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Nr. 7
Samstag den 9 Januar
1886.
OekaKNtMAchUN.eK Kürästl. ^andratQSamte.
Frau Susanna Westph al, geb. Schmalz, zu Windecken ist als Hebamme vereidet worden.
Hanau am 28. Dezember 1886.
Der Königliches Landrath
V. 12467. Gf. Bismarck.
Gesund en: Eine Tabakspfeife. Eine Vorstecknadel mit Blumenfiguren. Eine Peitsche. Ein Leihhauszettel. Eine Brille mit Futteral.
Verloren: Ein Silbertheil zu Verzierung. Eine Elfenbeinkette mit Kreuz.
Hanau am 9. Januar 1886.
Aus Königl. Landrathsamt.
Den Mitgliedern der gemeinsamen Ortskrankenkasse im Amtsgerichtsbezirk Windecken wird hierdurch bekannt gegeben, daß an Stelle des Herrn Dr. Linden
Herr Dr Walther zu Windecken von heute an als Kasienarzt fungirt.
Die Herren Bürgermeister der Gemeinden des Amtsgerichtsbezirks Windecken werden ergebenst um ortsübliche Publikation ersucht.
Hanau, am 7. Januar 1886.
Der Vorstand der gemeinsamen Ortskrankenkasse für die Landgemeinden des Kreises Hanau und Stadt Windecken.
Dr. Gans.
NR. Die Frage der Berliner Ausstellung
für das Jahr 1888 hat durch die neueste Publikation der „Freien Vereinigung", welche sich die Förderung dieses Projectes angelegen sein läßt, eine überraschende, nichtsdestoweniger aber dankenswerthe Klärung erhalten. Richt mehr um eine allgemeine deutsche Industrie-Ausstellung handelt es sich, auf welcher das gesammte Können der Nation dem kritischen Blicke vorgesührt werden soll, sondern um eine Ausstellung des deutschen Kleingewerbes. Hierauf haben die Herren vom Comite ihre Ansprüche redu- zirt. Es wird sich zunächst fragen, ob das deutsche Kleingewerbe die Kosten eines solchen Prijects aufbringen kann, ob es Förderung seiner Interessen von einer solchen Ausstellung erhoffen darf. Dies zu beantworten ist vorläufig nicht unsere Aufgabe. Wir wollen nur über den Stand des Ausftellungsprojects im Allgemeinen referiren.
Herr Fritz Kühnemann, der Vorsitzende des Agitationscomitös, verzichtet in seinem eben erstatteten ausführlichen Bericht auf die Groß- montanindustrie und auf die „Maffenfabrikation in der Textilbranche", und fügt seinem Verzichte die Bemerkung hinzu, daß es ungerechtfertigt sei, diesen Theil der Industrie mit der Gesammtheit der deutschen Groß- Jndustrie zu identifiziren. Die „Großmontanindustrie" umfaßt aber den gesammten Bergbau und die größere Eisen-, Stahl- und Metallindustrie; die „Massenfabrikation der Textilbranche" erstreckt sich auf die meisten und hervorragendsten Erzeugnisse der deutschen Sammet-, Seiden-, Wollen-, Baumwollen-, Flachs- und Jute-Industrie, auch auf die Fabrikation sogenannter gemischter Waaren, welche in Deutschland einen außerordentlich hohen Stand erreicht hat. Aber auch die noch übrig bleibenden Groß- Jndustrien Deutschlands sind mit dem Russtellungsprojecte nicht einverstanden — wir weisen nur auf die von dem Staatsminister von Boetticher in der Reichstagssitzung vom 11. December v. I. genannten Vereine hin, welche jenen beiden industriellen Gruppen nicht angehören und welche sich gegen die Ausstellung erklärt haben, nämlich: der Verein zur Wahrung der Interessen der Saarindustrie, welcher u. A. hochbedeutende Werke der Glasindustrie und Keramik umfaßt; der Verein deutscher Sovafabrikanten; der Centralverband der deutschen Lederindustriellen; der Verein deutscher Hutfabrikanten; der Verein der Fabrikanten feuerfester Producte; der Verein der deutschen Papierfabrikanten: das elsässische industrielle Syndikat in Mülhausen; der mittelrheinische Fabrikantenverein, welcher u. A. eine Reihe der hervorragendsten chemischen Fabriken und bedeutende Tabak- fabrikatio» umfaßt; der Verein der Industriellen im Reg-Bez. Köln; der Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirthschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen — zu den beiden letzteren gehört die gesammte rheinische Zuckerindustrie, die bedeutendsten Gießereien, Maschinenbau-Anstalten und chemischen Fabriken.
Diese Thatsachen und die Aeußerung des Herrn Kühnemann, welcher davor warnt, die von ihm bezeichneten Großindustrien als berechtigte Vertreter der Mittel- und Kleinindustrie und des Handwerks zu betrachten, beweisen, daß die „Freie Vereinigung" sich mit einer Ausstellung des Kleingewerbes begnügen will. Soll das Project aber in dieser Form ins Leben treten, so dürfte es sich wohl empfehlen, bei der Bezeichnung des Unternehmens Alles zu vermeiden, was zu der Annahme führen könnte, als ob es sich um eine Ausstellung der deutschen industriellen Production in ihrer Gesammtheit handele. Die Erregung von Irrthümern in dieser Beziehung könnte der deutschen Industrie, namentlich dem Auslande gegenüber, unberechenbaren Schaden verursachen._________
Tagesschau.
P. Aus dem Reichstag. Berlin, 8. Jan. In seiner 20. Plenarsitzung nahm heute der Reichstag vor schwach besetzten Bänken wie Tribünen seine Arbeiten wieder auf. Das Andenken des verstorbenen Mitgliedes Vissering wurde in üblicher Weise geehrt; eine größere Reihe von Urlaubsgesuchen bewilligt und der Eingang des in den Ferien vorgelegten Zuckersteuer-Entwurfs mitgetheilt. Nachdem dann das Kontrole- gesetz definitiv genehmigt war, wurden Wahlprüfungen erledigt, und zwar die Wahlen der Abgg. v d. Osten, Schenck, Buderus, Ulrich (diese beiden in Erledigung älteren Beschluffes), Hänel und Gebhard für giltig erklärt. Schließlich wurde rer Etat der Verwaltung der Reichs-Eisenbahnen ohne eigentliche Debatte durchweg nach der Vorlage bezw. nach dem Anträge der Budgetcommission genehmigt. — Auf der Tagesordnung für morgen steht der Gesetzentwurf, betr. die Errichtung des Nord-Ostsee- Kanals.
— Berlin, 8. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König sprachen im Laufe des heutigen Vormittags den Ober-Hof- und Hausmarschall Grafen von Perponcher und ließen Sich von dem Wirklichen Geheimen Rath von Wilmowski Vortrag halten. Um 1 Uhr empfingen Se. Majestät den bisherigen Direktor im Ministerium des Königlichen Hauses, Wirklichen Geheimen Rath von Schweinitz.
— Berlin, 8. Jan Der „Reichsanzeiger" publicirt die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an den Kardinal-Staatssekretär Ja- cobini, des Rothen Adlerordens erster Klaffe an den Substituten des Staatssekretariats Titular-Erzbischof Mocenni und den Prosekretär der Kongregation für die außerordentlichen kirchlichen Angelegenheiten, Prälaten Galimberti, des Kronenordens zweiter Klasse an den ersten Minu- tanten des Staatssekretariats, Commandeur Massoni, sowie des Kronenordens dritter Klasse an den Unterarchivar Camillus Jacobini. — In seinem nichtamtlichen Theile druckt der „Reichs-Anzeiger" einen lateinischen Brief des Papstes anläßlich der Verleihung des Christusordens an den Fürsten Bismarck ab, adressirt an „excelso viro, magno camelario“, in welchem der Papst für die namentlich auf den Rath des Reichskanzlers ihm in der Karolinenfrage übertragene Vermittelung und die dadurch gebotene Gelegenheit, ein dem Geiste und der Natur des römischen Ponti- fikates so entsprechendes Werk auszuführen, dankt.
— Berlin, 8. Jan. Die Branntweinmonopol-Vorlage ist heute dem Bundesrathe zugegangen. (F. N.)
— N. R. Berlin, 7. Jan. Wenn die auf den wichtigsten Erwerbszweigen der heimischen Bevölkerung lastende Depression, von der sich angesichts der ungleich schlechteren Verhältnisse der Nachbarländer weder mit Sicherheit beurtheilen läßt, ob sie das niedrigste Niveau erreicht hat oder wann auf Besserung zu rechnen ist, die Nothwendigkeit nach sich zieht, wie im Privat-, so im öffentlichen Leben sich nach der Decke zu strecken, und die Ausgaben auf das unbedingt nothwendige Maß zu beschränken, so wird es doch andererseits nicht die Aufgabe des Staates sein können, aus diesem Anlässe unabweisbare Bedürfnisse unbefriedigt zu laffen, auch wenn dadurch eine dauernde Mehrbelastung der Staatskasse herbeigeführt wird. Es sollen deshalb auch in dem Staatshaushalts-Etat für das Jahr 1886/87 Gehaltsaufbesserungen ganzer Beamten- Kategorien vorgesehen sein, über deren Nothwendigkeit längst kein Zweifel besteht. — Selbstredend können solche Aufbesserungen nur insoweit in Aussicht genommen werden, als es möglich ist, ohne eine Präjudiz für weitere Beamtenklassen zu schaffen, deren Verbesserung in den Rahmen der mehrsach als ein weiteres Bedürfniß anerkannten allgemeine« Gehaltsaufbesserung fallen würde. Wo aber besondere Umstände eine