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Nr. 53.
Mittwoch den 3. März
1886.
Amtliches.
Bekanntmachung wegen Ausreichung der Zinsscheine Reihe Vil zu den Schuldverschreibungen der Preußischen Staatsanleihe vom Jahre 1862.
Die Zinsscheine Reihe VII Nr. 1 bis 8 zu den Schuldverschreibungen Der preußischen Staatsanleihe vom Jahre 1862 über die Zinsen sür'die Zeit vom 1. April18d6 bis 31. März 1890 nebst den Anweisungen zur Abhebung der Reihe VI11 werden vom 1. März d. Js. ab von der Kontrolle der Staatspapiere hierselbst, Oranienstraße 92 unten rechts, Vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftstage jedes Monats, ausgereicht werden.
Die Zinsscheine können bei der Kontrolle selbst in Empfang genommen, oder durch die Regierungs-Hauptkassen, sowie durch die Kreiskasse in Frankfurt a/Main bezogen werden.
Wer die Empfangnahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Zinsscheinanweisungen mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 2 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher eine numerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Im letzteren Falle erhalten die Einreicher das eine Exemplar, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sofort zurück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben. In Schriftwechsel kann die Kontrolle der Staatspapiere sich mit den Inhabern der Zinsscheinanweisungen nicht einlassen.
' Wer die Zinsscheine durch eine der obengenannten Provinzialkassen beziehen will, hat derselben die Zinsscheinanweisungen mit einem doppelten Verzeichnisse einzureichen. Das eine Verzeichniß wird mit einer Empfangs- bescheinigung versehen sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzialkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Zinsscheinanweisungen abhanden gekommen sind, in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Kontrolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Provinzial- Kassen mittelst besonderer Eingabe einzureichen.
Berlin, den 5. Februar 1886.
Hauptverwaltung der Staatsschulden.
I. 249. gez. Spdow.
Cassel, den 13. Februar 1886.
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die Formulare zu den Verzeichnissen über die zur Empfangnahme der neuen Zinsscheine nebst Zinsschein-Anweisungen einzu- reichenden Anweisungen bei der hiesigen Regierungs-Hauptkasse und den sämmtlichen Steuerkassen unseres Bezirks unentgeltlich zu haben sind. Königliche Regierung.
C. I. K. 663. Magdeburg.
Betarmtmachungert Kömgl. MAdrathsamtS.
Nach der mit dem 1. April d. Js. in Kraft tretenden Veränderung der Landwehr-Compagnie-Bezirke wird die 5te Compagnie mit dem Sitze in Hanau den Stadt- und Landkreis Hanau kontroliren. Demgemäß ersuche ich die Herrn Bürgermeister des zukünftigen Landkreises Hanau die in den Ortschaften ausgestellten Ortstafeln entsprechend der Numerirung der Landwehr-Bezirks-Compagnie mit Dem 1. April c. abändern zu lassen und anzuzeigen, daß dies geschehen ist.
Hanau am 1. März 1886.
Der Königliche Landrath
V. 1567 Gf. Bismarck.
Verloren: Drei Goldstücke ä 10 Mk.
Gefunden: Ein Paar schwarze Kinderhandschuhe. Ein einzelner Kinderhandschuh. Ein seidenes Knöpftüchelchen. Ein Brief an Füsilier Krug, 9. Comp., Jnf.-Regt. 97, Hanau.
Hanau am 3. März 1886.
_____________________Aus Königl. Landrathsamt.
t Zur Auswauderuugsfrage.
Gemeinhin gilt Deutschland als dasjenige Land, in welchem der Auswanderungstrieb am stärksten ausgebildet ist. Von den übrigen Ländern hört man selten oder nie die Auswandererziffern, und diejenigen aus Deutschland sind, für sich allein betrachtet, so groß, daß der deutsche Politiker in denselben nur die Aufforderung zur Untersuchung der Ursachen findet, welche den Auswanderungsdrang besonders nach Nordamerika erklären können. Es ist dies eine auch an sich sehr wichtige Frage, die indeß meist von sehr einseitigem Parteistandpunkt beantwortet wird. Ein Blick auf die Auswonderungsverhältnisse Englands bringt uns einerseits Klarheit über die wirklichen Ursachen, wie er auch die Meinung über die Rolle Deutschlands in der Auswanderungsfrage richtig zu stellen geeignet ist.
Die Zahl der Auswanderer in Deutschland betrug im Jahre 1882: 193 869, im Jahre 1883: 166 119, im Jahre 1884: 143 568, im Jahre 1885: 103 657. In Großbritannien hat dagegen die Auswanderung von Iren und Briten betragen im Jahre 1882: 279 366, im Jahre 1883: 320118, im Jahre 1884: 242 179; über das Jahr 1885 liegen noch keine näheren Ermittelungen vor. England hat also absolut eine sehr viel bedeutendere Auswanderung, die im Verhältniß der beiderseitigen Einwohnerzahl noch sehr viel bedeutender erscheint. Wie sich das Verhältniß in einem längeren Zeitraum — von 1871 bis 1882 — gestaltet hat, ergibt sich daraus, daß während dieser Zeit auf 100 000 Einwohner der mittleren Bevölkerung in Deutschland 193 Auswanderer kamen, in England 438, in Schottland 531, in Irland 1101.
Wie aus den vorhin angeführten Auswanderungszahlen ersichtlich, ist die Auswanderung in Deutschland im Sinken begriffen, während sie von 1877 bis 1883 in England fortwährend zunahm; erst das Jahr 1884 weist für England gleichfalls eine Abnahme auf, und zwar gegen 1883 um 77 939 Personen. Aus England wie aus Deutschland geht der Hauptstrom der Auswanderung nach den Vereinigten Staaten Nordamerikas; aus England sind im Jahre 1882: 181 903, im Jahre 1883 : 191 573, im Jahre 1884: 155 280 dahin ausgewandert.
In England wird zugleich aber auch die Zahl derer festgestellt, welche aus den Vereinigten Staaten wieder nach England eingewandert sind. Die Zahlen haben betragen im Jahre 1882: 28 468, im Jahre 1883: 46 703, im Jahre 1884: 61 466. Diese fortwährende Vermehrung der Einwanderung nach England aus Nordamerika und die Verminderung der Auswanderung von England nach Nordamerika im Jahre 1884 lassen die Annahme gerechtfertigt erscheinen, daß das gegenwärtige Darniederliegen der Geschäfte in den Vereinigten Staaten von Nordamerika nicht ohne die entsprechendeWirkung geblieben ist, wie anderseits die früheren besseren Verhältnisse in Amerika und auch die Schilderung derselben einen großen Anreiz für die Zunahme der Auswanderung nach dort gehabt haben.
Dasselbe darf für Deutschland als zutreffend angesehen werden. Die Hoffnung, dort namentlich auch durch landwirthschastliche Arbeit schneller auf einen grünen Zweig zu kommen, in Verbindung mit den immer schwierigeren landwirthschaftlichen Produktionsverhältnissen in Deutschland und besonders in den östlichen Provinzen Preußens, hat der deutschen Auswanderung im Jahre 1^81 einen kolossalen Aufschwung gegeben (210547 Personen). Wenn jetzt allmählich ein Rückgang in der Auswanderung eingetreten ist, so mag daran die Hoffnung auf Besserung der eigenen Zustände neben dem Rückgang der landwirthschaftlichen und industriellen Produktionsverhältnisse in Amerika einen Antheil haben. Um so mehr haben wir Veranlassung, dahin zu wirken, daß sich diese Hoffnung erfülle und daß die guten Elemente, die zur Auswanderung geneigt sind, als nützliche Glieder der Nation zurückbehalten und ihnen die Möglichkeit gegeben werde, ihre kolonisatorische Thätigkeit da auszu- üben, wo sie im Interesse des Deutschthums die reichsten Früchte tragen kann.