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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Gönn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,
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dir. 290. Donnerstag den 11. Dezember 1884.
GekmwtMKäMNMN Kömgl. Landrathsamts.
Gesunden: Eine Schippe. Ein neuer Ofenrost.
Vom Wasenmeister ein gefangen: am 10. d. M. ein schwarzer
Hofhund m. Geschl.
Hanau am 11. Dezember 1884.
Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesscha«.
— Berlin, 10. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute den Vortrag des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths von Wilmowski und empfingen später den Chef des In- genieurkorps, Generallieutenant v. Brandenstein.
— Berlin, 10. Dez. Der deutsche Verein für internationale Doppelwährung erläßt nach den „Fr. N." einen von Kardorff, Leuschner und Otto Arend unterzeichneten Aufruf, worin es heißt: Angesichts der großen Wahrscheinlichkeit, daß durch die angekündigte Einstellung der Silberprägungen in Amerika (suspension blancbill) eine neue schwere Schädigung des deutschen Nationalwohlstandes, eine unberechenbare Verschärfung der bestehenden wirthschaftlichen Krisis herbeigeführt wird, halten wir eine sofortige energische Action Deutschlands zu Gunsten der vertragsmäßigen Doppelwährung für nöthig und sind entschlossen, den internationalen Bimetallismus nöthigenfallS auch ohne England zu empfehlen. Die Erfahrungen der französischen Münzgesetzgebung lassen es zweifellos erscheinen, daß der von Deutschland, den Vereinigten Staaten und dem lateinischen Münzburd geschlossene Doppelwährungsvertrag den so schädigenden Schwankungen in dem Werthverhältniß der Edelmetalle dauernd ein Ende macht.
— Berlin, 10. Dez. Auf dem zwischen der Blumen- und Krautstraße gelegenen „Vulkan" genannten Terrain brach heute Morgen um 5 Uhr ein größeres Schadenfeuer aus, welches die Bader'sche Teppichfabrik und die Wäschefabrik von Kohn und Ellenburg in Asche legte Jetzt ist das Feuer bewältigt. Der durch den Brand angerichtete Schaden ist noch nicht ermittelt; Personen sind nicht verletzt worden.
P. (Aus dem Reichstage) Berlin, 9. Dezember. Der Reichstag erledigte heute zunächst die Beschlüsse des Bundesrathes bezüglich der Unterstellung weiterer Fabriken unter den § 16 der Gewerbe- Ordnung auch in dritter Lesung debattelos und setzte dann die Berathung über den Etat der Militärverwaltung bei Kapitel 18 (Militär- Justizverwaltung) fort. Von dem Abg. Payer wurde die Frage wegen Reform der Militär-Strafprozeßordnung angeregt und namentlich die Oeffentlichkeit des Strafverfahrens bei den Militairgerichten verlangt. Außerdem erfordere die militairische Disziplin keineswegs die Aufrechterhaltung der exzeptionellen Stellung pensionirter Offiziere. Abg. Richter stellte im Anschluß hieran den Antrag, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, eine Vorlage an den Reichstag zu erwirken, wodurch die Militärgerichtsbarkeit für verabschiedete Offiziere aufgehoben wird. Der Kriegsminister Bronsart v. Schellendmff trat diesem Anträge nicht absolut entgegen, glaubte indeß, daß diese Frage nicht außer Zusammenhang mit der Reform der Strafprozeßordnung ihre Lösung finden könne. Was letztere übrigens betreffe, so läge insbesondere für die Oeffentlichkeit des Strafverfahrens kein Bedürfniß vor. Dem gegenüber wurde von den nachfolgenden Rednern aus dem Haufe v. Vollmar (Sozialdemorat), Payer und Windthorst die Oeffentlichkeit des Verfahrens gewissermaßen
> als Vorbedingung für die Reform deS Militaiistrosproz sses bezeichnet, während Abg. v. Bernuth die Nothwendigkeit der Reform damit zu mo- tiviren suchte, daß der gegenwärtige militärische Strafprozeß im Widersprüche mit der modernen Rechtspflege stehe. Der Kriegsminister betonte wiederholt, daß er keineswegs die Absicht habe, in der Reform, frage einen Stillstand eintreten zu lassen, die Regierung kenne die Mängel unseres Militairstrafprozesses wohl, aber sie verspreche sich von einer Verhandlung über diesen Gegerstard im gegenwärtigen Augenblick um deshalb keinen Erfolg, weil die Majorität auf die Oessintlichkeit des Mititairstrasverfahrens besonderen Werth lege, während nach seiner Meinung hierfür ein Bedürfniß nicht vorliege. Zu einer längeren Debatte führte sodann auch die von dem Abg. Richter angeregte Frage der zunehmenden Selbstmorde in der Armee. Der Herr Kriegsminister gab die Thatsache selbst zu, stellte jedoch unter Darlegung der einschlägigen Verhältnisse und unter Hinzuziehung eines ausführlichen statistischen Ma- l terials, entschieden in Abrede, daß angebliche Mißhandlungen von Vor
gesetzten auf die Selbstmorde von Einfluß seien. Besonders betonte der Minister das Bestreben der Presse, die Selbstmorde in der Armee mit angeblichen Mißhandlungen der Soldaten durch Vorgesetzte in Verbindung zu bringen, und dadurch falsche Anschauungen im Publikum zu erzeugen. Der zur Debatte stehende Titel 1 wurde genehmigt, dagegen die Abstimmung über den Antrag Richter bis zur dritten Lesung Vorbehalten. Ein zu demselben Titel verspätet eingebrachter Antrag, die für sechs Räthe des GeneralauditoriatS in Ansatz gebrachte Gehaltserhöhung von je 550 Mk. abzusetzen, eventuell an die Position in die Budgetkommission zu verweisen. mußte unerledigt bleiben, wird aber voraussichtlich in der dritten Lesung wiederkehren. Zu Kapitel 20 (Gouverneure, Kommandanten ic.) beantragte Abg. Richter die Gehälter der Kommandanten in den offenen Städten zu streichen. Das Haus verständigte sich dahin, die Position in die Budgetkommission zu verweisen, wo die Militärverwaltung die Gründe gegen den Antrag näher darlegen wird. Um 5 Uhr wurde die Sitzung auf morgen 1 Uhr vertagt. (An- träge auf Einführung der Berufung und polnischer Sprachenantrag.
Berlin, 10. Dez. Der Reichstag beschäftigte sich indem ersten Theile der heutigen Sittzung mit dem Anträge seiner Geschäftsordnungskommission, welche, unter Ablehnung des Antrages der Wahlprüfungskommission, beantragt, dem § 5 der Geschäftsordnung gewisse aus die Erledigung der Wahlprüfungen bezügliche Bestimmungen hinzuzufügen, zugleich einen weiter gehenden Antrag des Abg. v. Reinbaben abzuleh« nen. Der Reichstag trat dem Anträge der GeschüftsordnungSkommission, der eine Beschleunigung und Erleichterung der Wahlprüfungen bezweckt, der übrigens zunächst nur für die gegenwärtige Session Gültigkeit haben soll, mit Majorität bei, nachdem Staatssekcetair des Innern v Boetti- cher den bei der Debatte von dem Abg. Hasenclever ausgesprochenen Vorwurf zurückgewiesen, daß die Reichsbehörden die von dem Reichstage beantragten Wahlermittlungen verzögerten. — In zweiter Reihe standen die Anträge der Abgg. Munckel und Reichensperger auf Abänderung des Gerichtsverfassungsgesetzes und der Strafprozeßordnung, deren Schwerpunkt in der Wiedereinführung der Berufung in Strafsachen liegt. Nachdem Abgeordneter Reichensperger seinen Antrag begründet und um die U.berweisung beider Anträge an eine besondere Kommission gebeten hatte, gab der Staatsekretair des Reichsjustizamts Dr. V. Schelling die Erklärung ab, daß der Herr Reichskanzler im Begriff stehe, mit den verbündeten Regierungen über die Frage der Wiedereinführung der Berufung, welchem Gegenstände er schon lange seine Aufmerksamkeit zuwende, in Beziehung zu treten, daß er auch hoffe, demnächst dem Bundesrathe eine bezügliche Vorlage machen zu können und daß der Herr Reichskanzler gleichzeitig einige andere dem Bedürfnisse des Publikums entsprechende Aenderungen der Strafprozeßordnung vor- zuschlagen beabsichtige. Der Herr Reichskanzler stünde den Anträgen daher im Ganzen sympathisch gegenüber und würde in dem zustimmenden Votum des Hausesnur eine Unterstützung seiner eigenen Bestrebungen er. tinnen können. Auf diese Rede folgten eingehende technische juristische Ausführungen der Abg. Frhr. v. Buol, Dr. Hartmann, Dr. Marquardsen und Payer, welche sich sämmtlich unter gewissen Voraussetzungen und unter Darlegung weiterer Wünsche für Wiedereinführung der Berufung erklärten, da die Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Zustandes nicht zulässig erscheinen könne. Um 5 Uhr wurde die Vertagung der Berathung beschlossen, dieselbe soll morgen (1 Uhr) beendigt werden. Außerdem wird die Berathung des Militäretats fortgesetzt werden.
— Berlin, 9. Dezember. Nach der heutigen Plenarsitzung des Reichstags constituirte sich die Commission zur Vorberathung des von den Abgeordneten Grillenberger und Kayser eingebrachün Gesetzentwurfs betreffend die Abänderung des Gesetzes vom 15. Juni 1883 über die Krankenversicherung der Arbeiter. Zum Vorsitzenden wurde der Abg. Moufang, zu dessen Stellvertreter der Äbg. Kopser, zum Schriftführer der Abg. Gebhard und zu desstn Stellvertreter btr Abg. Gras Dönhoff gewählt. Die nächste Sitzung findet Donnerstag den 11. d. Mts. statt. — Die Wahlprüfungs. Commission hat heute die Wahlen der Abgg. v. Benda und Meyer-Würtemberg für gültig erklärt.
— Düsseldorf, 10. Dez. Von der Generalversammlung deutscher Eisenhüttenleute wurde an den Fürsten Bismarck folgendes Telegramm abgesandt: Der Verein deutscher Eisenhüttenleute, welcher in seiner heutigen Generalversammlung als vornehmsten Gegenstand der Tagesordnung die wirthschaftlichen Vortheile der Colonialpolitik und