von Dekazeville stellten die Arbeit ein; die Zahl der Streikenden belauft sich auf zweitausend. Direktor Watrain wurde aus dem Fenster geworfen und durch Fußtritte getödtet. Zur Herstellung der Ordnung sind 7000 Mann Militär nach Dekazeville abgegangen. (Fr. N.)
— London, 27. Jan. Unterhaus. Das Amendement Col- lings zur Adresse auf die Thronrede wurde von Goschen und Hartington bekämpft. Hicks-Beach erklärte, das Amendement bezwecke den Sturz der Regierung, um die von derselben bezüglich Irlands angekündigte Politik zu vereiteln. Es möchten daher diejenigen, welche auf die legislative Union zwischen England und Irland Werth legen, die ernsten Folgen bedenken, die aus der Annahme des Amendements für das Reich entständen. Das Amendement wurde gleichwohl mit 329 gegen 250 Stimmen angenommen. Die Regierung ist also geschlagen. 76 Parnelliten stimmten mit der Majorität, die Liberalen Lord Hartington, Goschen, Courtney, Henry James, Lubbock und Abrington stimmten mit der Minorität. Hicks-Beach wies auf die Tragweite dieses Beschlusses hin und beantragte die Vertagung des Hauses bis zum Donnerstag, womit das Haus sich einverstanden erklärte. — Die „Morning-Post" und der „Standard" bezeichnen den Rücktritt des Kabinets als unmittelbar bevorstehend. — Der „Daily News" zufolge würde Lord Salisbury von einer Auflösung des Parlaments abstehen. (Rh. K.)
— Athen, 27. Jan. Ein Telegramm der „Agence Havas" meldet: Der Großvezier hat gestern mit dem griechischen Gesandten Condu- riotis in Konstantinopel eine sehr ernste Unterredung gehabt und die Ab- sendung eines Ultimatums an Griechenland in Aussicht gestellt, falls sich die Gerüchte von einer Revolution auf Kreta bestätigen sollten, zu welcher die Absendung dreier griechischer Panzerschiffe doch nur beitragen könne. Der Minister-Präsident Delyannis hat den Gesandten Conduriotis beauftragt, zu erwidern, daß der griechischen Regierung von einer Revolution auf Kreta nichts bekannt sei.
— Das Armenhaus in Jackson (Michigan) ist durch eine Feuersbrunst gänzlich zerstört worden. Vierzig Bewohner, darunter Blinde, Geisteskranke und Taubstumme, sind in den Flammen umgekommen; andere stürzten sich aus den Fenstern und zogen sich schwere Verletzungen zu.
Reichsgerichts-Entscheidungen.
— Ist neben einer der Fragen im Versicherungsanträge, deren wissentlich falsche Beantwortung die Verwirkung des Versicherungsanspruches nach sich zieht, vom Antragsteller anstatt der ausdrücklichen Beantwortung ein Strich gezogen, so ist dieser Strich, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, III. Civilsenats, vom 23. Oktober v. I., nicht ohne Weiteres im Sinne der Verneinung zu verstehen; vielmehr ist die Bedeutung des Strichs aus den sonstigen thatsächlichen Umständen vom Richter festzustellen, und falls die Auslegung desselben ein unzweifelhaftes Resultat nicht ergibt, zu Ungunsten der Versicherungsgesellschaft zu entscheiden.
Aus Stadt, Prsvinz und Umgegenb.
Hanau, den 28. Januar 1886.
— (Theater.) Sonntag den 20. Januar: „Das Gefängniß." Wir hatten heute Abend den seltenen Genuß Herrn Rath Frey als „Doktor Hagen" zu sehen, seine Leistung war wie immer fein und lebenswahr, ohne über die dem Künstler gezogenen Schranken hinauszugehen. Daneben stand Frl. Ristow als „Frau Hagen", durch die vorzügliche Leistung ihres Direktors gewiß mit animirt, als würdige Partnerin. Eine urkomische Figur war Herr Liebig als Gefängnißbeschließer und Frau Dub als alte Jungfer in Spiel und Maske köstlich, während Fräul. Walter, worüber wir uns wunderten, nicht ganz unsern Erwartungen entsprach.
Darauf folgte das äußerst feine Lustspiel, „Die Schulreiterin", in welchem sich Herr Beck und Frl. Ristow ganz besonders auszeichneten. Dabei müssen wir noch unserer neu erworbenen Kraft, des Herrn Kreiß gedenken, der in seinem Diener eine fein nuancierte Leistung bot.
Friedrich Ricklas.
Personal-Chronik (aus dem „Amtsblatt".)
Während der Theilnahme des Landraths Freiherrn Riedesel zu Eisenbach in Gelnhausen an der gegenwärtigen Landtags-Session ist der Regierungs-Referendar Georg von Schwertzell mit der Vertretung desselben beauftragt worden.
— (Pfarrstelle.) Die Pfarrstelle zu Waßmuthshausen, in der Klasse Homberg, ist erledigt. Bewerber haben ihre Meldungsgesuche binnen 4 Wochen, vom 16. Januar ab gerechnet, bei Königl. Consistorium in Cassel einzureichen.
— (Kriegerv erein.) In der vorgestern im kleinen Saal der „Centralhalle" stattgehabten ordentlichen Generalversammlung des hiesigen Kriegervereins, welche sehr zahlreich besucht war, wurde Herr Pfarrer Neüber in Anbetracht seiner Verdienste um den Verein durch einstimmigen Beschluß zum Ehrenmitglieds ernannt.
In dem abgelaufenen Jahre hat genannter Verein eine erfreuliche
Zunahme sowohl bezüglich der Mitgliederzahl, als auch des Vereinsvermögens constatiren können; der uns vorliegende Jahresbericht, nebst Mit- gliederverzeichniß, weist ein erspartes Baarvermögen von Mark 4 0 00 (für Unterstützungszwecke reservirt) nach, sowie 249 Mitglieder, 6 Ehrenmitglieder, 209 aktive und 34 passive (ohne die erfolgten Neu- anmeldungen).
In Anerkennung des guten Zwecks und der ernsten Bestrebungen dieser Vereinigung sind gerade in neuerer Zeit auch vielfach passive Mit- ■ glieder derselben beigetreten, d. h. solche Männer, welche nicht Soldat gewesen sind und unter Verzichtleistung auf die Vorrechte der aktiv en Mitglieder die Interessen des Vereins durch Jahresbeitrag von Mk. 6 rc. fördern zu helfen geneigt sind.
Wir wünschen, daß der Hanauer Kriegerverein auch in nächster Zeit sich einer gleichguten Unterstützung wie in dem letzten Jahre zu erfreuen haben möge und hierzu beizutragen ist vor Allem auch die jüngere Generation, welche ihrer Militärpflicht genügt hat, berufen, indem sie durch Erwerbung der Mitgliedschaft die Bestrebungen des Vereins nach jeder Seite hin unterstützen und fördern hilft.
— (250jährige Jubelfeier.) Wie wir aus authentischer Quelle erfahren, beschäftigt sich ein hiesiger junger Schriftsteller mit der Abfassung eines historischen Festspiels zur 250jährigen Jubelfeier des Lamboyfestes, welches die Tendenz hat, den Opfermuth der Hanauer in der schweren Zeit der Blokade, und die Entsetzung durch die Hessen zu feiern. Das Ganze ist darauf berechnet der Feier voranzugehen und dein Publikum die geschichtlichen Thatsachen und Gestalten vorzuführen, um dadurch die hohe Bedeutung des Tages in ein rechtes Licht zu stellen. Herr Oberstlieutenant Wille hat zu diesem Zweck dem Autor sein demnächst erscheinendes, treffliches historisches Werk, „Hanau im 30jährigen Kriege", bereitwilligst zur Verfügung gestellt.
— (Benefiz.) Wir machen wiederholt auf das morgen stattha- bende Benefiz unserer Heldin und Liebhaberin Fräulein Ristow aufmerksam.
— (Unfallv ersicherung.) Es ist wiederholt auf den Uebelstand aufmerksam gemacht worden, daß die Behörden in Fällen, in denen ihnen das Unfallversicherungsgesetz eine amtliche Mitwirkung in Unfallangelegenheiten auserlegt hat, nichtsdestoweniger ihre Korrespondenz mit den Beruflsgenossensch aften portopflichtig führen. Dieselben haben sich hierbei auf ein vom Reichsversicherungsamt erlassenes Reskript gestützt, das sie offenbar falsch aufgefaßt haben. Zur Richtigstellung dieser immerhin wichtigen Angelegenheit hat nun das ReichsE-" sicherungsamt folgenden Grundsatz aufgestellt:
„Was die angeregte allgemeine Frage der Pflicht der Portotragung angeht, so können wir dieselbe nicht generell beantworten. Nach diesseitiger Auffassung sind die Berufsgenossenschaften nicht verpflichtet, für die auf Betriebsanmeldungen bezüglichen Empfangsbescheinigungen und Ueberweisungen das Porto zu tragen, wogegen ihnen das durch die Zustellung der Mitgliederscheine entstehende unvermeidliche Porto zur Last fallen würde."
— (Kreiswundarztstelle.) Die Kreiswundarztstelle des Kreises Homberg, mit einem Gehalte von 600 Mk., ist zu besetzen. Aerzte, welche sich um dieselbe bewerben wollen, werden veranlaßt, ihre Befähi- gungs-Nachweisungen und einen kurz gefaßten Lebenslauf binnen 6 Wochen, vom 12. Januar ab gerechnet, Königl. Regierung, Abth. des Innern zu Cassel einzureichen.
— (Schlafwagen.) Der Schlafwagenbetrieb auf der Strecke Hamburg-Frankfurt a. M. über Hannover ist in die Hände der preußischen Staatseisenbahn-Verwaltung übergegangen. Es werden außer für die Strecke Hamburg-Frankfurt a. M. noch für die Theilstrecken Hamburg- Hannover und Hannover-Frankfurt a. M. Billets ausgegeben, je nachdem die Fahrt in der Richtung von Hamburg oder Frankfurt a. M. erfolgt, und sind dieselben bei der Billetexpedition Hamburg II oder Frankfurt a.
M. telegraphisch zu bestellen. (H. M.)
— (Hinweis.) Der Eisenbahnminister Maybach hat Veranlassung genommen, erneut auf die genaue Befolgung der Vorschriften über die Benutzung der Nichtraucher- und Damenkoupö's in den Zügen hinzuweisen und die Eisenbahn-Direktionen veranlaßt, das Zugpersonal zum selbst; ständigen Einschreiten zu ermächtigen. Besonders soll darauf geachtet werden, daß Nichtraucherkoupö's auch nicht mit brennender Cigarre bestiegen werden. In den Zügen sollen mindestens ein Drittel der vorhandenen Koups's zweiter Klasse und ein Sechstel der vorhandenen Koupö's dritter Klaffe für Damen und Nichtraucher reservirt bleiben. (H. M.)
— (Krankenkassen.) Wie sehr nothwendig eine schärfere Aufsicht der den Krankenkassen angehörigen Mitglieder ist, davon liefert die Zeischrift „Gewerkverein" in folgendem, zur öffentlichen Kenntniß gekommenen, nicht vereinzelt dastehenden Falle einen Beweis. Ein Arbeiter war Mitglied mehrerer Krankenkassen und hatte es verstanden, den ihn behandelnden Arzt zu täuschen. Infolge davon erhielt er während einer langen Zeit Unterstützung aus den verschiedenen Krankenkassen. Es ist festgestellt worden, daß dieser Mann im Verlauf dreier Jahre 11 Krankenkassen an gehört und in dieser Zeit 4000 Mk. an Krankengeld erhalten hat. Außerdem aber gehörten auch seine Frau, der Sohn, die Tochter