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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,
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Nr, 279. Freitag den 28. November 1884.
Amtliches.
Ich bringe hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß bei der Königlichen Lehranstalt für Obst- und Weinbau zu Geisenheim a/RH. in der Zeit vom 15 bis einschließlich 20. Dezember d I. wiederum ein unentgeltlicher Unterrichtskursus über die Reblaus abgehalten werden wird.
Die Theilnahme an demselben ist besonders Denjenigen zu empfehlen, welche auf Verwendung als Sachverständige bei Revision von Weinpflanzungen in Beziehung auf das Auftreten der Reblaus reslektiren.
Kassel, den 10. November 1884.
_____Der Ober-Präsident, gez. Graf zu Eulenburg._________
VeZannLumchNNgeK KönißL. Laudrathsamts.
Nach den in Gemäßheit meiner Verfügung vom 16. Mai er. (Kreisblatt Nr. 116) erstatteten Berichten wird die Blutlaus an den Aepfelbäumen in verschiedenen Gemarkungen des Kreises trotz der bis jetzt erstrebten Vertilgung noch vielfach wahrgenommen.
Soll nun die bisherige Mühe zur Ausrottung dieses überaus schädlichen Insekts nicht umsonst gewesen sein, so erübrigt nur die sorgsame Fortsetzung des Vertilgungsverfahrens.
Unter besonderem Hinweis auf meine gedachte Verfügung spreche ich wiederholt die Erwartung aus, daß namentlich während der Winters, zeit die Achtsamkeit auf dieses Insekt und auf dessen Vertilgung gerichtet wird. Wie die Abhandlung über die Erkennung und Vertilgung der Blutlaus (siehe das gedachte Kreisblatt) besagt, bleiben Blutläuse oft lange in den Winter hinein an den Zweigen sitzen; allmählig ziehen sie sich in grindige Wucherungen und an den Wurzelhals der Bäume zurück. Nach der nunmehrigen Entlaubung der Bäume ist das Auffinden der Blutläuse leichter als im Sommer, wie auch das Reinigungsverfahren erleichtert.
Bis zum 1. April k. I. erwarte ich Bericht der Herren Bürgermeister über den Erfolg der während des nächsten Winters^ihrerseüs dieserhalb gethanenen Schritte.
Hanau am 20. November 1884.
V. 11619 Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.
Dem am 24. Juni 1861 zu Hanau geborenen Fabrikarbeiter Johann Wilhelm Karl Neubert, genannt Spielmann, von dort, ehelichen Sohne des Formschreiners Johannes Neubert, genannt Spielmann, ist auf sein Ansuchen durch Urkunde Königlicher Regierung zu Kassel vom 28. Oktober 1884 A. I. 10965 gestattet worden, den Familiennamen „Spielmann" förmlich annehmen und denselben für sich und seine Familie künftig führen zu dürfen.
Hanau am 21. November 1884.
V. 10886 Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.
Die auf meine Verfügung vom 13. d. Mts., V. 11152 (Kreis- blatt Nr. 267), betr. Wahlfähigkeit der Holzhauer bei den Gemeindewahlen, noch nicht eingegangenen 11 Ortsvorstandsberichte werden hierdurch in Erinnerung gebracht und bis zum 4. Dezember er. bestimmt erwartet.
Hanau am 24. November 1884.
V. 11655 Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.__________ Tages schau.
— Berlin, 27. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute den Kriegsminister und den Chef des Militärkabinets sowie später den Vizepräsidenten des Staatsministeriums, v. Puttkamer, zum Vortrage — Darauf hatte der mu ernannte Militär - Attache bei der Königlich portugiesischen Gesandtschaft, Copitaine du Bocage, die Ehre, von Sr. Majestät empfangen zu werden.
P. (Aus dem Reichstage) Berlin, 26. Novbr. Die heutige (3) Sitzung des Reichstags, welche von 12 bis gegen 5 Uhr dauerte, wurde der Hauptsache nach von der Berathung über den demschffreisin- rügen Antrag, betreffend die Abänderung des Art. 32 der Verfassung, d. h. der Gewährung von Diäten an die Reichstagsabgeordneten, ausgefüllt, nachdem ein Antrag auf Einstellung des strafrechtlichen Verfah- 16X8 gegen den sozialdemokratischen Abgeordneten Heine ohne erhebliche
Debatte angenommen war. — Der Antrag auf Bewilligung von Diäten' welcher den Reichstag bereits vor Jahren wiederholt beschäftigt hat und der jetzt anscheinend durch die Beschränkung der Eisenbahnfreikarten her« vorgerufen ist, wurde heute von den Abgeordneten Frhr. v. Stauffen- berg, Auer, Frhr. v. Schorlemer Alst, Hänel, Rickert und Richter ge- rechifertigt, während der Abg. v. Benda konstatirte, daß für die national- liberale Partei, die Stellung zu dieser Frage eine offene sei, daß aber auch diejenigen seiner Freunde, welche materiell dem Anträge zusümmen, jetzt denselben mißbilligen. (Abg. Frhr. Langwerth v. Simmern nahm gelegentlich die Welsen gegen den Borwurf mangelnden Patriotismus in Schutz.) — Bekämpft wurde der Antrag von dem Abg. Grafen Udo zu Stolberg Wernigerode (deutschkons.) und ganz besonders von dem Reichskanzler Fürsten v. Bismarck selbst, der dabei des Näheren auf die Par- teiverhältniffe im Reichstage und die Stellung der einzelnen Fraktionen dem Reiche gegenüber einging und den Nachweis führte, daß die Be- willigung von Diäten heute noch weniger als bei der Schaffung der norddeutschen Bundesverfassung angänglich sei. Die Diätenlosigkeit sei ein auf Kompromiß beruhendes Aiquivalent für das allgemeine Wahlrecht; im Uebrigen möge man sich hüten, an der Verfassung zu rütteln. — Gleichwohl wurde bei der Abstimmung der § 1 des deutschfreisinnigen Antrages mit 180 gegen 99 Stimmen angenommen. Die beiden anderen Paragraphen veranlaßten keine Debatte. Auf der Tagesordnung für morgen 12 Uhr steht die erste Berathung des Etats in Verbindung mit dem Anleibegesitze.
— Berlin, 27. Novbr. In der heutigen Sitzung der westafri- konischen Conferenz wurde der Bericht der Commission verlesen und dessen Vorschläge über die Grenzen des Congobeckens in allen wesentlichen Punkten angenommen, einschließlich des von der Conferenz auszudrücken- den Wunsches, betreffend die Ausdehnung des Congogebiets nach Osten, unter Wahrung dort bestehender Souveränitätsrechte, welche namentlich von Portugal, Zanzibar und einem eingeborenen König ausgeübt werden. Zur Regelung der einschlägigen Fragen werden die Mächte ihre guten Dienste dort anbieten. Zur Verständigung über einzelne Detail- fragen wird morgen eine Commission zusammentreten, welche aus den nämlichen Staaten bestehen dürfte, wie die bisherige. Nach Beendigung der Comnussionsarbeiten wird eine Redaktions Commission sämmtliche bisherige Beschlüsse sormuliren. (Fr. N)
— Berlin, 27. November. (Köln. Z.) Man bestätigt, daß in Uebereinstimmung mit dem in der deutschen Depesche nach London vom 2. November ausgedrückten Wunsche und nach dem bald darauf verwirklichten Vorgänge Deutschlands die Unterhandlungen zwischen mehreren Staaten und der Westafrikanischen Gesellschaft wegen der Anerkennung der letzteren in gutem Gange sind und für diese baldige Anerkennung gegründete Aussicht vorhanden ist.
— Berlin, 26. Nov. Unter einer ungemein großen Theilnahme fand heute die Bestattung des kürzlich verstorbenen Direktors des Zoologischen Gartens Dr. Bodinus statt. Magistrat und Stadtverordnete hotten Abordnungen entsandt, ebenso waren der Polizeipräsident v Madai, Mitglieder verschiedener Ministeiien, namhafte Vertreter der wissenschaftlichen Kreise Berlins, eine Abordnung der Burschenschaft zu Greifswald, sowie die vier Burschenschaften der hiesigen Universität vollzählig erschienen.
— In Deutschland betrug Ende 1883 der thatsächliche Versiche- rurgsbestand sämmtlicher 36 Lebensversicherungsanstalten a) an Todes- sallversicherungen Mk. 2 464 353 222, b) un Sterbekassenversicherungen Mk. 27 096 364, c) an LebenSfallversicherungen Mk 154 771 680, d) an Rentenversicherungen Mk. 2 932 912, zusammen Mk. 2 649 154 178.
— Jserlohn, 23. Rovbr. Die hiesige große Nickelfabrik von Fleitmann und Witte, welche sich dadurch bekannt gemacht hat, daß sie die Nicketpättchen für unsere Zehnpfennig- und Fünfpfennigstücke an das deutsche Reich lieferte, ist kürzlich in den Besitz einer französischen Gesellschaft, Sociätd anonyme de Nickel, übergegangen.
— Braunschweig, 26. Nov. Der „Post" wird von hier telegraphisch gemeldet: Staatsminister Windthorst, Geheimer Rath Bruel und Ober, Finanzrath Kniep sind heute im Austrage des Herzogs von Cumberland hier eingetroffen und ist ihnen nach Aufhebung der Curatel über die Erbschaft das Vermögen überantwortet worden.