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Die SspaltigeZeile
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Nr. 73.
Samstag den 27. März
1886.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Zu Wilhelmshöhe (Bz. Cassel) wird am 1. April ein Postamt mit Telegraphenbetrieb eingerichtet werden, welches demnächst dauernd in Wirksamkeit bleiben wird.
Cassel, 20. März 1886.
Der Kaiserliche Ober-Postdirektor
__Zur Linde._______________________ Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Gefunden: Ein weiß-seidenes Tüchelchen. Ein silbernes Kettenarmband. Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Eine Hemmvorrichtung. Ein Sack Frucht; Empfangnahme bei dem Ackermann Konrad Traxel II. zu Langendiebach.
Zugelaufen: Ein weißer Mops m. Geschl. mit rothem Maulkorb.
Hanau am 27. März 1886.
Aus Königl. Landrathsamt.
Zeitungsstimmen.
— Die „Landes-Zeitung für Elsaß-Lothringen" schließt ihren Festartikel zum 22. März, wie folgt:
Auch Elsaß-Lothringen hat sich dem Eindruck nicht entziehen können, I den Kaiser Wilhelms machtvolle Persönlichkeit auf Alle ausübt, welche sich Ihm nahen durften. Er hat auch hier die Herzen gewonnen, und mit freudiger Erregung wurde die Kunde vernommen, daß des Kaisers Majestät das Reichsland in diesem Jahre mit einem Besuche beglücken werde. Herzlicher und begeisterter Heilruf wird den geliebten Monarchen , in der Westmark begrüßen, wie diese auch heute den heißen Wunsch theilt, der Millionen von Herzen bewegt, in den Ruf einstimmt, der heute zum Himmel tönt, überall da, wo Deutsche eine Stätte gegründet: Gott schütze, Gott erhalte den Kaiser!
— Die „Deutsche volkswirthschaftliche Correspon- denz" bringt folgende Betrachtung aus den Kreisen der Industrie:
„Zwar fallen auch auf die deutsche Industrie die Schatten der ungünstigen wirtschaftlichen Weltlage, aber weit besser als hie Industrien anderer Länder, ist sie im Stande, die Ungunst der Zeit zu ertragen. Diesen Vorzug verdankt sie in erster Reihe der politischen und wirthfchaft- lichen Entwickelung und einer weisen Gesetzgebung, welche beide der Weisheit unseres Kaisers zu danken sind. Es hat also die deutsche Industrie ganz besondere Veranlassung, dem Kaiser zu danken, denn fast mehr als irgend ein anderes Feld der Erwerbsthätigkeit hat sie Vortheil gezogen aus den Errungenschaften, welche Deutschland seinem Herrscher verdankt. Man braucht nur an die Zeiten zurückzudenken, wie sie sich darstellten, ehe König Wilhelm den Thron Preußens bestieg. Gewiß haben auch zu früherer Zeit Preußen und die anderen deutschen Staaten Vieles gethan, was der Begründung und dem Wachsthum einer nationalen Industrie förderlich war; an dem guten Willen und an der Energie in der Verfolgung der einmal eingeschlagenen guten Wege hat es fast nirgends gefehlt. Aber es fehlte die Hauptsache, ohne weiche Großes nicht erreicht werden konnte. Wenn Deutschland geblieben wäre, wie es vor 1866 war, in kleine rivalisirende Staaten gespalten, denen es an Einigkeit ge- brach, dann hätte die wirthschaftliche Entwickelung des Landes auch nicht ; entfernt den Aufschwung genommen, um welchen das Ausland heute uns . beneidet. Das Deutschland des Frankfurter Bundes hatte weder den ( Veruf noch die Kraft zu großen nationalen Schöpfungen auf irgend einem Gebiet. Daß darin keine Uebertreibung liegt, das weiß man nur allzu- wohl, und es wird gewiß keinem einzigen Industriellen an Beispielen fehlen, welche die damalige traurige Lage illustriren. Man braucht nur M die Eisenbahn-Bauprojekte zwischen Bremen und Hamburg zu denken, welche lediglich wegen der Eifersüchteleien Hannovers nicht zu Stande wmmen konnte. Selbst an noch viel drastischeren Beispielen fehlt es keineswegs. Welche Weitläufigkeiten und welche Mühen haben nicht die ersten steuer- und zollpolitischen GesetzgebungsVersuche auf Bundesgebiet gemacht! Das Verkehrswesen lag tief im Argen und war zum Theil von ausländischen Einflüssen beherrscht, welche dem Wachsthum der deutschen Industrie schwerlich wohlgesinnt waren.
Es ist unmöglich, nicht den gewaltigen Unterschied zu würdigen, welcher zwischen der damaligen Misere und dem energischen, erfolgreichen
Vorwärtsdrängen besteht, welches nach der Begründung des Norddeutschen Bundes begann und nach der Wiederaufrichtung des Reiches so überaus glänzende Erfolge erzielt hat.
Es darf vor allen Dingen das gewaltige Wachsthum des Ansehens des deutschen Namens nicht vergessen werden, welches wir der weisen und segensreichen Wirksamkeit des Kaisers Wilhelm schulden. — Wenn wir in die Geschichte anderer großer Industrie- und Handelsstaaten zurückblicken, so werden wir allenthalben finden, daß der wirthschaftliche Aufschwung jener Staaten sich an die Wirksamkeit irgend einer hervorragenden, man kann sagen: providentiellen Persönlichkeit knüpfte. Ludwig XIV. hat den Grund zu der industriellen und kommerziellen Bedeutung Frankreichs gelegt, welche sich heute anzuschicken scheint, wieder zu verschwinden. Und in England knüpfen die stolzesten Traditionen an den Namen der Königin Elisabeth an. Damals wurde der Grundstein zu der heutigen weltbeherrschenven Stellung des Handels- und industriemächtigen England gelegt.
Die deutsche Industrie erblickt in dem Kaiser Wilhelm denjenigen Schöpfer und Förderer ihres Wachsthums, dem sie auf das tiefste zur Dankbarkeit verpflichtet ist. Des Kaisers Name und seine Errungenschaften sind die Grundlagen des Wachsthums der deutschen Industrie geworden. Das weiß man in den industriellen Kreisen recht wohl, und es ist deshalb keine inhaltlose Spielerei, wenn des Kaisers Name und Bildniß auf so vielen ausgezeichneten Leistungen der deutschen Industrie zu erblicken ist. ... In den Kreisen der deutschen Industrie ist man sich zugleich wohlbewußt, daß der Kaiser der sichere Hort des Friedens ist, dessen Wohlthaten ihr unentbehrlich sind.
Tagesschau.
— Der „R. u. St.-A." veröffentlicht: 1) Verordnung, betr. die Regelung der Verhältnisse in Folge der Einverleibung des bisherigen Stadtkreises Frankfurt, a. M. in den Kommunalverband des Regierungsbezirks Wiesbaden und der Vereinigung dieser beiden Verbände zu einem Landarmenverbande, vom 10. März 1886. — 2) Verordnung, betr. die Auseinandersetzung zwischen dem kommunalständischen Verbände im Regierungsbezirk Cassel und dem kommunalständischen Verbände im Regierungsbezirk Wiesbaden wegen der dem Landkreise Frankfurt a. M. zugetheilten Gemeinden des bisherigen Kreises Hanau, vom 15. März 1886.
— Berlin, 26. März. Dem zum Königlich großbritannischen Konsul in Frankfurt a. M. ernannten Kaufmann Bernhard Goldbeck ist das Exequatur Namens des Reichs ertheilt worden.
— Berlin, 26. März. Zur Kirchenvorlage brächte Bischofs Kopp ein Amendement ein, wonach die Bestimmung wegfällt, daß vom Staat als minder genehm bezeichnete Personen nicht als Lehrer und Leiter theologischer Seminare angestellt werden können; ferner sollen die Bestimmungen über die Berufung an den Staat aufgehoben werden, endlich soll das Lesen stiller Messen und die Spendung der Sterbesakramente unter allen Umständen und nicht blos in Nothfällen straffrei sein. (Fr. N.)
— B erlin, 26. März. Die „Norddeutsche Allg. Ztg." schreibt: Für das Togogebiet ist durch Verordnung des Kaiserlichen Kommissars vom 16. Januar nunmehr ebenfalls ein Verwaltungsrath eingesetzt, bestehend aus drei Mitgliedern, die jährlich aus den Vertretern der dortigen europäischen Firmen ernannt werden.
— Straßburg, 24. März. Am letzten Sonntag trafen 35 Bierbrauer aus Belgien hier ein, welche eine Reihe von deutschen Städten besuchen wollen, in denen größere Brauereien bestehen, um die dortigen Brauereien und andere mit diesem Gewerbe im Zusammenhänge stehenden Geschäfte zu besichtigen.
— Braunschweig, 26. März. (K. Z.) Morgen vor Schluß des Landtags erfolgt die feierliche Abnahme des neuen Huldigungseides der Landtagsabgeordneten. — Ob die Nebenbahnvorlage angenommen werden wird, ist noch zweifelhaft.
— Karlsruhe, 26. März. Der Erbgroßherzog hatte in der Nacht genügenden Schlaf. Die Gelenk-Affektion ist noch immer wechselnd, aber gering. Die Pleura-Ergüsse auf der rechten Seite sind unverändert, die auf der linken Seile sind nahezu vollständig zurückgegangen; das Fieber ist mäßig. ' < '—
— Brüssel, 26. März. Der „Jndepedance" zufolge fanden im ganzen Kohlenrevier von Charleroi ernste Ruhestörungen statt. Bande von Sinkenden drangen in die Kohlengruben, Walzwerke, Glashütten und