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ZNgleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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^r. 270.
Dienstag den 18. November
1884.
BekanntwKchNNgerr Königl. LaNdrathsSWis.
Gefunden: Ein leeres Portemonnaie. Ein weißer Fingerhut.
Eine Bratpfanne. Ein weißes Taschentuch. Ein Metzgerstahl.
Verloren: Eine blaue Unterjacke und desgl. Hose. Eine schwarze Briestasche mit Rechnungen und Quittungen.
Entlaufen: Eine weiße GanS.
Hanau am 18. November 1884.
____________________Aus Königl. Landrathsamt.__
Zeitungsstimmen.
— Den „Berliner Politischen Nachrichten" entnehmen wir Folgendes:
Die vom Pariser Ministerium prinzipiell genehmigte Erhöhung der französischen Getreidezölle preßt dem „Pester Lloyd" schwere Stoß, seufzer aus. Er nennt diese Nachricht „keine frohe Botschaft für die ungarischen Landwirthe". Bekanntlich w rd ungarisches Getreide massenhaft nach Frankreich exportirt. Wenn daher die Jeremiaden eines in den Manipulationen des internationalen Getreidehandels so bewanderten Blattes wie der „P. L." es ist, einen Sinn haben sollen, so kann es nur der sein, daß die ungarischen Getreide-Exporteure durch den französischen Zoll geschädigt werden, da derselbe ihnen zur Last fällt. Wo bleibt da die Theorie unserer deutschen Manchesterleute, daß der Konsument den Getreidezoll zu tragen habe?
— Das „P osener Tageblatt" kommt bei Betrachtungen über den Entwurf des Reichsctats pro 1885/86 zu folgendem Schluß:
Es sind nur wenige hunderttausend Mark, mit denen der Ausgabe-Etat des Reiches vom Auswärtigen Amte mehr belastet wird. Ihre Beanstandung aus bloßen SparsamkeitSrücksichten erschiene selbst dann als ein gewagtes Beginnen, wenn weit minder schwerwiegende Interessen auf dem Spiele ständen, als es in Wahrheit der Fall ist. Man kann grundsätzlicher Widersacher all und jeder Kolonialpolitik sein, man kann die koloniale Impotenz des Deutschen Reiches proklamiren . .... dann ist eS wenigstens begreiflich, wenn auch nicht entschuldbar, daß eine konsequete Opposition erklärt: diesem System keinen Pfennig! Aber wenn man einsieht, daß das deutsche Volk Besseres und Klügeres thun kann, als sich immer und ewig am heimischen Herde um an den Haaren herbeigezogener parlamentarischer Zänkereien Wille« zu streiten, indeß die Anderen flott auf dem Weltmarkt zugreifen und kolossale Ge- winne realisiren, so wird man nicht umhin können, der Reichsregierung für ihr an dem nächstjährigen Etat illustrirtes Vorgehen Dank zu zollen, ja sie zum weiteren Verfolgen der betretenen Bahn zu ermuthigen. Und dazu erscheint das Studium der einschlägigen AuSgabeposten wie geschaffen. Das sind Zahlen, deren Berechtigung Jedermann einleuchtet, wo es nicht erst der Finanzweisheit eines Eugen Richter bedarf, um einen mundgerechten Kommentar zu erhalten. Deutschland sendet alljährlich Tausende über Tausende seiner Söhne auS, deren Schaaren sich über das gesammte Erdenrund verbreitet. Für diese Pioniere unserer nationalen Kultur und Interessensphäre sind die Konsulate die naturgemäßen Etappen ihrer rückwärtigen Verbindungsstraße mit dem Heimath- lande. Markzeichen der Reichsgewalt, welche ihre schirmende Hand auch über die in der Ferne weilenden Reichsangehörigen ausstreckt und, indem sie ihnen ein dem Deutschen im Auslande bisher unbekannt gebliebenes Gefühl der Sicherheit verleiht, nach seinem Selbstvertrauen, seiner per- sönlichen Thatkraft nachhaltige Impulse vermittelt. Rationale Ehre wie nationaler Vortheil sprechen gleichmäßig eindringlich zu Gunsten einer Politik, für welche im nächstjährigen Etat die angemessenen Aufwendun- gen verzeichnet stehen.________________________________________________________
T a g e s s ch n n.
— Berlin, 17. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König sind mit dem Kronprinzen, dem Prinzen August von Württemberg, dem Erbgroßherzog und den Prinzen Ludwig und Wilhelm von Baden heute Abend um 61/* Uhr zur Jagd nach Letzlingen abgereist; ebendahin reisten die Minister von Puttkamer, Boetticher, Lucius und Bronsart von Schellendorf ab.
— Berlin, 16. Novbr. Die Eröffnung des Reichstags erfolgt am Donnerstag Nachmittag um l1 s Uhr im Weißen Saale des königlichen Schlosses. Derselben gehen wie gewöhnlich Gottesdienst im Dom und in der St. Hedwigskirche vorher.
— Berlin, 17. Novbr. Der Bundesrath lehnte in seiner heuti
gen Plenarsitzung den Reichstagsbeschluß wegen der Aufhebung des Ex- patriirungsgesetzes ab, nahm den Antrag Ackermann, die Ergänzung des Paragraphen lOOe der Gewerbeordnung betreffend, an, und genehmigte die Vorlage bezüglich der Dampfersubvention.
— Berlin, 17. November. In einem Spezialfall ist der Mi. nister des Innern der Ansicht beigetreten, daß diejenigen in einer Se« fangenenanstalt detinirten Sträflinge, welche, obgleich sie zu den Morgen- und Abendandachten zusammentreten, Tag und Nacht in ihrer Zelle ge« halten und in dieser beschäftigt werden, Einzelhaft im Sinne des §. 22 des Strafgesetzbuchs erleiden.
— Die „Köln. Ztg." schreibt: Dem Bundesraths ist soeben der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen des Reichsheeres, der Marine und der Reichseisenbahnen zugegangen. Der Gesetzentwurf bestimmt: „§ 1. Die Aufwendung eines Betrages bis zur Höhe von 10 055 134 Mk. für die in der Anlage aufgeführten Zwecke wird genehmigt. Soweit dieser Betrag nicht bereits verausgabt ist, kann er nachträglich verwendet werden. § 2. Der Reichskanzler wird ermächtigt: 1) die nach § 1 erforderlichen Geldmittel, 2) die außerordentlichen Geldmittel, welche in dem ReichShaus- Haltsetat für das Etatsjahr 1885/86 zur Bestreitung einmaliger Ausgaben : a. der Verwaltung des Reichsheeres im Betrage von 25 230 462 Mk, b. der Marineverwaltung im Betrage von 5 630 400 Mk, c. der Eisenbahnverwaltung im Betrage von 4 400 000 Mk, im ganzen bis zur Höhe von 35 269 862 Mk. vorgesehen sind, im Wege des Credits flüssig zu machen und zu diesem Zwecke in dem Nominalbeträge, wie er zur Beschaffung jener Beträge von insgesammt 45 324 996 Mk. erforderlich sein wird, eine verzinsliche, nach den Bestimmungen des Gesetzes vom 19. Juni 1868 zu verwaltende Anleihe aufzunehmen und Schatzanweisungen auszugeben.
— Bremerhafen, 16. Novbr. Der Schuner Minna, Capitän Nijahr, mit 800 Barrel Petroleum nach Stralsund bestimmt, ist gestern Abend auf der Reede in Brand gerathen. Die Mannschaft wurde gerettet, das Schiff brennt noch.
— Weimar, 17. Rov Der Landtag genehmigte heute eine allgemeine Herabsetzung der Einkommensteuer um 0,2 pCt. (F. R)
— Bozen, 17. Nov. Die deutsche Kronprinzessin hat heute Vormittag SOs Uhr mit den Prinzessinnen die Rückreise nach Berlin angetreten. Die letzteren reisen ohne Aufenthalt nach Berlin weiter, während die Kronprinzesfin einen eintägigen Aufenthalt in München nimmt.
— Paris, 16. Rov., 9 Uhr 25 Minuten. Der Berichterstatter der Tonking-Kommission hat gestern seinen Bericht derselben vor. gelegt. Derselbe konkiudirt auf die Gewährung der geforderten 16 Millionen auf das Budget 1884 und auf weitere Gewährung von 40 Millionen zur energischen Beendigung des Krieges. Der Bericht hebt hervor, daß die Situation der Franzosen in Tonking und ihre Stellung dort uneinnehmbar sei. Die Stärke der Chinesen sei bedeutend übertrieben. Ihre Bewaffnung wäre gut, aber sie verständen sich derselben nicht zu bedienen. Nichts sei in den offi- ziellen Berichten über die Verluste der Chinesen übertrieben. Sie hätten zehnmal mehr Menschen verloren, als Franzosen überhaupt ins Feld gestellt seien. Die Havas-Drpesche über die Einnahme von Tamsui hat der Marinemmister zuerst dementirt. Es scheint, daß Admiral Courbet vor Ankunft der noch nicht abgegangenen Verstärkungen einen Angriff auf das stark befestigte Tamsui nicht vornehmen kann. Ministerpräsident Ferry verspricht sich viel von der Wirkung der Tonking-Debatte auf das Tsungli-Damen, da dieselbe darthun wird, daß das Land kein Opfer scheuen will, um China zum Frieden zu zwingen. (D. M.-Bl.)
— Paris, 16. Nov. Der päpstliche Nuntius theilt der „Se. maine röligieuse" der Pariser Diöcese ein Schreiben mit, in welchem Papst Leo XIII. der katholischen Presse Frankreichs, dem „Univers", „Monde", „Frantzais" und der „Defense" Vorstellungen über ihre Zank, sucht macht und Major di Rende als den Vertreter des heiligen Stuhls auffordert, unter den Katholiken Frieden zu stiften und dauernde Ein. tracht zu gründen, damit sie alle ihre Kräfte dem Schutze der Religion und der Rettung der berohten Gesellschaft widmen können. Das päpstliche Schreiben betont, daß die Leitung der Kirche von dem Vatikan und von dem unter ihm stehenden Klerus geführt werden müsse und daß die Laien, denen die katholischen Blätter mit gutem Beispiel vorangehen