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Nr. 36.
Freitag den 12. Februar
1886.
KekartntmschMflen Königl. LüNdraLhsamts.
Für den am 27. April 1869 zu Hanau geborenen Johann Julius Fuchs ist um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanen - Verbände behufs Auswanderung nach England nachgesucht worden.
Hanau am 5. Februar 1886.
, Der Königliche Landrath
V. 1026. Es. Bismarck.
Der Domainenpächter Heinrich Jakob Schultheiß zu Wilhelmsbader Hof ist als Ortspolizeiverwalter für diesen Gutsbezirk bestellt und in Pflichten genommen worden.
Hanau am 8. Februar 1886.
Der Königliche Landrath
V. 1137 Gf. Bismarck.
Gefunden: Acht Stück blecherne Nummern. Ein Kinderhandschuh. Ein karrirtes Taschentuch. Eine gedruckte Kinderschürze. Ein steifer Filzhut.
Verloren: Ein kleines Geldtäschchen mit 1 Mark, einigen Ps. und 1 Uhrschlüssel.
Hanau am 12. Februar 1886.
Aus Königl. Landrathsamt.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, nachstehende Bekanntmachung des Vorstandes des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden öffentlich publiziren zu lassen.
Hanau am 1. Februar 1886.
Der Königliche Landrath G f. Bismarck.
Landwirthschastlicher Kreis-Verein Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 13. Februar, Nachmittags 2^3 Uhr, im Gasthaus zum „goldenen Löwen" in Hanau.
Tagesordnung:
1) Berichterstattung über die von dem Verein an die Gemeinden Ra- volzhausen, Langendiebach und Langenselbold abgegebenen Zuchtbullen. Referent Herr Kreisthierarzt Collmann.
2) Mittheilungen über die bis jetzt geführten Verhandlungen in Bezug des Viehmarktes in Hanau.
3) Besprechung der Statuten des landwirthschaftlichen Consum-Vereins für den Kreis Hanau. Wahl des Vorstandes. Aufnahme von Mitgliedern.
D er Vorstand.
Tagesschau.
P. Aus den Parlam enten. Berlin, 10. Februar. Der Reichstag setzte heute bei der dritten Berathung des Etats die Diskussion über die Währungsfrage fort. Abg. v. Schalscha (Zentr.) suchte den Zusammenhang des Rückganges unserer wirthschaftlichen Verhältnisse mit der Währungsfrage darzulegen, widersprach aber der Auffassung, daß die Agitation für die Doppelwährung ausschließlich auf agrarischem Boden entstanden. Abg. Lohren (Reichsp.) bekämpfte die Bestrebungen der Bimetallisten vom Standpunkte der realen Verhältnisse. Diese Agitation würde nicht zu einer Verbesserung, sondern zur Verschlechterung unserer wirthschaftlichen Verhältnisse führen. Abg v. Kardorff (Reichspartei) stand auf dem entgegengesetzten Standpunkte seines Frakliönsgenossen. Indem er hauptsächlich den neulichen bekannten Ausführungen des Herrn Finanzmivisters bezüglich der Währungsfrage entgegentrat, sprach er seine Meinung dahin aus, daß es lediglich darauf ankomme, wie sich der Herr Reichskanzler zu der Frage stellen werde; seiner starken Hand werde auch die Lösung dieser Frage Vorbehalten bleiben. Abg. Auer (Soz.-Dem.) erklärte sich gegen das Vorgehen der Bimetallisten, die nur darauf ausgehen, eine Preissteigerung aller Lebensbedürfnisse zu erzielen. Abg. Dr. Bamberger (deutschfr.) bezeichnete den vorliegenden Antrag leviglich als einen Verlegenheitsakt; man möge diese Frage wenigstens eine Zeit lang in Ruhe lassen. Die Lanowirthschaft schade sich selbst am meisten, wenn sie an dem bestehenden System der Goldwährung rüttele; man
sollte davon abstehen, den Herrn Reichskanzler aufzufordern, zur Beseitigung dieses Systems die Hand zu bieten. — Die Debatte wurde indeß auch heute noch nicht zu Ende geführt, sondern gegen eine erhebliche Minorität um 6 Uhr die Vertagung beschlossen. Morgen: Fortsetzung der Etatberathung.
Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich heute mit der Berathung der Anträge, welche sowohl von der Minorität als auch von der Majorität in Folge der Geschäftsordnungs-Debatte vom 30. Januar bei der Polen- debatte auf Ueberweisung des §. 27 der Geschäftsordnung an die Geschäftsordnungskommission eingebracht sind. Für die Minorität sprachen die Abgg. Frhr. v. Schorlemer-Alst, Windthorst (Zentrum), Hänel (deutschfr.) und Bachem (Zentrum); für die Majorität die Abgg. Gneist (nat.-lib.), v. Zedlitz-Neukirch (freikons.), Francke (nat. lib.) und v. Rauchhaupt (kons.). Das Resultat war die Annahme des motivirten Antrages v. Dziembowski (Majorität) gegen die Stimmen des Zentrums, der Deutschfreisinnigen und der Polen. — Demnächst wurde noch eine Petition erledigt, die indeß kein allgemeineres Interesse beansprucht. — Morgen: Etat des Justizministeriums.
— B erlin, 11. Februar. Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs an Stelle des verstorbenen Konsuls Robinow den Kaufmann Hugo Knoblauch zum Konsul in Leith zu ernennen geruht.
— Berlin, 11. Febr. Prinz Wilhelm reist morgen Abend mit dem Fürsten Radziwill auf dessen Besitzungen nach Rußland in der Nähe von Warschau zur Theilnahme an den Jagden.
— Berlin, 11. Februar. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute Vormittag den Besuch Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen und hörten die Vorträge des Chefs des Militär- kabinets sowie des Kriegsministers. Von 4 Uhr ab hielt der Unter- Staatssekretär Graf v. Bismarck Sr. Majestät Vortrag.
— Berlin, 11. Febr. (K. Z.) Dem Abgeordnetenhaus« sind soeben folgende beide Gesetzentwürfe zugegangen: 1) Entwurf eines Gesetzes betreffend die Anstellung und das Dienstverhältniß der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen im Gebiete der Provinzen Westpreußen und Posen und des Regierungsbezirks Oppeln. 2) Entwurf eines Gesetzes betreffend die Bestrafung der Schulversäumnisse im Gebiete der Schulordnung für die Elementarschulen der Provinz Preußen vom 11. Dezember 1845 und des Schulreglements vom 18. Mai 1801 für die niedern katholischen Schulen in den Städten und auf dem platten Lande von Schlesien und der Grafschaft Glatz.
— Berlin, 11. Febr. In der heutigen ersten Sitzung der Kommissarien des Magistrats und des Aeltestenkollegiums der Kaufmannschaft einigte man sich behufs der Vorbereitung der deutschen Gewerbe- ausstellung in Berlin im Jahre 1888, die Vorarbeiten (Auswahl des Ausstellungsplatzes, Kostenanschläge für das Ausstellungsgebäude, Wasser- zuführung, Beleuchtung und Kommunikationen) sofort in die Hand zu nehmen, die wenig erheblichen Kosten dieser Vorarbeiten von der Stadt anzufordern und nach deren Genehmigung durch die Stadtverordneten die Berathungen fortzusetzen.
— Leipzig, 11. Febr. Das Urtheil des Reichsgerichts im Landesverrathsprozesse gegen den Kapitän von Sarauw und den Schriftsteller Roettger lautet gegen von Sarauw auf zwölfjährige Zuchthausstrafe und zehnjährigen Ehrverlust. Roettger wurde freigesprochen.
— Leipzig, 11. Febr. Die Entscheidungsgründe des Urtheils des Reichsgerichts gegen Sarauw nehmen, wie die „Fr. N." schreiben, als erwiesen an, daß in Paris ein Bureau zur Erforschung militärischer Geheimnisse besteht, welches Verbindungen mit dem französischen Kriegsministerium unterhält. Sarauw war mit dem Auskundschaften der Geheimnisse in Deutschland beauftragt, erhielt aus einem fikreten Fonds einen Monatsgehalt von 5000 bis 6000 Francs. Die Aussagen der Hauptzeugen, Abschriften aus seinem Tagebuch und andere Dokumente ergeben den Beweis für die Verbindung Sarauw's mit jenem Bureau. Es steht ferner fest die Verbindung Sarauw's mit Hentsch und Röttger. Die an das Bureau von Sarauw verrathenen militärischen Geheimnisse sind, zum Angriffe auf die Sperrforts bestimmtes Sturmgeräth, Theile des Mobilmachungsplans, die Befestigungspläne von Kiel und Cuxhafen, die Festungspläne von Colberg, Swinemünde, Spandau und Mainz