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Hanau er Ameiger.
ZKgleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,
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Nr. 288.
Dienstag den 9. Dezember
1884.
Amtliches.
Unterrichts-Curse für praktische Landwirthe.
An der Königlichen landwirthschaftlichen Hochschule in Berlin sollen im Laufe des jetzigen Winter-Semesters Unter richtscurse für praktische Landwirthe stattfinden. Der Veranstaltung liegt die Ueberzeugung zu Grunde, daß kaum ein gewerblicher Beruf zu finden sein dürfte, der es in gleichem Maße wie der landwirthschastliche er- schwerst sich bezüglich des praktischen Wirkens in einer umfassenden Unternehmung auf der Höhe der Zeit zu halten und zu diesem Zweck mit den einschlägigen theoretische« Erkenntnissen fortdauernd vertraut zu bleiben. Und doch liegt in der Schwierigkeit und Complicirtheit des Betriebes der Wirthschaft des Landwirths die dringendste Aufforderung, durch gediegenes Wissen und Können die sich der Rentabilität des Land- baues heute mehr denn je entgegenstellenden Hemmnisse zu überwinden. Die Jsolrrtheit, in welcher der Landwirth gemeinhin zu leben gezwungen ist, und die ihm obliegende anstrengende Thätigkeit in seiner Wirthschaft bringen es mit sich, daß ihm nur zu leicht jene Summe von Anregungen und Belehrungen verschlossen bleibt, ohne die er heutigen Tages hinter den hochgespannten Anforderungen des Gewerbslebens zurückzubleiben in Gefahr gcräth. Wenn die Fachliteratur auch belangreiche Mittel bietet, sich mit den Vorgängen in der Praxis und mit den Eroberungen der Wissenschaft vertraut zu halten, so sind diese doch in unsern Tagen zu umfassest), als daß der praktische Landwirth die Muße gewinnen könnte, sie gründlich genug zu durchschauen, um Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen und ihnen kritisch zu folgen.
Der jetzt von der landwirthschaftlichen Hochschule ins Auge gefaßte Plan, den hervorgehobenen Unzulänglichkeiten zu begegnen, stützt sich auf die günstigen Ergebnisse ähnlicher Einrichtungen für die Förderung der Lehre auf verwandten Gebieten des Wisfens. Es sei hier z. B. erinnert an die wohlthätigen Wirkungen der Feriencurse für praktische Aerzte, an die von dem Verein für Spiritussabrikanten ins Leben gerufenen Unter- richtscurse für landwirthschaftlich-industrielle Betriebe und an ähnliche Veranstaltungen.
Es leuchtet ein, daß eine gewisse Vertrautheit mit den Unterrichts- gegenständen, auf welche sich die Curse erstrecken sollen, von der Hörer- schaft erwartet werden muß. Einem Laienpublikum in flüchtigen Um* rissen ein allgemeines Bild von dem Wesen landwirthschaftlicher For- schungs und Prodktionsgebiete zu entwerfen, wird nicht beabsichtigt. Die Unterrichtscurse werden dem Bedürfnisse des praktischen Landwirths entgegenzukommen suchen, indem es ihm durch dieselben erleichtert werden soll, ein selbstständiges Urtheil darüber zu gewinnen, ob, inwieweit und in welcher Art die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft und die neuesten Erscheinungen des wirthschaftlichen und Verkehrslebens neugestaltend den heutigen oder künftigen Landwitthschaftsbetrieb zu beeinflussen vermögen.
Die Unterrichtscurse für praktische Landwirthe werden am Montag den 23. Februar 1885 beginnen und am Mittwoch den 4 März desselben Jahres geschlossen werden. Zur Theilnahme an ihnen ist Jeder derech. tigt, der sich bei dem Rechnungsrath Müller im Secretariat der landwirthschaftlichen Hochschule meldet und unter Nennung seines Namens und seiner persönlichen Verhältnisse das Unterrichts Honorar für die von ihm gewählten Vorträge entrichtet.
Wünschenswerth — wenn auch nicht Bedingung für die Theilnahme an den Cursen oder zu derselben definitiv verpflichtend — ist eine vorgängige schristliche oder mündliche Meldung mit Bezeichnung der Vorträge, welche der Betreffende a> zunehmen wünscht. Die Meldungen werden im Secretariat, Jnvalidenstraße Nr. 42, entgegengenommen. An dasselbe sind auch alle etwaigen Anfragen in Betreff der Unterrichtscurse zu richten.
Folgende Vorträge werden angemeldet:
1. Geh. Regierungs-Rath Professor Dr. Settegast: Standpunkt, Aufgaben und Ziele der deutschen Viehzucht überhaupt und ihrer einzelnen Zweige insbesondere. (6 Stunden.)
2. Professor Dr. Orth: Fortschritte in der Verwendung der käuflichen Düngemittel. (6 Stunden.)
3. Oekonomie-Rath, Dr. Frhr. v. Canstein: a) Anbau und Pflege alter und neuer Futterpflanzen. (4 Stunden.) b) Ausnutzung der Gewässer durch Fischzucht, mit Demostrationen. (4 Stunden.)
4. Vr. Grahl: a) Ueber Moorcultur, insbesondere die Cultur der Grünlandsmoore. (6 Stunden.) b) Ueber Kartoffelcultur. (6 Stunden.)
5. Dr. Lehmann: Die Fortschritte auf dem Gebiete der Fütterungslehre. (8 Stunden.)
6. Universitätsgärtner Lindemuth: Obstbau. (10 Stunden.)
7. Benno Martiny: Fortschritte und Zielpunkte des modernen Molkereiwesens. (4 Stunden.)
8. Ingenieur Schotte: a) Beurtheilung von Dampfmaschinen. (6 Stunden.) b) Neue Geräthe und Maschinen für Kartoffel- und Rübenbau. (4 Stunden.) c) Feldeisenbahnen. (2 Stunden.)
9. Ingenieur Goslich: Die Behandlung der Dampfkessel und Dampfmaschinen. (6 Stunden.)
10. Professor Dr. Kuh: Einführung in den Gebrauch des Mikroskops. (12 Stunden.)
11. Professor Dr. Frank: Wichtige und neue Pflanzenkrankheiten. (6 Stunden.)
12. Professor Dr. Wittm ack: Die wichtigsten Capitel der landwirth« schaftlichen Botanik einschließlich der Samenkunde. (8 Stunden.)
13. Geh. Regierungs-Rath Prof. Dr. Landolt: Ueber Spectral« Analyse, mit Experimenten. (4 Stunden)
14. Dr. Degener: a) Standpunkt und Ziele der Rübenzucker- Fabrikation. (10 Stunden.) b) Praktische Uebungen im Laboratorium über neue Fabrikation und analytische Methoden. (16 Stunden.)
15. Professor Dr. Delb rück: Die Controle des Betriebes durch den Brennereibesitzer. (9 Stunden.)
16. vr. M. Hayduck: Die wissenschaftlichen Grundlagen der Preßhefe-Fabrikation. (9 Stunden.)
17. Dr. O. Saare: Kartoffelstärke-Fabrikation. (9 Stunden.) Uebungen zu den Vorträgen ad 15—17.
18. Professor Dr. Grüner: Der Boden Norddeutschlands. (6 Stunden.)
19. Professor Dr. Börnstein: Das Wetter und seine Voraussagung. (8 Stunden.)
20. Professor Dr. Rehring: Ueber den Darwinismus im Hinblick auf die Abstammung unserer HauSthiere. (8 Stunden.)
21. vr. Karsch: Die thierischen Parasiten unserer Hausthiere und die durch sie verursachten Krankheiten. Mit Demonstrationen. (10 Stunden.)
22. Professor Dr. Zuntz: a) Thierphysiologische Umschau. (6 Stunden.) b) Ueber Verhütung der menschlichen Jnfertions-Krank- heiten. (4 Stunden.)
23. Professor Dieckerhoff: a) Ueber Jnfections-Krankheite» der Hausihiere. (8 Stunden.) b) Ausgewählte Capitel aus der Gesundheitspflege der HauSthiere. ^8 Stunden.)
24. Professor Schllchting: Ueber die Mittel gegen Ueberschwem- mung der Flußthäler. (3 Stunden.)
25) Dr. E. Lange: a) Die Grundsätze der rationellen Bodencultur in ihrem Einflüsse auf die staatliche Verkehrs- (Eisenbahn-) und Zoll-Politik. (6 Stunden.) b) Das Hagel.Versicherungswesen in Deutschland. (3 Stunden.)
26. Ingenieur Max Eyth: Das landwirthschastliche Vereins- und Busstellungswisen und die deutsche Landwirthschafts.Gesellschaft. (3 Stunden)
27. Professor Dr. Alex. Müller: Die düngwerthigen Abfälle der Städte und ihre Gewinnung für die Landwirthschaft. (4 Stunden.) Berlin den 22. November 1884.
Der Rector der König! landwirthschaftlichen Hochschule Prof. Dr. H Settegast, Geh. Reg -Rath.
T a g e s s ch a rr.
— Berlin, 8 Dezbr. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute Morgen den Chef des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Rath von Wilmowski zum Vorträge.
- Berlin, 8. Dezember. In Verfolg des Erlasses vom 21. V^ M., betreffend dre Sicherstellung genauer Beachtung der für die Sicherheit des Eiser.bahn-Bettiebsdicnstcs erlassenen Vorschriften Seitens