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Bi-rteljLhrlich i Mor! 25 Wg. Für auswärtige Ldonnenten

«it dem betreffe». den Postaufschlag. vt« einzelne Num­mer 10 Psg.

Hanmer Amtiatr.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

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Nr. 58

Mittwoch den 10. März

1886.

Bekanntmachn« err Kömgl. L?a«drathsamLs.

Die Regierungs- Polizei-Verordnung vom 30. April 1881 enthä in dem §. 10 folgende Bestimmungen:

Fuhrwerke, welche sich begegnen, müssen einander nach der rechten Seite, jedes zur Hälfte, ausweichen.

Jedes von einem andern eingeholte Fuhrwerk muß, wenn der Führer des Letztern die Absicht vorbeizufahren zu ersinnen gibt, nach der rechten Seite ausweichen, während das vorbeifahrende Fuhrwerk nach der linken Seite ablenken muß.

Da diese Vorschriften dem fahrenden Publikum ungenügend bekannt zu sein scheinen, so ersuche ich die Herren Bürgermeister, dieselben wieder­holt und mit dem ausdrücklichen Hinzufügen in den Gemeinden bekannt zu machen, daß Zuwiderhandelnde einer Strafe bis zu 60 Mark eventuell bis zu 14 Tagen Haft verfallen.

Hanau am 3. März 1886.

Der Königliche Landrath

V. 1892 Gf. Bismarck.

Nach der mit dem 1. April d. J. in Kraft tretenden Veränderung der Landwehr-Compagnie-Bezirke wird die 6te (nicht 5te Compagnie, wie in Nr. 51 des Anzeigers steht) Compagnie, mit dem Sitze in Hanau, den Stadt- und Landkreis Hanau kontroliren.

Demgemäß ersuche ich die Herrn Bürgermeister des zukünftigen Landkreises Hanau, die in den Ortschaften aufgestellten Ortstafeln ent- sprechend der Numerirung der Landwehr-Bezirks-Compagnie mit dem 1. April e. ab ändern zu lassen und anzuzeigen, daß dies geschehen ist.

Hanau am 6. März 1886.

Der Königliche Landrath

V. 1567 Gf. Bismarck.

Gefunden: Zwei Loose von der Geflügel-Ausstellung. Eist Notiz­buch mit der AufschriftMarie Reifert".

Hanau am 10. März 1886.

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesscha«.

P. Aus den Parlamenten. Berlin, 8. März. Der Reichs- tag hielt heute zwei Sitzungen. In der ersten wurde zunächst der. Be­schluß des Bundesraths, betr. die Aufnahme der Zellulosefabriken in das Verzeichniß einer Genehmigung bedürfenden gewerblichen Anlagen, defini­tiv genehmigt. Bei Fortsetzung der zweiten Berathung des Antrages Reichensperger (Einführung der Berufung) stellte sich alsbald die Be­schlußunfähigkeit des Hauses heraus. Es wurde aber V» Stunde später eine neue Sitzung anberaumt. In dieser sprachen für die Be­rufung die Abgg. Reichensperger (Zentrum), Robbe (Reichspartei), Rinte- len (Zentrum) und Saro (deutschkons); gegen dieselbe die Abgg. Hänel (deutschsreis.), .Francke und Marquardsen (nat.=lib.). Das Resultat der Berathung war die Annahme der zur Debatte stehenden prinzipiellen Paragraphen nach der Fassung der Kommission, d. h. die Einführung der Berufung und die Errichtung von Strafberufungskammern bei den Land­gerichten. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr.

Das Abgeordnetenhaus begann die Berathung des Etats des Kultusministeriums. An den TitelMinistergehalt" knüpfte sich eine mehr allgemeine Debatte, in deren Verlaufe verschiedene Wünsche zum Ausdruck gelangten, die Seitens des Herrn Kultusministers sofortige Be­antwortung fanden. Aus der Diskussion ist hauptsächlich die Erklärung des Abg. Dr. Windthorst hervorzuheben, daß das Zentrum für jetzt da­rauf verzichte, in eine Erörterung der kirchenpolitischen Frage einzutreten, um nicht in den Gang der beim Herrenhause schwebenden Verhandlungen störend einzutreten; dagegen wurden seitens verschiedener Zentrumsredner die gelegentlich der Polendebatte gegen den Direktor der früheren katho­lischen Abtheilung im Kultusministerium von Seiten des Kultusministers erhobenen Beschuldigungen zum Gegenstände heftiger Angriffe gegen den Minister gemacht, der seinerseits aufs entschiedenste in Abrede stellte, den Direktor Krätzig der Beseitigung amtlicher Aktenstücke beschuldigt zu ha­

ben. Nach Erledigung des KapitelsMinisterium" wurde die Berathung auf morgen vertagt.

Berlin, 9. März. Se. Majestät der Kaiser und König em­pfingen heute Vormittag militärische Meldungen sowie den Oberhof- und Hausmarschall Grasen v. Perponcher und ließen Sich von dem Chef des Militärkabinets, General-Lieutenant v. Albedpll, Vortrag halten. Um 4 Uhr hatte der Unter - Staatssektär Graf v. Bismarck bei Sr. Majestät Vortrag.

Berlin, 8. März. Beim Reichskanzler Fürsten Bismarck fand heute wieder ein größeres Diner statt, zu welchem eine Anzahl Mit­glieder des Herrenhauses Einladungen erhalten hatten, darunter auch Herr Lotichius.

Berlin, 9. März. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Der Gesundheitszustand des Reichskanzlers hat sich leider wieder verschlechtert. Die rheumatischen Schmerzen verschärften sich erheblich, was, wie es scheint, darauf zurückzuführen ist, daß Fürst Bismarck gegen den ärzt­lichen Rath sein Stimmorgan zu großer Anstrengung ausgesetzt hat. Vice-Admiral v. Schleinitz ist von der Neuguinea-Compagnie als Landes­hauptmann für die deutschen Schutzgebiete im Kaiser-Wilhelmsland und in dem Bismarck-Archipel gewählt worden. Derselbe nahm die Wahl an. Die Ernennung ist von dem Reichskanzler genehmigt worden. (RH. K.)

Der Verein d er deutschen Zuckerraffinerien ist dem Zentralverbande deutscher Industrieller als Mitglied beigetreten.

Von dem Felde der hohen Politik gibts wenig neues zu melden. Der Orientfriede ist nunmehr gesichert, nachdem in Bukarest die Verstän­digung zwischen Serbien und Bulgarien erfolgt ist. Griechenland steckt zwischen Thür und Angel, wird aber schließlich wohl klein beigeben. Europa ist und bleibt einig.

In Lehndorf bei Altenburg wurden am Montag Morgen drei junge Arbeiter in ihrem Arbeitsraume todt aufgefunden. Dieselben hatten am Sonntage mit einigen anderen Arbeitern, welche inzwischen abgereist sind, Schnaps getrunken und wird die Untersuchung ergeben, ob hier ein Unglücksfall oder Verbrechen vorliegt. (M. Tgbl.)

Stuttgart, 9. März. Heute wurde die erste Landtagsperiode geschlossen; die zweite wird am nächsten Freitag durch den Prinzen Wil­helm im Namen des Königs mit einer Thronrede eröffnet.

Karls ruhe, 8. März. Das Befinden des Erbgroßherzogs ist nahezu das gleiche wie vorgestern. Die Gelenkschmerzen und das Fie­ber verliefen gestern unter wiederholten Schwankungen. Eine Nachmittags sich einstellende Steigerung der Temperatur ermäßigte sich gegen Abend. Darauf hatte der Erbgroßherzog eine ruhige und schlafreiche Nacht. Auch die inneren Veränderungen verharrten nahezu auf demselben Stand wie gestern. Beklemmungen traten nicht mehr auf. (F. I.)

Haag, 9. März. Die Regierung hat den Kammern einen Ge­setzentwurf vorgelegt, welcher die Erhöhung der Verbrauchssteuer auf frem­den Zucker, Sorte B., um 4 Fl. per 100 ktz, sowie eine weitere Herab­setzung auf Kolonialzucker-Abfall von P/s bis 2l/s Proz. vorschlägt.

Paris, 8. März. Der Gerichtshof in Villefranche hat den Anstifter der Strikes in Decazeville, Soubrie, wegen Eingriffs in die Freiheit der Arbeit zu 4 Monaten Gefängniß verurtheilt. Nach Nach­richten aus Decazeville ist die Arbeit an einigen Stellen wieder ausgenom­men worden. Für morgen wird die Wiederaufnahme der Arbeit in größe­rem Umfange erwartet.

Paris, 8. März. Das amtliche Blatt veröffentlicht ein Dekret, durch welches der Dienst der unterseeischen Vertheidigungswerke und der Torpedos organisirt wird.

Paris, 9. März. Die Akademie der Wiffenschaften hat gestern dem Projekte, für Pros. Pasteür ein Heilinstitut gegen die Tollwuth zu errichten, welches zur Aufnahme von Franzofen und Ausländern bestimmt ist, zugestimmt. Die Morgenblätter fordern das Publikum zur Sub­skription für das Institut auf.

London, 8. März. Aus Cardiff wird heute ein entsetzlicher Unglücksfall gemeldet, der den augenblicklichen Tod von 5 Personen und die Verletzung vieler anderer zur Folge hatte. Auf dem Schleppdampfer Rifleman", welcher am westlichen Hafendamm vor Anker lag, explodirte