«tonneme»tl»
PreiS:
Jährlich 9 Mark. ealbj.E.S0Pfg. «ierteljährlich
, Mari 26 Psg. Für auswärtige Abonnenten
mit dem betreffen, den Postaufschlag. Die einzelne Nummer 10 Psg.
Hanauer Ameiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,
JnsertionS-
Preis:
Die ispaltige Garmondzeile ob. deren Raum
10 Pig.
Die Lspalt. Zeile 20 Pfg.
Die ZspalttgeZeile
30 -Zsg
Nr. 17.
Donnerstag den 21. Januar
1886.
Bekarmtmachrmye« Königl. LaNdrathsamtH.
Verloren: Ein schwarzer Handschuh mit rothem Futter. Ein Portemonnaie mit einer Mark, etlichen Pfennigen und zwei Schlüssel.
Gesunden: Ein Hefe-Fäßchen. Ein Notizbuch.
Zugelaufen: Ein großer gelber Pinscher mit dunklen Flecken.
Hanau am 21. Januar 1886.
Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesschau.
P. Aus dem Reichstag. Berlin, 19. Jan. Der Reichstag beendigte heute zunächst die Berathung der einmaligen Ausgaben des Etats der Reichs-, Post- und Telegraphenverwaltung. Die Budgetkommission beantragt, verschiedene in der Vorlage geforderte Raten abzusetzen. Entgegen dem Anträge der Kommission wurde indeß zur Herstellung eines neuen Dienstgebäudes in Werdau die erste Rate von 60 000 Mark bewilligt ; desgleichen für Sondershausen 50 000 Mk. Der Etat der Reichsdruckerei wurde debattelos genehmigt. Auch der Handelsvertrag 2c. mit der Dominikanischen Republik passirte die erste und zweite Lesung ohne Debatte. Schließlich wurde der Etat des Auswärtigen Amts erledigt. Nachdem die verschiedenen Mehrforderungen für Gehälter, Neueinrichtung von Konsulaten 2C. nach den Anträgen der Kommission überall debattelos genehmigt waren, knüpfte sich bei den einmaligen Ausgaben an das von 248 000 auf 300 000 Mk. erhöhte Pauschale zur Durchführung der dem Reich in den Schutzgebieten von Kamerun, Togo und Angra Pequenna zufallenden sachlichen und persönlichen Ausgaben, eine ziemlich ausgedehnte Debatte, die sich einerseits um die etatrechtliche Frage der Uebertragbar- keit dieses Pauschale drehte, andererseits so ziemlich alle das Kolonialwe- sen betreffenden Fragen berührte. In letzterer Beziehung konnte die De- "Botte zu einem Resultate nicht führen, in ersterer beschloß man die Rück- verweisung der Position an die Budgetkommission zu weiterer Prüfung und Berichterstattung. Schluß 57s Uhr. Morgen: Rechtspflege in den deutschen Schutzgebieten; Etat (Zölle und Verbrauchssteuern, Stempelabgaben).
— Berlin, 20. Jan. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen gestern Nachmittag das Präsidium des Hauses der Abgeordneten, welches demnächst auch von Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin empfangen wurde. — Heute Vormittag arbeiteten Se. Majestät mit dem Chef des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Rath von Wilmowski, erhielten den Besuch Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Wilhelm und empfingen Se. Durchlaucht den Prinzen Adolph von Schaumburg-Lippe.
— Berlin, 20. Jan. Soeben, unmittelbar vor der Börse, wurde der Bote der Seehandlung von Strolchen angefallen, augenscheinlich um ihm die Effektentasche wegzureißen. Der Bote fiel gegen ein Eisengitter der Börsenhalle und verletzte sich den Kopf. Die stark blutende Wunde ist jedoch nicht lebensgefährlich. Ein berittener Schutzmann holte einen fliehenden Attentäter ein und verhaftete denselben. (F. Z.)
— Berlin, 20. Jan. Der frühere Reichstagsabgeordnete Redacteur Phillipps ist gestorben. (Phillipps, ein Ostpreuße, war Redacteur der Berliner „Volkszeitung" und in der letzten Legislaturperiode Abgeordneter zum Reichstage für den Wahlkreis Mainz-Oppenheim. Er gehörte der Fortschrittspartei an, trat jedoch mit dieser nicht in die deutschfreisinnige Partei ein, sondern suchte eine neue „demokratische Partei" zu begründen, die in Norddeutschland jedoch nur äußerst geringen An- ; klang fand. D. R.) (Rh. K.)
— Berlin, 20. Jan. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt: Gegenüber der allgemeinen Theilnahme, mit welcher das Regierungsjubiläum des Kaisers im ganzen Königreiche gefeiert worden war, ist das Verhalten der Polen am 3. Januar höchst charakteristisch. Dem Domkapitel in Gnesen wurde seiner Zeit von der Regierung nahe gelegt, am 3. Januar in der Domkirche des Regierupgsjubiläums in geeigneter Weise zu gedenken; das Kapitel beschloß jedoch, dieser Anregung nicht Folge zu leisten, da bei der augenblicklichen Lage der Diözese an dem Gottesdienste nichts geändert werden dürfe.
— Berlin, 20. Jan. Der „Nat.-Ztg." zufolge ist Bischof Kopp zu Fulda zum Mitglied des Herrenhauses ernannt worden.
— Ueber die Bestrafung der rückfälligen Verbrecher werden in den Jahresberichten der Strafanftaltsdirectoren für 1884/85 interessante Mittheilungen gemacht, von denen wir einige besonders charakteristische Fälle hervorheben. Ein Sträfling in Halle war bei seinen ersten acht Diebstählen zu 3 Tagen, 2 Tagen, 3 Wochen, 5 Wochen, 8 Tagen, 2 Monaten, 6 Monaten, 4 Monaten Gefängniß, beim 9. Diebstahl zu 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus, beim 10. Diebstahl zu 17a Jahr Zuchthaus, beim 11. nur zu 9 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Ein Sträfling in Görlitz hatte einmal 8 Tage, einmal 4 Monate, dann zweimal je 21 Tage, das fünfte Mal 5 Wochen, das sechste Mal 14 Tage Gefängniß erhalten, beim 7. Diebstahl (seiner 25. Bestrafung) erhielt er 1 Jahr 3 Atonale Zuchthaus. Ein anderer Sträfling daselbst erhielt beim 10. und 11. Diebstahl jedesmal 1 Jahr Zuchthaus, nachdem er bereits sechsmal Zuchthausstrafe erlitten hatte und überhaupt zwanzigmal bestraft worden war. Ein Sträfling in Breslau erhielt erst beim 11. Diebstahl (seiner 30. Verurtheilung) 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus. Eine Zuchthäuslerin in Breslau erhielt erst beim 10. Diebstahl 1 Jahr Zuchthaus, dann wieder zweimal Gefängniß, beim 13. und 14. Diebstahl je 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus, beim 15.. Diebstahl (ihrer 31. Bestrafung)
2 Jahre Zuchthaus und beim 16. Diebstahl 1 Jahr Zuchthaus. Die Annahme, daß an der Rücksälligkeit und Gewohnheitsmäßigkeit die milde Bestrafung namentlich im Wiederholungsfälle Schuld sei, scheint hier ihre volle Bestätigung zu finden.
— Nach den Tebats sollen in den Militärhäfen Frankreichs Spe- cialdirectionen eingerichtet werden, welche innerhalb ihres Wirkungskreises den Dienst der unterseeischen Vertheidigung in sich vereinigen. Schiffs- capitäne werden in den verschiedenen Militärhäfen zu Directoren des unterseeischen Vertheidigungswesens ernannt werden. Bisher unterstanden feste und schwimmende Vertheidigung, die Torpedo-Magazine u. s. w. verschiedenen Leitungen. Auch von einer Wiederherstellung des Materials und dem Bau schneller Kreuzer ist im Ministerium viel die Rede.
— München, 20. Jan. Das General-Comitö des landwirth- schaftlichen Central-Vereins des Königreichs Bayern beschloß mit 19 gegen 10 Stimmen, dem Branntwein-Monopol nach der Bundesrathsvorlage im Prinzip zuzustimmen. (F. N.)
— Ein Trödler in München kaufte an einem Tag nicht weniger als 37 Hemden, vas Stück durchschnittlich zu 10—12 Pfennigen, von einem Handwerksburschen, ebenso ein ganzes Pack Stiefeln zu 10, 15 und 50 Pfg. Der Handwerksbursche hatte Alles erbettelt.
— Brüssel, 20. Jan. Bei der Abstimmung in den Sektionen der Kammer über die Vorlage, betreffend die Einfuhrzölle für Getreide und Vieh, stimmten 45 Mitglieder für und 27 gegen die Vorlage. Acht enthielten sich der Abstimmung.
— Paris, 19. Jan. Der Minister-Präsident de Freycinet hatte heute eine Unterredung mit Albareda, in welcher er demselben von den zur Ueberwachung der spanischen Grenze getroffenen Maßregeln Kenntniß gab. Albareda sprach dem Minister für dieselben seinen Dank aus. — Der größte Theil der Zeitungen behauptet, daß die Ermordung des Prä- fekten des Eure-Departements, Barreme, ein Akt persönlicher Rache gewesen sei.
— Sofia, 20. Jan. Nachdem beiderseitig Bukarest als Ort für die serbisch-bulgarischen Friedensverhandlungen angenommen, ist bestimmt worden, daß Madschid Pascha und Gerschoff die bulgarische Regierung bei denselben vertreten werden.
— New-Aork, 19. Januar. Der Dampfer „Helvetia" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messing'sche Linie) ist hier angekommen.
Aus Stadt, Prsviuz und Umgegend.
Hanau, den 21. Januar 1886.
— (Landwirthschaftlicher Kreisv erein.) In dem sinnig geschmückten Saale der „Centralhalle" hielten gestern der landw. Kreisverein Hanan und Freunde des letzteren, das alljährlich statthabende Festessen ab, zu welchem sich etwa 80 Theilnehmer, darunter Herr Landrath Graf v. Bismarck, sowie Herr Oberbürgermeister Rauch, eingefunden hatten.