RIsmremrWE $reiS:
SLHrlich 9 ®«A. ♦nlbj.4flR.60Wg.
Vierteljährlich S Wort 25 Sf». Kür auswärtige
Kbonnraten mit dem betreffen« Wen Posiausichiaq. Die einzelne «um« »er 1“ $fg.
hanauer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,
^1 tam «aest
» Wa.
«- »»alt. 8««c
»»»»-lttg-s««» m Wa-
Nr. 264.
Dienstag den 11. November
1884.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Seine Majestät unser Kaiser und König haben in der Allerhöchsten Botschaft vom 17. November 1881 unter Anderem Sich folgendermaßen ausgesprochen:
„Schon im Februar dieses Jahres haben Wir Unsere Ueberzeugung aussprechen lassen, daß die Heilung der sozialen Schäden nicht ausschließlich im Wege der Repression sozial-demokratischer Ausschreitungen, sondern gleichmäßig auf dem der positiven Förderung des Wohles der Arbeiter zu suchen sein werde. Wir halten eS für Unsere Kaiserliche Pflicht, dem Reichstage diese Aufgabe von Neuem ans Herz zu legen, und würden Wir mit um so größerer Besriedigung aus alle Erfolge, mit denen Gott Unsere Regierung sichtlich gesegnet hat, zurückblicken, wenn es Uns gelänge, dereinst das Bewußtsein mit zu nehmen, dem Vaterlande neue und dauernde Bürgschaften seines inneren Friedens und den Hülfsbedürftgen größere Sicherheit und Ergiebigkeit des Beistandes, auf den sie Anspruch haben, zu hinterlassen. In Unseren darauf gerichteten Bestrebungen sind Wir der Zustimmung aller verbündeten Regierungen gewiß und vertrauen auf die Unterstützung des Reichstags ohne Unterschied der Parteistellungen.
In diesem Sinne wird zunächst der von den verbündeten Regierungen in der vorigen Session vorgelegte Entwurf eines Gesetzes über die Versicherung der Arbeiter gegen Betriebsunfälle mit Rücksicht auf die im Reichstag stattgehabten Verhandlungen über denselben einer Umarbeitung unterzogen, um die erneute Berathung desselben vorzubereiten. Ergänzend wird ihm eine Vorlage zur Seite treten, welche sich eine gleichmäßige Organisation des gewerblichen Krankenkassenwesens zur Aufgabe stellt. Aber auch diejenigen, welche durch Alter oder Invalidität erwerbsunfähig werden, haben der Gesammtheit gegenüber einen begründeten Anspruch auf ein höheres Maß staatlicher Fürsorge, als ihnen bisher hat zu Theil werden können.
Für diese Fürsorge die rechten Mittel und Wege zu finden, ist eine schwierige, aber auch eine der höchsten Aufgaben jedes Gemeinwesens, welches auf den sittlichen Fundamenten des christ- lichen Volkslebens steht. Der engere Anschluß an die realen Kräfte dieses Volkslebens und das Zusammenfassen der letzteren in der Form korporativer Genossenschaften unter staatlichem Schutz und staatlicher Förderung werden, wie Wir hoffen, die Lösung auch von Aufgaben möglich machen, denen die Staatsgewalt allein in gleichem Umfange nicht gewachsen sein würde. Immerhin aber wird auch auf diesem Wege das Ziel nicht ohne die Aufwendung erheblicher Mittel zu erreichen fein."
Ich kann es mir nicht versagen, diese auf höchster landesväterlicher Fürsorge beruhende Kundgebung Angesichts des mit deren Zugrundelegung für den Kreis Hanau erzielten Resultates bei der nunmehr be- endeten Reichstagswahl hiermit ausdrücklich zur allgemeinen Erinnerung zu bringen und dabei die Hoffnung auszusprechen, daß es immer mehr gelingen wird, auf dieser Grundlage im Kreise Hanau die Kräfte und zwar auch der jetzt noch widerstrebenden Elemente für das öffentliche Wohl zu vereinigen.
Hanau am 11. November 1884.
Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.
In Ausführung des auf Grund des Gesetzes vom 15 Juni 1883 für die Landgemeinden des Kreises Hanau und die Stadt Windecken errichteten Statuts über die Krankenversicherung der Arbeiter ist u. A. die Bestellung von Kassenärzten erforderlich.
Bewerber wollen ihre bezüglichen Offerten unter genauer Angabe der Bedingungen, unter welchen sie die Behandlung der Kassenmitglieder zu übernehmen bereit sind, bis spätestens zum 12. d. Mts. bei dem Unterzeichneten einreichen.
Hanau am 4. November 1884.
V. 10801 Der Königliche Landrath Freiherr v. Broich.
Verloren: Ein silbernes Armband. Ein Zwicker. Entlaufen: Ein hellgelber Bernhardiner-Hund m. Geschl. Hanau am 11. November 1884.
Aus Königl. Landrathsamt.
t Die Lage der Landwirthschaft in England bietet trotz der mancherlei verschiedenen Vorbedingungen und Voraussetzungen, auf denen sich die Landwirthschaft auf dem Continent und jenseits des CanalS entwickelt hat, ein sehr lehrreiches Bild für unsere Zustände und für die Mittel und Wege, welche für die Reform derselben zu erstreben sind. Eine vom Verein der Socialpolitik veranlaßte, von Professor Nasse geführte Untersuchung zeigt uns mit erschreckender Deutlichkeit den Rückgang sowohl des Bauernstandes als der landwirthschaft- lichen, besonders der ackerbautreibenden Thätigkeit in England.
Die Reste des alten freien Bauernstandes sind daselbst jetzt so gut wie ganz verschwunden. Vorwiegend ist die Consolidation des Grundbesitzes in einigen wenigen Händen, aber auch die Parcellirung hat große Fortschritte gemacht, wodurch aber keine die Landwirthschaft als Gewerbe treibenden Eigenthümer geschaffen worden sind. In England ist die Zahl der Pächter eine äußerst große und diese sowohl wie die noch vorhandenen kleinen Besitzer haben von der mehr und mehr zunehmenden Nothlage der Landwirthschaft den größte« Schaden gehabt. Ursache dieser Nothlage ist neben, namentlich in den letzten Jahren, zahlreichen Mißernten die Erstarkung der amerikanischen Concurrenz und der Freihandel gewesen, welcher die Landwirthe erheblich geschädigt hat. Die Produktion hat abgenommen, die Preise der Produkte desgleichen, während die Produktionskosten, namentlich die Arbeiterlöhne, erheblich gestiegen sind, und die Last der lokalen Steuern immer größer geworden ist. Man berechnet den Verlust der Landwirthschaft für die sechs Jahre 1875—80 im Vergleich zu 1869—74 durch Mindereinnahmen und vermehrte Ausgaben auf etwa 199 Millionen Pfund Sterling, d. h. 3980 Millionen Mark, also jährlich auf über 660 Millionen Mark. Die schwierigen Verhältnisse haben eine fortwährende Abnahme der Bestellung kulturfähigen und früher bebauten Ackerlandes zur Folge gehabt: das gesammte Ackerland betrug in England im Jahre 1871 = 5 534 000 Hectar, 1881 = 5115 000 Hectar (bei uns über 27 Millionen Hectar). Und dieser Rückgang hat sich vollzogen, trotzdem die Verschuldung lange nicht so große Ausdehnung angenommen hat wie in Deutschland: Ursache dieser Erscheinung ist, daß Besitzwechsel in England nicht so häufig eintritt, die Restkaufgelder und Erbportionen — es werden nur Renten-, nicht Kapitalforderungen in England auf das Grundstück eingetragen — die Besitzer nicht so sehr belasten und die ungeteilte Erhaltung des Besitzes Sitte ist.
Ein wenig verschuldeter Besitz vermag die ungestörte Concurrenz des Auslandes jedenfalls leichter zu ertragen, als der verschuldete. Trotzdem haben die Grundbesitzer, insbesondere die kleinen, sich wenig widerstandsfähig gezeigt. Wenn gleichwohl die Wiedereinführung von Getreidezöllen in England widerrathen wird, so ist es außerordentlich thöricht, hierin ein für uns der Nachahmung werthes Beispiel erblicken zu wollen. Das englische Klima ist dem Getreidebau bei den wenig sonnenwarmen Tagen der Insel außerordentlich ungünstig, während da§ mildere Klima im Winter und die Feuchtigkeit der Atmosphäre die Viehzucht in hohem Maße begünstigt. England hat sich also auch aus klimatischen Rücksichten mehr und mehr der Viehzucht, der Verwandlung von Ackerland in Grasland, der Ausdehnung der Weidewirthschaft zugewandt, und für den Schutz der Rindviehzucht ist es durchaus nicht unempfänglich gewesen, wie das Viehseuchengesetz vom Mai dieses Jahres beweist, welches dem „Geheimen Rath" die weitgehendste Befugniß zum Verbot der Einfuhr lebendigen Viehes gewährt.
Das Experiment, die Erweiterung der Viehzucht auf Kosten des Ackerbaues nachzuahmen, dazu fehlen Deutschland schon die natürlichen Vorbedingungen des Klimas. Die Temperaturverhältnisse nöthigen in Deutschland zu Bauten für die Unterbringung des Viehs während des Winters und zur Ansammlung von Viehsutter und kostspieliger Stall- fütterung, was bei dem milderen Klima der britischen Insel nicht nöthig ist. Für uns ist die Erhaltung des Getreidebaues, zumal bei einer im Vergleich zu England so außerordentlich großen Ausdehnung des Acker«