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DiesivaNigegcile

Montag den 12. April

Nr. 86

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Gefunden: Eine Peitsche. Ein Portemonnaie mit etwas Geld. ; Ein Uhrschlüssel.

Verloren: Ein Portemonnaie mit 55 Mark. i

Hanau am 12. April 1886.

Aus Königl. Landrathsamt.____ '

Tagesscha«.

P. Aus dem Abgeo rd netenhau se. Berlin, 9. April. ! Das Abgeordnetenhaus erledigte den Gesetzentwurf, betreffend die Heran- ziehung von Militairpersonen zu den Kommunalabgaben, in erster Lesung. Es wurden zwar gegen einzelne Bestimmungen der Vorlage Bedenken er- hoben, im Allgemeinen aber dankbar anerkannt, daß die Regierung mit ; dieser Vorlage eine schwierige Frage der endlichen Lösung entgegenführe. ; Den von deutschfreisinniger Seite erhobenen Ausstellungen, daß das Gesetz ; nicht weit genug gehe, wurde von dem Herrn Kriegsminister mit dem : Hinweis entgegengetreten, daß die Offiziere nur in beschränktem Maße an den kommunalen Einrichtungen Theil hätten, und daß, wo es sich um ' die Aufhebung eines rechtlich bestehenden Privilegiums handele, es ange- : zeigt erscheine, mit Schonung vorzugehen. Der Gesetzentwurf wurde einer besonderen Kommission von 21 Mitgliedern zur Vorberathung überwiesen und nach Erledigung einiger kleineren Vorlagen schließlich noch der Ge- i setzentwurs über die Errichtung letztwilliger Verfügungen in dem Bezirke des Oberlandesgerichts zu Frankfurt a. M. in zweiter Lesung nach den i Beschlüssen der Kommission genehmigt. Montag: Interpellationen, betr. die Weichselüberschwemmung und betr. die Nothlage der Landwirthschaft.

?. Aus dem Reichstag. Berlin, 10. April. Der Reichs­tag erledigte zunächst Rechnungssachen. Der Gesetzentwurf, betr. die i Rechtspflege in den deutschen Schutzgebieten, wurde, nachdem der Staats- ; sekretair des Reichs-Justizamts Dr. v. Schelling Namens der verbündeten Regierungen deren Stellung den Beschlüssen zweiter Lesung gegenüber dar- t gelegt hatte, und nach kurzer weiterer Debatte, in welcher der Abg. Windthorst die Rückverweisung in die Kommission beantragt hatte, un­verändert genehmigt. Bei der dritten Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Unzulässigkeit der Pfändung von Eisenbahn-Fahrbetriebsmitteln, nahm der Staatssekretair des Innern, Staatsminister v. Boetticher, Ver- , anlassung, die gestern von dem Abg. Schrader ausgesprochene Behauptung von der bedeutungslosen Stellung, zu welcher das Reichseisenbahnamt herabgesunken sei, zurückzuweisen. Der Gesetzentwurf selbst wurde definitiv genehmigt; ebenso ohne Debatte der Gesetzentwurf, betreffend den Anspruch des Statthalters in Elsaß-Lothringen auf Gewährung von Pension und Wartegeld. Auch der Gesetzentwurf, betr. die Abänderung des Mili­tärpensionsgesetzes, veranlaßte nur eine kurze Debatte und wurde mit der früheren Mehrheit endgültig angenommen. Demnächst wurde auch der Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung des Zolltarifgesetzes (Verzollung der Petroleumfässer), nach kurzer Diskussion in dritter Berathung definitiv genehmigt. Damit war die Tagesordnung erledigt. Der Präsident bemerkte darauf, daß ihm der Stellvertreter des Reichskanzlers die Mit- theilung gemacht habe, daß dem Reichstage noch die Vorlagen, betreffend die Branntweinsteuer und die Zuckersteuer, zugehen würden; daß das aber wohl erst Mitte nächsten Monats geschehen könne. Da demnach die Möglichkeit ausgeschlossen sei, die Arbeiten des Reichstages zu beendigen, so schlage er dem Hause vor, schon heute eine längere Pause eintreten zu lassen und die nächste Sitzung auf Montag, 17. Mai, Nachmittags 2 Uhr, anzuberaumen. Der Reichstag stimmte diesem Vorschläge bei. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung stehen Rechnungssachen und Petitionen.

DerR. u. St.-A." Nr. 87 veröffentlicht: 1) Gesetz, betreffend die Ausprägung einer Nickelmünze zu zwanzig Pfennig, vom 1. April 1886. 2) Gesetz, betreffend die Erhebung einer Schifffahrtsabgabe auf der Unterweser, vom 5. April 1886.

B erlin, 10. April. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen im Laufe des heutigen Vormittags militärische Meldungen entge­gen und arbeiteten längere Zeit mit dem Kriegsminister, Generallieutenant Bronsart v. Schellendorff und dem Chef des Militärkabinets, General- lieutenant v. Albedyll, empfingen hierauf den Besuch des Prinzen Wil­helm, machten Nachmittags eine Spazierfahrt und arbeiteten später mit dem Unterstaatssekretär Grafen Herbert Bismarck.

1886.

Berlin, 9. April. Die Frau Minister Maybach, geb. Bre- feld, deren Zustand schon seit längerer Zeit hoffnungslos war, ist gestern Morgen in San Remo gestorben. Minister Maybach, der erst vor einigen Tagen vom Krankenbette seiner Gattin hier wieder eingetroffen war, wollte ursprünglich nach der heutigen Ministerialsitzung nach San Remo zurück­fahren. Infolge der Todesanzeige hat er die Reise dorthin gestern schon angetreten.

Berlin, 10. April. Staatsminister Friedenthal ist durch eine Erkrankung in seiner Familie verhindert, der bevorstehenden Verhandlung über die Kirchenvorlage im Herrenhause beizuwohnen, erklärt aber in einer Zuschrift an diePost", den Standpunkt der Herrenhauskommission zu billigen, wenn hierdurch die volle Beilegung des kirchenpolitischen Streites erzielt werde. Wenn Letzteres gegenwärtig nicht erreichbar, seien über die ursprüngliche Vorlage hinausgehende Anträge zurückzuweisen, woraus aber nicht folge, auch die Regierungsvorlage abzulehnen. Das Verhalten der Kurie könne nicht dazu bestimmen, den preußischen Unter­thanen zu versagen, was aus Initiative der Regierung der Landtag zu gewähren als zulässig erachtet.

Berlin, 10. April. (Fr. N.) DieNordd. Allg. Ztg." meldet:Die schweizerischen Justiz-Polizeidepartements ließen in Folge der bekannten Aeußerungen Schalscha's durch die Behörden des Kantons Genf die eingehendsten Ermittelungen über die angeblich dort stattfindende Nachprägung preußischer Thaler vornehmen. Die Nachforschungen ergaben, daß die fraglichen Gerüchte völlig aus der Luft gegriffen sind.

Nach einer Pelpliner Mittheilung der Thorner Zeitung ist es ziemlich bestimmt, daß Probst Aßmann aus Berlin vom Capitel zum Bischof von Kulm gewählt werden wird.

Kiel, 9. April. Briefsendungen u. s. w. für S. M. Schiffe Ariadne, Oldenburg und Niobe sind bis auf weiteres nach Kiel, für S. M. Kanonenboot Wolf und die Fahrzeuge Drache und Pommerania nach Wilhelmshaven zu dirigiren.

Straßburg, 9. April. Wie dieStr. P." vernimmt, wird das Kaisermanöver des 15. Armeekorps nach nunmehr erfolgter aller­höchster Entschließung in der Umgebung von Straßburg stattfinden. Der Kaiser wird voraussichtlich am 10. September d. I. hier eintreffen und im Statthalterpalast Absteigequartier nehmen. Die Kaiserparade findet am 11. September auf dem Polygon statt.

Bremen, 10. April. (K Z.) Heute früh ist ein erheblicher Theil des Weseruferbollwerks an der Schlachte eingestürzt. Weitere Schäden sind zu befürchten.

Karlsruhe, 10. April. Der feierliche Schluß des Landtages findet am nächsten Donnerstag statt. Die Centrumspartei brächte heute eine Interpellation ein: ob die Regierung die kirchenpolitische Gesetzgebung des Landes nach dem Vorgänge Preußens zu revidiren gedenke.

Karlsruhe, 10. April. Der Dichter Victor v. Scheffel ist gestern Abend seinen Leiden erlegen.

Frei bürg i. Br., 10. April. Zum Erzbisthumsverweser wurde heute der Domdekan Weickum gewählt.

Wien, 11. April, 11 Uhr 20 Minuten. Laut Meldungen aus Temesvar hätten die Arbeiter des Bergwerkes Oravitza die Arbeit einge­stellt und die Beamtenhäuser angezündet. Nach anderen Berichten wären sämmtliche Bahngebäude zu Oravitza und 17 Waggons durch Brand ein­geäschert worden, doch wird nicht gesagt, wodurch der Brand entstanden sei. Auch in dem Oravitza nahegelegenen Flecken Hatzfeld wäre ein großes Feuer ausgebrochen und 20 Häuser abgebrannt. Nähere Angaben und Bestätigung des Streiks zu Oravitza fehlen zur Zeit noch. (D. M.-Bl.)

Paris, 9. April. An der belgischen Grenze sind mehrere Ballen mit revolutionären Proklamationen, die in Belgien für die Strikenden in Decazeville aufgegeben worden waren, mit Beschlag belegt worden.

Aus Lyon, 8. April, meldet der Tölögraphe:Als gestern Abend 10 Uhr der Expreßzug Nr. 218 von Genf in dem Bahn­hof Lyon-Perroche eingetroffen war, fand ein Beamter in einem Coupä zweiter Klasse einen Mann, der im Blute schwamm. Derselbe hatte einen Revolverschuß in der Nähe des Herzens erhalten, und da er noch athmete, wurde er ins Spital gebracht. Er ist ein Mann mit Namen Louis Lacour und zwanzig Jahre alt. Andere Auskunft über ihn konnte noch nicht erlangt werden. Der Revolver, der noch mit fünf Schüssen geladen