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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,

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Nr. 271.

Mittwoch den 19. November

1884.

Amtliches.

In der Provinz Hessen-Nassau ist als weiterer Sachverständiger behufs Untersuchung und Feststellung von Reblaus.Infektionen der Apotheker Halberstadt zu Wiesbaden von dem Herrn Minister für Landwirthschaft, Domainen und Forsten ernannt worden.

Kassel, den 24. Oktober 1884.

Der Ober-Präsident Graf zu Eulenburg.

t Die Cholera i« Paris.

Zum vierten Male seit ihrem ersten Aufkommen hat die Cholera ihren Einzug in die größte und bevölkertste Stadt des europäischen Fest­landes gehalten (1832, 1849, 1873). Dank der vorschreitenden allge­meinen Bildung, der zunehmenden Einsicht in das Wesen dieser Seuche und der seit vier Monaten getroffenen Einrichtungen ist die Kunde von diesem Ereigniß in Paris, wie in der übrigen Welt ungleich ruhiger und besonnener ausgenommen worden, wie vor zwei und fünfzig Jahren, wo die erste Erkrankung (auf einem CarnevalSball deS 29. März deS Frühjahrs 1832 sank ein msskirter Tänzer plötzlich in Krämpfen um) panischen Schrecken, das tolle Gerücht von Brunnenvergiftungen und thörichtes Mißtrauen gegen den guten Willen und die Leistungsfähigkeit der Aerzte und Behörden zur Folge hatte. Die Pariser haben die Sache dieses Mal mit gebührendem Ernst ausgenommen, denn sie wissen, daß die indirekten Folgen derselben (Abnahme des Fremdenverkehrs und der Anschaffung von Luxusgegenständen, zeitweilige Verkehrsstockung, Er- schwerung der Ausfuhr u. s. w.) den ohnehin arbeitslosen ärmeren Klassen ihrer Hauptstadt neue schwere Opfer auferlegen und das Er- Werhsleben vielfach schädigen werden. Ihr gewöhntes Gesicht hat die französische Hauptstadt indessen unverändert behalten und der Pulsschlag des großstädtischen Lebens keine Veränderung erfahren. Regierung und Presse predigen Besonnenheit und Vertrauen und finden damit erfreu­licher Weise Anklang, die StaatSmaschine und die parlamentarischen Körperschaften arbeiten ruhig und ununterbrochen weiter, die Polizei thut nach Möglichkeit ihre Pflicht und die getroffenen Anstalten haben sich im Wesentlichen bewährt. Mit Rücksicht darauf, daß die Zahl der Erkran­kungen eine mäßige, die Zahl der Todesfälle eine nicht all' zu große ist, und daß der Einbruch der Kälte der Ausbreitung der Seuche erfahrungs. mäßig Schranken anlegt, hofft man, daß daS Uebel die bedrohlichen Verhältnisse früherer Jahre nicht annehmen und den Winter nicht über, dauern werde. An dieser Hoffnung habe« Wünsche, an der öffentlichen Verlautbarung derselben Rücksichten auf die öffentliche Stimmung natür­lich großen Antheil. Immerhin steht fest, daß die Verhältnisse, unter denen die Epidemie dieses Mal an der Seine aufgetreten ist, günstiger als diejenigen früherer Jahre sind, und daß man sich das gefährlichste der mit derselben verbundenen Uebel, den blinden, thörichten Schrecken, glücklich vom Leibe zu halten gewußt hat.

Daß die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Ausbreitung der im südlichen Europa bereits erlöschenden Cholera seit dem Auftreten der Krankheit in dem mit der ganzen Welt verbundenen PariS zugenommen hat, läßt sich nicht leugnen. Grade darum wird es von Wichtigkeit sein, mit allem Nachdruck hervorzuheben, daß die diesmalige Epidemie zu Folge der Verbesserung der öffentlichen Einrichtungen und der größeren Einsicht und Besonnenheit der Pariser Bevölkerung von den Schrecken früherer Jahre nicht begleitet gewesen ist, und daß die Umstände bis jetzt einen normalen Verlauf absehen lassen. Es ist das einer der eben nicht all' zu zahlreichen Fälle, in denen die im Laufe der letzten Jahrzehnte gemachten Bildungsfort- schrrtte sich als Fortschritte der öffentlichen Sittlichkeit und Vernunft bewähren.

Tagesschau.

Berlin, 17. Novbr. Wie man derKöln. Ztg." mittheilt, hat Stanley seine anfängliche Zurückhaltung aufgegeben und wird hier einen Vortrag über Afrika und die afrikanische Colonisation halten, nach­dem er sich überzeugt hat, daß dies in einflußreichen Kreisen keinerlei Bedenken begegnen werde.

Berlin, 18. Nov. Das Hauptsteuer-Amt für ausländische Gegenstände theilte dem Nettesten Collegium der Berliner Kaufmann­schaft mit, daß die Provinzial-Steuerdirectoren ermächtigt sind, etwaigen

Gesuchen auf Gestaltung von Privat - Niederlagen unter steueramtlichem Mitverschluß zur Lagerung inländischen Zuckers mit Anspruch auf Abgabenvergütung zu entsprechen, wenn auch jetzt nur mit der Maßgabe, daß bei der Zurücknahme des Zuckers vom Lager im freien Verkehr des Zollgebiets der tarifmäßige Eingangszoll zu entrichten ist (F. N.)

Berlin, 19. Novbr. Die heutige Sitzung der westasrikani- schen Conferenz fällt aus, da das für die Sitzung erforderliche Material noch weiterer Vorbereitung bedarf.

Nachdem nun sämmtliche Stichwahlresultate vorliegen, gestaltet sich die Zusammensetzung des neuen Reichstags folgendermaßen (die eingeklammerten Zahlen geben die Stärke der Parteien im vorigen Reichstage an): Centrum mit Welsen 110 (109), Conservative 76(53), Reichspartei 31 (25), Nationalliberale 50 (45), Freisinnige 69 (107), Demokraten 8 (10), Polen 16 (18), Sozialisten 24 (13), Dänen 1 (2), Elsässer 15 (15). Drei Abgeordnete sind oben der Reichspartei beige­rechnet, welche möglicherweise sich den Nationalliberalen anschließen. In letzterem Falle würden sich die betreffenden Ziffern dementsprechend ändern. Sehr gering wird diesmal die Zahl der Nachwahlen sein, da nur folgende Abgeordnete doppelt gewählt sind: Braun (in Sagan und Döbeln), Rickert (Danzig und Brandenburg), Hasenclever (Berlin und Breslau), Blos (Greiz und Braunschweig), endlich E. Richter (Berlin und Hagen), also 2 Sozialisten und 3 Deutschsreisinnige. Die Nach­wahlen finden, wie es heißt, statt in Berlin (2), Braunschweig, Danzig und Sagan.

Der Pirnaische Anzeiger bringt folgende Mittherlung:Bei Gelegenheit der Audienz, welche der zum deutschen Generalstab commandirte Herr Hauptmann v. Carlowitz aus Ottendorf bei Pirna bei dem Kaiser hatte, erkundigte sich der greise Monarch u. A. auch nach der Gesinnung in unserer Gegend und dem AuSsalle der Wahl, worauf der genannte Offizier mit einem Hinweise auf daS Anwachsen der socialistischen Stimmen antwortete. Niedergeschlagen erwiederte sodann der Kaiser, daß es sein ganzes Streben und Wünschen bilde, es von oben bis unten jedem Staatsbürger angenehm zu machen, und es daher um so mehr bedauern müsse, daß diese Mühe alle vergebens erscheine und es noch immer so viele gäbe, welche den Worten der staatsfeind­lichen Agitatoren Gehör und Glauben schenkten.

Kiel, 17. Novbr. Sendungen für die Brigg Rover sind bis auf weiteres nach Plymouth zu richten. Der Schleppdampfer RotuS hat das Feuerschiff Adlergrund auf seine Station gebracht und kehrt hierher zurück.

Lübeck, 17. Nov. Die Hanseatische DampfschiffahrtS - Gesell­schaft meldet: Das Zeitungsgerücht: unser am 3. d. M. von hier nach Reval abgegangener DampferSirius" habe Passagiere und feuerge­fährliche Ladung an Bord, ist unrichtig. Die Identität desSirius" mit dem von dem DampferAnna" (Kapitän Peterson) in der Nacht vom 5. zum 6 November in der Nähe von Oestergarnholm passirten brennenden Schiff ist wahrscheinlich, doch fehlen positive Nachrichten gänzlich.

München, 17. Nov. Die Oberbairische Handelskammer be­schloß einstimmig, eine Petition an den Reichstag um Ernennung eines Reichskommissars und Bewilligung eines ReichszuschusseS für die nächst­jährige Weltausstellung in Antwerpen, ferner eine Petition an die bai- rische Regierung um Bewilligung eines Landeszuschusses zu richten.

Stuttgart, 18. Novbr. Der König und die Königin sind mit dem Hofstaat mittels Sonderzuges zum Winteraufenthalt nach Nizza abgereist.

Pest, 18. Nov. Die österreichische Delegation votirte end- giltig das Finanzgesetz. Graf Kalnoky dankte der Delegation im Namen des Kaisers für ihr patriotisches Wirken und ihre Opferwilligkeit und im Namen des gemeinsamen Ministeriums für ihr Entgegenkommen und Vertrauen. Die Session wurde hierauf geschlossen.

Parrs, 17. N.vvc. Der Kammeraurschatz zur Prüfung des Wahlgesetzes für den Senat hat sich heute mit Einstimmigkeit für die Einheit des Ursprungs der Senatoren und mit fünf gegen vier Stimmen für das AuSsterbenlassen der auf Lebenslänglichkeit gewählten Senatoren erklärt.

Paris, 17. Nov. Von Mitternacht bis heute Abend 6 Uhr sind hier 20 Cholera - Todesfälle vorgekommen, davon 7 in der Stadt und 13 in den Hospitälern.