Einzelbild herunterladen
 

entrichten sind, im Voraus und zwar für die Gemeinde Krankenversicherung wöchentlich, für die resp. Ortskrankenkassen zu den durch die resp. Kassenstatute sestgesetzten Zahlungsterminen einzuzahlen.

Die Beiträge sind so lange fortzuzahlen bis die vorschriftsmäßige Abmeldung (§. 2) erfolgt ist und für den betreffenden Zeitteil zurückzu- erstatten, wenn die abgemeldete Person innerhalb der Zahlungsperiode aus der seitherigen Versicherung ausscheidet.

§. 6. Die Arbeitgeber haben ein Drittel der Beiträge, welche auf die von ihnen beschäftigten nach §. 1 dieses Statuts verficherungs- pflichtigen Personen entfallen, aus eigenen Mitteln zu leisten.

§. 7. Die Arbeitgeber sind berechtigt, den von ihnen beschäftigten Personen die Beiträge, welche sie für dieselben einzahlen, soweit sie solche nicht nach §. 6 dieses Statuts aus eigenen Mitteln zu leisten haben, bei jeder regelmäßigen Lohnzahlung in Abzug zu bringen, soweit sie auf diese Lohnzahlungsperiode anteilsweise entfallen.

§. 8. Dieses Ortsstatut tritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft.

Hanau, am 29. April 1884.

Der Oberbürgermeister Rauch.

Vorstehenden Statuten ertheilen wir hiermit in Gemäßheit des § 2 des Gesetzes vom 15. Juni 1883, betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter, unsere Genehmigung.

Kassel, den 6. August 1884.

(L. S.)

Königliche Regierung, Abteilung des Innern.

A II. 11893. In Vertretung: Althaus.

Tagesschau.

Berlin, 21. Novbr. Se. Majestät unser Kaiser und König empfingen Nachmittags im Beisein des Grafen Hatzfeldt den braun- schweigischen Ministerresidenten Liebe zur Ueberreichung seines neuen Be. glaubigungsschreibens Der Kronprinz und die Kronprinzessin empfin­gen gestern Abend Stanley in längerer Audienz.

Berlin, 21. Rovbr. Ein Galadiner zu Ehren der Konferenz bei Sr. Maj. dem Kaiser findet morgen statt

Berlin, 21. Rovbr. Die Commission der Conferenz beendete heute die Anhörung der Sachverständigen, namentlich Stanley's über das Congobecken. Die Commission wird nunmehr darüber sich verständigen, ob sie noch weitere Sachverständige hören oder auf Grund der bisheri­gen Vernehmungen Beschlüsse fassen will. Die nächste Sitzung der Com­mission findet morgen statt.

Berlin, 20. Nov. Die Stadtverordneten bewilligten heute den vom Magistrat für vorläufige Anstalten zur Verhütung der Cholera geforderten Credit von 150 000 M. unter gleichzeitiger Annahme eines Antrags Langerhans, wonach über die Frage der Einrichtung der An- stalten auch noch die Deputation für öffentliche Gesundheitspflege gehört werden soll.

DerR. u. St.-A." veröffentlicht: Verordnung zur Ausfüh­rung des § 25 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883. Vom 3 November 1883

Von den deutschen Colonial - Gebieten hält Stanlay für das werthvollste Kamerun, jedoch sei es sehr wünschenswerth, wenn dasselbe durch die spanische Insel Fernando Po vervollständigt würde. DaS ungesunde Klima an den Küsten könne dadurch bekämpft werden, daß man Gebirgsbahnen, ähnlich den Rigibahnen, erbaue. Auf diese Weise könnten die Weißen ihre Wohnsitze in den gesunden Gebirgsgegenden errichten und doch ihre Factoreien und Pflanzungen an der Küste leicht überwachen.

Bremen, 20. Nov., Nachm. Die Rettungsstation der Deut­schen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphirt: Am 19. No- vember von dem russischen SchoonerAnna Victoria", Kapitän Weide, gestrandet bei Arcona, mit Schwefelkies von Dortrecht nach Wolgaft be­stimmt, 8 Personen gerettet durch das RettungsbottH. H. Meier." Harte Brise aus Nordnordost, starke Brandung. Unter den Geretteten befindet sich eine Frau.

Bremen, 21. Nov. (Fr. N.) Die hiesige Vereinsbank hat gestern Abend ihre Insolvenz angezeigt. Wie dieWeser-Ztg." meldet, ist der frühere Direktor Schwöbmann und der jetzige Direktor Flügger, verhaftet worden.

Hamburg, 20. Nov. Etwa 50 Arbeiter, größtentheils Oesterreicher und Belgier, welche gelegentlich der Reichstagswahl für die Arbeiter-Kandidaten Stimmzettel vertheilt hatten, ohne Reichsange- hörige zu sein, wurden polizeilich aus Hamburg verwiesen und verließen heute das Staatsgebiet.

Weimar, 20. Nov. Der Winter ist in Thüringen frühzeitig mit Strenge aufgetreten. Nachdem in den letzten Tagen reichlicher Schnee gefallen war, zeigte das Thermometer am 20. früh 8° R.

Stuttgart, 20. Nov. DerStaatsanz. f. W." schreibt: Bei der Entgleisung des Schnellzugs 38 in Bietigheim am 20. Rovbr. ist der württ. Bahnpostwagen zum direkten Fahrpostkurs von Stuttgart

nach Frankfurt umgestürzt und eine kurze Strecke geschleift worden. Das Postpersonal ist unverletzt. Infolge des im Wagen sofort entstandenen Brandes ist ein großer Theil der Ladung zu Grunde gegangen. Die näheren Ermittelungen sind im Gange.

Wien, 21. Novbr. DieWiener Abendpost" schreibt anläß­lich der Thronrede des Deutschen Kaisers:Sicherlich wird diese hoch- bedeutsame Kundgebung hier und überall das freudigste Echo finden und Alle mit lebhafter Genugthuung und Befriedigung erfüllen, welche mit uns im Zusammenstehen der Kaisermächte das unvergängliche Unterpfand der zum Wohle der Völker vereinbarten und festzuhaltenden Friedens- Politik erblicken."

Madrid, 20. Rovbr. Aus Toledo werden von gestern zwei Cholera-Todesfälle gemeldet; in Bienopa (Provinz Valencia) kam gestern ein Cholera-Todesfall vor.

Paris, 21. Rovbr. Von Mitternacht den 19. November bis 20. November um Mitternacht sind 31 Cholerafälle, davon 11 in der Stadt und 20 in den Hospitälern vorgekommen. Hcute sind bis Mittag 10 Personen an der Cholera gestorben.

St. Petersburg, 20. Novbr. Der Eisgang aus dem Lado­gasee hat begonnen. Hier sind heute 5 Grad Kälte und vollständige Schlittenbahn.

Shanghai, 21. Nov. Zwei chinesische gepanzerte Kreuzer- schiffe sind hier eingetroffen; es geht das Gerücht, daß dieselben versuchen werden, die Blockade der Insel Formosa zu brechen.

Reichsgerichts-Entscheiduugeu.

Die Bestimmung des § 804 der Civilprozeßordnung, daß ge­gen den Beschluß, durch welchen ein Arrest angeordnet wird, Wider­spruch stattfindet, betrifft nach einem Urtheil des Reichsgericht, II. Civil- senats, vom 17 Oktober d. I., lediglich den Schuldner.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Hanau, den 22 November 1884.

Verein Kinderhort. (Hanauer Fechtschule.)

Unter diesem Namen hat sich kürzlich hier ein Verein gebildet, der den Zweck verfolgt: arme, kränkliche und schwächliche Kinder Hanaus nach Kräften zu unterstützen, insbesondere durch Unterbringung in Kin- derheiistätten und Ferienkolonien, durch. Beschaffung besserer Ernährung und Kleidung und durch zweckmäßige Beschäftigung und Beaufsichtigung (Knaben- und Mädchenhorte.)

Zunächst jedoch gedenkt der Verein einenKnabenhort" ins Leben treten zu lassen, welcher die Aufgabe hat, denjenigen armen Knaben jeder Confession, deren Eltern außer dem Hause ihrer Arbeit in der Fabrik oder ihrem sonstigen Erwerb nachgehen müssen, nach beendigter Schulzeit von 47 Uhr Abends eine Stätte zu bieten, in welcher diesel­ben unter Leitung und Aufsicht eines Lehrers durch geeignete Beschäfti­gung in geschlossenem Raum oder im Freien, durch Spiele und Schul- arbeit zu Fleiß, Ordnung, Gehorsam und guten Sitten angehalten und den Gefahren des Straßenlebens, des Herumstrolchens, der Verrohung rc. entzogen werden sollen.

Gerade solche Schulkinder, deren Eltern von Hause abwesend sein müssen, wissen nach beendigter Schulzeit leider allzu häufig wirklich nicht was sie nun anfangen sollen. Zu Hause erwartet sie eine von den El­tern versperrte oder eine ungeheizte und Abends nicht erleuchtete Woh- nung. Sie bleiben dann wieder auf der Straße, sich ganz und gar selbst überlassen, gerathen in schlechte Gesellschaft und begehen nur zu oft die größten Rohheiten und betreten damit den Weg zu ihrem sittlichen Verderben.

Es ergibt sich daraus, daß in srüher Jugend und insbesondere im schulpflichtigen Alter der Verwahrlosung vornehmlich der Knaben mit allen Kräften entgegen gearbeitet werden muß, um die unbeaufsichtigten Kinder armer Eltern der Vagabunden- und Verbrecherlaufbahn, welcher so manche durch die Verhältnisse veranlaßt zusteuern, zu entreißen.

Diese Aufgabe stellt sich unserKn obenh o rt."

Eine große Anzahl unserer Mitbürger ist bereits durch Lösung ei­ner Mitgliedskarte ä 3 Mark dem Verein beigetreten und wir zweifeln nicht, daß alle wohldenkenden und humangesinnten Männer und Frauen unserer Stadt sich gedrungen fühlen werden diesem Beispiel zu folgen und so an ihrem Theile mitzuhelfen an der Erreichung des oben be­sprochenen Ziels an der Beseitigung eines gemeingefährlichen sozialen Uebels.

Es gibt ja erfreulicherweise so viele, welche nicht versäumen ihr Interesse und ihre Fürsorge für arme Kinder durch ein Geschenk zu Weihnachten zu bethätigen ein besser angebrachtes Weih­nachtsgeschenk, als diese Liebesgabe von 3 Mark Mit­gliedsbeitrag wird es kaum gebeneS wird dieses Ge-. schenk nicht nur den Kindern, sondern auch in seinen Folgen wieder der Allgemeinheit zum Segen gereichen

Zu Beitrittserklärungen wird im Laufe der nächsten Woche durch den Vorstand noch besondere Gelegenheit gegeben werden.