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Nr. 23
Donnerstag den 28. Januar
1886.
BekaNKtmachunsten Kömgl. ^Mdrathsamts.
Stuf Grund der Vorschriften im §. 9, 2 des Gesetzes über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Friedey vom 13. Februar 1875 ist der Betrag der für die Marsch-Verpflegung zu gewährenden Vergütung für das Jahr 1886, wie in den Jahren 1883, 1884 und 1885, dahin festgestellt worden, daß an Vergütung für Mann und Tag
zu gewähren ist:
mit Brot
ohne Brot
a. für die volle Tageskost
= 80 Pf.
65 Pf.
b. „ „ Mittagskost
= 40 „
35 „
c. „ „ ■ Abendkost
- 25 „
20 „
d. „ „ Morgenkost
= 15 „
10 „
Hanau am 26. Januar 1886.
Der Königliche Landrath
M. 226 G f. Bismarck.
Tagesschau.
P. Aus den Parlam enten. Berlin, 26. Januar. Der Reichstag trat heute in die Berathung des Etats der Marine-Verwaltung ein. Zu einer längeren Berathung führte zunächst die beantragte Vermehrung des Mannschaftspersonals, die von der Budgetkommission erheblich verkürzt ist. Das Plenum trat indeß dem Anträge der Kommission bei. Bei dem Kapitel Werftbetrieb wies der Chef der Marineverwaltung die Klagen wegen inhumaner Behandlung der Arbeiter als unbegründet zurück. Nachdem die fortdauernden Ausgaben überall nach den Anträgen der Budgetkommission bewilligt und auch bei den einmaligen Ausgaben statt zweier Raten ä 600 000 M. zum Bau zweier Kreuzer nur 1. Rate für einen Kreuzer bewilligt war, knüpfte sich an die Forderung der 1. Rate von 800 000 M. zum Bau eines Avisos, welche die Kommission gleichfalls abzulehnen beantragt, eine längere Debatte. Bei der Abstimmung ergab sich indeß die Beschlußunfähigkeit des Hauses, indem nur 179 Mitglieder anwesend waren; die Verhandlungen mußten daher abgebrochen werden. Morgen Fortsetzung der Etatsberathung.
Das Abgeordnetenhaus berieth zunächst den Etat der Do- mainenverwaltung, wobei die augenblickliche Lage der Landwirthschaft einer eingehenden Erörterung unterzogen wurde. Der Minister für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten verwahrte sich hierbei gegen den Vorwurf, daß er feine Schilderungen über die Lage der Landwirthschaft, je nach dem wechselnden Zweck, willkürlich färbe. Den Vorwurf, daß die gegenwärtige Zollpolitik an dem Niedergänge der Landwirthschaft die Schuld trage, wies er entschieden zurück. Der Etat selbst wurde den Anträgen der Budgetkommission gemäß in allen seinen Theilen unverkürzt bewilligt. Bei dem Etat der Forstverwaltung wurden die in Aussicht genommenen Gehaltsaufbefferungen der Forstbeamten allseitig gebilligt, zugleich aber der Wunsch ausgesprochen, daß womöglich schon im nächsten Etat eine noch umfassendere Verbesserung der Lage dieser Beamten ins Auge gefaßt werden möge. Bei dem Etat der landwirthschaftlichen Verwaltung wiederholten sich die Klagen über den Rückgang der Landwirth- fchaft und es wurden wiederum verschiedene Wünsche zur Aufbesserung der Lage derselben laut. Nach Erledigung einiger Kapitel dieses Etats wurde indeß die Berathung abgebrochen und auf die Tagesordnung der Mittwochs-Sitzung der deutsch-freisinnige Antrag, betreffend die geheime Stimmabgabe bei den Wahlen, gefetzt.
— Berlin, 27. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute den General-Adjutanten, General der Infanterie, Grafen Bismarck-Bohlen sowie Se. Königliche Hoheit den Prinzen Heinrich, welcher aus Kiel eingetroffen war. Demnächst nahmen Se. Majestät den Vortrag des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths von Wilwowski, entgegen und empfingen später den Fürsten zu Putbus und den General-Lieutenant von Kleist, kommandirender General des 1. Armee- Corps.
— Berlin, 27. Jan. Im Herrenhause brachten Dernburg, Kleisi-Retzow und Genossen folgenden Antrag ein: In Erwägung, daß es dem preußischen Staate verfassungsmäßig obliegt, das Zurückdrängen des deutschen Elements durch das polnische in den Ostprovinzen zu verhindern
und die Landesvertretung das Recht und die Pflicht hat, mit der Regierung in der Verfolgung dieses Zieles zusammenzuwirken, beschließt das- Herrenhaus, zu erklären, daß es die Regierung dauernd bei der Aufgabe, den Bestand und die Entwickelung der deutschen Bevölkerung jener Provinzen sicher zu stellen, unterstützen wird. (Rh. K.)
— S. M. Kanonenboot „Iltis", Kommandant Kapitän-Lieutenant Hofmeier, ist am 19. Dezember v. I. von Hongkong in See gegangen und am 20. dess. Mts. in Canton eingetroffen.
— Unter dem Vorsitz des Herrn Gen.-Dir. Richter hielt am 23. Januar in Berlin der Verein deutscher Eisen- und Stahlindustrieller seine diesjährige Generalversammlung ab. Außer dem Bericht des Geschäftsführers und neben mancherlei Fragen vorwiegend internen Charakters gelangte u. A. auch die für 1889 projektirte internationale Pariser Ausstellung zur Sprache, für die sich indessen irgend welche Geneigtheit nicht zu erkennen gab, vielmehr wurde schließlich der deklaratorische Antrag: „die Veranstaltung einer neuen internationalen Ausstellung in Paris im Jahre 1889 entspricht nicht den Wünschen der deutschen Eisenindustrie" einstimmig angenommen
— Wilhelms haven, 26. Januar. Die telegraphische Meldung über die schleunige Ausrüstung des Panzerschiffes Friedrich Carl behufs Entsendung nach dem Piräus bedarf zunächst noch der Bestätigung. Vorläufig liegt das Schiff noch im Trockendock und hat noch seine Wintertakelage. Eine andere Meldung lautet außerdem dahin, daß der Friedrich Karl zur Unterstützung der Corvette Marie, die infolge ihrer Havarie in der Südsee etwas mitgenommen worden ist, nach Gibraltar gehen soll, um die Corvette nach hierher zu bringen. (K. Z.)
— Braunschweig, 27. Jan. Dem Landtage geht ein Gesetzentwurf zu, wonach statt des durch die neue Landschaftsordnung vom 12. Oktober 1832 vorgeschriebenen Erbhuldigungseides, welcher auf die Landesfürsten aus dem Hause Braunschweig lautete, für die Dauer der Regentschaft ein Eid gesetzt wird, worin Treue und Gehorsam dem Regenten des Herzogthums geschworen wird.
— Wien, 26. Jan. Der Kaiser empfing heute Nachmittag den Militärattache der deutschen Botschaft Oberstlieutenant Graf v. Wedel in längerer Audienz.
— Madrid, 27. Jan. Der Herzog von Sevilla wurde durch Beschluß des Kriegsraths in der Armee-Rangliste gestrichen. (Derselbe hatte einen scandalösen Auftritt im königlichen Palais provocirt und versucht, unter den Offizieren gegen die Königin-Regentin Stimmung zu machen. D. R.)
— Das Journal „Paris" schreibt anläßlich der in Athen überreichten englischen Note, worin das Blatt ein einseitiges Vorgehen Englands zu sehen scheint:
„Diese Intervention Englands steht nicht nur im Widerspruch mit seiner jüngsten Politik, sondern indem sie ohne Grund die Eigenliebe einer stolzen und in jeder Hinsicht sympathischen Nation verletzt, droht sie auch den Erfolg der Anstrengungen der europäischen Diplomatie für die Aufrechterhaltung des Friedens zu gefährden .... Es ist nöthig, die Bere chnungen Englands, das vor nichts zurückweicht, um seine Macht und sein Prestige auszudehnen, zu hintertreiben. Und wenn bei dieser Gelegenheit Griechenland von der Diplomatie im Stich gelassen werden würde, so kann es sicher sein, die aufrichtige Sympathie der öffentlichen Meinung für sich zu haben, welche stets, auch über die feinsten Kombinationen der Staatsmänner, schließlich den Sieg davontragen wird."
— Paris, 25. Jan. Louise Michel trat gestern in einem Meeting auf, welches die Anarchisten ihr zu Ehren in der Salle Favis veranstaltet hatten. Sie wurde lebhaft begrüßt und erregte stürmischen Beifall, als sie die Gleichheit Aller durch die Vernichtung des Kapitals predigte. Einem Unterbrecher, der sich erlaubt hatte, nicht nur in einem Cylinderhute zu erscheinen, sondern anderer Meinung zu sein, als die große Bürgerin, wäre beinahe übel mitgespielt worden, noch übler aber einem Unberufenen, der laut die Frage aufwarf, wie es nur gekommen sei, daß in den Taschen einiger „Hungernder", die mit Louise Michel verhaftet wurden, Geld vorhanden war. Uebrigens ist der Eifer für Kundgebungen dieser Art sichtlich erlahmt.
— Rodez (Departement Aveyron), 27. Jan. Die Grubenarbeiter