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Nr. 78.

Freitag den 2. April

1886,

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Der Fuhrknecht (Tagelöhner) Friedrich Hasecke aus Fürstenberg (Waldeck), geboren am 28. Sept. 1843, welcher früher in Hanau wohnte, hat sich von hier entfernt und feine drei unversorgten Kinder der Armen­pflege anheimfallen lassen.

Es wird ersucht, nach dem Aufenthaltsort des Genannten zu fahnden und im Ermittelungsfalle Nachricht hierher zu geben.

Hanau am 31. März 1886.

Der Königliche Landrath. .

P. 1356 I. V.: B a a b e.

Tagesschau.

P. Aus den Parlamenten. Berlin, 31. März. Der Reichstag setzte die zweite Berathung des Gesetzentwurfes, betreffend die Verlängerung der Gültigkeitsdauer des Sozialistengesetzes, fort, und nahm die Anträge des Abg. Windthorst, welche das Gesetz in Bezug auf Ver­sammlungen, Druckschriften, Reichskommission, kleinen Belagerungszustand einschränken, sämmtlich an, und darauf den ganzen Artikel 11, der diese Anträge enthält, mit 164 gegen 142 (Rechte und Nationalliberale Stim­men anst In die Berathung über die Zeitdauer, für welche das Gesetz zu verlängern ist, griff auch der Reichskanzler Fürst von Bismarck ein, i indem er für die Nothwendigkeit des Gesetzes besonders auch auf die gestrige Rede des Abg. Bebel hinwies, der eventuell den Fürsten- und

1 Meuchelmord ausdrücklich in sein Programm ausgenommen habe, und auf den Widerspruch des genannten Abgeordneten erhärtete der Herr Reichs­kanzler seine Behauptung an der Hand des betr. stenogr. Berichts. Fürst

1 Bismarck erklärte im Uebrigen, daß die Regierung auch das Minus von 2 Jahren für die Verlängerung im Interesse des Volkswohls nicht ab­lehnen dürfe. Die Debatte wurde noch längere Zeit fortgesetzt. Das Re­sultat der schließlichen Abstimmung war die Ablehnung der Anträge Windthorst (dafür nur das Zentrum), ebenso der Regierungsvorlage (da­für nur die beiden rechten Fraktionen und einige Nationalliberale), end- ; lich die Annahme des Antrages v. Hertling Verlängerung des beste- ' henden Gesetzes um 2 Jahre bei Auszählung mit 173 gegen 146 Stimmen. Für den Antrag stimmten die beiden rechten Fraktionen, die Nationalliberalen und ein erheblicher Theil des Zentrums. Morgen ; kleinere Vorlagen und Wahlprüfungen.

Das Herrenhaus erledigte zunächst in einmaliger Schlußberathung die Gesetzentwürfe, betr. eine Erweiterung des Staatsschuldbuchs, und betr. die Landeskreditkasse in Caffel, und ging dann zur Berathung des Etats über, der nach längerer Debatte mit dem Etats- und dem Anleihegesetze endgültig zur Feststellung gelangte. Nächste Sitzung unbestimmt.

Das Abgeordnetenhaus berieth zunächst den Antrag des Abg. Bachem (Zentrum) und Genossen auf Aenderung des Gesetzes über die Klassen- und klassifizirte Einkommensteuer. Der Antrag, welcher eine Herabsetzung des Wahlzensus für die Kommunalwahlen allgemein auf 6 Mark anstrebt, wurde nach längerer Debatte zur zweiten Berathung im Plenum gestellt. Zum Schluß beschäftigte sich das Haus noch mit Peti­tionen. Morgen: Ansiedelungsgesetz.

, _ DerR. u. St.-A." Nr. 79 veröffentlicht: 1) Gesetz, betreffend die Feststellung des Staatshaushalts - Etats für das Jahr vom 1. April 1 1886/87, vom 31. März 1886. 2) Gesetz, betreffend die Ergänzung der Einnahmen in dem Staatshaushalts - Etat für das Jahr vom 1. April 1886/87, vom 31. März 1886.

[ Berlin, 1. April. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen um heutigen Vormittage militärische Meldungen entgegen und ließen Sich von dem Kriegsminister sowie von dem Chef des Militär ka- binets Vertrag halten.

Berlin, 1. April. Se. Maj. der Kaiser, der Kronprinz, Prinz Wilhelm und Prinz Georg statteten dem Fürsten Bismarck anläßlich feines heutigen Geburtstages persönlich Gratulationsbesuche ab. Eine Deputation ehemaliger Jäger und Schützen in Greisswalde brächte früh ihre Glückwünsche dar. Die Kapelle des zweiten Garderegiments brächte .um 11 Uhr, diejenige des Kaiser-Alexander-Regiments um 1 Uhr ein Ständchen. Depeschen, Adressen, Glückwünsche und Geburtstagsspenden : sind in sehr großer Zahl von allen Seiten eingegangen. (Fr. R.)

Berlin, 1. April. Der Gesandte v. Schlözer ist heute früh von Rom hier eingetroffen und alsbald vom Kultusminister empfangen worden.

Berlin, 1. April. DieNorddeutsche Allg. Ztg." bezeichnet die Nachricht desSoleil", wonach Deutschland bei den belgischen Un­ruhen die Hand im Spiele hätte, um dadurch Anlaß zur Intervention zu haben, falls die belgische Regierung außer Stande wäre, den Aufstand zu unterdrücken, als die albernste Erfindung der Pariser Börsenspeku­lation.

Die preußische Kanalvorlage ist vom Abgeordnetenhaus an eine Kommission verwiesen worden. Die Meinungen in der ersten Lesung gingen ziemlich durch einander und von einer Scheidung der Geister nach Fraetionen war wenig zu merken. Die Schlesier sprachen vorzüglich für den Oder-Spree-Kanal, die Westfalen und Rheinländer für den Dortmund- Ems-Kanal. Dr. Windthorst sprach sich im Ganzen zustimmend über die Vorlage aus. Auf der rechten Seite war im Ganzen weniger Geneigt­heit für die letztere Wasserstraße zu bemerken, weil hier in erster Linie die Hebung der wirthschaftlichen Verhältnisse im Osten angestrebt wird. Das Schicksal der Vorlage ist daher noch nicht sicher.

Wilhelmshaven, 31. März. Bezüglich des Schulgeschwa- ders ist dahin die geänderte Anordnung getroffen, daß die SchiffeMoltke" undSophie" Weisung erhalten haben, nach Kiel zu gehen; die Fregatte hat gestern ihre Reise nach dort bereits angetreten, während dieSophie" heute Morgen nach der Ostseestation in See ging. Das Flaggschiff Stein" wird hier behufs Vornahme von Ausbesserungen gedockt.

DieKöln. Ztg." schreibt: Schon mehrmals hatten wir Gele­genheit gehabt, darauf hinzuweisen, daß die Spionenriecherei in Frankreich zu einer Sucht ausartet, welche nahe daran ist, die Krankheitserscheinun­gen des Verfolgungswahnsinns anzunehmen. Da diese Verirrung des Patriotismus von der Regierung aufs sorgfältigste gehegt und gepflegt und neuerdings sogar gesetzlich geheiligt wird, so darf man sich über die äußersten Folgen eines solchen Verfahrens nicht wundern. Welch sonder­bare Vorstellungen aber dem Hirn dieser eigenartigen Patrioten entsprin­gen, die nicht nur Frankreich, sondern auch die Colonieen vonpreußi­schen Spionen" undSöldlingen Bismarcks" überschwemmt wähnen, be­weist uns eine Zuschrift des spanischen Afrikareisenden Gimenez, welcher Raum zu geben wir uns um so mehr verpflichtet halten, als sie darthut, daß nicht die Deutschen allein, sondern auch andere Nationalitäten unter dieser Krankheit der Franzosen zu leiden haben, sodaß dieselbe nachgerade eine internationale Unbequemlichkeit zu werden droht. Das Schreiben lautet:

Von Aguila aus bereiste ich als Berichterstatter und Vertreter der Madrider ZeitungEl Dia" und der spanisch-afrikanischen Handelsgesell­schaft Marokko und Südalgerien, als der Generalgouverneur von Algier es für geeignet hielt, mich auszuweisen und als preußischer Spion zu ver­folgen. Die gesammte Presse Algiers beschuldigt mich noch heute, im Solde Bismarcks diese Länder bereist zu haben, obgleich ich nicht die Ehre habe, diesen Herrn zu kennen und obgleich ich mit der amtlichen Welt Berlins in keiner Weise in Beziehung stehe. Da aber gegenwärtig grade ein Gesetz über die Spionage in der französischen Kanimer berathen wird, so erlaube ich mir festzustellen, daß, falls der Generalgouverneur von Al­gier seine Anklagen gegen mich aufrecht erhält, in erster Linie die franzö­sischen Offiziere in Algier von den Folgen dieses Gesetzes getroffen werden müssen, denn der französische Stab selbst hat mir die Karten verkauft, deren ich mich auf meinen Reisen bedient habe, und die Offiziere des zweiten Spahisregiments, welches nahe der marokkanischen Grenze in Garnison liegt, und Lieutenant de Courtois, der dem arabischen Bureau Lulla Marnia zugetheilt ist, sind meine Freunde, Beschützer und Tischge­nossen und Zeugen aller meiner Handlungen gewesen. Auch wurde ich bei meinen hydrographischen Studien auf dem Mulayafluffe in Marokko von einem liebenswürdigen Spahi-Osfiziere begleitet, der sich niemals hätte träumen lassen, was für eine Gefahr ich für Frankreich war, und der nicht im entferntesten ahnte, daß Herr v. Bismarck spanische Unterthanen besoldet, damit sie Spionendienste in Afrika thun. Ick bitte Sie, diese Thatsachen der Oeffentlichkeit zu übergeben, damit dieselben zur Kenntniß derjenigen Deutschen kommen, welche Afrika zu bereisen Vorhaben. Geneh­migen Sie u. s. w. S. Gimenez."