ITBonnetiuetl» Prei»:
ALbrlich 9 Mark. r«lbj.4M.s»V,,.
»iertklMhrlich * War! 35 P,g. Für auswtrtige Slbgnnraten mit dem betreffe». Bei Prstsusichlo». Lte einzelne Nummer 10 Psg.
Hmmuer Aiyeiaer.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,
Infrrtion»-
Preis:
Die ilpaltige Garmond, nie ob. deren ^anm
10 Pj^
Die 2fpait Zeile
20 Pj ,
DieüIpaliizeZeile »o Pf,
Nr. 45
Dienstag den 23. Februar
1886.
Bekanntmachungen Königl. LandraMamts.
Nach einer Mittheilung des Hessen-Nassauischen Landgestüts in Dillenburg treffen die Königlichen Beschäler am 26. d. Mts. auf Station Wilhelmsbad ein.
Hanau am 22. Februar 1886.
Der Königliche Landrath Gf. Bismarck.
Tagesschau.
— Berlin, 22. Februar. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute den Chef des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Rath $. Wilmowski zum Vortrage und ertheilten dem Legationsralh v. Bülow vor seiner Abreise nach Petersburg eine Audienz.
— Berlin, 22. Febr. Die „Nordd. Allg. Ztg." kann anläßlich der Zeitungsmeldungen, welche die muthmaßliche Entwendung eines Gewehres des dritten Garde-Grenadier-Regiments mit der Anwesenheit eines unbekannten Offiziers in sächsischer Uniform in Verbindung bringen, heute nochmals mittheilen, daß sehr eingehende Ermittelungen nichts ergeben haben, woraus zu schließen wäre, daß die in der Osfizierskleidung gesehene Person sächsische Abzeichen getragen hätte.
— Berlin. Im Herrenhause ist folgender von 60 Mitgliedern unterschriebener Antrag Dernburg und Genossen eingegangen: „Das Herrenhaus wolle beschließen: In Erwägung, daß es dem preußischen Staate verfassungsmäßig obliegt, das Zurückdrängen des deutschen Elements durch das polnische in einigen östlichen Provinzen der Monarchie zu verhindern, und daß die Landesvertretung das Recht und die Pflicht hat, mit der königlichen Staatsregierung bei Verfolgung dieses Zieles nachhaltig zusammenzuwirken, zu erklären, daß das Herrenhaus die königliche Staatsregierung dauernd bei ihrer Aufgabe, den Bestand und die Entwickelung der deutschen Bevölkerung in jenen Provinzen sicherzustellen, unterstützen wird."
— Berlin, 22. Febr. Der dem Bundesrath vorgelegte Gesetzentwurf über den Verkehr mit Kunstbutter bestimmt, daß die Geschäftsräume und Gefäße, worin Kunstbutter feilgehalten wird, die deutliche unverwischbare Inschrift: „Verkauf von Kunstbutter" tragen müssen. Kunstbutter im Sinne des Gesetzes sind der Milchbutter ähnliche Zubereitungen, deren Fettgehalt nicht ausschließlich der Milch entstammt. Wie die Begründung ergibt, beträgt die Gesammtproduktion Deutschlands an Kunstbutter jährlich fünfzehn Millionen Kilogramm im Werthe von achtzehn Millionen Mark. (Fr. N.)
— S. M. Panzerschiff Friedrich Karl, Commandant Capitän zur See Stempel, ist am 21. Februar in der Suda-Bai (Kreta) eingetroffen.
■— Die Deutsch - Ostafrikanische Gesellschaft hat, der Kol. Pol. Korr. zufolge, durch mehrere Verträge im September und November v. I. das ganze Somaliland von der englischen Grenze unweit Berbern an bis nach Warscheich bei Makdischo hin, der ersten Besitzung des Sultans von Zansibar an jener Küste, ihren Erwerbungen im Suahelilande ange- schlossen. Durch die Verträge im Somalilande sind der Gesellschaft insbesondere eine Reihe Privatrechte eingeräumt worden, so das Handelsmonopol, das Recht auf Ausbeutung von Bergwerken, Grund und Boden, i soweit derselbe noch frei ist, Wäldern, Flüssen, Perlfischerei, und auch die wesentlichsten Hoheitsrechte, sowie das Recht auf Ausstellung einer eigenen Truppe, Anlegung von Befestigungen, das Recht auf Zölle u. a. Durch diese Erwerbung falle der Deutsch Ostafrikanischen Gesellschaft der Besitz eines Küstenstriches von annähernd 225 geographischen Meilen mit zwei, wie es scheine guten Rheden, denen von Obia und Halule, zu. Nach einer aus Zansibar eingelaufenen Depesche haben ferner die Herren Joachim Graf Pfeil und Lieutenant Schlüter durch einen Vertrag vom 29. November 1885, welcher am Flusse Ruaha abgeschlossen wurde, die Berglandschast Uhehe für die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft erworben und dadurch die Besitzungen der Gesellschaft nach Südwesten hin bis gegen 9 Gr. S. Br. nach dem Nyassa zu vorgeschoben. Uhehe sei eine durch seine schrofferen und höheren Bergformen, demgemäß auch durch ein rauheres Klima ausgezeichnete Landschaft. Dieselbe eigne sich besonders zu Viehzucht und cxportire schon eine beträchtliche Quantität von Fellen.
— Bern, 21. Febr. Das Bundesgericht hat gestern die Beschlüsse der Regierung von Zürich gegen die Heilsarmee, durch welche die Ver
sammlungen verboten wurden, aufgehoben, jedoch das Verbot des Brsuches der Versammlungen durch Kinder unter 16 Jahren bestätigt.
Madrid, 22. Febr. Die amtliche Zeitung veröffentlicht einen königlichen Befehl zur Einberufung von 50 000 Mann.
— Paris, 21. Febr. Das Syndicat der hiesigen auswärtigen Preffe hielt gestern im Grand Hotel sein Jahresbankett, bei welchem unter lebhaftem Beifall auf Frankreich, den Präsidenten der Republik und das französische Parlament angestoßen wurde. Der Syndik Singer lobte in einer warmen Ansprache „die liebenswürdige Gastfreundschaft Frankreichs".
— Paris, 21. Febr. Das bis zum 1. Januar d. I. geführte Jahrbuch der französischen Infanterie ist im Druck erschienen. Demzufolge zählt diese Truppengattung 169 Obersten, 184 Oberst-Lieutenants, 997 Bataillonschefs, 4207 Hauptleute, 3419 Lieutenants und 2768 Unterlieutenants.
— Paris, 22. Februar. (K. Z.) Heute wurde in der russischen Kirche der Trauergottesdienst für den hier verstorbenen Fürsten Ipsilanti begangen, dem der deutsche und russische Botschafter, der griechische Gesandte, der Erbprinz Hohenlohe, der Marschall Mac Mahon und andere namhafte Personen anwohnten; Frepcinet war durch den Direktor Herbette vertreten. Die Leiche wird zur Beisetzung nach Oesterreich übergeführt.
— London, 22. Febr. Bei der Rückkehr von dem gestrigen So- zialistenmeeting im Hydepark begann die Menge die Fenster einzuwerfen und versuchte in der Parlamentsstreet, wo die Ministerien gelegen sind, einzudringen, was jedoch die Polizei verhinderte. Hinter der Westminster- brücke, wo die Tumultuanten erheblich verstärkt wurden, fanden weitere Ruhestörungen statt; viele Fenster wurden zertrümmert und andere Ausschreitungen verübt, bis die Polizei endlich die Straßen säuberte und viele verhaftete. (Rh. K.)
— Belgrad, 21. Febr. Die Vertreter der Mächte machten auf Initiative Englands den Vorschlag: Serbien solle davon abstehen, daß der Abschluß eines Handelsvertrages mit Bulgarien in den Friedensvertrag ausgenommen werde, wogegen die Mächte auf die Aufnahme eines Passus hinwirken würden, welcher beide Theile verpflichte, sofort nach dem Friedensschluß zu dem Abschluß eines Handelsvertrags zu schreiten.
— Belgrad, 22. Febr. Das Ministerium erklärte sich bereit, zu demobilisiren, sobald die Friedensverhandlungen soweit fortgeschritten sind, daß der Abschluß des Friedensvertrags als völlig gesichert erscheine. Die Coalitionsverhandlungen zwischen der Fortschrittspartei und den Radikalen führten zu keinem Ergebniß.
Reichsgerichts-Entscheidungen.
— Die Herstellung von beweiserheblichen Privat - Urkunden, welche durch Druck gefertigt und mit einer nur gedruckten Unterschrift versehen sind, ohne daß der Träger des unterschriebenen Namens zu der Unterschrift seine Genehmigung ertheilt hat, ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, IV. Strassenats, vom 11. Dezember v. I., falls diese Fälschung in rechtswidriger Absicht zum Zweck einer Täuschung erfolgt ist, als Urkundenfälschung zu bestrafen.
Aus Stadt, Prsvmz und Umgegend.
Hanau, den 23. Februar 1886.
— (Grimmfeier.) Zur 100jährigen Geburtstagsfeier unseres Landsmannes Wilhelm Grimm findet morgen Vormittag 10l/ä Uhr in der Johanniskirche ein Festakt statt, unter gefl. Mitwirkung des hiesigen Oratorienvereins; die Gedenkrede auf den Gefeierten hält Herr Pfr. Dr. Heuser (der Zutritt in's Schiff findet nur gegen Eintrittskarten statt, welche zu Mk. 1 das Stück in den beiden hiesigen Hofbuchhandlungen zu haben sind; die Emporbühnen der Kirche sind für unsere Schuljugend reser- virt; der Erlös ist zu Gunsten des Grimm-Denkmalfonds bestimmt). — Nach der Gedächtnißfeier Festzug von dem Johanniskirchplatz aus zum Geburtshause der Brüder Grimm (Landrathsamt); der Zug geht durch die Schulgasse, B angert s g asse, am Theater vorbei, die gelbe Mauer entlang, durch die H ammergasse bis zum Lossow- schen Haus, der Süd- und Ostseite des Marktes entlang, durch die Fahrgasse bis zum weißen Löwen, von da zum Geburtshause-