheilte wegen des dadurch begangenen groben Unfugs den Redakteur desTageblattes", Perl, zu 3 Tagen, den Berichterstatter Wolff zu 14 Tagen Haft.

Das vom Bureau des Abgeordnetenhauses aufgestellte Verzeichniß rer noch unerledigten Vorlagen ist ein ziemlich umfangreiches. An Re- ?^ungsvorlagen enthält das Verzeichniß 15 Nummern. Hervorzuheben 6 / daß in zweiter und dritter Berathung noch zu erledigen sind folgende, emittieren Commissionen oder besonderen Fachcommissionen zur Vorbera- )ung überwiesene Gesetzentwürfe: 1. betreffend die Anstellung und das j '^Ederhältniß der Lehrer und Lehrerinnen an öffentlichen Volksschulen m Gebiete der Provinzen Westpreußen und Posen und des Regierungs- !» t $ Oppeln; 2. betr. die Anstellung der Jmpfärzte in der Provinz ^olen; 3. Kreis- und Provinzialordnung für Westfalen; 4. betr. die antongefängniffe in der Rheinprovinz 5. betr. den Bau neuer Schiff- myrtskanäle; 6 die Einführung der Städteordnung für die sechs östlichen Provinzen und Regierungsbezirk Wiesbaden; 7. betr. die Heranziehung von ttntmrpersonen zu Communalabgaben; 8. betr. den Beitrag zur Her- peuung des Nord-Ostsee-Canals; 9. betr. den Nachtragsetat; 10. betr.

. den Beitrag zu den Kosten des Altonaer Zollanschluffes. Alle drei Be- ! rathungen aber stehen noch aus bezüglich des Gesetzentwurfs, betr. Ab­änderungen der kirchenpolitischen Gesetze (die erste Berathung ist bekannt­lich auf den 4. Mai, erste Sitzung nach den Ferien, anberaumt). Außer­dem harren noch mehrere Anträge aus dem Hause der Erledigung.

In seiner Osterbetrachtung meint dasPosener Tageblatt": Dein schlichten Empfinden des Volkes ist längst eine Ahnung aufgegangen, daß in der anscheinend so untrüglichen Rechnung der modernen, auf den NamenLiberalismus" getauften allgemeinen Glückseligkeitstheorie nicht Alles stimmt; denn wäre dem so, wie wäre es dann möglich oder auch nur denkbar, daß mit dem Augenblick, wo der Liberalismus seine vielge- ; priesenen freiheitlichen Errungenschaften zur praktischen Geltung bringen ; konnte, auch die Massenarmuth, das Massenelend, die Maffenverwilderung so enorme, schreckenerregende Dimensionen annahm, daß die Menschheit vor diesen sozialen Krankheiten wie vor einem mit elementarer Gewalt drohenden Unheilsgespenst gelähmt dasteht! Den Wortführern der soi-disant unfehlbaren liberalen Glückseligkeitstheorie ist angesichts dieser Wahrnehmungen nicht eben wohl zu Muthe. MitBildung",Freiheit" und ähnlichen schönen Schlagworten lassen sich die schreienden Ungerech­tigkeiten, die im Gefolge des liberalen Prinzips einhermarschiren, schlechter­dings nicht beseitigen; aber, wie es gewöhnlich der Fall ist, läuft die urtheilslose Menge, statt den kenntnißreichen, erfahrenen Arzt um Heilung anzugehen, Marktschreiern und Kurpfuschern nach, unter deren Behandlung oder vielmehr Mißhandlung der Patient vollends heruntergebracht wird. Nur so begreift man, warum der große Haufe, dem eine so einsichtsvolle und thatkräftige Regierung, wie es außer der deutschen keine zweite auf Erde^gibt, durch den Erlaß wahrhaft humaner, sozialer Reformgesetze Hülfreich beizuspringen sich angelegen sein läßt, der bürgerlichen und so­zialen Demokratie ins Garn geht.

Wirkliche Ehrentage der vaterländischen Industrie sind die seit dem 20. d. in dem italienischen Kriegshasen Spezzia wäh­renden Schießproben mit dem bis jetzt größten Angriffsgeschütz, dem Armstronggeschütz von 43 cm Durchmesser gegen eine Gruson'sche Hart­guß-Panzerplatte. Die Widerstandsfähigkeit der letzteren gegen Krupp'sche gehärtete Stahlgranaten ebenfalls das beste Geschoß seiner Gattung, welches mit deutschem Pulver verfeuert wurde, hat sich aufs glänzendste bewährt und den anwesenden fremdländischen Offizieren der bedeutendsten Armeen Europas, Asiens, Amerikas, eine hohe Meinung von der Tüch­tigkeit der deutschen Industrie beigebracht.

Die deutschen Interessen in Marokko sind durch den nunmehr zu gutem Abschlüsse gelangten deutsch-marokkanischen Handels­vertrag auf eine neue und ersprießliche Grundlage gestellt worden. Be­kanntlich nimmt der deutsche Handel in Marokko einen höchst erfreulichen Aufschwung, die vertragsrechtliche Sicherstellung unserer dortigen Interessen kommt daher auch allen denjenigen heimischen Kreisen zu statten, die an der Blüthe der exportirenden Industriezweige mit ihrer Arbeitskraft und ihrem Verdienst betheiligt sind.

S. M. KreuzerHabicht", Kommandant Korv.-Kapt. v. Schuck- mann I., ist am 6. April cr. von Kapstadt in See gegangen. S. M. KanonenbootIltis", Kommandant Kapitän-Lieutenant Hofmeier, ist am 29. April cr. in Singapore eingetroffen und beabsichtigt, am 4. Mai er. die Heimreise fortzusetzen.

Die Anglo-amerkanische Telegraphengesellschaft gibt bekannt, daß vom 5. Mai d. J. ab der Depeschentarif zwischen dem vereinigten Königreiche von Großbritanien und Irland, Frankreich und Deutschland und sämmtlichen Haupttelegraphenstationen in den Vereinigten Staaten von Amerika und Canada 6 Pence das Wort betragen werde. Diese Tarifherabsetzung wurde beschlossen, weil die Mackey-Bennett Cable Company es ablehnte, einen von der Anglo-amerikanischen Kabelgesell­schaft gemachten Vorschlag, ihren Tarif auf 2 Sh. 6 P. für das Wort zu erhöhen, anzunehmen. Es hat folglich ein Tarifkrieg begonnen.

Zu den drei Japanern, welche die Universität Jena besuchen, werden in nächster Zeit noch 6 Landsleule hinzukommen, ein Beweis, daß auch in fernen Landen Jena sich eines guten Rufes zu erfreuen hat.

Dresden, 29. April. Als Ort, an welchem im nächsten Jahre derVerein Deutscher Geographen" tagen wird, ist heute-Karls­ruhe gewählt worden. (Rh. K.)