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Nr. 98.
Mittwoch den 28. April
1886.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Verloren: Eine weiße Stickerei. Ein Uhrgehängsel (2 Hämmer). Eine goldene Granatbcoche mit Silbereinfassung.
Entlaufen: Ein brauner Dachshund mit gelben Abzeichen, m. Gcschl., auf den Namen „Erdmann" hörend.
Gefunden: Ein Portemonnaie mit Inhalt. Eine gelbe Vorsteck- nadel. Ein gelbes Armband. Ein Messer. Ein roth-seidenes Taschentuch. Ein Einhundertmarkschein
Hanau am 28. April 1886.
Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesscha«.
— Berlin, 27. April. Dem Kaufmann Otto Israel in Stral- sund ist Namens des Reichs das Exequatur als Konsul für Belgien in Stralsund ertheilt worden.
— Berlin, 27. April. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute Vormittag zunächst den Vortrag des Polizeipräsidenten, nahmen darauf militärische Meldungen entgegen und ließen Sich sodann von dem Chef ver Admiralität sowie von dem Chef des Militärkabinets Vortrag halten.
— Berlin, 26. April. Infolge der Erkrankung seines Sohnes Herbert hat Fürst Bismarck seine Reise nach Friedrichsruh bestimmt aufgegeben, zumal da er einen Theil der Geschäfte des Staatssekretariats zunächst selbst übernommen hat. (K. Z.)
— Berlin, 27. April. Dem Bundesrathe ging eine Vorlage zu, betreffend die Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen an der Berliner Universität. In Aussicht genommen sind Vorlesungen über sieben verschiedene Sprachen des Orients. Die Kosten des Seminars, einmalige wie fortlaufende, soll zur einen Hälfte das Reich, zur anderen Hälfte Preußen übernehmen. — Graf Herbert Bismarck wird während feiner Krankheit durch den Grafen Berchem vertreten. (Rh. K.)
— Kiel, 24. April. Briefsendungen für nachfolgende Schiffe der kaiserlichen Marine sind wie folgt zu richten: für S. M. Panzerschiff Friedrich Karl bis auf weiteres nach Malta; für S. M. Vermessungsfahrzeug Drache bis auf weiteres nach Bergen (Norwegen); für S. M. Kanonenboot Wolf in Abänderung früherer Daten bis 26. April nach Gibraltar, von da ab nach Malta; für S. M. Kreuzerfregatte Prinz Adalbert nach Kiel.
— Hamburg, 24. April. Die vor acht Tagen abgebrannten Jnprägnirungs- und Sägewerke des Fürsten v. Bismarck in Friedrichsruh sind durch die Magdeburger Feuerversicherungs-Gesellschaft geprüft und der Schaden auf rund 70000 M. festgestellt worden. Der Wiederaufbau des Etablissements ist dem braunschweiger Ingenieur G. Luther wiederum übertragen worden. (Magd. Ztg.)
— Der zweite internationale Kongreß für Binnenschifffahrt wird vom 15. bis 19. Juni d. Jhrs. in Wien unter dem Vorsitz des österreichischen Kronprinzen stattfinden. Folgende vier Punkte sollen zur Verhandlung kommen: l. der wirthschaftliche Werth der Wasserstraßen des Binnenlandes; 2. die Festsetzung der Normalprofile für Kanäle und Bauwerke; 3. die Organisation des Binnenschifffahrts-Betriebes und 4. der Bau von Seekanälen. Aus Deutschland, Frankreich, Belgien und Oesterreich haben namhafte Gelehrte bereits ihr Erscheinen zugesagt.
— L e m b e r g, 26. April. In der Bezirksstadt Lisko, Station der ungarisch - galizischen Eisenbahn, brach in der vergangenen Nacht eine Feuersbrunst aus, durch welche gegen drei Viertheile der ganzen Stadt rn Asche gelegt wurden.
— Lemberg, 27. April. Die amtliche „Gazeta Lwowska" kon- statirt, daß während der Osterfeiertage in keinem Bezirke Westgaliziens eine Ruhestörung seitens der Landbevölkerung vorgekommen sei, überhaupt kein Anzeichen vorhanden, welches die in einigen Zeitungen geäußerten Befürchtungen begründete.
, — Bern, 27. April. Der schweizerische Gesandte in Wien und der schweizerische Generalkonsul in Bukarest sind vom Bundesrath ermäch- 0gt, mit der rumänischen Regierung behufs Abschlusses eines Handelsvertrages in Unterhandlung zu treten. (Fr. N.)
— Br i n d i si, 27. April. Vom 26. bis zum 27. ds. Mittags vier Erkrankungen an der Cholera, in Ostuni ebenfalls vier Erkrankungen.
, — Madrid, 27. April. Die Senatoren-Wahlen ergaben: 136 ' Ministerielle, 26 Konservative, 4 Republikaner, 4 von der Partei Romero Robledo, 2 von der dynastischen Linken und 8 Unabhängige.
— Rom, 27. April. (Fr. N.) Gestern fand wegen Ermordung der Europäer in Harrar, insbesondere der Mitglieder der italienischen wissenschaftlichen Expedition, Ministerrath statt. An die englische Regie- ruug wurde ein Telegramm gesandt, um deren Absichten, soweit England mitbetroffen ist, zu erfahren.
— Athen, 27. April. Ungeachtet der griechischen Antwort an den Grafen Mouy überreichten die Vertreter der Mächte gestern Abend ein Ultimatum, worin sie die Abrüstung binnen 8 Tagen verlangen und Griechenland im Weigerungsfälle für die Folgen verantwortlich machen.
— London, 27. April. Lord Hartington gab bei einem Meeting seinen Wählern in Rawstenstall Aufschluß über seine Haltung gegenüber den irischen Vorschlägen Gladstones und erklärte, er beabsichtige keineswegs, sich mit den Konservativen zu einer Koalition zu verbinden. In einem auf dem Meeting verlesenen Schreiben bezeichnet Bright die Spaltung der liberalen Partei als das natürliche Resultat der ministeriellen Gesetzesvorlagen und stimmt vollkommen dem Verhalten Lord Hartingtons zu. Die Morgenblätter melden, Chamberlain werde die Verwerfung der irischen Landankaufsbill beantragen.
— London, 27. April. Die Morgenblätter äußern sich im allgemeinen befriedigt über die Wendung der Dinge in Griechenland. Die „Times" hält jedoch die Schwierigkeit so lange noch nicht für gehoben, als nicht Griechenland die Einwilligung, abzurüsten, sämmtlichen Mächten formell notifizirt und die Befehle zur Demobilisirung erlassen habe.
— In dem in St. Vincent de Paul unweit Montreal gelegenen Zuchthause, wo etwa 1000 Mann in Haft sind, entstand am Sonntag den 18. ds. eine Meuterei. Auf ein verabredetes Zeichen fielen die im Hofraum beschäftigten Züchtlinge über die nichts ahnenden Wächter her, überwältigten und fesselten sie. Nachdem 16 Wächter wehrlos gemacht waren, nahmen die Meuterer von dem Innern des Gefängnisses Besitz. Sie bewaffneten sich mit den Pistolen der Wächter und bemächtigten sich alsdann des Gefängnißdirektors Laviolette, den sie mit Stricken banden. Mit Brechstangen und anderen Werkzeugen versehen, näherten sie sich den Wällen, um die Thore des Gefängnisses zu erbrechen. Die auf den Wällen befindlichen neun Wächter, welche mit Gewehren bewaffnet waren, befahlen den Verbrechern, sich nach ihren Zellen zurückzubegeben. Letztere hielten indeß den gefesselten Gefängnißdirektor als Schild vor sich und drangen weiter vor. Laviolette rief den Wächtern zu: „Nehmet keine Rücksicht auf mich, ihr Leute! Gebt Feuer! Thut eure Pflicht!" Da die Wächter zögerten, wiederholte er seinen Befehl und das Schießen begann. Die Züchtlinge erwiderten das Feuer und trafen dann Anstalten, den Wall zu besteigen. Carreveau, ein französischer Canadier, wurde, als er die Brustwehr erstieg, erschossen. Alsdann entspann sich ein verzweifelter Kampf, aber die Gewehre siegten schließlich über die Pistolen. Laviolette wurde schwer verwundet. Die Wächter zielten so gut, daß sie 16 Züchtlinge theils erschossen, theils verwundeten. Die entmuthigten Verbrecher zogen sich schließlich zurück, legten die Waffen nieder und suchten eine Zuflucht in ihren Zellen, wo sie von den nachdringenden Wächtern eingeschlossen wurden. Laviolette und zwei verwundete Züchtlinge dürften nicht wieder aufkommen. Keiner der Sträflinge ist entsprungen. Der Kampf hatte zwei Stunden gedauert. Die aus Montreal herbeigerufene Polizei kam erst nach Bewältigung der Meuterei an.
— Stettin, 26. April. Der Stettiner Lloyddampfer „Kälie" ist vorgestern Morgen wohlbehalten in New-Aork eingetroffen.
— Hamburg, 27. April. Der Postdampfer „Bavaria" der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrts - Aktiengesellschaft ist gestern in St. Thomas eingetroffen.
— Bremen, 25. April. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Salier" ist in New-Dork eingetroffen.
— Trie st, 25. April. Der Lloyddampfer „Ettore" ist mit der ostindischen Post heute Vormittag aus Alexandrien hier eingetroffen.
M^* Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. OS®
ReichsgerichLs-Entscheidmrge«.
— Die Erregung ungebührlichen, ruhestörenden Lärmens^in einem