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Hanimer Inniger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,

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Mr. 294.

Dienstag den 16. Dezember

1884.

BeLarmtmachANgerr Königl. LaudrattzssmLs.

In Verfolg eines vom landwirthschaftlichen Kreisverein im vorigen Jahre erfolgten Beschlusses über die Nothwendigkeit zum Erlaß einer, die Verminderung der Sperlinge und Dohlen herbeizuführenden Polizei- Verordnung und da auch in diesem Jahre bezügliche Anträge aus länd­lichen Kreisen gestellt sind, veranlasse ick die Herren Bürgermeister und Ortspolizeiverwalter bis zum 20. d. Mts. über die in ihren Gemar­kungen und resp, in den Ortschaften gemachlen Wahrnehmungen zu be­richten und sich über die Art und Weise der etwa nothwendigen Ber- Minderung auszusprechen.

Hanau am 11. Dezember 1884.

V. 12275 Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich,

t Das Verhältniß zwischen Landwirthschast und Industrie.

Pariser Blätter berichten von einigen bemerkenswerthen Aus­sprüchen, die der frühere französische Finanzminister und Freund des verstorbenen Thiers, Herr Pouyer.Quertier, über das oben bezeichnete Thema und über die Gründe des Rückgangs der Industrie und der Landwirthschaft in seinem Baterlande gethan hat. Nach der Meinung dieses Sachkenners rührt der Schaden wesentlich von dem Freihandels- system her, welches die Kaufkraft des Landes herunter gebracht und dadurch die industrielle Stockung herbeigeführt haben. Die an und für sich höchst bedauerliche Abnahme der französischen Ausfuhr ist seiner Meinung nach ein Umstand, der dabei nur vorläufig in Betracht komme. Der Absatz in Frankreich selbst sei alle Zeit sehr viel wichtiger gewesen, als der ausländische Markt, der gewöhnlich nur ein Sechstheil der fran­zösischen industriellen Produktion ausgenommen habe. Mit der Kon- sumtionssähigkeit Frankreichs aber sei es reißend bergab gegangen, weil man die Landwirthschaft zu Gunsten der Einfuhr aus den wohlfeiler ! producirenden Ständen des Ostens wie des Westens systematisch ruinirt habe. Von einer Schuld der angeblich nicht gehörig fortgeschrittenen französischen Landwirthe zu reden, sei einfach lächerlich. Die wahre Sachlage sei in dem folgenden für Frankreich und England gleichmäßig geltenden Satze eines Berichts der Kgl. großbritannischen Ackerbau-Ge­sellschaft mit unvergleichlicher Einfachheit klar gestellt worden:

Diejenigen Landwirthe, welche ihre Betriebsmittel verbessen woll­ten, sind noch schneller ruinirt worden, als diejenigen, welche den Land­bau in der alten sparsamen Art ihrer Väter führte«."

Als zweiten Grund der üblen wirthschaftlichen Lage seiner Heimath bezeichnet Herr Pouyer-Onertier (neben der Vermehrung der StaatS- ausgaben) die steuerliche Ueberlastung des flachen Landes. Das Gefammteinkommen unserer Grundbesitzer und Pächter beträgt 2 - Milliarden 845 Millionen Francs. An Steuern geben dieselben 956 Millionen, d. h. 33 Procent des Brutto Ertrages ab...... Wenn gegenwärtig Hunderttausende unserer gewerblichen Arbeiter ohne Arbeit und nahezu ohne Brod sind, so steht das mit dem Ruin der Landwirth­schaft im engsten Zusammenhänge. Da wir nur ein Sechstheil unserer gewerblichen Erzeugnisse ausführen und Frankreich selbst den vollen Rest aufnehmen soll, so versteht sich von selbst, daß eine durch die allgemeine Bedrängniß bemerkte Verminderung der Kauf- und Verzehrungskraft die Industrie in Verlegenheiten stürzen muß, aus denen keine Ausfuhr heraushelfen kann. Ich wiederhole es: die Hauptursache des industriellen Nothstandes ist der landwirthschaftliche Nothstand."

Mit sehr geringen Einschränkungen läßt das hier Gesagte sich auf das Verhältniß anwenden, in welchem Landwirtschaft und Industrie Deutschlands zu einander stehen. Wahrhaft kann dem deutschen Gewerbe auch nur geholfen werden, wenn der deutschen Landwirthschaft geholfen, die Kaufkraft und Konsum­tionsfähigkeit unseres flachen Landes gehoben wird. Herrn Pouyer-Quertiers Ausspruch aber fällt doppelt ins Gewicht, weil derselbe nichtAgrarier", überhaupt nicht Landwirth, sondern großer Industrieller ist und als solcher 3000 Arbeiter beschäftigt, an der Ein­führung von landwirthschaftlichen Schutzzöllen mithin auch nicht den Schatten eines Interesses hat.___

T K g e s i ch a ».

Berlin, 15 Dezbr. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute Vormittag 11 Uhr den Chef des Civilkabinets, Wirk­lichen Geheimen Rath von Wilmowski, zum Bortrage.

Berlin, 14. Dez. Der Prinz Friedrich Karl traf gestern Nachmittag von Jagdschloß Dreilinden hier ein, um von jetzt ab seinen Winteraufenthalt in seinem Palais am Wilhelmsplatz zu nehmen.

Berlin, 15. Dezbr. Wie derR. u. St.-A" hört, will das Auswärtige Amt die neuerdings dem Reichstage vorgelegten Samm­lungen von Aktenstücken, ebenso wie es seiner Zeit mit der dem Reichs­tage vorgelegten Korrespondenz über die Südseeinseln geschehen ist, der Buchhandlung von L. Friedrichsen und Comp. in Hamburg in Verlag geben. Die genannte Firma wird ihrer Publikation eine Sammlung von Originalkarten beigeben, welche in dem bekannten kartographischen Institut derselben angefertigt sind.

Trotz der günstigen Ernteergebnisse ist, wie uns aus B r o m- berg geschrieben wird, in dortiger Gegend die Stimmung unter den Landwirthen eine sehr gedrückte, weil die Getreidepreise feit der Ernte mehr und mehr heruntergegangen sind. Richt minder ungünstig wirkt die gegenwärtige Krisis der Zuckerfabrikation auf die Landwirth- schaft. ES muß anerkannt werden, daß in der Provinz Posen die Gren­zen einer gesunden, dem Absatzgebiet und den Bodenverhältnissen ent­sprechenden Entwicklung deS Rübenbaus bereits überschritten sind. SS sind nicht nur zu viel Zuckerfabriken entstanden, sondern man hat auch dem Rübenbau eine zu große Ausdehnung gegeben und selbst solche Bö­den für denselben in Anspruch genommen, welche nicht gut rübenfähig sind. Lucratio ist der Rübenbau nur, wo mindestens 140 Centner Rü­ben pro Morgen geerntet werden können. Die Kosten des Rübenbaus (incl. Steuern, Administration, Schulden-Zinsen rc) betragen im Durch­schnitt in jener Gegend 135 Mk pro Morgen. Werden nun, wie dies fast die Regel ist, nur 120 Centner pro Morgen geerntet, so kann, wenn man die Zuckerrückstände auf 14 Mk. veranschlagt, bei einem Preise von 80 Pfg. pro Centner (stellenweise ist der Preis sogar auf 75 Pfg. ge­sunken) nur eine Einnahme von 110 Mk. erzielt werden. ES wird also mit Verlust von 25 Mk. pro Morgen gearbeitet. Wollte man jetzt nach freisinnigem" Recept die Exportprämie beseitigen und die Rübenstener erhöhen, so würde die gegenwärtige Calamität nur verdoppelt und ver­dreifacht werden.

Rheyd. DerD. Schlztg." wird berichtet: Die hiesige Prä- Parandenschule wird gegenwärtig von 17 Zöglingen besucht. Das Prä- parandenwesen befindet sich in unserer Provinz leider nicht im Aufgange. Die Zahl der Bewerber wird immer geringer: eS müssen daher manche sehr mittelmäßige Kräfte in den Lehrerstand übernommen werden, die wenig zur Hebung feines Ansehens beitragen. ES sollten die Präpa- randenlehrer schon im Interesse des Lehrerstandes nur die tüchtigsten ih­rer Schüler veranlassen, sich dem Schulfache zu widmen "

Aus Oberschlesien. Der ReichS- und LandtagSabgeord- nete, Amtsgerichtsrath Hr. Letocha in Berlin, zieht in feinem Wahl- kreise Kattowitz-Zabrze Erkundigungen über die Gehalts- und PensionS- verkältnisse und sonstige Emolumente der Volksschullehrer ein, um in nächster Legislaturperiode des Landtages bei Gelegenheit der Berathung des Elementarschuletats die noch vielfach unzulängliche Besoldung des Lehrerstandes zur Sprache zu bringen. (K. Schlztg. f. R.)

Stuttgart, 15 Dez. In Reutlingen brach gestern Nacht ein Brand aus, wobei ein Mann mit Frau und vier Kindern den Tod in den Flammen fand.

Wien, 15. Dez. (Köln. Ztg.) Ueber ein in den Kohlen­bergwerken von Anina an der ungarischen Staatsbahn eingetretenes Grubenunglück werden grauenhafte Nachrichten mitgetheilt. Das Berg­werk ist durch ein schlagendes Wetter entzündet und brennt noch, wo­durch die Rettungsarbeiten erschwert werden. Beim Ausbruch des Brandes waren die Arbeiter voll beschäftigt. Bereits wurden 45 Leichen gefunden. Die Verunglückten waren fast sämmtlich Familienväter, über 30 werden noch vermißt. Der Schaden ist sehr beträchtlich, das Elend der Arbeiterfamilien überaus groß.

Wien, 15. Dez. Die Generalversammlung der böhmischen Westbahn genehmigte das mit der Staatsverwaltung abgeschlossene Ueber« einkommen betreffs der Convertirung der Prioritäten. Das Abge­ordnetenhaus nahm die Regierungs.Vorlagen, betreffend die Verlängerung des Ausnahmegesetzes für Cattaro und für Wien und Korneuburg, sowie das Rekrutenkontingent für 1885, an. (Fr. N.)

Linz, 15. Dez. Gestern wurden in Urfahr durch einen höheren Wiener Polizeibeamten vier Anarchisten verhaftet und die dabei