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Nr. 93.
^____1________Li
Dienstag den 20. April
1886.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Uebersicht
über die Wirksamkeit der kreisständischen Natural-Verpflegungs- und Ar- beits-Stationen während des Monats März 1886.
1) Großauheim: Zahl der Unterstützten 47. An dieselben wurden verabreicht: 4 Mittagessen, 42 Abendessen, 42 Nachtquartiere, 3 Frühstücke = 18 Mk. 36 Pf.
2)Langenselbold: Zahl der Unterstützten 161. An dieselben wurden verabreicht: 7 ganze Portionen Brod, 57 Mittagesien, 96 Abendessen, 96 Nachtquartiere, 94 Frühstücke = 71 Mk. 51 Pf.
3) Bergen: Zahl der Unterstützten 53. An dieselben wurden verabreicht: 1 ganze Portion Brod, 11 Mittagessen, 39 Abendessen, 41 Nachtquartiere, 36 Frühstücke = 25 Mk. 93 Pf.
4) Win decken: Zahl der Unterstützten 31. An dieselben wurden verabreicht: 3 Mittagessen, 28 Abendessen, 28 Nachtquartiere = 11 Mk. 92 Pf.
Hanau am 19. April 1886.
Der Königliche Landrath
V. 3298 Gf. Bismarck.
Herr Pfarrer Sopp zu Oberdorfelden ist für die Dauer der demselben übertragenen Specialvikarie der Pfarrstelle in Kilianstädten mit der Wahrnehmung der Lokal-Schulinspektion daselbst beauftragt.
Hanau am 19. April 1886.
Der Königliche Landrath
V. 3356 Gf. Bismarck.
T a g e s s ch a u.
B erlin, 19. April. Se. Majestät der Kaiser und König arbeiteten heute längere Zeit mit dem Chef des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Rath v. Wilmowski, und empfingen den Ober-Hof- und Hausmarschall Grafen Perponcher sowie den Geheimen Hofrath Borck zum Vortrage.
— Berlin, 18. April. Ueber das Befinden Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen ist heute folgendes Bulletin ausgegeben worden:
„Die Genesung Sr. Kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen schreitet gleichmäßig fort. Dr. Wegner."
— Wien, 19. April. Der Brand in der Stadt Stry dauert noch fort; 50 Personen werden vermißt, bisher sind 40 Leichen aufgefunden. Wegen der mangelhaften Löschvorrichtung ist Untersuchung eingeleitet. In den erhaltenen äußeren Stadttheilen herrscht entsetzliches Elend. Die Gefangenen, die ausgebrochen, benutzten die Gelegenheit, um im Verein mit Bauern zu plündern, sodaß Kämpfe entstanden. Auf dem Friedhofe brannten die Grabkreuze. Die Kassen sind meist gerettet, jedoch wird der Schaden auf vier Millionen Gulden geschätzt.
— Brüssel, 17. April. Die Nationalbank hat den Diskont von 2^2 auf 3 pCt. erhöht.
Madrid, 18. April. In der hiesigen Kk^hedrale wurden heute auf den Bischof, als er eben die Palmzweige einsegnete, von einem Priester drei Schüsse aus einem Revolver abgefeuert. Beim zweiten Schusse fiel der Bischof tödtlich getroffen zu Boden; er wurde in die Sakristei ge- bracht, wo er bald darauf verschied. Der Mörder wurde festgenommen; ” Galeotto, war als Geistlicher an einem Nonnenkloster wegen schlechter Führung seines Amtes entsetzt worden und hat angeblich Zeichen von Gersiesstörung kundgegeben. Die gerichtliche Untersuchung ist bereits erngelertet. Die Kirche ist alsbald geschlossen und mit einem Ring von regung^^ umSe^n worden. In der ganzen Stadt herrscht große Auf-
Madrid ig, April, Früh. Der Bischof ist nicht todt, aber v verwundet und wurde bereits mit den Sterbesakramenten versehen, T ^r iadt, weil er in bewußtlosem, todtähnlichen Zustande ch defand. Die Person des Mörders will er nicht kennen. (Fr. N.) daris, 17. April. In Algier ist vor einigen Tagen ein ^oiva den Hungertod gestorben. Derselbe hatte früher dem 2. leichten Brüchen Infanterie-Regiment angehört und war nach dessen Rückkehr
aus Tongking in ein Zuaven-Regiment gesteckt worden. Da er sich betrunken hatte, so wurde er in eine Gefängnißzelle der Caserne Orleans eingesperrt. Zuerst erhielt er Essen und Trinken; dann vergaß man ihn, und als man am letzten Montag endlich wieder in seine Zelle kam, fand man nur seine Leiche. Seit acht Tagen hatte er keine Nahrung erhalten.
— Paris, 19. April. (K. Z.) In Roubaix, Armentiares und Tourcoing wühlen die Socialisten. Die Regierung hat deshalb Vorsichtsmaßregeln getroffen. Die Gendarmeriebrigaden an der belgischen Grenze wurden verdoppelt und in verwichener Nacht Truppen von der Besatzung von Lille als Verstärkung für den Fall, daß Unruhen aus- brechen, abgeschickt.
— London, 19. April. Der Flensburger Dampfer „Valuta", auf der Fahrt von Hamburg nach dem Amur, stieß am Sonntag Nachts 11 Uhr während eines dichten Nebels auf der Höhe von Goodwin-sands mit dem Hamburger, nach dem La Plata bestimmten Dampfer „Petro- polis" zusammen und sank eine Stunde darauf. Die Mannschaft wurde in Booten von der „Petropolis" ausgenommen und in Dover gelandet. Nichts von der sehr werthvollen Ladung ist gerettet.
— London, 19. April. Die „Times" meldet aus Athen, der dortige russische Gesandte sei zum Kaiser nach Livadia berufen worden; es verlaute, die Garnison von Athen solle nach der Grenze abrücken.
— Petersburg, 19. April. In der Stadt Zelyj (Gouvernement Smolensk) brannten gestern mehrere Hundert Häuser ab; auch soll der Verlust von Menschenleben zu beklagen sein.
— New-York, 17. April. Ueber den Bau des Panama-Kanals liegt jetzt ein Bericht Bigelows vor, welcher als Vertreter der New-Yorker Handelskammer Lesseps nach Panama begleitet hat. Bigelow spricht seine Ansicht dahin aus, daß, wenn man die Arbeiten beschleunige, der sechste Theil der Ausschachtung bis Ende dieses Jahres vollendet sein werde. Die Gesammtkosten des Baues könne er nicht abschätzen, er halte es aber für wenig wahrscheinlich, daß der Bau für die in Aussicht genommene Summe in der festgesetzten Frist vollendet werde, zweifele jedoch nicht, daß das Werk zur Vollendung gelangen werde.
— Bremen, 17. April. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Ems" ist heute früh in New-York eingetroffen.
— Hamburg, 17. April. Der Postdampfer „Rugia" der Hamburg - Amerikanischen Packetfahrts - Aktiengesellschaft ist in New-York eingetroffen.
— Trie st, 18. April. Der Lloyddampfer „Espero" ist mit der ostindisch - chinesischen Post heute früh aus Alexandrien hier eingetroffen.
— New-York, 15. April. Der Postdampfer „Noordland", Kapt. Nickels, ist von Antwerpen angekommen.
Reichsgerichts-Eutscheidungen.
— Entwendet Jemand ohne gewinnsüchtige Absicht Nahrungsmittel von unbedeutendem Werthe oder in geringer Menge zum alsbaldigen Verbrauch dritter Personen, zur Beseitigung fremder Noth, so ist er nach einem Urtheil des Reichsgerichts, 11. Strafsenats, vom 26. Februar d. I., nicht wegen Diebstahls, sondern nur wegen Uebertretung des §. 370 Ziffer 5 Strafgesetzbuchs zu bestrafen.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Hanau, den 20 April 1886.
Prers Bertheilung und Eröffnung der Ausstellung der Königl. Zeichen-Akademie.
(Schluß.)
Das Verständniß für die Leistungen des Kunsthandwerks ist eine Errungenschaft neueren Datums. Unserer königlichen Regierung war es vorbehalten, den allgemeinen Anstoß durch dahinzielende Einrichtungen und Verfügungen zu geben. — Durch Einfügung einer Fach-Klasse für Cise- leure ward hier der bestimmte Gedanke ausgesprochen, daß diese Lehranstalt berufen sein solle, die Goldschmiedekunst, die von Alters her festen Boden in Hanaus Werkstätten hat, den Bedürfnissen und Anforderungen unserer Zeit gemäß zu heben und zu erhalten. Professor Hausmann hat diesen so richtigen Gedanken sofort erfaßt und sein gut’ Theil dazu