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ließen Sich am heutigen Vormittage von dem Wirklichen Geheimen Rath v. Wilmowski Vortrag halten und ertheilten dem früheren portugiesischen Minister Fontes Pereira de Mello die nachgesuchte Audienz. Später nah­men Se. Majestät noch die Meldung des Generals der Infanterie, Gene­ral-Inspekteurs v. Stichle entgegen.

Berlin, 27. April. (K. Z.) In dem Befinden des Unter­staatssekretärs im Auswärtigen Amte, Grafen Herbert Bismarck, ist eine leichte Wendung zum Bessern eingetreten, welche geeignet ist, die besorgte Familie in etwas zu beruhigen. Der Geheimrath Struck, der langjährige Arzt der Familie, und der Stabsarzt Dr. Jonas behandeln den Kranken. Heute Vormittag 11 Uhr fand von dem Trauerhause Kurfürstenstraße aus das Begräbniß des kürzlich verstorbenen Staatsse­kretärs Dr. v. Möller statt. Eine überaus zahlreiche und erlesene Trauerversammlung sprach deutlich für die allgemeine Werthschätzung, welche dem Heimgegangenen Beamten gezollt wurde. Anwesend waren u. a. die sämmtlichen zur Zeit hier weilenden Mitglieder des Bundesraths, sämmtliche Mitglieder des Staatsministeriums, mit Ausnahme des augen­blicklich hier nicht anwesenden Cultusministers v. Goßler, die Unterstaats- fekretäre sämmtlicher Ministerial-Resiorts, der Chef des kaiserlichen Civil- kabinets Geheimrath v. Wilmowski, die Präsidenten der Reichsbank, v. Dechend, und der Seehandlung, Nötiger, der Polizeipräsident v. Richt- hofen, einzelne Mitglieder des Reichstages und des Landtages, Mitglieder des Oberverwaltungsgerichts, Staatsraths u. s. w. Fürst Bismarck, der theils durch seine überhäuften Amtsgeschäfte, theils durch seine angegriffene Gesundheit verhindert war zu erscheinen, ließ sich durch seinen Schwieger­sohn, den Grafen Rantzau, und den Geh. Regierungsrath Dr. Rotten- burg vertreten. Der Landtag findet bei seinem Wiederzusammentritt nach dem nunmehr erschienenen amtlichen Verzeichniß seiner unerledigten Arbeiten noch sehr umfassende Aufgaben vor. Im Abgeordnetenhause sind fünfzehn Regierungsvorlagen unerledigt.

Berlin, 27. April. Wie die Polizei in ihrem heutigen Berichte mittheilt, sind bedeutende Unterschlagungen seit einer Reihe von Jahren gegen die hiesige Ortskranlenkasse der Tischler durch die Kafsen- führer verübt und jetzt entdeckt worden. Einer der Schuldigen ist ver­haftet, ein zweiter hat sich erhängt, und ein dritter der sich gleichfalls aufgehängt hatte, aber wieder losgeschnitten wurde, ist flüchtig.

Berlin, 28. April. (K. Z.) Eine Extrabeilage der in Frankfurt erscheinenden Europäischen Correspondenz theilt mit, daß zu dem diesjährigen Kaisermanöver der deutschen Armee, welches in den Reichslanden stattfindet, keine fremdherrlichen Offiziere geladen werden sollen. Sie knüpft daran die Bemerkung, daß sie in Bezug hierauf eine Mittheilung erhalten habe, die sie aus nationalen Rücksichten vorläufig nicht weitergeben könne, von der jedoch soviel gesagt sei, daß sie angebe, M weeeyer aucgiung In hoch steil Äitlfen toi Wlttv wehe, mib buß sie er­kennen lasse, wie sich am politischen Horizont Wolken zusammenballen. Wir haben hier sofort an zuverlässiger Stelle Erkundigung eingezogen und erfahren nun, daß die Thatsache an sich richtig ist, die daran von der Correspondenz geknüpften Bemerkungen aber nicht dem Sachverhalt entsprechen. Man wird allerdings zu dem diesjährigen Kaisermanöver keine ausländischen Offiziere einladen; maßgebend sind dabei aber nicht politische Erwägungen, sondern einestheils der Umstand, daß auch die fremden Heere zu ihren großen Manövern nicht regelmäßig auswärtige Offiziere einladen, anderntheils der Wunsch, zu dem diesjährigen Manöver, an dem nach der Zusammensetzung des 15. Corps auch bairische, würtem- bergische und badische Truppentheile theilnehmen, in verstärktem Maße Offiziere aus diesen süddeutschen Contingenten als Ehrengäste zuzuziehen. Insbesondere wird daran erinnert, daß beispielsweise noch vor kurzem Oesterreich-Ungarn und noch im letzten Jahre Rußland zu den dortigen großen Manövern keine ausländischen Offiziere zugezogen hatten. Daß in der jetzigen Uebertragung dieser Thatsache auf das preußische Heer irgend ein Moment der politischen Beunruhigung zu finden sei, wird mir an maßgebender Seite aufs bestimmteste bestritten.

Der Reichs-Anzeiger veröffentlicht einen Erlaß der Minister des Innern, für Cultus und für Finanzen an die Oberpräsidenten, welcher die Ausführungsbestimmungen zum Gesetz über die Ueberweisung aus landwirthschaftlichen Zöllen eingehender Beträge an die Gemeinden ent­hält.

Köln, 28. April. DieKölnische Volkszeitung" meldet: In Folge einer Verständigung des heiligen Stuhles mit der großherzoglichen Regierung zu Darmstadt sei die Ernennung des Domkapitulars Haffner zum Bischof von Mainz als bevorstehend anzusehen.

Stuttgart, 27. April. Prinz Wilhelm von Preußen ist mit einer Abordnung des Garde-Husarenregiments heute Nachmittag P/iUfjr hier eingetroffen. Derselbe wurde auf dem Bahnhöfe von den Mitgliedern des königlichen Hauses empfangen und fuhr von der zahlreich anwesenden Menge jubelnd begrüßt ins Residenzschloß. Heute Abend ist große Tafel bei dem Prinzen Wilhelm; nach derselben wird der Prinz das Theater besuchen, in welchem derTrompeter von Säkkingen" zur Aufführung gelangt. Die Rückkehr des Prinzen nach Berlin wird voraussichtlich übermorgen erfolgen.

Stuttgart, 28. April. Se. Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm von Preußen empfing heute den Ministerpräsidenten v. Mittnacht und nahm sodann das Dejeuner bei Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Groß­

fürstin Vera ein. Die Offizier - Deputation der Garde - Husaren, welche den Prinzen begleitet, war von Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Wil­helm von Württemberg zum Dejeuner geladen. Nach Dem Diner, welches bei Sr. Hoheit dem Prinzen Hermann von Sachsen-Weimar stattfindet, wird der Hof mit seinen Gästen dem veranstalteten Reiterfest beiwohnen. Morgen wird der Prinz Wilhelm einer Einladung zum Galadiner bei Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Friedrich von Württemberg Folge leisten. Das Wetter ist prachtvoll; viele Fremde sind zur Theilnahme an den Festlichkeiten eingetroffen.

Wien, 28. April. Wie die Zeitungen melden, brannten in den letzten Tagen in vielen galizischen Dörfern einzelne Häuser ab, so auch in Sanok und Chigrow. Das Dorf Dobrowlany steht seit gestern in Flammen. Im Dorfe Bojaniec (Bezirk Zojkiew) sind 49 Bauern­wirthschaften abgebrannt. In Chyrow wurde ein der Brandstiftung Ver­dächtiger verhaftet. (Fr. N.)

Rom, 27. April. Die amtliche Zeitung veröffentlicht den Er­laß, durch welchen die Kammer aufgelöst und die Neuwahlen angeordnet werden. Die neue Kammer wird zum 10. Juni einberufen werden.

Petersburg, 28 April. Das offiziöseJournal" meldet: Die Vertreter der Mächte sind übereingekommen, nach dem Eingänge der Erklärung des Ministers Delyannis das Ultimatum an Griechenland nicht am Montag, sondern am Dienstag zu überreichen, nachdem sie bis dahin Instruktionen erhalten haben würden.

Bremen, 28. April. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Main" ist heute früh 1 Uhr in New-Aork eingetroffen.

Hamburg, 27. April. Der PostdampferBohemia" der Hamburg - Amerikanischen Packetfahrts - Aktiengesellschaft ist heute Morgen in New-Aork eingetroffen.

New-Iork, 27. April. Der DampferThe Quen" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messing'sche Linie) ist hier ange­kommen.

jMjf- Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. -*®^S

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Hanau, den 29. April 1886.

(Realschule.) Anmeldungen zur Aufnahme neuer Schüler für die hiesige Realschule werden bis einschließlich nächsten Samstag (1. Mai), Vormittags von 1112 Uhr, im Realschulgebäude entgegengenom­men.

(Königl. Zeichenakademie.) Anmeldungen von Schülern für den nächsten Montag den 3. Mai in Königl. Zeichenakademie begin­nenden Unterricht haben Donnerstag, Freitag und Samstag, den 29. und 30. April, sowie 1. Mai, Vormittags von 1012 Uhr, im Ge- schüstszlmmer des Herrn Professor Wiese, in der Akademie, zu ge­schehen.

(Schul-Anmeldungen.) Anmeldungen zur Ausnahme in die hiesigen Schulen haben zu geschehen: 1) für die höhere Töchter­schule, soweit dies nicht bereits geschehen, Samstag den 1. Mai, von Vormittags 9 Uhr ab im Geschäftszimmer des Herrn Schulinspektor Junghenn, Steinheimerstraße 37 ; 2) in den vier städtischen Bür­gerschulen: Donnerstag, Freitag und Samstag, den 29. und 30. April, sowie 1. Mai, jedesmal von Vormittags 9 Uhr ab, und zwar a. für die Knaben b ürgers chul e I bei Herrn Hauptlehrer Loeber, neues Schulhaus am Johanniskirchplatze; b. für die M ädch en bür g er- schule I bei Herrn Oberlehrer Willmann, Bebraer Bahnhosstraße 9; c. für die Knabenbürgerschule II bei Herrn Oberlehrer Fröhlich, Erbsengasse 1, und d. für die Mädchen bürgerschule II bei Herrn Hauptlehrer Klohs, Bebraer Bahnhofstraße 9.

(Manöver.) Die Divisionsmanöver im Bezirk des 11. Armee­korps werden, wie dieH. M." vernimmt, wie folgt abgehalten : 21. Division (von hier 97. Jnf. - Regt.) im Kreise Wetzlar; 22. Division Gotha und Umgegend; Großherzogl. Hess. Division Friedberg, Nauheim und Umgebung.

(Jubiläumsschriftchen.) Das bereits angekündigte, nach historischen Quellen streng bearbeitete Werkchen.:Der dreizehnte Juni. Kurze Beschreibung der Belagerung von Hanau durch den Kai­serlichen General Lamboy und die Entsetzung derselben durch Landgraf Wilhelm V. von Hessen. Zur 250jährigen Feier des Tages den Bewohnern Hanau's g ewidmet von F. W. I.", ist nun­mehr in der Waisenhausbuchhandlung erschienen und dortselbst das Exem­plar für 25 Pf. zu haben. Jeder Freund des Lamboifestes, der es noch nicht bestimmt weiß, erfährt durch dieses Schriftchen genau, warum eigentlich unser Lamboyfest gefeiert wird. Der Verfasser sagt ganz richtig in seinem Vorwort:Das Schriftchen hat den Zweck die lieben Hanauer von Neuem darüber zu belehren, warum sie ihr Lamboyfest feiern, denn vielfach ist die Veranlassung dazu von den Kindern unserer Zeit vergessen oder es mischt sich in ihren Vorstellungen Altes und Neues, die Schlacht, die am 30. Oktober 1813 im Lamboywald gesümpft wurde und das Ec- eigniß des 13. Juni 1636 rc."

Von einem Freunde des Lamboyfestes ist dem Werkchen noch ein Hanauer Volkslied nach der Melodie:Prinz Eugen 20" angefügt, welches die geehrten Festfreunde bis zum Jubiläumstage einstweilen einüben mö­gen.