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Nr. 91.

Samstag den 17. April

1886.

Bekauntmachnngen Königl. Landrathsamts.

Von der Königlichen Kreishauptmannschaft Leipzig ist die Schlie- i ßung der in Leipzig domicilirten KrankenkassePrudentia", eingeschrie- ! bene Hülfskasse, verfügt und diese Verfügung auf dagegen erhobenen Recurs vom Königlichen Ministerium des Innern bestätigt worden. Der Schließungstag ist der 30. März c. Die Abwickelung der Geschäfte ist in Gemäßheit des §. 30 des Hülfskassengefetzes dem Sekretair Uhl- mann des Krankenversicherungsamtes der Stadt Leipzig übertragen wor­den. Diejenigen, welche an die geschlossene Kasse noch Zahlungen zu leisten haben, insbesondere noch mit Kassenbeiträgen bis einschließlich des Monat März c. rückständig sind, werden aufgefordert, diese Zahlungen binnen kurzer Frist an den Liquidator einzusenden. Daselbst sind auch etwaige Forderungen anzumelden.

Hanau am 15. April 1886.

Der Königliche Landrath

P. 1690____________________Gf. B ismarck.

Tagesscha«.

P. Aus dem Landtage. Berlin, 15. April. Das Herren­haus berieth heute zunächst den Gesetzentwurf, betr. die Beförderung deutscher Ansiedelungen in den Provinzen Westpreußen und Posen. Der Herr Ministerpräsident Reichskanzler Fürst von Bismarck nahm im Laufe der Diskussion Gelegenheit, den von polnischer Seite erhobenen Vor- wurf zurückzuweisen, daß die Tendenz dieses Gesetzes auf Ausrottung des Polenthums gerichtet sei. Er charakterisirte das vorliegende Gesetz viel­mehr als ein solches von rein defensiver Natur, das zum Schutze des Deutschthums erlassen werden und dem weiteren Umsichgreifen der Polo- nisirung einen Damm entgegensetzen solle. Der Gesetzentwurf wurde mit allen Stimmen gegen die der Polen angenommen. Desgleichen gelangte nach unwesentlicher Debatte der Gesetzentwurf über die Bestrafung von Schulversäumnissen, sowie der Gesetzentwurf, betr. die Errichtung und Unterhaltung von Fortbildungsschulen in den Provinzen Westpreußen und Posen, in der vom Abgeordnetenhause beschlossenen Fassung zur Annahme. Nächste Sitzung unbestimmt.

Das Abgeordnetenhaus berieth in seiner letzten Sitzung vor den Ferien in erster Lesung den Nachtragsetat (2 774 500 Mk. einmalige und 903 600 Mk. dauernde Ausgaben). Die geforderten Mittel bezwecken grösstenteils die Förderung des deutschen Volksschulwesens in den Pro­vinzen Westpreußen und Posen, sowie im Regierungsbezirk Oppeln. Die polnischen Abgg. v. Wierzbinski und Kantak, sowie der Abg. Windthorst (Zentrum) erklären sich gegen diese Forderungen, während dieselben von den Rednern aller anderen Parteien gebilligt wurden. Der Nachtragsetat wurde schließlich der Budgetkommission überwiesen. Näch ste Sitzung: Dienstag, 4. Mai (Kirchenpolitische Vorlage).

Berlin, 16. April. Se. Majestät der Kaiser haben im Na­men des Reichs den bisherigen Vize - Konsul bei dem Konsulat in San Francisco, Bodo Lehmann, zum Vize-Konsul in Buenos Aires zu ernennen geruht.

B erlin, 16. April. Se. Majestät der Kaiser und König ertheilten heute dem Bischof von Fulda, Dr. Kopp, eine Abschiedsaudienz, empfingen den Besuch der Herzoglich sachsen. altenburgischen Herrschaften unb nahmen vor dem Diner den Bortrag des Oberst-Kämmerers, Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode entgegen.

Berlin, 16. April. Ueber das Befinden Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen ist heute folgendes Bulletin erschie­nen :Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz hat in der vergangenen Nacht sehr gut geschlafen. Nach vollständiger Verbreitung des Ausschlages, welcher am Gesicht bereits verblaßt, hat das Fieber ganz, der Katarrh beinahe aufgehört. Dr. Wegner."

Berlin, 16. April. Der Reichskanzler Fürst v. Bismarck gedenkt in den nächsten Tagen Berlin zu verlasien und sich nach Fried-

W begeben, um daselbst bis zum Wiederbeginn der parlamenta- rischen Arbeiten zu verbleiben.

< , Berlin, 16. April. In dem Diätenprozeß des Fiskus gegen

oen früheren Reichstagsabgeordneten Langhoff, verurtheilte das Kammer- H Beklagten zur Herauszahlung von 1500 Mark empfangener Fraktionsdiaten, weil Artikel 32 der Verfassung nach seiner Entstehung 1

i und übereinstimmender Ansicht einer überwiegenden Anzahl von Staats­rechtslehrern ein absolutes Verbotsgesetz enthalte und die bezügliche Be­stimmung des allgemeinen Landrechts sich auch auf Handlungen gegen reichsrechtliche Verbotsgesetze beziehe. (Fr. N.)

Kiel, 15. April. S. M. FahrzeugUlan" wurde heute außer i Dienst gestellt.

D ortmund, 15. April, Abends. Der Delegirtentag des All- i gemeinen Deutschen RealschulmännenVereins wurde heute im Kasinosaale : von dem Direktor des Realgymnasiums in Krefeld, Dr. Schauenburg, eröffnet Zum Vorsitzenden wurde Professor Bach (Berlin) gewählt. Un- ter den sehr zahlreich Anwesenden befinden sich Delegirte aus allen Thei­len Deutschlands, darunter Universitäts-Professoren und Polytechniker so­wie Vertreter der Stadt Dortmund. Der Bericht des Vorstandes theilt mit, daß die Zahl der Mitglieder des Vereins sich um 200 vermehrt hat.

Sprottau, 16. April. Der Bober, der fast 3 Meter gestie- i gen ist, hat die Boberaue vollständig überschwemmt.

München, 16. April. Die Kammer der Abgeordneten nahm heute den Gesetzentwurf, betreffend die Verlegung der Militärdildungsan- stalten und die Herstellung des Münchener Justizpalastes, einstimmig an.

Wien, 16. April. DemFremdenblatt" zufolge stand die Anwesenheit des Kaisers in München mit den speziell bayerischen Ange­legenheiten nicht in Verbindung. Die Reise des Kaisers galt lediglich dem Besuche der Erzherzogin Gisela und deren Familie.

Wien, 16. April. (K. Z.) Gestern erstach vor der Hofoper ein Fahrgast der Straßenbahn einen andern, der ihm beim Einsteigen hinderlich gewesen war.

Ch arleroi, 16. April. Bei den Unterhandlungen wegen Wiederaufnahme der Arbeit in den Kohlenwerken betheiligten sich die Bürgermeister als Vermittler zwischen den Arbeitgebern und Arbeitern. Bisher hatten die Unterhandlungen kein Resultat. In Jumet, Lodelin- sart, Marchiennes und Gosselies ist die Arbeit noch nicht wieder ausge­nommen. (Fr. N.)

Rom, 15. April. Die Feldarbeiter, welche in einigen Gemein­den bei Pavia die Arbeit niedergelegt hatten, haben dieselbe wieder auf- genommen. Der Ausstand ist in aller Ruhe verlaufen; es kam nirgends zu Unordnungen.

Madrid, 16. April. Der Ministerrath sprach sich gegen die von der Königin gewünschte Begnadigung des Herzogs von Sevilla aus und entschied sich für die Verbannung desselben nach den Balearen.

Paris, 16. April. Laut Londoner Nachrichten soll die eng­lische Regierung die Absicht, an Griechenland ein Ultimatum zu richten, aufgegeben haben, weil sie die Uebergabe des letzten von den Mächten ge­meinsam ausgegangenen Telegramms an die griechische Regierung als Hin- i reichende Aufforderung ansehe.

London, 16. April. In einer Versammlung von Hüttenbe- sitzern aus Südwales, West-Cumberland, Lancashire, Lincolnshire und Northamptonshire wurde eine Resolution angenommen, dahingehend, die Produktion des Roheisens einzuschränken.

St. Petersburg, 15. April. Der deutsche Botschafter v. Schweinitz hat heute eine Urlaubsreise nach Deutschland angetreten. Der bisherige französische Botschafter General Appert hat ebenfalls heute Pe­tersburg verlassen.

Verschwörung gegen den Sultan. Ueber Varna wird derK. Z." gemeldet: Das kürzlich veröffentlichte Rundschreiben der Pforte, welches die Mächte zu thatkräftigem endlichen Vorgehen gegen Griechenland auffordert, hat eine besondere Vorgeschichte. In Konstanti­nopel ist nämlich eine Verschwörung gegen das Leben des Sultans ent­deckt worden. Diese Verschwörung wird auf einen Theil der dortigen Aktionspartei zurückgeführt, die mit der bisherigen unthätigen Haltung der Pforte Griechenland gegenüber unzufrieden ist. Die Pforte will deshalb versuchen, jetzt die Mächte zum endlichen Einschreiten zu veran­lassen.

Bremen, 16. April. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Elbe" ist heute früh 1 Uhr in New-Pork eingetroffen.

Reichsgerichts-Entscheiduuge«.

Eine betrügerische Handlung, deren Ausführung der von der be-