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Nr. 26.

Montag den 1. Februar

1886.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Gefunden: Ein ev. Gesangbuch. Ein schwarzer Herrnhut. Ein Paar Damenhandschuhe. Eine schwarze Halsbinde. Ein schwarzer Re­genschirm. Ein Hundemaulkorb. Eine stählerne Häckelnadel.

Zugelaufen: Ein schwarzer Hund m. Geschl. Ein weißgelber Pinscher. Ein grauer Hund mit braunen Flecken. Ein weißer Pudel. Ein schwarz-weißer Bernhardinerhund. Ein dunkelgrauer Spitz mit 4 gelben Beinen, m. Geschl.; Empfangnahme bei Milchhändler Wilhelm Lehr zu Oberdorfeiden.

Verloren: Ein Ziehbeutel mit ca. 7 M. Ein schwarzer Muff. Auf dem Wege von Niederrodenbach nach der Bahnstation daselbst ein schwarzer Regenschirm; abzugeben bei Herrn Peter Lehr zu Nieder­rodenbach.

Hanau am 1. Februar 1886.

Aus Königl. Landrathsamt.____________________

Tagesschau.

P. Aus dem Abgeordnetenhause. Berlin, 29. Januar. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Debatte über die Ausweisungsangelegenheit fort, ohne sie schon zu beendigen. Nachdem der erste Redner, Abg. Dr. v. Stablewski (Pole), eingehend die polnischen Beschwerden in bekannter Weise darzulegen gesucht hatte, führte der Vize­präsident des Staats Ministeriums, Minister des Innern v. Puttkamer aus, daß die getroffenen Maßregeln sich als eine nationale Nothwendig­keit erwiesen hätten, daß dieselben jedes konfessionellen Charakters entbehr­ten und dieselben im Uebrigen mit der möglichsten Schonung, wie dies .ntm der Zentralstelle angeordnet sei, ausgeführt wurden. Allerdings sei die Regierung überzeugt, daß neben diesen nothwendigen polizeilichen Maßregeln organische Einrichtungen hergehen möchten, wie sie in der Thronrede bereits angekündigt seien, und sei es erfreulich, daß die Regie­rung dabei auf die Zustimmung dieses Hauses rechnen könne. Der Kriegsminister Bronsart von Schellendorf rechtfertigte kurz, warum der Prozentsatz der polnischen Militärpflichtigen in den einzelnen Regimentern nur ein geringer sein dürfe. Der Ministerpräsident, Reichskanzler von Bismarck nahm Veranlassung, auf die gestrigen Ausführungen des Abg. Windthorst widerlegend ausführlich einzugehen und zu gleicher Zeit zu betonen, daß ihm der Gedanke eines Staatsstreichs, wie ihn gestern der Abg. Richter im Reichstag proklamirt, vollständig fern liege, nicht ein­mal an eine Auflösung denke er, falls das Monopol abgelehnt werden sollte. Abg. Dr. Enneccerus (nat.-lib.) charakterisirte den nationalliberal­konservativen Antrag als ein volles Verauensvotum für den Reichskanz­ler in der polnischen Frage. Abg. Dr. Windthorst (Centrum) suchte die Ausführungen des Reichskanzlers zu widerlegen. Darauf wurde um 4 Uhr ein Vertagungsantrag angenommen. In einer persönlichen Bemer­kung erklärte Abg. Richter (deutschfr.), daß er den Zweck seiner gestrigen Provakation im Reichstage durch die heutige Erklärung des Reichskanz­lers vollständig erfüllt sehe.

P. Aus den Parlamenten. Berlin, 30. Januar. Der Reichstag berieth heute den von den Abg. Ackermann und Genossen eingebrachten Gesetzentwurf auf Abänderung der Gewerbeordnung (Ein­führung des Befähigungsnachweises) in Verbindung mit dem gleichfalls auf Abänderung der Gewerbeordnung gerichteten Anträge der Abg. Graf von Behr-Behrenhoff und Lohren in erster Lesung. In der längeren Debatte traten die Redner der deutsch-konservativen und der Zentrums- partei entschieden für eine Aenderung der Gewerbeordnung in der bezeich­neten Richtung ein, während sowohl von den Rednern der Reichspartei und der Nationalliberalen, als auch von denen der deutschfreisinnigen und der sozialdemokratischen Partei gegen eine derartige Aenderung ins­besondere geltend gemacht wurde, daß damit das Prinzip her Gewerbe­freiheit durchbrochen, während gleichzeitig das Handwerk in seiner freien Bewegung und in seinem Kampfe gegen die Großindustrie gehemmt würde. Der Antrag wurde schließlich einer besonderen Kommission von 21 Mitgliedern zur Vorberathung überwiesen. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. (Unfall- und Krankenversicherung der land- und forstwirthschaftlichen Arbeiter.)

Das Abgeordnetenhaus führte am dritten Tage seiner Ver­handlungen heute die Berathung der die Ausweisungsfrage betreffenden Anträge zu Ende. Für den nationalliberal-konservativen Antrag waren

heute noch die freikonservativen Abg. von Tiedemann (Labischin), der nationalliberale Abg. Hagens, sowie auch der Abg. Frhr. v. Hammer­stein eingetreten, der erklärte, daß die Bedenken, welche er gegen die Fassung des Antrages früher gehabt, durch die Verhandlungen gehoben seien. Der Vizepräsident des Staatsministeriums, Minister des Innern v. Puttkamer sah sich veranlaßt, nicht blos dem Abg. Rickert (deutschfr.), sondern auch dem Abg. v. Jazdzewski (Pole) wiederholt entgegenzutreten und die Richtigkeit seiner früheren Darlegung aufrecht zu erhalten. Die gestrige Behauptung des Abg. Dr. Windthorst von der angeblichen Zu­rücksetzung des polnischen und katholischen Adels in der Armee, wies der Herr Kriegsminister bestimmt als thatsächlich unrichtig zurück. Namens der Antragsteller empfahl in seinem Schlußworte der Abg. Hobrecht (nationallib.) den Antrag unter besonderer Betonung, daß derselbe keine Demonstration gegen den Reichstag sei. Bei der Abstimmung erhob der Abg. Richter (deutschfr.) den Einwand, daß nach §. 27 der Geschäfts­ordnung der Antrag Achenbach, weil er eine spätere Geldbewilligung in sich schließe, einer besonderen Kommission zur Prüfung und Berichter­stattung zu überweisen sei. Dadurch wurde eine lange Geschäftsordnungs­debatte herbeigeführt. Das schließliche Ergebniß war, daß der Antrgg Richter, die Anträge der Budgetkommission zur Vorberathung zu überweisen, in namentlicher Abstimmung mit 234 gegen 153 Simmen abgelehnt wurde. Wegen angeblicher Verletzung der Geschäftsordnung verließen darauf das Zentrum, die Freisinnigen und die Polen den Saal. Darauf wurden die Amendements zu dem Antrag Achenbach einstimmig abgelehnt, der Antrag Achenbach selbst aber in namentlicher Abstimmung, an wel­cher 245 Mitglieder theilnahmen, mit 244 Stimmen angenommen. Abg. Lassen (Däne) enthielt sich der Abstimmung. Schluß 3/ä7 Uhr. Mon­tag: Etat.

Berlin, 30. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute den Prinzen Heinrich, Königliche Hoheit, vor dessen Rück­kehr nach Kiel und nahmen militärische Meldungen entgegen. Von IP/s Uhr ab hörten Se. Majestät die Vorträge des General - Quartiermeisters und des Chefs des Militärkabinets. Nachmittags um 3 Uhr hielt der Unterstaatssekretär Graf Bismarck Sr. Majestät dem Kaiser Vortrag.

Berlin, 30. Jan. Dem Bundesrath ist eine Vorlage zuge­gangen betr. Abänderung des Münzgesetzes dahin, daß auch Nickelmünzen von 20 Pfg. geprägt werden sollen.

Berlin, 30. Jan. (Köln. Z.) Unter Vorsitz des Finanzmi­nisters v. Scholz und im Beisein des bayerischen Finanzministers Riedel haben die Ausschüsse des Bundesraths heute die Berathung des Brannt­weinmonopols begonnen. Es verlautet, den Ausschüssen seien besondere Rentabilitätsberechnungen" unterbreitet worden. Ueber die Verhandlun­gen soll zunächst, wie das bei Berathungen der Ausschüsse auch sonst üb­lich ist, nichts veröffentlicht werden.

Berlin, 30. Jan. Daß Griechenland bestreitet, eingelenkt zu haben, wird theils den dort wechselnden Strömungen zugeschrieben, theils dem Umstände, daß Trikupis, der als Nachfolger des jetzigen Cabinets eine Mehrheit in der Kammer haben würde, sich durch seine frühern Er­klärungen noch mehr zum Vorgehen verpflichtet hatte, als das gegenwär­tige Ministerium Trotzdem überwiegt hier die Auffassung, daß Griechen­land entweder Frieden halten oder es nur auf einen Scheinkampf von kurzer Dauer ankommen lassen werde.

Wilhelm shaven, 29. Jan. Zufolge Admiralitätsverfügung sollen zum kommenden Frühjahr folgende Schiffe in Dienst kommen: S. M. AvisoFalke" am 24. März, S. M. KreuzerfregattePrinz Adal- bert" Anfang April zwecks Ausbildung der Seecadetten, S. M. Aviso Pfeil" Anfang Mai, S. M. KanonenbootWolf", das Vermessungs­fahrzeugDrache" und der AvisoPommerania" Anfang April, ferner die PanzerfahrzeugeBrummer" undBrxmse", sowie sechs ältere und sechs neue Schichau-Torpedoboote Anfang Mai. Die Admiralität wird seiner Zeit der Werft die genaueren Termine der Indienststellung genann­ter Schiffe angeben.

Metz, 29. Jan. Pfarrer Scheuffgen, Direktor des Knabensemi­nars in Montigny, ist zum Domprobst in Trier ernannt worden.

Wien, 31. Januar, 10 Uhr 30 Minuten Vormittags. Wegen Fürst Bismarcks Aeußerung, daß die Maßregeln gegen die Polen im Einverständniß mit den Nachbarmächten getroffen worden seien, soll nach