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Nr. 33
Dienstag den 9. Februar
1886
GekaNNtmachuWen Königl. La»DrKthsaWts.
Gefunden: Ein einzelner Glacehandschuh. Ein einzelner Kinder- Handschuh. Ein karrirtes Taschentuch. Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Ein goldener Ring. Eine Maske. Eine Haarnadel. Ein Zehnmarkstück.
Verloren: Ein schwarzer Pelzkragen. Ein Wagenrad. Ein Einhundert-Markschein.
Hanau am 9. Februar 1886.
Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesschau.
— Berlin, 8. Februar. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen gestern den kommandirenden General des 3. Armeekorps, Gra sen von Wartensleben, und demnächst den Ober-Stallmeister von Rauch. Nachmittags 4 Uhr hielt der Unter - Staatssekretär Graf von Bismarck Sr. Majestät Vortrag. — Heute nahmen Se. Majestät den Vortrag des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths von Wilmowski, entgegen.
— Berlin, 7. Febr. Zur dritten Lesung des Reichshaushaltsetats haben die Abg. v. Saldern-Ahlimb, Graf Behr-Behrenhoff und Dr. Hammacher den Antrag eingebracht, die von der Marineverwaltung geforderten 800,000 Mark als erste Rate zu dem Bau eines Avisos zu bewilligen. — Die Kommission zur Berathung einer Unfallversicherung landwirthschaftlicher Arbeiter nahm gestern in 1. Lesung die §§. 1—8 der Regierungsvorlage (§. 4 vorbehalten) mit der einzigen Abänderung an, daß auch die freiwillige Versicherung der nicht zur Versicherung Verpflichteten gestattet wird. Trotz des Widerspruchs Preußens wurden die Familienangehörigen der Unternehmer, soweit sie keinen Lohn beziehen, von der Versicherung ausgeschlossen. (F. N.)
— Berl in, 7. Febr. Heute Abend nach 7 Uhr brach in dem zweistöckigen Hause Jerusalemerstraße 21, in dem sich die Damenmäntel- fabrik von William Herz sowie eine Knopffabrik befindet, Feuer aus, durch welches beide Stockwerke zerstört wurden. Bis jetzt ist das Feuer noch nicht gelöscht. Menschenleben sind nicht zu beklagen.
— Berlin, 8. Febr. Der Antrag, die Regierung zur erneuten eingehendsten Prüfung der Währungsfrage aufzufordern, ist nunmehr dem Reichstage zugegangen. Er ist von Huene (Zentrum), v. Kardorff, Leuschner (freikonservativ) und v. Manteuffel (konservativ) eingebracht und von anderen Mitgliedern dieser Fraktionen unterstützt. Von den Vorlagen, betreffend den Schutz des Deutschthums in den Ostprovinzen, wird die erste, betreffend die Kolonisation, schon in den allernächsten Tagen eingebracht werden. Nach derselben soll ein sehr erheblicher Fonds flüssig gemacht werden, um alle zur Subhastation gelangenden Güter Zwecks der Ansiedlung anzukausen. Die Vorlage über die Schulen folgt. (Fr. N.)
— Berlin, 8. Febr. Der Antrag der bimetallistischen Reichs- tagsabgeordneten, die Regierung zu Verhandlungen mit England und anderen Ländern wegen Einführung der internationalen Doppelwährung aufzufordern, ist wegen ungenügender Unterstützung unterblieben. Das Centrum bereitet einen Antrag vor, welcher die Regierung zum Studium der Währungsfrage auffordert. Der bekannte Antrag Struckmann zur Frage des Petroleum-Faßzolles ist in zweiter Lesung mit neun gegen drei Stimmen angenommen worden. (Rh. K.)
— Wenn eine gut beglaubigte Mittheilung der Schlesischen Ztg. sich bestätigt, so ist nunmehr Aussicht vorhanden, daß in der Frage des Militär- und Reichsbeamten-Pensionsgesetzes eine Verständigung wegen der Communalbesteuerung der Offiziere erzielt werde, sodaß die bethen von den Betheiligten so heiß ersehnten Gesetze endlich Aussicht auf Erledigung gewinnen.
Die Rh.-W. Z. ist in der Lage mitzutheilen, daß die Türkei der Friedr. Krupp'schen Gußstahlfabrik in Essen Aufträge auf Lieferung von annähernd 1000 Kanonen — Feld- und Küstengeschütze verschiedenen Kalibers — ertheilt hat. Für die Fertigstellung dürfte ein Zeitraum von 2 Jahren erforderlich sein. Die Ablieferung eines Theiles dieser bedeutenden Aufträge ist bereits im Gange.
— Kopenhagen, 8. Febr. Der Reichstag wurde heute geschloffen. Der König wird demnächst ein provisorisches Finanzgesetz erlassen.
— Rom, 8. Febr. Der Kaiser von China ersuchte den Papst, eine päpstliche Vertretung in Peking zu errichten und einen Vertreter Chinas beim päpstlichen Stuhle zuzulassen.
— Paris, 6. Febr. Laut Nachrichten aus St. Quentin versuchten die sinkenden Arbeiter Barrikaden zu errichten; der Versuch wurde indessen sofort unterdrückt, und es wurden 30 Verhaftungen vorgenommen.
— Paris, 7. Febr. Heute wurde im Theater des Chateau d'Eau wieder eine von Louise Michel verunstaltete Versammlung gehalten, zu der sich an 4000 Personen eingefunden hatten. Nach Louise Michel sprachen der Deputirte Basly, der Stadtrath Nailland und die Deputir- ten Camilinat (Paris) und Boper (Marseille), die sich unter dem Zujauchzen der Zuhörer sammt und sonders in Anpreisungen einer Mordpolitik ergingen. Auf der Straße wurde Ruhe gewahrt und nur eine Person wegen Beleidigung gegen einen Polizeibeamten verhaftet.
— Paris, 8. Februar. Bei den gestrigen Munizipal-Stichwahlen wurden 8 Autonomisten und 1 Opportunist gewählt.
— London, 7. Febuar. Zum Unter-Staatssekretär für Indien ist Shuttleworth, zum Unter-Staatssekretär des Innern Broadhurst, zum Finanzsekretär im Kriegs-Ministerium Herbert Gladstone, zum Unter-Staatssekretär der Kolonien Osborne Morgan ernannt worden.
— Belgrad, 8. Febr. Der deutsche Gesandte überreichte dem Ministerpräsidenten Garaschanin eine Zustimmungserklärung zu der Note Rußlands bezüglich der Begrenzung der Friedensverhandlungen in Bukarest. Derselben sind somit alle Großmächte beigetreten.
— Varna, 7. Febr. Oesterreich und Deutschland werden sich mit Rußland verständigen, bevor sie der Konferenz zustimmen. Die Schwierigkeit besteht darin, daß Rußland nicht damit einverstanden war, daß das Abkommen in Bezug auf die Person des Fürsten Alexander getroffen wurde, es wollte vielmehr in der Vereinbarung den Fürsten von Bulgarien schlechthin genannt wissen, während die jetzige Uebereinkunft rein persönlich ist.
— Bremen, 7. Februar. Die Dampfer des Norddeutschen Lloyd „America" ist in Baltimore eingetroffen.
AM Stadt, PrsdMz und NmgsgenÄ.
Hanau, den 9. Februar 1886.
— (Gottesdienst.) Von Bewohnern der Stadt Windecken und einer größeren Anzahl Landleute aus dem „Bücherthal" ist uns die Bitte unterbreitet worden, wenn irgend thunlich dahin zu wirken, daß der Gottesdienst des Herrn Pfarrer Schrenk vor seinem Scheiden von hier wenigstens einmal um fünf Uhr Nachmittags beginnen möge, damit es ihnen ermöglicht würde demselben auch anwohnen und mit dem Zuge 7 Uhr 41 Min. ab Nordbahnhof wieder heimkehren zu können. — Wir geben hiermit dieser Bitte gerne Ausdruck.
— (Aus dem Verwaltungs berichte derStadtHanau.) Der sechste Abschnitt handelt von der „Bauverwaltung" und zeigt uns gleich im Eingänge bei Besprechung 1) der „Hochbauten", daß die Priv atb authätig keit sich gesteigert hat. Waren im Jahren 1880 nur 5 Vorder-, 28 Hintergebäude und 33 sonstige Bauereien zu vermerken, so sind im Jahre 1883 = 9 Vorder-, 35 Hintergebäude und 100 sonstige Bauereien und im Jahre 1884 = 12 Vorder-, 35 Hintergebäude und 85 sonstige Bauereien verzeichnet worden. — Die Stadt erbaute während dieses Zeitraums neu die Leichenwaagen - Halle am Ende der Judengasse, Veränderungen und Ausbesserungen wurden an einer größeren Anzahl städtischer Gebäude vorgenommen; der Eisenbahnfiskus errichtete eine Lokomotiv - Remise gegenüber der Zeichenakademie und den Nordbahnhof. — Die 2) Abtheilung bespricht „Straßen und Wege"; die 3) die „Kanäle"; die 4» „Gewässer und Brücken"; die 5) „Oeffentliche Anlagen"; die 6) die „Straßenreinigung", damit verbunden die Thätigkeit des Begießungsvereins und die 7) Abtheilung den „Verschönerungsverein". Hieraus ist zu ersehen, daß die beiden letztgenannten Privat-Vereine, der Begießungs- und Verschönernngsver ein, während der Zeit ihres Bestehens (ersterer wirkt bereits seit 10 Jahren, letzterer wurde unterm 21. November 1880 gegründet) schon sehr Ersprießliches im allgemeinen Interesse geschaffen haben und daß der Wunsch