betreffend, und vom 30. November 1877, betreffend die Verpflichtung zur Anzeige ansteckender und gemeingefährlicher Krankheiten, Hinweise und ihre genaueste Beachtung namentlich auch von den Herren Aerzten erwarten muß.
Hanau den 26. November 1884.
P. 10,274. Der Königliche Landrath, Freiherr v. Broich.
Instruktion. für Vornahme der Desinfection.
1. Die Ausleerungen der Cholerakranken sind womöglich sofort in ein Gefäß aufzufangen, welches eine Karbolsäure-Lösung enthält, die durch Auflösung von 1 Theil sogenannter 100 procentiger Karbolsäure (Acidum carbolicum depuratum) in 18 Theilen Wasser unter häufigem Umrüsten erhalten wird. Die Menge der zur Desinfection der Ausleerungen zu verwendenden Karbolsäure-Lösung muß mindestens den fünften Theil der ersteren ausmachen.
2. Mit den Ausleerungen beschmutzte Leib- und Bettwäsche ist sofort i« eine gleiche Lösung hineinzulegen und zum Zweck der Desinfection 48 Stunden in derselben eingeweicht bleiben, sodann aber mit Wasser zu spülen.
3. Kleidungsstücke, für welche dieselbe Art der Behandlung nicht angängig ist, sowie Betten und andere Effecten sind mit heißen Wasser- dämpfen zu behandeln. (S. Nr. 6.)
4. Mit den Ausleerungen der Kranken verunreinigte Möbel, Fußboden u. f. w. sind mit trocknen Lappen wiederholt und gründlich abzureiben, letztere aber zu verbrennen oder sofort in die vorerwähnte Karbollösung zu legen und nach d.r Vorschrift ad 2 zu desiaficiren.
5. Alle Personen, welche mit den Cholerakranken oder seinen Effecten in Berührung gekommen, namentlich aber von d-n Ausleerungen desselben beschmutzt sind, haben sich, bevor sie wieder mit Mensch n in Verkehr. treten oder etwas genießen, gründlich zu reinigen und die Hände mit der vorerwähnten Karbollösung zu waschen.
6. Zur Ausführung der Desinfection mittelst heißer Wassirdämpse, sind nur solche Apparate geeignet, in welchen ein fortwährendes Durchströmen von heißen Wasserdämpfen durch den Desinfections-Raum statt- findet und bei welchen die Temperatur der Wasserdämpfe im Desin- sectionsraum überall mindestens 100° C. beträgt Diese Bedingung wird erfüllt, wenn ein in die Ö ffnung, durch welche der Dampf den Apparat wieder verläßt, gebrachtes Thermometer die Temperatur von 100° C. erreicht.
Die Zeit, während welcher die zu desinficirenden Gegenstände den heißen Wasscrdämpfen ausgesetzt werden, darf bei leicht zu durchdringenden Gegenständen, z. B. Kleidern nicht weniger als eine Stunde, bei schwer zu durchdringenden Gegenständen nicht weniger als zwei Stunden betragen. Hierbei ist die Zeit nicht mitgerrchnet, welche vergeht, bis der Dampf, welcher aus dem Desinfectionsraum ausströmt, die Temperatur von 100° C. erreicht hat.
Der Wafferdampf wird am besten in einem Dampfkessel entwickelt und mittels einer Röhre in den Desinfectionsraum unten eingeleitet, um ihn oben durch eine Oeffnung, nicht größer als die Zulertungs - Röhre abströmen zu lassen.
Wo ein Dampfkessel fehlt, kann ein größerer Waschkessel dienen, über den man ein Holzfaß als Desinfectionsraum stürzt, dessen unterer Boden herausgenommen ist, und dessen oberer Boden zum Ausströmen des Dampfes eine runde Oeffnung hat, in welche ein Thermometer eingesetzt werden kann. Die zu desinfizirenden Gegenstände sind in das Faß zu legen und deren Herabfallen in den Kesfet durch Schnüre oder Horden oder auf eine andere Weise zu verhindern. Ein solches Faß muß möglichst dicht auf dem Rande des Waschkcssels aufsitzen.
7. Wo eine anderweitige genügende Desinfection nicht ausführbar ist, wie z B. bei Polstermöbeln, Bettfedern, Matratzen, Wagenpolstern und dergl. ist eine Außer-Gebrauchsetzung derselben und dauernde Lüftung an einem warmen, trockenen, vor Regen geschützten Orte durch mindestens
6 Tage in Anwendung zu bringen. Ebenso sind Wohnräume, in denen Cholerakranke gelegen haben, wenn möglich zu räumen und gleichfalls 6 Tage lang zu lüften, damit sie vollständig austrocknen. Eventuell ist das Austrocknen durch Heizen zu unterstützen.
8. Gegenstände von geringerem Werthe sind wenn thunlich statt sie einer Desf ction zu unterwerfen, zu verbrennen.
Tages schau-
— Berlin, 26 Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute den Vortrag des Hofmarschalls sowie des Chefs des Civil- kadinets, Wirklichen Geheimen Raths von WilmowSki entgegen.
— Berlin, 25. Nov. Tue Rückkehr Ihrer Majestät der Kaiserin wird am 2. Dezember erwartet. Am Freitag trifft der König von Sachsen hier ein, um den Karser zur Jagd nach Hubertusstock zu begleiten.
— Berlin, 25. Novbr. Ueber die bereits gemeldete Audienz des Reichstags Präsidiums beim Kaiser ersährt die „Nat.-Ztg.", daß der Kaiser Herrn v. Wedell Piesdorf zu seiner Wahl beglückwünschte, indem er zugleich dem Bedauern Ausdruck gab, daß Herr v. Levetzow nicht
wieder in den Reichstag gelaugt sei. Die Wahlen, meinte Se. Majestät, seien eben unberechenbar. Der Kaiser erkundigte sich sodann, ob heute eine Sitzung stattgefunden habe. Als dies verneint und besonders durch den Umstand motivirt wurde, daß die zahlreichen, neu eingetreteyen Mitglieder des Reichstages sich erst orrentiren und das Material studiren müßten, wies der Kaiser darauf hin, daß er in derselben Lage sei; auch ihm gingen täglich gar viel neues Material und Aktenstücke zu, welche er aufmerksam durchlesen müsse. Im Uebrigen verfolge er die Verhandlungen des Reichstages mit stetem Interesse.
— Berlin, 26. Nov. Der „Kreuzzeitung" zufolge bringt von Wedell Malchow, unterstützt von den Deutsch. Conservative«, den Ende Juni im vorigen Reichstage vorgelegten Gesetzentwurf, betr. die Börsen- steuer, als seinen Antrag wieder ein.
> — Berlin, 26. Novbr. Die „Nordd. Allgem. Ztg." ^bestätigt die von den Blättern gebrachte Nachricht, daß die medizinische Fakulät in einem Schreiben an Dr. Schweninger einhellig erklärt hat, mit ihm nur dienstlich den gesetzlich vorgeschriebenen Verkehr unterhalten zu wollen. Die „Nordd. Allg. Ztg." fügt hinzu, das Vorgehen der Fakultät habe inzwischen die ersorderliche Remedur erhalten.
— Bonn, 22 Nov Gestern Nachmittag hatte Herr A. Nigge- meier aus Godesberg das seltene Jagdglück, bei Rolandseck einen mächtigen Adler zu schießen, dessen Fittiche die ungewöhnliche Spannweite von 6 Fuß sünf Zoll hatten.
— Kiel, 25. Nov Heute Abend trafen aus Berlin der frühere und der jetzige chinesische Gesandte hier ein, um demnächst die Besichtigung der chinesischen Corvetten fortzusetzen.
— Bremerhafen, 25. Nov (R. u. St-A.) In der heutigen Verhandlung des Seeamts über die Kollision des Dampfers „Hohen« (taufen" mit der Korvette „Sophie" stellte der Reichskommissar den Antrag auf Patent - Entziehung gegen den Kapitän des „Hohenstaufen", Winter. Das Urtheil wird am 9. Dezember, 12 Uhr Mittags, verkündet werden.
— Leipzig, 24. Nov. Der Professor der Chemie, Geheimer Hofrath Kolbe, ist gestorben.
— Die „Weserztg." schreibt: Drahtnachrichten aus Capstadt melden, daß einer der Herren von der Expedition Höpfner mit neuen Kauf- Contracten über Gebiete nördlich von Angra Piguena angekommen ist und sich am 26. November nach Bremen begeben wird.
— Wieu, 26. Nov. Heute hat vor dem Ausnahmegericht der Prozeß gegen die zwanzig Anarchisten begonnen, welche anarchistisch- revolutionäre Flugschriften mittels einer geheimen Druckpresse erzeugten und verbreiteten. Die Anklage stützt sich auf mehrfache Geständnisse der Angeklagten. Die Mittheilung der in der Anklage erwähnten Flugschriften erfolgte unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Für die Verhandlungen sind drei Tage in Aussicht genommen.
'— R o m, 25. Novbr. Die heutige amtliche Zeitung veröffentlicht die Dekrete, durch welche das Entlassungsgesuch des Justiz - Ministers Ferraciu genehmigt wird und der Senator Pessina zum Justiz Minister sowie General Durando zum Präsiventen des Senats ernannt worden.
— Paris, 26. Nov. In der Kammer erklärt Ferry bei der Berathung der Tonkmgvorlage, er wolle keineswegs jede Verantwortlichkeit des gegenwärtigen Ministeriums für die augenblickliche Lage in Tonking zurückweisen, er wolle indessen den dem Ministerium zukommen- den Theil der Verantwortlichkeit begrenzen und Jedem geben, was ihm zukomme. Das Verhalten des gegenwärtigen MinisterimS sei durch den Zweck der Boten der Kammer vorgeschrieben; das Ministerium fohle einzig der Anregung der Kammer; er müsse entschieden gegen den Borwurf, das Land getäuscht zu haben, protestiren Alles vollzog sich bei hellem Tageslichte. (Widerspruch.) Der Minister gibt zu, daß man von den Ereignissen fortgezogen worden sei. Das konnte aber nicht anders sein bei Ereignissen, die sich in fernen Colonien zugetragen, wo stets sehr viel Unvorhergesehenes eintreten könne. Die Wahrheit über unsere Situation in Tonking ist, daß unsere Truppen keineswegs wie Gefangene im Delta eingeschlossen sind, sondern täglich siegreich Vordringen. Die militärische Lage in Tonking ist vortrefflich, die Hilfsquellen dieses Landes werden sich bei guter Verwaltung weiter entwickeln. Zuvor muß aber Tonking pacificirt und der Conflikt mit China durch einen Vertrag oder einen modus vivendi beigelegt werden. Die Sitzung wird hierauf suspendirt. (Fr. R)
- London, 26. Novbr. „Daily News" bezeichnen die gestrige Mittheilung der „Times", daß die Regierung Vorschläge betreffs des Arrangements der egyptischen Finanzschwierigkeiten den Mächten bereits zusandte, als unrichtig. Die Unterdreitung werde erst nach der nächsten Cabinetssitzung erfolgen.
— St. Petersburg, 25. Novbr. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute nach St. Petersburg übergesiedelt.
— Riga, 25. Nov. In Gemäßheit eines zwischen einem Rigaer Rheder einerseits und den Riga-Mitauer und Libau-Romnyer Eisenbahn- verwaltungen andererseits getroffenen Uebereinkommens wird vom 13. Dezember (1. Dezember a. St.) ab während der Wintermonate ein direkter überseeischer Verkehr von London, Hull, Rewcastle, Antwerpen. Havre, Bordeaux, Lübeck und Kopenhagen via Libau nach Riga und umgekehrt zu ermäßigtem Tarif eröffnet werden.