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stehender Unteroffizier. Die Motive über die muthmaßliche Desertion sind unbekannt.

— (S ch los s e r a rb ei t.) Seit heute Morgen ist im Ladenerker der Sauerwein'schen Eisenwaarenhandlung (Nürnbergerstraße 38) ein schmiedeeiserner G ar d er obest ander ausgestellt — geschmiedete und ge­triebene Handarbeit — welcher wohl auch zu dem Werke der Kunst­schlosserei gerechnet werden dürfte und seinem $er fertiger, Herrn Schlosser­meister Conrad Wö rn er jun. in der Altstädter Hospitalstraße, alle Ehre macht. Dieser Auftrag wurde von außerhalb ertheilt und bleibt nur kurze Zeit ausgestellt. Es ist dies wieder ein Zeichen, daß immerhin noch gewisse Kunst in tüchtigem Betriebe des Handwerks liegt.

— (Theater.) Die „Frankfurter Zeitung" schreibt: Oscar Blu- menthal's Schauspiel „Ein Tropfen Gift", welches an künstlerischen Eigenschaften „Große Glocke" und „Probepfeil" noch wesentlich übertrifft, hat gestern vor ausverkauftem Hause nun auch bei uns seine Wirkungs­kraft erprobt und zwar ohne Anwesenheit des Verfassers und doch mit durchschlagendem Erfolg. Der große und schöne Vorzug dieses Stückes ist vor Allem, daß in ihm ernste und komische Motive und Situationen in seltenem Maße zu einer organischen Handlung verschmolzen sind, die nichts von possenhaften Ausschreitungen und nichts von sentimentaler Rührsal kennt, sondern in der sich betoe Elemente stilistisch ergänzen und gegenseitig zum Vortheil gereichen. Dies gilt namentlich von der ent­scheidenden späteren Hälfte des Stückes. Während dem zweiten Akt ein stärkerer Pulsschlag fehlt und die Vorwärtsbewegung der Handlung nur mit kleineren Mitteln und unter wiederholter Anwendung ein und dessel­ben Kunstgriffes bewirkt wird, ist der dritte nicht nur von starkem, kräf­tigem Wuchs voll gesunden dramatischen Lebens, sondern auch beseelt und verklärt von edler, echter Poesie und jenem erwärmenden Humor, der nicht nur die Lachmuskeln, sondern auch das Herz bewegt und erschüttert. Un­ter den zahllosen modernen Salonstücken der deutschen wie der französi­schen Bühne kennen wir nur wenige, die einen so gehaltvollen und wahr­haft poetischen Akt an entscheidender Stelle aufzuweisen haben. Der wunde Punkt des Stückes, daß der Führer der Intrigue, Baron Mettenborn, in dem ersten Akten zweideutiger als nöthig erscheint, wird auch durch diesen dritten Akt besettigt. Es entschied denn auch gestern das Schicksal des Schauspiels in einer Weise, die es unzweifelhaft läßt, daß „Ein Tropfen Gist" auch bei uns ein bevorzugtes Repertoirstück werden wird.

— (Tu rneris ch es.) Zum Zwecke der gemüthlichen Gauver­sammlung, welche jedes Jahr im Januar stattfindet, versammmelten sich vergangenen Sonntag Nachmittag von 4 bis etwas nach 7 Uhr die Turner des Gaues „Offenbach-Hanau" in dem Lokal der Groß-Stein- heimer Turngemeinde, dem Hofbrauhaus. Die Turner waren in so großer Zahl erschienen, daß der Saal bis auf das letzte Plätzchen ge­füllt war und trotzdem mancher Turner keinen Platz fand; es mögen höchstens 3 Vereine durch Abwesenheit geglänzt haben. Den Vorsitz führte Herr L. Stahl aus Offenbach, der Vertreter des Gaues. Etwas nach 4 Uhr eröffnete derselbe die Versammlung, begrüßte die Theilnehmer, sprach seine Freude über das zahlreiche' Erscheinen der Turner aus und beleuchtete den Zweck der Versammlung. Der Reigen des Gesanges wurde mit dem bekannten Turnlied „Ein Ruf ist erklungen" eröffnet, dem als­bald das prächtige Lied „Harre aus in deinem Spiele" folgte. Im An­schluß hieran gab der Gauvertreter einen Bericht über den Stand des Gaues, mit dem man recht zufrieden sein könne, man dürfe aber, weil Stillstand Rückgang ist, nicht stehen bleiben, sondern müsse immer dafür Sorge tragen, daß noch schönere Resultate erzielt würden; auch über die Statistik konnte derselbe recht Erfreuliches mittheilen. In das dreifache „Gut Heil", welches der Vorsitzende am Schluß seiner Rede auf das weitere Blühen und Wachsen des Gaues ausbrachte, stimmte Alles freudig ein. Die Turngesellschaft Klein-Steinheim sang hierauf den vierstimmigen Chor „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre." Nunmehr erstattete Herr Otto Schatt aus Hanau, in seiner Eigenschaft als erster Turnwart des Gaues, einen ausführlichen Bericht über das turnerische Leben des Gaues im abgelaufenen Jahr; er verbreitete sich über das Anturnen des Gaues, das Gauturnfest in Hausen und die Vorturner­stunden, lobte den fleißigen Besuch der letzteren, tadelte aber die schwache Betheiligung an den Freiübungen und die Ausgabe zu vieler Preise. Die Turner von Hausen zeigten sich als gut geschulte Sänger und erfreuten die Anwesenden durch den hübschen Vortrag der beiden Chöre „Holde Eintracht" und „Zu heiterem Fest verbunden", dem sie später den pracht­vollen Marsch „Durchs weite Land zu wandern" folgen ließen. Es be­darf kaum der Erwähnung, daß sie jedesmal großen Beifall ernteten. Mittlerweile hatte sich der Groß-Steinheimer Gesangverein „Olympia" eingefunden und trug dieser sehr viel zur Verschönerung des Nachmittags bei. Er sang die „Waldesnacht", „Holde Eintracht", „Frühlingsahnung" und „Hochzeitsgruß" recht hübsch und ansprechend und wurde ebenfalls mit reichem Beifall ausgezeichnet. Daß auch komische Sachen nicht fehlten, dafür sorgten die Turner Neudecker von Klein-Auheim, Ritzel von Bieder, Hegler von Groß-Steinheim und Schatt von Hanau. Inzwischen wurden noch Volkslieder und Turnlieder gesungen, es spielte der Gesang demnach eine große Rolle und man konnte hier so recht sagen: „Wo man singt, da laßt euch fröhlich nieder, böse Menschen haben keine Lieder.^

Passende Ansprachen hielten noch die Herren Dietrich und Schatt aus Hanau. Wir erwähnen noch des dreifachen „Gut Heil", welches der Herr Vorsitzende auf Herrn Otto Schatt ausbrachte, indem er seiner großen Verdienste um den Gau gedachte. Die meisten Turner rüsteten sich, weil sie ihren Heimweg zu Fuß zu machen hatten, gegen 7 Uhr zum Abmarsch. Ueber die im Kreise lieber Turngenoffen verlebten Stunden herrschte nur die eine Stimme: Sie waren außerordentlich schön. Auch der Küche und dem Gebräu des Herrn Jung müssen wir unsere volle Anerkennung zollen. Mögen die Turnvereine des Gaues „Offenbach- Hanau" auch fernerhin treu und fest zusammenstehen und in ihrem ge­meinnützigen Streben nicht erlahmen, damit der Gau zu jeder Zeit sei ein tüchtiges Glied des Mittelrheinkreises und der deutschen Turner­schaft. (O. M.-Z.)

— (Turnerisch es.) Der seit 1860 bestehende Maingau- Turnverband, aus welchem im Laufe der Jahre die Nachbargaue Frankfurt a. M. und Offenbach-Hanau hervorgegangen sind, beschloß be­kanntlich auf dem letzten Herbstturntage zu Bockenheim der zu großen geographischen Ausdehnung wegen eine Neuorganisation in der Weise ein­treten zu lassen, daß die westlich von Frankfurt a. M. gelegenen Vereine einen neuen Gauverband unter dem Namen „Main-Taunus-Gau" bilden, jene östlich dagegen den seitherigen Namen „Maingau" weiterführen. Seitens der in letzterem verbletbenden Vereine Bergen, Bruchköbel, Dör- nighcim, Fechenheim, Froschhausen, Großauheim (Turnverein), Großstein- Heim (Turnverein), Hainstadt (Turngesellschaft und Turnverein), Hanau (Turn- und Fecht-Club und Turnverein), Kesselstadt, Kleinauheim, Klein- steinheim (Turn- und Fecht-Club und Turnverein), Langendiebach, Mühl- heim a. M., Rumpenheim, Rückingen und Seckbach, wurde vergangenen Sonntag in der Weismantel'schen Brauerei dahier ein Turntag abgehal­ten, bei welchem sämmtliche Vereine durch Abgeordnete vertreten waren. Als Gauvertreter wurde Ph. Koburger-Hanau und in den Gau- Ausschuß Geibel-Hanau (Gauturnwart), Grauling-Hanau (Gau - Kassirer), Heus ohn-Langendiebach (Gau -Schriftwart), Ateyer- Fechenheim (Gau-Zeugwart) gewählt und der Beitrag zur Gaukasse auf 10 Pfg. pro Mitglied festgesetzt. Das Anturnen des Gaues findet Sonn­tag den 2. Mai zu Seckbach, das eigentliche Gauturnfest, verbunden mit Preisturnen (voraussichtlich im Juli) zu Kleinauheim statt. Gauvortur­nerstunden werden am 7. Februar, 7. März und 4. April jedesmal zu Hanau abgehalten. Wtr wünschen dem in dieser Weise neugestalteten Maingau-Turnverband auch fernerhin ein gutes Gedeihen und rufen dem­selben ein fröhliches „Gut Heil" zu!

— (Deutsch-nationale Interessen.) Der Antrag der Kon-' servativen und Nationalliberalen, betreffend die Anerkennung des Rechts und der Verpflichtung der königl. Staatsregierung zum Schutze der deutsch­nationalen Interessen in den östlichen Provinzen nachdrücklich einzugreifen, ’ ist von folgenden hessischen Abgeordneten unterzeichnet: Althaus, Bork, Dr. Enneccerus, v. Gehren, Dr. Grimm, Hellwig, Dr. Oetker, Schrei­ber, Seyfarth.

— Für heute. Hanauer Bienenzüchter-Berein: Nachmittags 3 Uhr Monatsversammlung in den „3 Rindern"; Tagesordnung: 1) Vereins­angelegenheiten, 2) Vortrag über das Thema: „Welches sind unsere vor­züglichsten Bienenpflanzen und was kann der Imker zu ihrer Verbreitung thun?", 3) Erläuterung zu den drei ausgestellten Bienenwohnungen. — Hanauer Stadttheater: „Der Trompeter von Säkkingen", romantisches Schauspiel mit Gesang in 4 Akten von Ernst Hildebrandt und Julius Keller; Anfang 7 Uhr. — Marken - Consum - Verein: Abends 8V2 Uhr Generalversammlung im Vereinslokal; Tagesordnung: Bericht der Revi­soren und Verschiedenes. — Abends 9 Uhr: Männerabtheilung der Turn­gemeinde: Turnen; Spritze Nr. 1 im „goldnen Herz"; Steiger-Corps bei Sets.

— Cassel, 25. Januar. Gestern Mittag gegen 12 Uhr hat sich schon wieder ein gräßliches Unglück auf dem hiesigen Central-Bahnhof er­eignet. Der Rangirer W. Dincklage gerieth während des Rangirens, zwischen die Puffer, wobei er so starke Verletzungen erlitt, daß sofort der Tod eintrat. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und 5 Kinder.

— Frankfurt a. M., 26. Jan. Infolge des Glatteises hatte eine Frau aus Praunheim heute Morgen das Unglück, an der Eisernen Hand so zu fallen, daß sie den rechten Unterschenkel dicht oberhalb des Knöchels brach. Da ein Arzt augenblicklich nicht zu erlangen war, legte ein Schutzmann der Frau einen Nothverband an und besorgte dann eine Droschke, vermittels deren sie auf ihren Wunsch in ihre Wohnung nach Praunheim verbracht wurde. — Vor drei Monaten versicherte ein hiesiger Einwohner bei voller Gesundheit sein Leben, jetzt ist er gestorben und hinterläßt seiner Familie ein ziemlich sorgenfreies Dasein, indem die Frau 60000 M. ausbezahlt erhielt. (G.-A.)

— Frankfurt a. M., 27. Jan. Einem Agenten wurden über Nacht aus seinem Bureau sämmtliche Briefe, Verträge und sonstige Ur­kunden gestohlen. Der Dieb hat sich dadurch, daß er eine Bretterwand durchbrach, Eingang in das Lokal verschafft. Sonstige Werthgegenstände, sowie Geld, das auf dem Tische lag, hat er unberührt gelassen. — Die Köchin einer hiesigen Herrschaft hatte vorgestern Krapfen gebacken und aus Versehen eine Stecknadel in den Teig fallen lassen. Als später der