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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,

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Rr. 272.

Donnerstag den 20. November

1884.

Amtliches.

Diejenigen Herrn Apothekenbesitzer, welche die Lieferung von Me­dikamenten für die in den Landgemeinden des Kreises Hanau und in der Stadt Windecken wohnhaften Mitglieder der gemeinsamen Orts- krankenkasse übernehmen wollen, werden ersucht, ihre Offerten unter näherer Angabe der Bedingungen bis zum 26. d. Mts. einzureichen. Hanau am 20. November 1884.

V. 11436 Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.

Gefunden: Ein fast neuer Knabenhut. Eine Feuerwehr-Laterne. Ein gelber Damenhandschuh. In einem Laden liegen geblieben: ein Päckchen gestreiftes Bettzeug.

Verloren: Ein Sparkassenbuch (aus der Levi'schen Sparkasse). Ein seines weißes Taschentuch mit M. D. gez; dem Wiederbringer 1 M. Belohnung

Hanau am 20. November 1884.

___________________ Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesschau.

Berlin, 19 Novbr. Se. Majestät der König haben Aller- gnädigst geruht den Geheimen Ober-Regierungsrath a. D., Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften, Dr. Max Duncker in Berlin, zum Historiographen der Brandenburgischen Geschichte zu ernennen.

Berlin, 18. Nov. Aus den Verhandlungen im Staats­rath über den Entwurf des Postsparkassengesetzes wird derKöln. Ztg." mitgetheilt: Es wurde allseitig anerkannt, daß der eigentliche Werth der Postsparkassen in der dadurch zu erzielenden großartigen Vermeh­rung der Spargelgenheit erzielt werde; ein Fortschritt, der die vielfach dagegen geltend gemachten Nachtheile, insbesondere die befürchtete Schä­digung der Gemeindesparkassen, weit in den Hintergrund dränge. Man hat großes Gewicht darauf gelegt, in dem Gesetzentwurf Alles zu vermeiden, was die Concurrenz der Gemeindesparkassen erschweren könnte. Insbeson­dere hat man daran festgehalten, daß auf dasselbe Sparkassenbuch an einkm Tage höchstens einhundert Mark eingezahlt und daß Beträge, durch deren Einzahlung das Sparguthaben die Höhe von eintausend Mark überschreiten würde, nicht angenommen werden dürfen. Auch die Verzinsung von 3 Precent ist festgehalten worden, so daß in diesen drei wesentlichen Punkten die Gemeindekassen einen unbedingten und nicht zu unterschätzenden Vorsprung haben. Eine interessante Besprech­ung hat sich inbesondere an die Bestimmung des Entwurfs geknüpft, wonach Sparguthaben bis zur Höhe von 100 Mark richt gepfändet werden dürfen; Düse Bestimmung wurde mehrfach bekämpft, zunächst deßhalb, weil sie nicht in dieses Spezialgesetz, sondern in das neue deut­sche Civilgesetzbuch gehöre, dann deßhalb, weil sie eine große Schädi­gung der anderen Sparanstalten bedinge, endlich deßhalb, weil sie in der praktischen Anwendung schwerlich von großer Bedeutung sein werde, weil die Pfändung des Sparguthabens von der vorherigen Pfändung des Sparkassenbuches abhängig sei, letzteres zu verstecken aber dem Schuldner sehr leicht fallen dürfte. Die Mehrheit des Staatsraths hat indeß diese Gründe nicht für stichhaltig gehalten, vielmehr die Bestim­mung beibehalten, indem sie es für wünschenswerth hielt, daß einem armen Schuldner, wie das Handwerkszeug, die Nähmaschine, die noth­wendigen jKleider und Betten, so auch ein geringfügiger, von ihm mühsam erworbener Sparpsinnig vor jeder Pfändung geschützt bleiben müsse.

Berlin, 19. Nov. Wie dieNordd. Allg. Ztg." meldet, ist der Botschaftsrath Bagdadlian nachträglich als technischer Delegirter der Türkei für die Kongokonferenz ernannt worden.

Görlitz, 18. Nov. In Halbau ermordete in der vergangenen Nacht der Lohgerbersohn Moser seine Mutter, seine zwei Schwestern und sich.

Dresden, 18. Nov. Prinz Wilhelm von Preußen traf heute Abend mit dem preußischen Gesandten, welcher dem Prinzen bis Röderau entgegengesahren war, hier ein und wurde am Bahnhof vorn Könige herzlich begrüßt. Vom Bahnhof aus fuhr der König mit bim Prinzen nach der königlichen Villa in Strehlen.

M ü n chen, 19. Nov. Ihre Kaiserliche und Königliche Hoh it die Kronprinzessin Victoria ist heute früh 6 Uhr 50 Min. nach Berlin abgereift.

Nürnberg, 19. Nov. Der Ober-Baurath und Direktor der Kunstschule, Knauth, ist gestorben.

Paris, 18 Nov., Nachm. (R. u. St-A.) Die Kommi sion für die Zolltarife nahm heute mit 6 gegen 5 Stimmen im Prinzip die Erhöhung der Zölle auf Getreide und Mehl an und beschloß, unverzüg­lich mit dem Ministerium über die Größe der Erhöhung in Berathung zu treten.

Paris, 18. Nov. (Köl. Ztg.) Von Mitternacht bis heute Abend 6 Uhr starken hier 30 Personen an der Cholera. Aus Oran werden 4 Choleratodesfälle gemeldet. In Nantes ist kein neuer Chole- ratrdesfall zu verzeichnen,

London, 18. Nov. An Stelle des verstorbenen Fawcett ist Shaw Lefevre zum Generalpostmeister ernannt worden. Sir Thomas Brassey wurde zum Sekretär der Admiralität ernannt an Stelle Campbel- Bannermanns, welcher zum Staatssekretär für Irland ernannt ist. Die heutige Versammlung der konservativen Partei beschloß, die Vor­schläge der Regierung in der Wahlreformfrage anzunehmen und in die zweite und dritte Lesung der Reformvorlage unter der Bedingung einzu- treten, daß die Regierung sofort eine für beide Theile befriedigende Vor­lage für die Neueintheilung der Wahlbezirke eiubnnge. Das Ober­haus nahm heute nach halbstündiger Debatte die Wahlreformbill in zwei­ter Lesung ohne besondere Abstimmung an. Im Laufe der Debatte er­klärte der Marquis von Salisbury: er könne dem Vorschläge der Re­gierung in der Wahlreformvorlage erst definitiv zustimmen, wenn ein Meinungsaustausch über die Bill, betreffend die Neueintheilung der Wahlbezirke, stattgehabt habe. Er werde daher am Donnerstag bean­tragen, die Spezialberathung der Reformbill auf 14 Tage zu vertagen.

London, 19. Nov. (Köl. Ztg.) Die gestrigen Vorgänge sind als ein Sieg der To ypartei zu batrachten. Die gemeinsame Wahl­kreisvorlage wird ungefähr um die Mitte der nächsten Woche fertig; sie wird das Haus behufs zweiter Lesung bis in die zweite Woche De­zembers beschäftigen, worauf eine Vertagung der Session bis Februar, nicht der Schluß erfolgt. Der Standard sagt, die R gierung ha«e zu­erst alle Hebel der Agitation in Bewegung gesetzt, um schließlich ein Verfahren einzuschlagen, welches die Opposition von vornherein befrie­digt hätte. Daily News meint, viele Liberale würden die gestrigen Verhandlungen des Oberhauses mit gemischten Gefühlen lesen. Die Absicht der Regierung war allerdings, das Schicksal der Wahlrechts- vorlage nicht in das der Wahlkreisvorlage zu verwickeln; diese Verwick­lung ist dennoch erfolgt. Salisbury wiederholte gestern ein Dutzendmal, daß, wenn die Wahlkreisvorlage nicht befriedige, die Verwerfung der Wahlrechtsvorlage frei stände; aber gerade diese Freiheit wollten die Radicalen bisher nicht zugestehen. Daily News verdammt die geheimen Unterhandlungen zweier Parteiführer, welche die freie Action des Unter­hauses beschränkten. Die Times wünscht den Lord Salisbury Glück zu seinem meisterhaften Rückzüge, Herrn Gladstone zu seiner Mäßigkeit und England zum Reformgesetz, da der Ferienfeldzug alle Parteien dafür gewonnen habe.

AE» Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. -°^W

Airs Stadt, Provinz und Umgegend.

Hanau, den 20 November 1884

(Grimm-Denkmal.) Dem Programm der nächsten Mon­tag Abend 7 Uhr im Saale dergroßen Krone" zum Besten des hiesigen Grimm Denkmals stattfindenden Abendunterhaltung, welche von früheren und jetzigen Schülerinnen der höheren Töchterschule au-geführt wird, sind u a. zwei recht anmulhende Nummern einverleibt: R oth pp ch en", ein Cyklus von neun durch Deklamation verbau- denen Gesängen, nach dem Grimm'schen Märchen gedichtet von Herm. Frarcke und für Soli und Chöre mit Begleitung des Pianosorte in Musik gesetzt von Franz Abt, sowieDer Zauberspiegel", Lust­spiel in zwei Akten von Elisabeth Melbranc; so daß dem Besucher, ab­gesehen von der Unterstützung eines wahrhaft patriotischen Werkes, gewiß einige genußreiche Stunden in Aussicht stehen.

(Fr a u en ver e in.) Der Vorstand des Vaterländischen Frauen- vereins basier hat in Folge des gestern veröffentlichen Aufrufs zur Un- telstützung der Familie des verunglückten Handelsmannes Salomon Goldschmidt alsbald den Betrag von Mk 50 nach Langenselbold ge­schickt. Derselbe hat sich ferner vor einigen Tagen mit den bete. Ver­waltungsbehörden in Verbindung gesetzt, um über die Bedürftigkeit der von den Opfern des Eisenbahn Unglücks hinterlassenen Angehörigen zu­verlässige Auskunft zu erhalten, und wird, sobald sich die Sache einiger«